Dienstag, 8. Juli 2008

Australien: Roadtrip Surfers Paradise / Brisbane / Noosa

Nach unserem netten Aufenthalt bei Marty & Jess in Nerang bei Surfers Paradise machten wir uns am Montagmorgen weiter auf unseren Roadtrip. Unsere Gastgeber sind nach ihrer 4-monatigen Reise durch Süd- und Zentralamerika wieder voll von der alltäglicher Routine eingefangen und im Arbeitsstress; so blieb die Verabschiedung am Morgen kurz.

Da die beiden im Oktober ihr Erstgeborenes erwarten, ein Mädchen, wollten wir – bevor wir uns ganz vom Acker machen – noch ein kleines Geschenk für die kleine Dame organisieren. Wir wurden während der Stadterkundigung auf ein paar Outletshops der Marken "Billabong", "Curl", "Quicksilver", etc. in der Nähe aufmerksam. So machten wir dort Halt und stöberten durch die Läden. Im Billabong-Laden fanden wir das perfekte Geschenk; ein Rushvest (spezielles Leibchen, das einen im Wasser länger warm hält) in Pink in der Grösse 0. Marty erzählte uns nämlich, dass er der Kleinen, alsbald möglich das Surfen beibringen möchte :).

Auch wir deckten uns mit ein paar neuen Sachen ein. Roberto kaufte sich eine neue schwarze Badehose, eine Hose von Cult, ein weisses Hemd von Billabong und ein Paar Flipflops zu einem Spottpreis. Ich erhielt ebenfalls neue Flipflops, Short & Hose, und einen Wetsuit von Billabong zu 50 %. Einen Wetsuit wollte ich mir schon seit längerem kaufen. Bisher waren die gemieteten oder von einer Tourgesellschaft zur Verfügung gestellten Wetsuits alle zu gross und wenn man bedenkt, dass die meisten Leute in den Wetsuit pinkeln, auch nicht gerade angenehm anzuziehen. Nun kann ich hoffentlich bald Gebrauch davon machen :).

Nach unserem Einkaufsbummel war es bereits späterer Vormittag und wir fuhren nochmals kurz bei Marty & Jess vorbei, um das Geschenk für die Kleine in deren Briefkasten zu deponieren.

Gegen den Nachmittag waren wir endlich startbereit um Richtung Brisbane (70 km nördlich), weiterzufahren. In Brisbane angekommen, machten wir Halt im "Lone Pine Sanctuary". Wäre das Wetter sonnig gewesen, hätten wir gerne ein oder zwei Themenpärke besucht. In und um Brisbane befinden sich nämlich das "Movie World", "Sea World", "Dreamworld", Wet 'n' Wild, etc.

Das Lone Pine Sanctuary ist das erste und grösste Koalazentrum (es behaust über 130 Koalas) Australiens und man findet hier unter anderem auch Wombats, Kängurus, Wallabies, verschiedene australische Vogelarten, Schlangen, Krokodile und Dingoes. Im Park hat man auch die Möglichkeit einen Koala zu halten und ihn zu streicheln. Es war seit meiner Ankunft in Australien ein Wunsch von mir einen Koala "zu knuddeln" und der Park bot diese Attraktion seinen Besuchern an. Ich habe hier die Gelegenheit gepackt und einen der süssen Koalas in den Armen gehalten. Im Nachhinein muss ich zugeben, dass das Angebot eine absolute Geldmacherei ist und ich, wenn ich mich nochmals entscheiden könnte, mich dagegen entscheiden würde. Es ist ja nicht aus unerklärlichen Gründen verboten überall anders (VIC, ACT, NSW) einen Koala zu berühren Die Tiere reagieren sehr empfindlich auf die Menschengeruch (Nachlesen im Wikipedia).

Der Ablauf ist wie folgt: Man steht an einer Warteschlange an, wo man dann gefragt wird, ob man ein Foto von sich und dem Koala haben möchte. Das Problem hier ist, dass man selber keine Fotos machen darf, sofern man nicht zuerst Foto des Parks kauft! Hierfür ist extra ein Mitarbeiter angestellt worden, der von den Besuchern und den Koalas Fotos mit einer ziemlichen Amateurkamera schiesst. Dieses kann man anschliessend für satte AU $ kaufen. Und nur beim Kauf dieses Fotos darf der Partner selber Fotos machen. So muss man sich also bereits im Vorhinein entscheiden, ob man ein Foto kaufen möchte. Das ganze Prozedere war eine regelrechte Abfertigung, an der ich nun teilgenommen habe. Unter anderen Umständen würde ich natürlich gerne nochmals einen Koala kurz halten, aber nie wieder würde ich dies unter diesen Bedingungen tun. Auch kam Roberto praktisch nicht dazu mich mit dem Koala zu fotografieren, denn schon nach zwei Minuten wurde er mir wieder entrissen.

Wie bereits erwähnt, werden nebst den Koalas auch andere Tierattraktionen im Lone Pine Sanctuary angeboten. Auf einem grossen Gelände hat man ebenfalls die Möglichkeit die Kängurus und Wallabies zu füttern und sie zu streicheln. Wir begaben uns nur kurz in das Gehege, streichelten ein paar Kängurus und machten uns kurz später Richtung Ausgang. Wir verbrachten gut 2 Stunden im Park und machten uns danach auf die Suche nach einem Schlafplatz.

Die Fotos vom Tierpark möchten wir Euch natürlich nicht vorenthalten:

Gelandet sind wir im überteuerten Endeavour Caravan Park nördlich von Brisbane. Da es bereits dunkel war, hatten wir keine Lust mehr in der Gegend herumzufahren, um nach einer anderen Übernachtungsmöglichkeit Umschau zu halten. Der Endeavour Caravan Park machte uns von Anfang an einen üblen Eindruck. Die Umgebung war hässlich, die Leute alle ein bisschen durchgedreht und über die Toiletten verliere ich hier keine Worte. Viele Leute schienen das ganze Jahr hindurch in diesem Caravan Park zu leben. Zum Glück war es für nur eine Nacht.

Am nächsten Morgen sind wir spät aufgestanden. Wir hatten gehofft, dass der Regen bald aufhören würde, da es bereits die ganze Nacht hindurch geregnet hatte. Das Wetter schien sich nicht zu bessern, so mussten wir uns im Regen auf den Weiterweg vorbereiten. Wir hatten leider nicht sehr viel Glück mit dem Wetter in den letzten Tagen und es scheint Tatsache zu sein, dass wir mit dem schlechten Wetter gereist sind.

Auf der Weiterfahrt machten wir noch Halt in ein paar Städten, u.a. Noosa Heads, einem Bezirk von Noosa, welcher sich über 7 km Küstengebiet erstreckt. Wir hatten keine Ambitionen uns die Küstenstadt Noosa Heads am nördlichen Ende der Sunshine Coast näher anzusehen, obwohl es eine sehr attraktive Stadt mit ungemein schönen Häusern und Gebäuden ist. Das lag wohl am schlechten Wetter :). Noosa Heads ist übrigens die Stadt der Berühmtheiten, so steht es auf jeden Fall in unserem Guidebook :). Hier findet man Luxushotels, Designerläden, gute Restaurants, wobei sich alles im Überschaubaren hält. Gegenüber Surfers Paradise, der Goldküste, findet man an der Sonnenscheinküste bei Noosa Heads Ruhe und ein relaxtes Ambiente und sehr gute Wellen; die letzten guten Wellen vor dem Great Barrier Reef.

Wir schauten uns die Stadt vom Auto aus kurz an und holten uns im örtlichen Infocenter Informationen bezüglich "Great Sandy Nationalparks" ein, wohin wir uns am gleichen Tag auf den Weg machten. Mehr dazu im Bericht zum Great Sandy Nationalpark.

Samstag, 5. Juli 2008

Australien: Booti Booti Nationalpark / Grassy Head / Surfers Paradise

Am Morgen sind wir das erste Mal auf unserem Roadtrip mit Regengüssen konfrontiert worden. Was für ein Start in den Tag :).

Da Sightseeing bei Regen und Nebel sowieso keinen Spass bereitet, schlichen wir den interessanten Spots davon und fuhren durch bis Port Macquarie. Ursprünglich planten wir in der Stadt Forster, beim Fisherman's Wharf, die "Dive Forester" Agentur zu besuchen und um uns zwei Arten von Touren zu informieren. Einerseits bietet die "Dive Forester" ein Package an, wo man mit Delphinen schwimmen bzw. schnorcheln kann für einen ziemlich zugänglichen Preis von AU $ 60.00. Andererseits kann man anscheinend (gemäss Werbung) eine Schnorcheltour buchen, wo man die Humpback-Wale von Nahem sehen könne. Gemäss Infobüchlein kann man auf diese Art die gigantischen Meeresbewohner von ca. 10 – 15 Meter Abstand beobachten. Das Tauchen mit den Walen ist jedoch nur in den Monaten August und September möglich. Zudem bietet dieser Tauchorganisator verschiedene Tauchgänge an für ca. AU $ 65.00. Vielleicht fahren wir ja nochmals zurück und versuchen unser Glück.

In Port Macquarie angekommen, fuhren wir zuerst an den wunderschönen Strand und genossen den Ausblick. Die Strandanlage und die Umgebung sind sehr schön gestaltet und auch hier bleibt man vom Tourismus nicht verschont. Langen Halt machten wir in dieser Stadt nicht. Wir besuchten das Roto House (eines der ältesten Häuser in der Umgebung) und das direkt danebenliegende Koala Krankenhaus. Der Eintritt in das Roto Haus sowie in das Koala Krankenhaus ist gratis. Wir haben uns die kranken und betagten Koalas angesehen und uns tiefgründiger über das Zentrum informiert. Die uns gegebenen Informationen möchten wir Euch natürlich nicht vorenthalten:

"Im Koala-Krankenhaus werden jedes Jahr 200-300 Tiere behandelt, die in einem Umkreis von 100 km leben. Die Neuzugänge und die schwer kranken Tiere werden auf der Intensivstation gepflegt. Wenn die Koalas das Schlimmste überstanden haben, werden sie in die schönen Aussengehege gebracht, wo sie die Sonne und die frische Luft geniessen können. Wenn sich die Tiere erholt haben, werden sie in ihren früheren Lebensräumen wieder freigelassen. Die meisten Helfer im Park leisten Freiwilligenarbeit.

Die Vernichtung des Lebensraums der niedlichen Beuteltiere, um neue Gebäude und Strassen zu bauen, stellt eine grosse Gefahr für die Koala-Population dar. Buschfeuer, auf der Strasse angefahrene Tiere und Hundebisse sind weitere Ursachen, die eine Behandlung im Krankenhaus nötig machen. Das Spital arbeitet im weiteren eng mit der Universität Sydney zusammen, mit dem Ziel, die durch Chlamydia-Bakterien hervorgerufenen Krankheiten dank Forschung besser heilen zu können.

Allgemeine Infos:
§   Die Hauptpaarungszeit ist von Oktober bis Januar.
§   Bei der Geburt nach einem Monat ist das Jungtier so gross wie eine Erdnuss.
§    Wegen der geringen Energiegehalts der Eukalyptusblätter schläft der Koala etwa 18 Stunden am Tag. Er frisst ca. 500 -1000 Gramm Blätter pro Tag, hauptsächlich in der Nacht.
§   Von den etwa 600 Eukalyptusarten nimmt der Koala etwa 40 zu sich.
§   Weibchen werden 15-18 Jahre, die Männchen 10-15 Jahre alt
§    Männliche Koalas haben zusätzlich eine Duftdrüse auf der Brust, mit der sie ihr Revier markieren."

Möchte man das Zentrum zudem auf irgendeine Art unterstützen, sind Spenden jederzeit willkommen oder man adoptiert einen der kranken Koalas.

Nach unserer Besichtigung der Koalas machten wir uns bereits wieder auf den Weg auf dem Pacific Highway in den Norden. Unsere nächste Wunschdestination war Scotts Heads, ein weiterer guter Surfspot. Gelandet sind wir schlussendlich in Grassy Heads, unweit von Scotts Head. Wir fanden eine sehr schöne Campinganlage namens Grassy Head Tourist Park (gratis Telefonnummer: 1800 00 66 00) nur 100 Meter vom Meer und von einem anderen Surfspot entwerft. Die ganze Anlage ist sehr sauber und zudem ist der Park nicht all zu touristisch (gemäss der Betreiberin: die letzte friedliche nicht touristische Oase in dieser Gegend). Wenn man sich gut umschaut, kann man sogar ein Blick auf vereinzelte Kängurus auf dem Gelände erhaschen. Die Dame an der Rezeption meinte, dass dies noch eines der wenigen Orte in dieser Gegend sei, wo der Tourismus noch nicht zu 100% eingeschlagen habe. Leider verfolgte uns das schlechte Wetter bis hierhin. Gerade als wir am Strand entlang laufen wollten, machten sich dunkelgraue Wolken am Horizont bemerkbar und wir eilten zurück zum Campingplatz. Wir schafften es genau noch rechtzeitig, um vom Regen verschont zu bleiben.

Am Abend guckten wir uns noch den Film "The Proof" auf dem Laptop an und da es sonst nicht viel zu machen gibt, gingen wir früh schlafen. Der nächste Morgen war wieder ziemlich regnerisch und dies zerstörte ein bisschen die Stimmung und Vorfreude aufs weitere Reisen. Ein Roadtrip bzw. Camping-Roadtrip ist nicht gerade das aufregendste bei stetigem Regen. Und es war an diesem Morgen, wo ich und Roberto uns entschliessen bzw. eingesehen haben, dass es langsam an der Zeit ist, langsam die Reise zu beenden und wieder zurück in die Schweiz zu kommen. Ich sehne mich schon seit längerem wieder etwas Festes zu haben (die eigenen vier Wände) und nehme teilweise neue Gegenden nicht mehr wahr. Zusammen sind wir doch bereits ein Jahr unterwegs und wir sind einfach schlichtweg müde vom Reisen. Alles Schöne nimmt irgendwann ein Ende zu. So werden wir unseren Roadtrip hier in Australien beenden, dann unsere Flüge nach Bali und Singapure noch ausnützen und im Oktober (wenn alles nach Plan klappt) wieder zurück in der Schweiz, home sweet home, sein:).  Dies ist unsere ehrliche Entscheidung und hat mit überhaupt keinen anderen Einflüssen (finanziellen vielleicht ein wenig) zu tun.

Nun bin ich ein bisschen ausgeschweift und komme nochmals zurück zum regnerischen Morgen. So fuhren wir stillschweigend weiter nördlich und machten kurz Halt in Coffs Harbour. Hier gäbe es die Möglichkeit im "Pet Porpoise Pool" eine interaktive Session mit einem Delphin zu buchen (Kostenpunkt ca. AU $ 200.00/Person). Es wird gross Werbung gemacht, dass jeder Besucher einen Kuss von einem Seelöwen erhält. Nun, die ganze Sache hat uns überhaupt nicht überzeugt und stinkt irgendwie zum Himmel. Die Vermarktung verläuft ganz anders als in Mo'orea in Französisch Polynesien, wo wir im Frühling dieses Jahr das Vergnügen hatten, einen Delphin näher kennen zu lernen. In Coffs Harbour hat man eher das Gefühl in einer Abfertigungsmaschine gelandet zu sein. Es werden u.a. Delphin- und Seelöwenshows für die Zuschauer angeboten.

Da es immer noch in Regen strömte, verbrachten wir fast den ganzen Tag im Auto und fuhren soweit möglich in den Norden bzw. zu Marty und Jess in Nerang, einem Vorort von Surfers Paradise. Bevor ich zu unserer Begegnung mit Marty & Jess komme, möchte ich noch erwähnen, dass wir vorher noch Halt in Byron Bay gemacht haben. Roberto hat hier damals ein paar wunderschöne Monate verbracht und hat mich durch die kleine Stadt geführt. Es gibt viele Geschichten über Byron Bay und vermutlich leben dort jetzt mehr Ausländer als Australier. Ehemals ein originales Hippie-Dorf, wurde es zum Pseudo-Hippie-Dorf, als die Neureichen und andere verkannte reiche Genies einzogen. Ursprünglich gab es genau zwei Surfshops, von welchem einer Mike der Besitzer war und Roberto wohnte bei ihm und seinen Hunden damals. Seit Jahren folgen heute scharenweise Leute aus der Ganzen Welt einer Legende, die niemals da gewesen ist, ausser, dass die Leute, die damals Byron Bay besiedelt hatten, diesen Ort als Oase der Zufriedenheit und Freude sahen und es ein paar sehr gute Surfspots gibt. Viel verändert hat sich nicht, ausser, dass alles ziemlich modernisiert wurde und ein paar Dutzend neue Surfshops vorhanden sind. Die Hippies sind heute noch dort, aber halt auch modern J.

Wie oben erwähnt, kamen wir nach langer Fahrt (über 400km) in Nerang beim Surfers Paradise so gegen ca. Uhr an und machten Halt bei Marty & Jess. Wir waren jedoch vorher noch mit der Haussuche beschäftigt. Wir hatten bei unserer Ankunft in Nerang nur den Strassennamen und keine Auskunft darüber, wo genau an der Strasse die beiden leben. Unser Mobiltelefon war in jenem Moment ausser Gefecht und so fuhren wir in der Nachbarschaft herum und suchten uns einen gratis Wifi-Internetzugang. Wir wurden fündig, starteten das Skype Programm und sendeten Matty ein SMS via Internet. Nach ein paar Minuten öffnete sich eine Tür und wir sahen Jess an der Türe stehen. Wir haben Marty & Jess im Februar 2008 in Florianopolis, Brasilien [LINK] kennengelernt und viel Zeit mit den beiden verbracht. Vor allem Roberto und Marty, die beiden gingen damals jeden Morgen zusammen in brasilianischen Gewässern surfen und rutschten auf den unzähligen Kondomen auf den Wegen hinunter zu den Surfspots dort gelegentlich aus (es war nämlich gerade so eine Gay Parade im Dörfchen).

Und nun, nach 5 Monaten, treffen wir die beiden an der Goldküste Australiens wieder. Die beiden geben ein sehr süsses Paar ab und erwarten im Oktober ihr Erstgeborenes, welches damals in Brasilien gezeugt wurde. Leider waren die beiden auch etwas sehr beschäftigt, der Alltag hatte sie wieder gepackt und Marty ist gerade im Begriff eine steile überaus lukrative Karriere als Real Estate Agent anzugehen. Er hatte 10 Jahre lang in London als REA gearbeitet und Jess und er hatten sich dort kennen gelernt. Nach wochenlangem Suchen und einigen Eignungstests bekam er den Job mit einer sehr prestige-trächtigen Firma und bekam zudem auch gerade eine Wohngegend in Surfers Paradies zugewiesen, bei welchen die Preise für Liegenschaften ab einer halben Million bis einigen Millionen liegen. Wie bekamen einen kleinen Einblick in die Villen, die er in Zukunft gedenkt an vorwiegend Neuseeländer und Asiaten zu verkaufen. Da er selbst Neuseeländer ist, hat er da einen kleinen Vorteil. Er kriegt 40%-60% des Mehrwertes eines Verkaufs oder 5% eines fix abgemachten Preises, wenn das Haus oder Anliegen unter den Hammer kommt. Er arbeitet im Moment noch 6-7 Tage die Woche, aber sobald er sich etwas etabliert hat, will er sich einen Sprössling suchen, der ihm die leidige Arbeit dieses Business abnimmt. Dann kann er sich wieder mehr der Familie und dem baldigen Familienzuwachs widmen und auch wieder öfters surfen gehen.

Das Haus in welchem sie wohnen hat uns sehr gut gefallen, vor allem aber der Hintergarten mit dem beleuchteten Swimming Pool und der sehr grosszügigen Holzveranda mit grossem Tisch und BBQ-Anlage. Alles sieht sehr einladend für ein paar nette Sommerabende unter Freunden aus. Sie suchen sie aber schon etwas Neues und Grösseres sobald der Nachwuchs da ist. Einen Zuwachs zur Familie haben sie schon, eine kleine 9 Wochen alte Hündin (Stefford??) namens Bella, welche gerade das Konzept von stubenrein lernt und vor Aufregung über unsere Ankunft gleich ein paar Pfützen in die Wohnung platziert.

Als wir ankamen waren wir eigentlich todmüde, aber Marty und Jess luden uns noch auf zwei Parties ein, da sie selbst eigentlich nicht gehen wollten. Die eine Geburtstagsparty war von einer 61-jährigen, welche ihren 40-sten Jahrestag des nicht gefeierten 21-sten Geburtstages (der 21-ste Geburtstag ist etwas ungemein Wichtiges in Australien, aber ich werde an dieser Stelle nicht näher darauf eingehen) feierte und bei welchen Marty's Eltern eingeladen waren. Leider hatte Roberto keine Kleider mehr zum Anziehen und wir hatten erst begonnen zu waschen und es gab auch keinen Tumbler. Marty jedoch lieh ihm ein paar Fetzen aus seiner Garderobe und so verliessen wir die warme heimelige Stube, um uns auf die erste gut 30km entfernte Party zu begeben.

Dort angekommen, waren die Leute sehr glücklich über unsere Ankunft und wir wurden (obwohl unangemeldet, aber das spielt bei Neuseeländern und Australiern selten eine Rolle) sehr herzlich willkommen geheissen. Es waren sehr lustige und interessante, meist ältere Leute anwesend und der Herr des Hauses war gerade im Begriff den BBQ-Grill anzuschmeissen. Die Jubilarin zeigte stolz einen wackeligen Handycam Film von ihrem Geburtstagsgeschenk, was eine Art Fallschirmflug an einem Boot angemacht (mir kommt die genaue Bezeichnung dieses Sports nicht in den Sinn) war auf dem übergrossen LCD Fernseher; wir staunten nicht schlecht über die sehr jung gebliebene 61 Jährige. Wir lernten auch Martys Zwillingsbrüder und seine Eltern kennen, welche alle sehr easy-going und witzig waren. Nach einem Festschmaus und etwa 1.5 Stunden später verabschiedeten wir uns wieder, da wir noch eine zweite Geburtstagsparty besuchen mussten. Diese war wieder eine 20 Minuten Fahrt durch Surfers Paradise und als wir bei der Sportsbar ankamen, sahen wir eine freucht-fröhliche Gesellschaft; wir hatten den Kulminationspunkt dieser Party offensichtlich verpasst und waren sichtlich zu wenig betrunken, um uns dort wohl zu fühlen. Die restlichen Gäste störte es auch nicht gross, als wir uns nach einem Bier und gut 30 Minuten später wieder aus dem Staub Richtung Hause machten.

Zuhause angekommen fielen alle nur noch ins Bett und schliefen zufrieden ein. Am Morgen versuchten Marty und Roberto ihr Glück mit Surfen, aber wie so oft hatten sie kein Glück. Sie suchten etwa 35km Strand ab, von ihrem Zuhause bis nach Coolangatta, jeden einzelnen Surfspot, aber überall waren die Wellen entweder zu klein oder zu verblasen. So kehrten sie zurück, um sich einen Kaffee zu machen und den verregneten Morgen zu verwünschen. Wir Frauen waren mittlerweile auch schon aufgestanden und wir wurden kurze Zeit später von Jess' Mutter begrüsst, welche sich schon eingefunden hatte, um mit ihrer Tochter an den Sonntagsmarkt zu gehen und Früchte einzukaufen. Jess' Mutter sieht trotz ihres Alters immer noch blendend aus und scheint sich extrem fit zu halten. Auch nach einigen interessanten Gesprächen ist es uns nicht ganz klar geworden, was ihre Berufung ist, aber sie scheint so eine Art Astrophysiologin zu sein, welche mit alternativen Heilmethoden und entspannenden Massagen (deren Namen wir beim besten Willen nicht mehr rekonstruieren könnten) Leuten mit hohem Arbeitsstress hilft. Alles in allem bekamen wir sie nur kurz zu Gesicht, aber es scheint eine sehr interessante Persönlichkeit zu sein.

Marty und Jess machten sich auf den Weg und wir entschieden uns Surfers Paradise näher zu erkunden, zumal Roberto mir versprach, die Stadt etwas zu zeigen. Wir versuchten unser Glück auch nochmals mit dem Abklappern einiger Surfspots bis fast nach Coolangatta, aber auch ein paar Stunden später schien sich das Meer noch nicht beruhigt zu haben. So fuhren wir wieder zurück Richtung Surfers und kamen auf dem Rückweg noch bei einer Konditorei vorbei, welche am Sonntag geöffnet hatte. Auf die Bremsklötze getreten und schon standen wir vor einer riesengrossen Auswahl an schmackhaft aussehenden Quark- und anderen Crèmetorten. Wir entschieden uns für eine Art Schwarzwäldertorte ohne Schwarzwälderkirschen drin und kauften gleich die Hälfte für gut AUD 15.00$. Mit der Torte auf den Knien brausten wir in die Partystadt Surfers Paradise und Roberto versuchte sich zu erinnern, wo es sich lohnt mit dem Auto durchzufahren, um möglichst vieles von der Stadt zu sehen. Wir fuhren dem Surfers Paradise Boulevard entlang und genossen den Anblick auf eine Mischung zwischen Los Angeles und Las Vegas. Hier findet das Shoppingherz der Dame alle Läden mit Rang und Namen, Wolkenkratzer mit Lofts für die Leute, welche in den zahllosen Kasinos dem Weg entlang ihr Konto aufbessern konnten. Die Rundfahrt hat mir sehr gut gefallen. Nachdem wir etwa eine halbe Stunde herumgekurvt waren, verliessen wir die Stadt wieder Richtung Nerang. Bei unseren Freunden angelangt, wiederholte sich das Schauspiel und wir kontaktierten Marty ein weiteres Mal, damit er Jess aus der Dusche jagen konnte, damit sie uns die Haustür öffnete. Da es leider immer wieder regnete, waren unsere Kleider immer noch nicht trocken und wir hofften, dass sie über Nacht wenigstens trocken würden; Roberto jedoch hatte sich schon sehr an Martys Kleider gewöhnt.

Am Abend kochte Marty und obwohl wir schon wussten, dass beide sehr gute Köche waren, übertraf er unsere Erwartungen vollends, als er einen Roast (Braten) im Ofen zubereitete mit gegrilltem Gemüse und selbst gemachtem Kartoffelstock und einer selbst gemachten Bratensauce. Wir schlugen uns alle den Magen voll mit dem wirklich vorzüglichen Mahl. Irgendwie vergassen wir fast, dass wir ja noch eine hoffentlich gute Torte im Kühlschrank hatten J. Diese wurde jedoch eine Stunde später auch noch entdeckt und durfte als krönender Abschluss eines wirklich edlen und ruhigen nicht fehlen; wir konnten uns kaum mehr bewegen, aber es tat so gut, wieder einmal so ein reichhaltiges und klar differenziertes Mahl zu sich zu nehmen, nach Tagen der Campingkocherkunst.

Der nächste Tag offenbarte sich, wie auch nicht anders zu erwarten, intermittierend regnerisch und bewölkt. Die Kleider wurden dadurch über Nacht noch ein zweites Mal gewaschen, obwohl wir das nicht für nötig befunden hätten. Wir stopften die halbtrockenen Kleidungsstücke in den Waschsack und luden unser Zeugs in den Landcruiser; Zeit Abschied zu nehmen von unseren Freunden an der Goldküste. Wir waren wieder auf der Strasse J.

Die Bilder findet ihr hier:



Donnerstag, 3. Juli 2008

Australien: Roadtrip Newcastle / Nelson Bay / Booti Booti Nationalpark

Für heute Vormittag war eine Wal Beobachtungstour geplant. In den Wintermonaten schwimmen nämlich die Humpback Wale an der Ostküste Australiens vorbei, wo sie sich paaren und gegen Oktober wieder zurück in die arktischen Gewässer schwimmen. Daher ist "Whale-Watching" momentan die grösste Attraktion an der Ostküste Australiens. Nachdem Roberto beim Surfen in Batemans Bay bereits drei Wale gesehen hat, wollte ich es natürlich nicht missen, auch in den Genuss der Humpback Wale zu kommen. So entschlossen wir uns spontan mit dem "Imagine Katamaran" (Startpunkt Nelson Bay) eine dreistündige Tour zu machen. Von Nelson Bay starten übrigens täglich dutzende von Booten ihre Dienste für die Touristen. Entweder man schliesst sich einer "Dolphin-Watching-Tour" (Bottlenose Delphine sind im Port Stephens zu Hause) an oder entscheidet sich für eine Wal Beobachtungstour.

Nelson Bay befindet sich übrigens auf der Tomaree Halbinsel (Port Stephens) und ist über gute 40 km von Pacific Highway aus erreichbar. Möchte man wieder auf die Autobahn gelangen, muss man dieselbe Strecke wieder zurückfahren. Die 26 goldenen Sandstrände auf der Peninsula werden gut vermarktet und man findet zig verschiedene Campinganlagen. Günstig sind sie jedoch nicht. Man mag es fast nicht glauben, die eine Campinganlage in der Nähe des Little Beach, verlangte über AU $ 30.00 für das Parkieren unseres Autos auf ihrem Gelände und die Benützung der Toiletten und Duschen. Die Strände sind aber tatsächlich wunderschön, wenigstens jetzt in den Wintermonaten, wo die Strände praktisch leer sind. Ein berühmter Strand ist der Stockton Beach, wo man mit einem 4x4 Wagen entlang fahren kann. Hierfür benötigt man jedoch die Erlaubnis der örtlichen zuständigen Stelle und eine 10 Dollarnote:). Hinter dem Stockton Beach befinden sich hochragende Sanddünen, welche zum Sandboarden einladen (natürlich sind diese im Vergleich zu den Sanddünen in Peru nicht gross erwähnenswert).

Zurück zu unserer Wal-Beobachtungstour. Der Imagine Katamaran startete pünktlich um Uhr. Es dauerte eine Weile bis wir einen Wal sehen konnten, bzw. einen winzigen Teil davon. Wir konnten insgesamt zwei Wale sehen, jedoch waren diese sehr weit weg von uns entfernt und während der ganzen Tour haben wir die Wale leider nicht richtig zu Gesicht bekommen. Wir sahen von weitem mehrmals die Flossen und den Buckel, mehr jedoch nicht. Ich möchte jetzt nicht jammern, aber ich habe mir die Wal-Beobachtungstour ein bisschen aufregender vorgestellt und gedacht, man bekäme die Wale von Nahem zu sehen. Wenn man also Glück hat, sieht man auf solch einer Tour mal einen Wal springen ("breaching", wie es die Experten nennen). Der Kapitän verstand unsere Enttäuschung und offerierte uns für den nächsten Tag eine Tour für den halben Preis. Wir sagten dem noch nicht zu und warteten ab, wie unsere Stimmung und auch das Wetter am nächsten Morgen sein würden. Es windete nämlich heftig und uns wurde gesagt, dass bei groben Seegang die Wale auch keine Lust zum Rumspringen hätten.

Nach der enttäuschenden Tour fuhren wir ein bisschen den Stränden "Shoal Bay, "Zenith Bay" und "Birubi Point" entlang und schauten Ausschau nach surfbaren Wellen. Leider hatten wir kein Glück mit den Wellen, diese waren an diesem windigen Tag einfach nur "flat" oder "mushy, murky" :(. Dafür wurden wir mit ein paar Sonnenstrahlen belohnt. Gegen den späteren Nachmittag fuhren wir an den Little Beach, schauten uns den romantischen Sonnenuntergang an, und gingen alsbald schlafen. Wir entschieden uns am Strand zu übernachten (im unserem bequemen Auto wohl bemerkt). Den Tipp mit dem "Little Beach" erhielten wir vom Kapitän des "Imagine Katamarans". Er meinte nämlich während der Tour, er sehe oft Leute am hiesigen Strand übernachten.

Am nächsten Morgen wachten wir pünktlich bei Sonnenaufgang auf und waren vollkommen alleine am Strand, bis zu jenem Zeitpunkt, wo Roberto sich kurz entschuldigte und sich ins Gebüsch davonmachte. Wieso er sich hinter die Gebüsche begeben hat, wird hier wohl allen klar sein :). So war er in dieser Minute vollkommen alleine und alsbald er verschwunden war, rannte ein Morgenläufer an mir vorbei in Robertos Richtung. Als wäre das nicht genug, fuhr genau in diesem Moment ein Motorboot an der Küste entlang und diese Kombination erschreckte Roberto dermassen, dass er vor lauter Überraschung umfiel. Das wäre ja kein Problem, wenn man die Hosen schon oben hätte und wenn die Richtung des Umfallens optimal gewählt wäre. Aber dem war leider nicht so und näher wollen wir es auch gar nicht beschreiben. Jedenfalls war das ein absoluter Lacher für uns beide, von dem wir uns erst nach einer Weile erholen konnten :).

Der neue Tag brachte uns leider schlechtes Wetter. Aus diesem Grund entschieden wir uns, keine Wal-Beobachtungstour mehr zu machen (trotz der Offerte des halben Preises).  So fuhren wir am späteren Morgen los Richtung Norden und machten Halt beim Informationszentrum in Bulahdelah. Roberto informierte sich über Campingmöglichkeiten in der Region und über nahe liegende Sehenswürdigkeiten. Bezüglich Camping wurde uns empfohlen, im Booti Booti Nationalpark zu parkieren und zu campen (ein bestimmten Orten). Die Ranger machen nach Uhr sowieso Feierabend und nach dieser Zeit interessiere es niemanden, ob nun jemand Halt für die Nacht mache oder nicht. Das Problem in NSW ist, dass man überall Camping-Vorbotsschilder vorfindet und man nicht einfach an den Strand fahren kann und dort übernachten.

Des Weiteren empfiehl uns der nette Herr vom Informationszentrum, den Seal Rocks im Myall Lakes Nationalpark zu besuchen. Hier hätte es einerseits einen guten Surfspot und man könne, wenn man Glück hat, Wale im Bay observieren.

Wir fuhren daraufhin zuerst in den Myall Lakes Nationalpark vorbei am Myall Lake zum Seal Rocks. Der Nationalpark beherbergt u.a. Koalas, Wallabies, Possums und verschiedene Arten von Vögeln. Der Strand bei Seal Rocks mit seinem kristallklaren Wasser hat uns sehr gut gefallen und lud uns zu einem Spaziergang ein. Direkt am Seal Rocks ist übrigens eine Campinganlage vorzufinden, welche eine herrliche Lage einnimmt. Die Gegend ist sehr ruhig und wunderschön! Die Strände Australiens gefallen mir im Generellen sehr gut – vor allem wenn die Sonne scheint.

Langsam aber sicher knurrten unsere Mägen und wir fuhren der Lake Highway entlang zum Booti Booti Nationalpark Ausschau haltend nach einem netten Örtchen um unsere Kochnische auszupacken :). Der Elizabeth Beach war hierfür perfekt…

Übernachtet haben wir schlussendlich im "Pacific Palms Caravan Park". Ich habe meinerseits – gemäss Aussage von Roberto – bereits zu viele Horrorfilme gesehen und hatte an jenem Abend ein unwohliges Gefühl einfach am Strand zu übernachten :).

Die Bilderserie gibt's natürlich auch hier (ohne das Missgeschick):

Mittwoch, 2. Juli 2008

Australien: Roadtrip Batemans Bay to Swansea (Newcastle)

Von Batemans Bay aus fuhren wir auf dem Princess Highway Richtung Wollongong. Diese Strecke führt an einigen Nationalpärken am Strand vorbei, u.a. dem 7 Mile Beach Nationalpark, wo mir über Mittag kurz Halt und alleine am Strand ein Picknick gemacht haben. Das Wetter war für die Winterverhältnisse sehr schön und wir lauschten dem Meer zu und genossen die Ruhe. In den Sommermonaten sieht das ganze alles anders aus bezüglich Touristen, daher sind wir eigentlich froh darum, einen Teil Australiens jetzt so alleine zu sehen. So unerträglich waren die Wintermonate bisher gar nicht. Die Sonne scheint tagsüber trotzdem, nur liegen die Temperaturen tagsüber um die 15-20° hier an der Küste von New South Wales. In ein paar Tagen werden wir dann endlich an der Nord-Ostküste sein und uns über das Wetter keine Gedanken mehr machen müssen :). Wenigstens hoffen wir das.

Nach unserem Picknick richteten wir unser Bett zurecht, um ein Nickerchen zu machen. Während unseres Roadtrips werden wir eigentlich mehrheitlich in unserem Landcruiser schlafen, welcher im hinteren Teil genügend Schlafraum für uns beide bietet. Wir haben unsere Liegematten ausgelegt und schlafen auf einer neu gekauften und bequemen Daunendecke (welche über die Matten ausgelegt ist). Man will es fast nicht glauben, aber es ist wirklich sehr bequem :). Unser Zelt haben wir natürlich auch dabei und wenn sich die Möglichkeit ergibt, werden wir sicher auch Mal unser Zelt wieder in Betrieb nehmen. Auf diese Weise, können wir uns die teuren Unterkunftsgebühren sparen und müssen mit max. ca. AUD $ pro Nacht rechnen. Die Campingplätze mit Duschen und Toiletten verlangen leider teilweise diese horrende Preise. Wenn es sich ergibt, schlafen wir irgendwo in einem Park im Busch, aber man muss in NSW aufpassen, wo man im Freien übernachtet, denn die Ranger sind äusserst rigoros im Bussen verteilen. Es hat sich vieles geändert, seit Roberto das letzte Mal länger auf einen Roadtrip gegangen ist. Damals schlief er überall einfach wo es ihm passte ohne Entgelt, benutzte die öffentlichen Duschen und kaufte sich für AUD $2.00 eine Packung Fish'n'Chips, die ihn einen Tag nährte; Diesel kostete damals maximal 60 Cents der Liter, im Moment bezahlen wir rund AUD $1.80.

Ausgeschlafen fuhren wir dann weiter bis zum niedlichen Städtchen Kiama. Hier scheint der Tourismus in den Sommermonaten auch zu boomen, überall findet man Hotels, Motels, etc. wieder. Nichtsdestotrotz ist die Stadt wirklich schön und bietet dem Durchreisenden Blicke auf ein paar schöne Gebäude. Wir sind auf der Suche nach dem Blowhole aus versehen in ein Wohnquartier gefahren und staunten nicht schlecht über die Häuser! Wie gerade erwähnt, hat die Stadt eine grosse Attraktion, nämlich das Blowhole (wenn die Wetterbedingungen, vor allem aber Tide-Höhe und Richtung, es erlauben, spritzt die Wasserfontäne bis zu 6 Meter hoch).

An diesem Nachmittag war der Ozean aber zu ruhig, als dass man hätte das Blowhole in seiner Glorie betrachten können. Nun ja, da wir schon viele Blowholes auf unserer Reise gesehen haben, war dies eigentlich nichts Neues für uns und wir informierten uns dann über günstige Campingmöglichkeiten im Informationszentrum. Die Dame am Infostand meinte, dass die günstigste Campinganlage im State Park Killalea läge. Dieser Park ist ziemlich gross und bietet viele Picknickmöglichkeiten, BBQs, Camping, Schwimmmöglichkeiten, Bushwalks, etc. Im Park findet man auch wunderschöne Strände, die sich über 8 km hinausstrecken. Die "Mystics Beach" und "Farm Beach" sind bekannt unter den Surfern. Gemäss dem Ranger, befinden sich an Wochenenden ca. 80 Surfer in den Wässern anliegend an den Parks.

Gratis Camping gäbe es in Kiama und Umgebung nicht. Ausser einer Autoraststätte 5 km nördlich vom Kiama. Da wir aber doch eine Dusche brauchten, entschieden wir uns in den nördlich liegenden State Park Killalea zu fahren. Bei unserer Ankunft machte das Wetter bereits schlechte Miene und wir trafen bei unserer Ankunft den Parkranger an, der uns freundlich begrüsste. Wir fragten ihn, ob er uns mit dem Preis entgegen kommen könne, aber leider stand es nicht in seiner Macht, uns weniger für die Übernachtung zu belasten. Dafür bekamen wir gratis Brennholz und machten uns kurz darauf ein Feuerchen. Wir waren übrigens fast alleine im Campingplatz. Wir legten eine Decke vor dem Feuer aus und genossen die Wärme und den klaren Sternenhimmel. Es war wirklich herrlich!!! Da wir schon ein Feuer brennen hatten, entschieden wir uns für den Abend Pasta zu machen und füllten unseren Kochtopf mit Wasser und stellten ihn auf die heisse Platte über dem Feuer. Hungrig warteten wir auf das Aufkochen des Wassers, doch nahm das Prozedere eine lange Zeit in Anspruch, denn der Topf stand auf einer gut 1cm dicken Eisenplatte und darunter waren gut 15cm entfernt die heissen Kohlen. Das Wasser kochte nicht richtig auf und so entschlossen wir uns einfach die Pasta in das Wasser zu schmeissen, auch wenn es noch nicht richtig kochte. Das Resultat: Wenigstens hatten wir Tomatensauce von Rina erhalten und hatten guten Parmasankäse dabei. Die Teigwaren waren leider sehr matschig :).

5 Minuten nach dem Essen fing es an zu regnen und wir verkrochen uns in unseren  Schlafplatz. In der Nacht windete und regnete es heftigst! Teilweise spürte man, wie das Auto hin und her wackelte :). Ein bisschen Abenteuer tut niemandem Weh :).

Am nächsten Morgen assen wir in aller Ruhe Frühstück und Roberto backte sogar ein paar Brötchen auf der Barbecue Platte. Wir trafen dann noch zwei Surfer an, die auch in der Anlage übernachtet haben und Ausschau nach guten Wellen hielten. Wir fuhren dann natürlich auch zum Farm Beach hinunter (diesmal ich am Steuer) und die Wellen waren ca. 0.5 M. hoch und nur für "Longboarder".

So machten wir uns Richtung Wollongong (eine Studentenstadt), welche Roberto besonders am Herzen liegt. Hier verbrachte er nämlich vor über 10 Jahren unvergessliche Tage zusammen mit seiner Cousine Maria, die damals hier studierte. Die unvergesslichen Tage von damals sind nämlich mit lauter Partymachen verbunden :). In Wollongong machten wir kurz Halt, schauten uns das Städtchen im Schnellrundgang an, besuchten den Lookout Point mit Aussicht über Wollongong und des Weiteren planten wir unsere Weiterreise. Eigentlich wollten wir in Wollongong weitere Familienmitglieder Robertos besuchen, aber leider waren sie genau heute im Norden an einem Footballgame.

So machten wir unseren Weg Richtung Newcastle, ein Städtchen am Strand, ca. 150 km nördlich von Sydney.

Übernachtet haben wir im Swansea Gardens Lakeside Holiday Park in Swansea bei Newcastle. Wieder einmal waren wir ziemlich alleine auf dem Campingplatz. Heute weihten wir unseren Gaskocher/-grill ein und machten uns wie am Vorabend Pasta. Hinzu grillierten wir Peperoni mit Zwiebeln. Das Beste war, dass wir sogar eine gratis Wifi-Connection hatten.


Samstag, 28. Juni 2008

Australien: Batemans Bay

Unser erster Halt auf unserem Roadtrip war in Batemans Bay bzw. am Surf Bay bei Robertos Verwandten. Sie erwarteten uns bereits zum Abendessen und wir wurden die nächsten Tage kulinarisch von Rina (Robertos Tante) verwöhnt. Das Häuschen von Jo & Rina liegt auf einem Hügel mit Aussicht über das Bay und manchmal kann man vom Balkon aus sogar ein paar Delphine im Bay beobachten, sowie Zeuge eines spektakulären Sonnenaufgangs sein. Im Dörfchen scheinen sich alle zu kennen und mehrheitlich sind die Häuser von älteren Leuten bewohnt. Vor ca. 40 Jahren waren es die Italiener, die sich Landstücke am Surf Bay gekauft haben und ihre Häuser darauf bauen liessen oder bauten. Heutzutage sind auch viele Spanier und Griechen am Surf Bay anzutreffen, mehrheitlich jedoch Italiener :).

So fuhr mich Roberto ein bisschen in der Gegend herum und er zeigte mir verschiedene Strände und Dörfchen. Er war vor gut 10 Jahren bereits hier und kannte die Leute im Dörfchen immer noch :).

An einem Nachmittag machten wir Halt im Birdland Animal Park in Batemans Bay und waren total entzückt vom Park. Der Eintritt kostet AU $ / Person und man kann unter anderem verschiedene Arten von Wallabies, Kängurus, Koalas, Alpacas, Rehe, verschiedene Vogelarten, Reptilien, etc. beobachten. Jeweils 2 Mal pro Tag gibt es eine Vorführung, wo man eine Schlange um den Hals tragen und einen Wombat halten und knuddeln kann. Dies alleine war echt spektakulär. Wenn man am Morgen in den Park geht, kann man zudem miterleben, wie die schüchternen Koalas gefüttert werden. In New South Wales ist es übrigens verboten einen Koala zu streicheln, da diese Tiere sehr empfindlich darauf reagieren. Wir hatten aber die Möglichkeit den Koala von Nahem zu beobachten und haben ein paar Fotos der beiden Koalas im Park gemacht.

Des Weiteren bietet der Park einem die Möglichkeit, den Kängurus ein bisschen näher zu kommen, sie zu streicheln und zu füttern. Diejenigen, die uns kennen, können sich vorstellen, dass wir eine halbe Ewigkeit mit den Kängurus im Gehege verbracht haben. Sie kamen angehoppelt und erwarteten gefüttert zu werden :). Dieses Erlebnis war wirklich ganz witzig und ich habe die Kängurus sehr in mein Herz geschlossen. Für Tierliebhaber ist dieser Park also definitiv ein Muss.

Am Vortag unserer Abreise in den Norden war surfen angesagt und wie so oft ging die Fahrt direkt zum McKenzies Beach, da es dort praktisch immer Wellen hat. Ein paar Surfer waren schon draussen, aber alle beim Kanal auf der rechten Seite. Roberto paddelte bald schon auf die linke Seite beim Riff und hatte den Point ähnlichen Spot für sich alleine. Die Wellen waren etwas klein (knapp head-high) und ziemlich relaxed. Nach ein paar Wipeouts (wir haben kein Wachs mehr) machten wir uns auf den Weg Richtung Süden, da Roberto einen Surfer kennen gelernt hatte, welcher ihm einen Tipp bezüglich der Miete eines Longboards für mich gegeben hat. Wir fuhren kurz nach Mossy Point aber fanden den Typen nicht, welche die Surfbretter hätte ausleihen können. Dafür fand dort gerade ein Surfcontest für die Kleinen statt, die Roberto aber locker schon um die Ohren surfen würden :).

Danach fuhren wir zurück nach Batemans Bay, assen eine Kleinigkeit und machten uns auf den Weg Richtung Murramarang Nationalpark. Zuerst machten wir am Depot Beach Halt und danach fuhren wir zum Pebbly Beach. Leider hatten wir überhaupt kein Geld dabei und konnten den Eintritt für den Nationalpark (AU $ 7.00) nicht bezahlen. Zusätzlich war die Ticketmaschine kaputt und nachdem wir den Parkdienst anriefen, sagten die uns, dass wir einfach weiterfahren sollen. Beim Pebbly Beach traffen wir jedoch auf den Ranger, welcher die Tickets checkte und so fragten wir den Ranger abermals, ob wir nicht kurz an den Strand dürften, um ein paar Fotos zu schiessen; er erlaubte es uns hinsichtlich der Umstände und war auch sonst ziemlich locker drauf.

Dieser Beach ist wirklich traumhaft schön. Man kann sowohl surfen wie auch die Natur geniessen. Die Kängurus sind am ganzen Strand verteilt und stören sich überhaupt nicht an den Leuten. Roberto streichelte sogar ein Känguru. Für ein Picknick ist es ein perfekter Ort! Im Murramarang Nationalpark kann man auch einige "Walks" machen (von einer halben Stunde bis 4 Stunden). Was mich total fasziniert hat, war die Tatsache, dass die Kängurus im Nationalpark sich in den Vorgärten der Leute des Dorfes North Durras aufhielten. Was für Anblick! Ums die Häuser herum grasten Dutzende von den Viechern und fühlten sich überhaupt nicht gestört von unserem Traktor.

Auf dem Heimweg stoppten wir noch kurz in Batemans Bay bei den Shopping Centern und erledigten ein paar Einkäufe im ALDI für unsere Weiterreise. Danach fuhren wir langsam nach Hause kontinuierlich auf der Suche nach offenen Wireless Spots, um unsere Emails zu checken :). Beim Surf Beach, dem Hügel wo Robertos Verwandten wohnen, fanden wir dann endlich einen offenen Internetzugriffspunkt und checkten kurz unsere Emails, bevor wir dann zurück kehrten; gerade rechtzeitig zum schmackhaften Abendessen, welches aus einer Pasta als Entrée und gefüllten Oberschienen mit Salat als Hauptspeise bestand. Danach genossen wir noch den Abend zusammen mit Rina und Joe.

Am Morgen unserer Abreise passierte noch etwas Unglaubliches!!! Nach dem EM Finale (Olé España) ist Roberto noch zum Letzten Mal an den McKenzies Beach surfen gegangen.  Für mich war es ein bisschen zu kühl am Morgen und ich blieb daher leider zu Hause. Als er zurückkam, fragte er mich mit breitem Grinsen "rate mal, was ich heute im Wasser gesehen habe"? Ich schaute ihn verwundert an und meinte Delphine, aber nein, es waren keine Delphine sondern drei Wale, die ca. 100 Meter an ihm vorbeigeschwommen sind. Ich war total begeistert und konnte es fast nicht glauben! Was für ein Erlebnis, Wale in der freien Natur zu sehen. Im Moment ist die Hochsaison der Wal-Pilgerfahrt in den Norden und somit ist es nicht selten, dass man einen Buckelwal sichtet, aber normalerweise nie so nahe am Strand. Roberto war alleine im Wasser frühmorgens um Uhr als ihm einige Leute zuwinkten. Er wusste nicht, ob sie ihn vor einem Hai warnten oder vor einer Rogue-Welle oder sonst was, bis er die riesigen Dinger vor sich erblickte. Für Roberto ein wahrlich magischer Moment und wir entschieden uns darauf, für mich noch eine Wale-watching Tour zu machen in Zukunft.

Hier noch die wenigen Bilder des Ausfluges:

Sonntag, 22. Juni 2008

Australien: Canberra "Australian Football" Game

Gestern war ich das erste Mal an einem "Australian Football" Spiel zwischen den Sydney Swans und Melbourne Demons im Canberra Stadium. Wieso das Spiel dieser Mannschaften in Canberra stattgefunden hat, konnte mir leider niemand korrekt erklären. Australian Football und Australian Rugby (Rugby League und Rugby Union) sind hier nebst Cricket absolute Publikumsmagnete und Australian Football ist definitiv ein Nationalsport Australiens.

Bezüglich Fussball erhält man nur wenige Infos in Australien. Von der EM bekommt man leider fast nichts mit. So stehen wir manchmal um Uhr morgens auf, um ein paar wichtige Spiele anzuschauenJ.

Zurück zu den beiden beliebten Sportarten in Australien "Australian Football" und "Australian Rugby". Ich hatte am Anfang grosse Mühe, diese beiden Sportarten zu unterscheiden bzw. diese korrekt zuzuordnen, wenn im TV ein Spiel gezeigt wurde. Daher war ich sehr froh darum, zusammen mit Maria (Robertos Cousine), Roberto und ein paar Kollegen von Maria ein "Australian Football" Game live mitzuerleben. Das Spiel findet auf einem grossen ovalen Spielfeld (mit einer Länge von etwa 165m) mit 4 Torpfosten auf jeder Seite statt und dauert 4x 20 Minuten (in der AF League). Da aber bei Spielverzögerungen jeweils die Zeit angehalten wird, muss man mit einer Länge von ca. 30 Minuten für ein Viertel rechnenJ.

Die Sydey Swans haben das Spiel von Anfang an dominiert, wobei sie im dritten Viertel einen kurzen Tiefschlag einbüssen mussten. Durchschnittlich gewinnen die Sydney Swans mit 36 Punkten gegen die Melbourne Demons und dem wurden die Swans am Sonntag mit einem Resultat von 114-74 gerecht.

Für diejenigen, die mehr darüber lesen wollen, können das gerne hier nachlesen.

[Bilder]

Ob ich alle Spielregeln verstanden habe, bin ich mir aber nach wie vor nicht sicherJ. Was ich aber noch witzig fand, war die Tatsache, dass ich auf dem Feld 5 oder 6 Schiedsrichter gesehen habe. Zwei Torschiedsrichter und die restlichen auf dem Spielfeld herumrennend. Beim Australian Football ist zudem deutlich mehr Körperkontakt erlaubt als beim Fussball (z.B.: Gegner können offiziell umklammert und anschliessend umgeworfen werden). Auch werden den Spielern während den kurzen Auszeiten während den vier Vierteln jeweils Getränke ausgeteiltJ. Am Ende eines Spieles (nach einem zweiten angeblichen Glockenschlag) können die Besucher übrigens auf das Feld rennen und sich dort austoben - meist von den jüngeren Spielbesuchern ausgeübt.

Ich muss zugeben, dass mich das Spiel nicht von den Socken gehauen hat und ich kein Anhänger des Australian Footballs werde. Es war aber ein Erlebnis absolut wertJ. Das ganze Spiel dauerte schlussendlich drei volle Stunden und ich wurde doch ein bisschen ungeduldig gegen das Ende hin (das Spiel war gemäss Aussage von Maria nicht ein Highlight). Maria ist übrigens ein grosser Sydney Swans Fan (vor allem des Spielers mit der Nummer 5) und hat das Spiel total genossen.

Nun möchte ich mir noch ein Rugby-Spiel gerne live mit ansehen, um mir über diese Sportart noch eine Meinung zu bilden. Roberto hat mir nämlich letztens verraten, wenn er nicht angefangen hätte zu surfen, hätte er mit Rugby angefangenJ.

Ob ich aber ein Cricketspiel über mich ergehen lassen möchte, das steht noch in den Sternen…

Ich hoffe, ich konnte Euch ein bisschen aufklären und hier findet Ihr noch die Fotos:

Sonntag, 15. Juni 2008

Australien: Canberra

Canberra, wenn immer dieser Name fällt, hört man von allen Seiten: "was zum Teufel machst Du in Canberra?", "Wo liegt Canberra?", "Canberra ist die langweiligste Stadt überhaupt".
Für diejenigen, die es noch nicht mitbekommen haben, Canberra ist seit 1908 die Hauptstadt Australiens und liegt zwischen den Riesenstädten Sydney und Melbourne.

Für uns war Canberra weder langweilig noch eintönig. Man findet, was man braucht und fühlt sich in so einer kleiner Stadt schnell zurecht. Es gibt sehr viele Einkaufszentren und Unterhaltungszentren. Roberto's Cousine Maria ist in dieser Angelegenheit jedoch sehr strickt. Sie wohnt in Canberra nur wegen ihrer Doktorarbeit und möchte so schnell als möglich zurück nach Sydney. Ihr ist Canberra zu langweilig, vor allem weil ihre Freunde alle in Sydney wohnen und dort die besseren Partys stattfinden. Ach ja und gemäss Maria kann man in Canberra nicht shoppen gehen (die Luxusläden befinden sich nämlich alle in Sydney).  

Sie fährt aus diesen Gründen sehr zum Leidwesen ihrer Eltern an den meisten Wochenenden nach Sydney (je 3 ½ Stunden pro Weg) und nimmt diese Strapazen für Sydney gerne auf sich. Der Unterschied zwischen uns ist, dass ich und Roberto es gerne ruhig mögen. Ob es jetzt gute Partys in Canberra hat, kann uns so lang wie breit sein. Hauptsache es hat ein paar gute Kinoanlagen und gutes Essen und viele Tiere J. Die zwei einzigen negativen Punkte an Canberra sind das Wetter (in den Wintertagen wird es schweinekalt) und die Stadt liegt nicht am Meer. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind gut ausgebaut und man kommt praktisch überall hin. Eine Buslinie, welche die Touristenattraktionen anfährt, ist auch vorhanden (Buslinie 3). Wenn man zwischen und die öffentlichen Verkehrsmittel benutzt, kommt man mit AUD $ für eine Tageskarte ziemlich günstig davon. Ansonsten bezahlt man eine saftige Fahrtgebühr von AUD $ pro Strecke. Ein 10-er Abo schlägt mit AUD $ zu buche. Wie ihr seht, sind die Preise fast gleich zu setzen mit denjenigen in der Schweiz :).

Ein Problem ist der Wasserverbrauch und die stets wachsende Stadtbevölkerung. Obwohl Canberra nahe bei den Blue Mountains liegt, sind die Niederschlagsmengen überaus klein und reichen leider sehr knapp, um die Bevölkerung mit dem nötigen Wasser zu versorgen. Canberra ist für etwa 600'000 Leute ausgelegt, danach kann die Stadt nicht mehr expandieren. Der momentane tägliche Wasserverbrauch liegt zwischen 97 und 105 Millionen Litern pro Tag, angestrebt sind 92 Millionen Liter pro Tag, damit die hinzu fliessenden Mengen durch Regen und Flüsse in die Deiche diese füllen. Aktuell sind die Stauungen zu 42.3% gefüllt, was alarmierend niedrig ist; da gegen die Wintermonate etwa ein Füllstand von 47% angestrebt wird. Diese Zahlen werden einem jeden Tag vor Augen gebracht, wenn man die Northbourne Avenue Richtung Zentrum fährt und an den Neonanzeigen mit diesen Zahlen vorbei braust.

Wir hielten uns schlussendlich ca. 1 Monat in Canberra auf und wohnten bei Maria. Sie wohnt in einem Reiheneinfamilienhaus, welches ihre Eltern vor ein paar Jahren gekauft hatten. Das Haus ist sehr gross und bequem eingerichtet. Wir hatten ein eigenes Zimmer mit Bad – für uns purer Luxus:-) – und zudem hatte sie eine Zentralheizung in der Wohnung eingebaut. In den älteren Häusern in Australien gibt es nach wie vor keine Zentralheizung und so wärmt man meistens das Wohnzimmer mit dem Kamin auf. Nun ja, Zentralheizung macht auch nur dort Sinn, wo es natürlich auch kühl wird im Winter. Zudem konnten wir hier in Canberra sehr viel Geld sparen, da wir für Übernachtung nichts zu bezahlen hatten für einen Monat und uns einmal von den Reisestrapazen erholen konnten (ich bin mir sicher, dass die Leser hier an dieser Stelle denken, wir sind wohl durchgeschnappt, von Strapazen zu sprechen in Zusammenhang mit Reisen).

Wir hatten viel zu erledigen in Canberra. Unsere erste Priorität war es Robertos Lebenslauf zu vervollständigen und ein paar Bewerbungen zu verfassen. Roberto verbrachte somit viel Zeit mit dem Analysieren diverser Jobbeschreibungen in und ausser Australien. Bisher stehen die Antworten der meisten Firmen noch aus und wir lassen uns diesbezüglich überraschen. Natürlich hoffen wir, dass es mit einer Anstellung in Australien, Asien oder N.Y. klappt, sehen jedoch ein, dass es sehr schwierig ist, an interessante Jobs zu gelangen ohne die notwendigen Kontakte oder ein Arbeitsvisum zu halten. Sollte sich was ergeben, werden wir Euch natürlich auf dem Laufenden halten. Seit September 2007 haben die Behörden wieder neue Hürden in das Immigrationssystem eingebaut und es somit noch schwieriger gemacht, ein Arbeitsvisum zu bekommen oder einzuwandern. Das einzig sinnvolle Visum für Roberto wäre ein cousin-sponsored skilled migration visa, welches einem danach erlaubt, 3 Jahre lang in Australien zu arbeiten; der Kostenpunkt liegt bei etwa $4500 AUD und einer 7-monatigen Wartezeit. Die Chancen sind praktisch 100%, das Visum zu bekommen, aber das Verfahren ist lange und umständlich.

Des Weiteren war eine andere Priorität von uns sich wegen einem Auto umzuschauen, da es geplant war, den Rest unseres Australienaufenthaltes die Ostküste und ein Teil der Northern Territories mit eigenem Fahrzeug zu entdecken. Roberto und sein Onkel haben dann schlussendlich einen Landcruiser HJ61RG Deluxe Wagon, welcher zum Verkauf angeboten war, gefunden. Gekauft haben wir den Wagen schlussendlich bei Sam von Divine Motors im Woden Stadtviertel. Der Kauf war etwas mühsam, vor allem weil der Autohändler Sam, ein Grieche, fast keine Ahnung von 4x4 Wagen hatte und Roberto mit allerlei sinnlosem Schnickschnack voll laberte. Er wollte für den Wagen satte $7000 und nach tagelangem Verhandeln und einigen Besuchen kaufte Roberto den Wagen für $5000. Etwas war jedoch komisch und bald stellte es sich heraus, dass ein ganz wichtiges Teil des Autos kaputt war, nämlich der Alternator (ich glaube, das würde auf Deutsch Lichtmaschine oder so heissen). Da Sam aber nichts von Autos verstand, wurde bei jedem Besuch Robertos der Wagen "jump-started" und durch den kaputten Alternator die Hauptbatterie gekillt. Dies kam bei der kurz nach dem Kauf eingeleiteten gesetzlichen Inspektion des Wagens zu Tage. Zudem hatte der eine Reifen einen Nagel drin. Roberto rief Sam an und sagte ihm, dass der Deal geplatzt wäre, weil er ihm einen zu kaputten Wagen verkaufte. Sam aber willigte ein, die Hälfte des Schadens zu bezahlen und somit behielten wir das Auto dennoch.

Hierbei möchten wir noch erwähnen, was beim Autokauf in Australien zu beachten ist und wie der einfachste Weg zum eigenen Auto verläuft. Im Prinzip einfach: Kauf, Inspektion, Registrierung und Versicherung.

Der Grund, weshalb wir das ausführlicher beschreiben ist, dass wir in allen Beiträgen in den Foren und Reiseberichten, die wir gefunden hatten, alles etwas schwammig, ohne sinnvolle Tipps und meistens falsch geschrieben wurde. Im Prinzip verläuft ein Autokauf (zumindest in ACT) wie folgt:

  1. Man sucht sich ein Auto aus (gemäss der Reise, die man durchführen möchte) und versucht sich etwas mit dem Händler auseinanderzusetzen, um herauszufinden, ob er bereit ist, das Auto auch für weniger zu verkaufen. Meistens bieten die einen mindestens 25% zu teuren Preis an. Unbedingt notieren: VIN/Chassis Nummer, evt. Motorennummer, Alter und Odometerstand des Wagens und wann der letzte Service durchgeführt wurde. Ein voller Service kann einem schnell $1500 kosten!
  2. Man geht nach Hause und sucht sich das Auto im Red Book Asia (das Verzeichnis der Automobilindustrie im asiatischen Bereich zu finden unter http://www.redbookasiapacific.com/au/) heraus. Dort stehen nämlich die Händlerpreise (Preisspanne, die ein Händler im Normalfall bezahlen würde) und die Verkaufspreise (Preisspanne, für die ein Händler den Wagen verkaufen sollte). Ein Beispiel: beim Toyota Landcruiser HJ61RG Deluxe Wagon mit manuellem Getriebe und 4 Liter Turbodiesel 12H-T Motor Baujahr 1986 steht beim Händlerpreis $2500-$3500 und beim Verkaufspreis $4500-$5200. Angeschrieben war der Wagen mit $6990, also bot ich $4500 und nach einiger Zeit einigten wir uns auf $5000. Beim alten Besitzer angefragt, erfuhr ich, dass der Händler für den Wagen $3500 bezahlt hatte.
  3. Nachdem der Kauf beendet ist, kriegt man eine Bestätigung, dass der Wagen gekauft wurde und im eher seltenen Fall so etwas wie Wagenpapiere (wir kriegten keine). Danach geht es direkt weiter mit der obligatorischen Inspektion der Strassentauglichkeit des Wagens (road-worthy inspection), sofern die Registrierung ("Rego", ein meist roter Zettel, der an die Windschutzscheibe geklebt wird) abgelaufen ist oder im Zeitraum des eigenen Gebrauchs abläuft. Der Rego-Zettel bestätigt, dass das Auto für die Zeit, für welche man bezahlt hat fahrtüchtig und minimal versichert ist. Die minimale Versicherung bedeutet Schutz gegenüber Dritter bei Verletzung und Todesfall (third party insurance). Rego kriegt man nur, wenn man die Inspektion bei einer akkreditierten Garage durchführt und das Auto durchkommt (ziemlich einfach). Der Kostenpunkt für die Inspektion liegt bei $35-$50. Dann fährt man zum Strassenverkehrsamt mit einem Pass, der Inspektionsbescheinigung, der Kreditkarte (das wird gefordert) und wenn möglich einigen Beweisen bzgl. des Wohnortes oder Aufenthaltsortes des Wagens in Form von Gasrechnungen oder Zusendungen anderer Institutionen; ausgenommen sind Bankbelege, welche das Strassenverkehrsamt nicht akzeptiert als gültige Bescheinigung des temporären Wohnortes. Wer keinen Wohnort besitzt, muss einfach des Langen und Breiten erklären, was er mit dem Auto macht und wo es sich mehr oder weniger befinden wird. Man kriegt dann, so fern die Bürokratie an diesem Tag mitspielt, eine Eigentumsbescheinigung des Wagens (ownership papers) und löst die Rego für den Zeitraum, für welchen man gedenkt das Auto zu behalten. Wichtig: Man kann das Auto gesetzlich nicht ohne Rego wieder verkaufen, also würde ich noch einen Monat hinzufügen. Der Kostenpunkt hierfür variiert extrem und hängt vom Wagen und der Dauer der Registrierung ab. Ein paar Hunderter wird man aber schon liegen lassen, denn nur schon die Stempel (stamp duty) kosten $150 und Rego für 3 Monate kostet sicherlich auch nochmals so viel.
  4. Versicherung. Es gibt im Bereich Autoversicherung eigentlich drei Angebote. Ist das nicht herrlich? Third-party insurance, third-party property damage (gekoppelt noch mit fire & theft) insurance und die full-coverage insurance. Die erstere hat man mit einem gültigen Rego-Zettel automatisch mit dabei. Im Prinzip beschützt sie einem vor Anklagen wenn es beim Unfall mit Schuld zu seriösen Verletzungen oder Tod Dritter kommt und kommt für die notwendigen Auslagen auf. Bei der third-party property damage Versicherung kommt noch hinzu, dass Schäden beim Wagen der Drittperson übernommen werden; dies alles jedoch mit einem Selbstbehalt (excess), welcher vom Alter des Lenkers abhängt. Die letztere Versicherung ist so eine Art Vollkasko-Versicherung und übernimmt auch die eigenen Schäden am Auto und Abschleppkosten und teilweise auch Ersatzauto und so weiter. Es gibt viele Anbieter von Versicherungen und eventuell lohnt es sich etwas zu vergleichen, aber die Preise sind in etwa alle gleich, der Lieferumfang jedoch nicht. Im Vergleich zu amerikanischen oder europäischen Versicherungsprämien, sind die australischen eher niedrig.

Das oben genannte Prozedere erledigt, war Roberto fortan meistens mit Bewerbungen schreiben und mit dem Auto beschäftigt. Er verbrachte sehr viel Zeit zusammen mit Mario (ein weiterer Verwandter von Roberto) und dem Auto. Sie beide leisteten grosse Arbeit und brachten den Landcruiser auf Vordermann; siehe dazu den separaten Artikel über das Reparieren eines Toyota Landcruiser HJ61RG, Baujahr 1986.

Ich unterstütze mehrheitlich Roberto, ging in die Stadt, las, schaute TV, etc. An einem Vormittag ging ich mit Maria shoppen und hatte die Möglichkeit sie näher kennen zu lernen und länger mit ihr zu reden. Ich mag Maria wirklich sehr gerne, sie ist im Prinzip sehr liebevoll und hilfsbereit, auch wenn sie bei Manchen beim ersten Treffen eventuell ein anderes Bild erzeugen lässt. Sie hat uns gerne bei sich aufgenommen und wir kochten an den meisten Abenden zusammen und unternahmen zu Dritt etwas (Auswärtiges Essen inkl. after drink, Besuch bei ihrer Eltern in Batemans Bay, Football Game, DVD Abend, Birthday Party von Debbie, ihrer besten Freundin, etc.).

Natürlich haben wir nebst allem auch Canberra näher kennen gelernt. In Canberra findet man u.a. einen Zoo, in welchem man einem Cheetah "treffen kann", das sehr interessante War Memorial Gebäude, das Canberra Deep Space Communication Centre, das Nationalmuseum von Australien, das Parlamentshaus, viele Pärke in und ausserhalb Canberra, viele Shoppingzentren, etc.

Wir haben an einem Nachmittag das War Memorial Gebäude besucht und waren hingerissen von der Gestaltung des Museums. Es besteht aus verschiedenen Hallen, die eine für den ersten Weltkrieg gewidmet, die andere für den zweiten Weltkrieg, einen Aircraft Hall & Anzac Hall, etc. An den Aussenwänden des Gebäudes findet man die Namen der gefallenen Soldaten wieder, welche ihrem Vaterland während Kriegzeiten gedient haben. Man trifft auf viele ältere Leute im War Memorial an, die die Namen mit völliger Hingabe anschauen. Das Museum ist riesig (2 Etagen) und bietet einem zahlreiche Informationen zum 1. und 2. Weltkrieg, wo Australien involviert war. Man bräuchte einen ganzen Tag, wenn man sich alles genau anschauen wollen würde bzw. die Geschichte hierzu lesen möchte. Wir waren absolut beeindruckt von diesem Museum!

Ein anderer Tagesausflug führte uns ins neue Parlamentshaus. Wir kamen gerade rechtzeitig an, um an einer Sitzungssession teilzunehmen und die Abgeordneten und den Premier Minister live zu erleben. Es war interessant, in solch einer Session zu sitzen und die Leute zu beobachten. Gestritten haben die wie Affen im Urwald und man fragte sich zeitweilen, wo der Anstand der Leute geblieben ist. Im Kindergarten versucht man den Kindern so gut wie möglich beizubringen, dass man zuhört, wenn einer spricht und nicht beliebig drein redet. Wird man erwachsen und geht in die Politik fällt man offensichtlich, im Falle der australischen Politikern, wieder zurück in die Zeit vor dem Kindergarten. Ob das fruchtbar für eine Nation ist, bleibt etwas in der Luft hängen.

Mit Maria besuchten wir zudem noch ein Australian Football League Game der Sydney Swans. Mehr dazu hier [LINK].

Des Weiteren besuchten wir den Tidbinbilla Nationalpark 20 km von Canberra entfernt. Hier war es das erste Mal, wo ich ein bzw. Hunderte von Kängurus gesehen habe. Ich war bereits über 3 Wochen in Australien und hatte noch kein einziges Känguru gesehen :). Im Tidbinbilla Nationalpark findet man sie zu Tausenden auf den Wiesen, über die Strassen hoppelnd oder einfach an einem Bach sitzend. Den Nationalpark kann man mit dem Auto befahren und man kann zwischen 18 verschiedenen Wanderwegen im Park auswählen. Es gibt Wanderwege für Anfänger sowie für diejenigen, die eine Herausforderung suchen. Ausser Kängurus findet man Koalas (auf freiem Gelände), Wallabies, Sträuse, Platybuse und verschiedene Vogelarten im Nationalpark. Es gibt einen speziellen "Koala Path" Wanderweg durch einen Eukalyptuswald. Hier sollte man Ausschau nach einem der sieben Koalas Umschau halten; leider waren wir auf der Suche nach diesen niedlichen Tieren nicht erfolgreich. Die Rundfahrt im Nationalpark hat mir sehr gut gefallen, vor allem wegen seiner "Wildlife".

Im 2003 gab es in Canberra übrigens einen riesigen Buschbrand, in welcher über 70 % der Wälder vernichtet wurden. So wird man Zeuge davon, wenn man z.B. im Tidbinbilla Nationalpark an den Waldstrecken entlang läuft. Nach dem Besuch des Nationalparks entschieden wir uns noch kurz die 4x4 Fähigkeit unseres neuen Autos zu testen und steuerten kurzerhand auf den 2km weiter nördlich gelegenen 4WD Park und gaben alles. Das Auto meisterte Steigungen von 30° auf Rollsplit nahezu problemlos und auch sonst schienen die Unebenheiten der kilometerlangen Teststrecke im Park keine Probleme für unseren Landcruiser darzustellen.

Kurz bevor wir uns dann schlussendlich auf den Weg machen wollten, starb dann noch unsere Festplatte im Laptop. Eigentlich haben wir es geahnt, denn das S.M.A.R.T. Lesetool warnte uns noch mit einem ziemlich genauen Datum des Todes unserer Platte im Voraus. Natürlich hatten wir kein Backup und waren ziemlich bedrückt über die Tatsache. Zum Glück gibt es aber in Canberra für jedes Problem einen Shop und in diesem Fall war dies der LapyKing. Wir kauften uns eine 160GB Platte und da wir die Platte zum Glück sofort herausnahmen, konnte der Angestellte im Laden unsere Daten 1:1 auf die neue Platte kopieren und somit retten. Wir waren erleichtert und kauften sogleich auch noch einen Autoadapter für den Laptop, damit wir ihn auf den langen Fahrten wieder aufladen können.

Im Nachhinein hatten wir sehr viel zusätzliches Geld ins Auto investiert, mehr als geplant, aber wir wollten einfach sicher gehen, dass wir ohne Probleme ein paar Tausend Kilometer fahren können, über normale Strassen, durch Nationalpärke, den Stränden entlang und im sehr diffizilen Gelände. Zudem hatten wir uns das Auto sehr bequem zum darin schlafen eingerichtet und uns praktisch selbst-versorgend eingedeckt. Wir könnten als locker über eine Woche in der Wildnis bei einer eventuellen Panne ausharren bis Hilfe kommen würde.

Es war Zeit uns von Canberra zu verabschieden und uns auf unseren Roadtrip zu begeben.

Die Bilderserien über Canberra findet Ihr hier: