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Dienstag, 5. August 2008

Australien: Roadtrip Kakadu Nationalpark to Darwin

Wir noch kurz erwähnt im vorhergehenden Bericht, dachten wir, dass wir locker eine Unterkunft finden werden. Jetzt reisen wir schon über ein Jahr herum und trotzdem rasseln wir immer wieder zu den ungünstigsten Zeitpunkten in ein Gebiet hinein. In Darwin ist im Moment gerade Höchstsaison und zudem ist dieses Wochenende noch das Darwin Derby. Letztes Wochenende war auch schon ein sehr wichtiger Event. Jedenfalls resultierte dieser Umstand darin, dass sämtliche Hostels und Motels in einem grossen Umkreis komplett ausgebucht waren. Kein Problem, wir sind ja self-sufficient und können einfach in einen Caravanpark fahren und uns irgendwo an einem kleinen Platz verkriechen. Denkste, auch die Caravanparks waren voll, und damit meine ich nicht, alle powered sites eines Caravanparks, nein, sogar die schlichtesten Zeltplätze ohne Strom waren komplett ausgebucht. Dies führte einerseits dazu, dass die Preise fast ins Unermässliche stiegen und viele Leute immer noch unterwegs auf der Strasse waren, um eine Unterkunft zu finden.

Gute 15 Minuten von Darwin entfernt fanden wir dann noch durch einen Tip(p) den Free Spirit Resort Caravanpark, welcher genau noch eine powered site für AUD 38.00$ frei hatte. Das ist der höchste Preis, den wir bisher je für eine Übernachtung in einem Caravanpark bezahlt hatten und für das Internet hätten die Besitzer noch zusätzlich horrende Preise verlangt. Der Platz war übel, gerade vor der Dusche, zur Schau gestellt für alle vorbeiziehenden Leute, auf dem Weg zur Toilette. Ärgerlicherweise schien neben uns noch so eine Halogenlampe, die den Leuten die ganze Nacht hindurch den Weg zum Toilettenblock erleuchtete und unser Wagen in ein Sportstadium verwandelte. Da wir bis jetzt meistens ziemlich alleine mit genügend Abstand zu den Nachbarn übernachten konnten, hatten wir nie darüber nachgedacht, wie wir so etwas wie einen Vorhang basteln wollten. Diese erste Nacht in Darwin gab uns genügend Zeit, um mit einigen Prototypen eines Vorhangs zu experimentieren. Irgendwann hatten wir dann eine Art Dunkelraum kreiert und konnten vermindert belästigt einschlafen.

Da wir am späteren Samstagnachmittag in Darwin angekommen sind, gab es nicht mehr viel zu tun über das Wochenende, zumal der Montag auch noch ein Festtag war. Unsere grösste Priorität ist es, das Auto zu verkaufen; sofern möglich. Falls dies nicht klappt, müssen wir um einen Einstellplatz Umschau halten. Jedenfalls fuhren wir fast schon ziellos umher auf der Suche nach einigen Autohändlern und einer besseren Übernachtungsmöglichkeit. Bei den einzelnen Autohändlern, welche man am Weg zwischen Palmerston und Darwin antrifft, bekamen wir die ernüchternde Wahrheit zu spüren: Obwohl man hier in den Northern Territories besser mit einem Diesel Motor fährt (wegen den Problemen des Benzinschnüffelns der Aborigines), gelten hier die gleichen raffgierigen Gesetze der Autohändler. Es wird höchstens der red book Wert eines Autos bezahlt, unabhängig davon, ob man einen praktisch neuen Motor drin hat oder eine Blockwinde oder ein roof rack oder brandneue Batterien. Alle zusätzlichen Features erhöhen den Preis nicht, es kommt auch praktisch nicht darauf an, ob man jetzt irgendwo Rost hat oder nicht. Solange der Motor startet und das Auto von fünf Meter aus visuell einigermassen als Gefährt erkennbar ist, wird es gekauft und dann für mindestens den doppelten Preis wieder verkauft. Das Maximumgebot welches wir kriegten waren dann etwa AUD $5000 – $6000. Im Notfall würden wir es unter Umständen für diesen Preis verkaufen, aber wir wollten zuerst versuchen, ein paar Flugblätter in der Stadt in Hostels und anderen designierten Orten aufzuhängen. Für heute jedoch war Schluss und unsere Moral war ziemlich auf ihrem Tiefpunkt, da niemand den wirklichen Wert unseres Autos wertschätzte. Wir machten uns auf den Weg, um nach einer neuen Unterkunft zu suchen.

Nun, beim folgenden Abschnitt haben wir uns lange überlegt, ob wir ihn überhaupt schreiben sollen, denn was folgt, würde ich als den schwärzesten Moment unserer Reise bezeichnen. Nichtsdestotrotz ist er Teil unserer Reise und durch das Beschreiben dieses horriblen Unfalles für mich eine Art therapeutische Erleichterung. Kurz gesagt: Wir hatten einen üblen Zusammenstoss mit einem Motorradfahrer, wobei wir nichts falsch gemacht hatten, sich jedoch unser Gefährt durch seine Ausstattung und Gewicht als sehr übel für den sich nicht korrekt verhaltenden und auch nicht strassengerecht gekleidet und geschützten Motorradfahrer auswirkte; er lebt noch, aber leider dürfen wir nicht wissen, wie es ihm geht oder wie er heisst. Die einzigen Dinge, um die wir uns zu kümmern haben gemäss der Polizei sind, dass wir unschuldig sind und nichts dafür konnten und uns vom Schock erholen versuchen. Aus Sicherheitsgründen wird uns weder der Name noch der Zustand des Verunfallten ausgehändigt.

Wir waren auf einer doppelspurigen Strasse für unsere Richtung auf rechten Strassenseite (welche normalerweise zum Überholen benutzt wird) und wollten links in eine Einfahrt fahren. Ich habe kurz nach Hinten geblickt und weit weg einen schwarzen Wagen gesehen und sonst nichts und habe begonnen, langsam zur linken Spur zu wechseln, um dann links einzubiegen. Also ich nochmals einen Blick zurück werfen wollte, hörten wir einen massiven Knall auf Sebnem's Seite und sahen (zumindest für mich so vorgekommen) im Zeitraffer einen Motorradfahrer neben uns das Gleichgewicht zu verlieren, da er in unseren Wagen geprallt war. Der Motorradfahrer wurde aus dem Gefährt geschleudert und traf, da er mit einer solch hohen Geschwindigkeit unterwegs war, unserem Auto entlang taumelnd auf den Strassenrand auf und rollte zusammen mit dem nach fliegenden Motorrad dem Strassenrand entlang und stiess frontal in die gut 15 Meter weiter entfernte Geschwindigkeitstafel hinein. Er blieb liegen und das war für uns der schlimmste Moment, denn wir wussten nicht einmal recht, was genau passiert war. Wie bogen links ein und ich stoppte den Motor, stieg aus dem Auto und rannte zum verletzten Körper, der regungslos am Boden liegen blieb. Sofort stiegen neben mir noch die Insassen des schwarzen Autos aus, welche alles beobachtet hatten und ihrerseits schon fast mit dem an ihnen vorbeirasendem Motorradfahrer zusammen gestossen waren und die Frau kam zu mir und sagte mir sofort, dass ich nichts dafür konnte, weil er auf der falschen Strassenseite viel zu schnell an mir vorbeifahren wollte. Der Fall sei klar und ich solle mir keine Sorgen machen. Aber wie konnte ich mir keine Sorgen machen; da lag ein Mann regungslos am Boden und reagierte überhaupt nicht auf meine Fragen, atmete nicht! Glücklicherweise folgten uns auch noch eine Ärztin und ein Krankenwagen und diese waren somit innerhalb einer Minute an Ort und Stelle. Der Fahrer des schwarzen Autos rief die Polizei an, währenddem die Notärzte versuchten den Zustand des Verunfallten zu eruieren und stabilisieren. Sebnem war mittlerweile verständlicherweise im Schockzustand. Wir beide waren noch nie direkt in einen Autounfall verwickelt, wo jemand verletzt oder eventuell sogar getötet wurde. Wir sahen uns an und wussten einfach, dass wir es uns niemals verzeihen könnten, wenn wir diesen Menschen, schuldig oder nicht, auf dem Gewissen hätten. Der Gedanke daran verlieh mir weiche Knie und es wurde mir übel. Der Körper bewegte sich immer noch nicht und unterdessen traf die zweite Ambulanzeinheit ein, gefolgt von der Feuerwehr. Langsam konnte ich das Ausmass des Übels sehen: der Helm des Fahrers, welcher nicht korrekt angemacht war, lag auf der anderen Strassenseite, der Mann flog aus beiden Schuhen heraus direkt in die Stange hinein. Die Notfallhelfer der Ambulanz befanden nach kurzer Zeit, dass der Mann noch am Leben sei und zum Glück nicht gelähmt, denn sie drehten ihn ziemlich abrupt auf den Rücken, um ihn mit dem Gerät zu beatmen. Die Ansicht des arg zugerichteten Mannes war ein Bild, das wir nie wieder vergessen werden: Eine klaffende Wunde am Kopf, vermutlich komatös, sicherlich eine offen gebrochene Rippe und vermutlich beide Beine und die Arme gebrochen. Ich sorgte mich um Sebnem, welche dummerweise alles mit ansehen musste und in einem sehr emotionalen Schockzustand war. Als die Ärzte die Beatmung ansetzten und die vitalen Signale auf dem Monitor lautstark und regelmässig ertönten, war ich zumindest hinsichtlich des Zustands des Verletzten sehr erleichtert. Er würde es sicherlich schaffen, auch wenn die Verletzungen aus meiner Sicht vermutlich länger dauern würden, um zu heilen. Ich fragte die Helfer mehrere Male nach dem Zustand des Mannes und wohin sie ihn bringen würden, bekam aber keine Antwort. Mittlerweile hatte sich auch die Polizei eingefunden und sich um eine Erklärung des Hergangs bemüht. Nachdem ich ihnen alles erzählte, die Leute des schwarzen Wagens einen ausführlichen Bericht gaben und sie sich die Situation anschauten, war es auch für die Polizei ein klarer Fall: Officer Wolfe kam direkt auf mich zu und versicherte mir, dass ich nichts dafür könne und mich nicht schuldig fühlen solle. Das ist einfacher gesagt als getan; Sebnem war unterdessen in Betreuung einiger Feuerwehrmänner, welche tagtäglich solche Szenen miterleben müssen und sehr feinfühlig und verständnisvoll versuchten mir ihr zu sprechen. Die Feuerwehleute waren wirklich sehr sehr professionell und verständnisvoll und haben massiv dazu beigetragen, dass wir uns schneller vom Schock erholt haben. Ich musste währenddessen einen Alkoholtest abliefern, welchen ich logischerweise mit 0.0 Promille bestand. Ich fragte nach dem Namen des Verunfallten, aber niemand wollte diesen mir geben; aus Sicherheitsgründen, wie es hiess. Da Sebnem verständlicherweise immer noch im Schockzustand war und auch ich noch nicht wirklich alles verdauen konnte, riefen die Feuerwehrleute den psychiatrischen Dienst des nahe liegenden Spitals an, damit wir professionelle emotionale Unterstützung bekommen können. Der Verletzte war schon auf dem Weg ins Spital, als wir auch Richtung Spital fuhren. Dort angekommen wurden wir von zwei Psychologen empfangen und die sprachen kurz mit uns über unser Erlebnis. Wir versuchten abermals den Namen des Verletzten zu erfahren, damit wir uns über seinen Zustand erkunden konnten, aber auch hier keine Chance. Wie es sich im Nachhinein herausstellte, werden wir wohl nie erfahren, wie es dem armen Mann ergangen ist und wie sein Zustand ist. Das hat uns schon sehr mitgenommen, wir verstehen jedoch auch diese Schutzmassnahme für beide Seiten. Die beiden Frauen gaben uns dann noch einen Hinweis bezüglich der Unterkunft, da wir ja ursprünglich auf dem Weg waren eine Unterkunft zu finden. Sie meinten, dass wir der Lee Point Strasse entlang zum Strand fahren und dort sicherlich gratis übernachten können; wir sollten uns dann etwas Zeit nehmen und am Strand entlang spazieren, um auf andere Gedanken zu kommen. Etwas mulmig war es mir schon, wieder auf der Strasse zu sein und an diesen Ort zu fahren. Aber wenigstens wusste ich, dass obwohl vermutlich schwer verletzt, der Verunfallte noch lebt. Die Erleichterung kann man nicht mit Worten beschreiben.

Auf dem Weg Richtung Strand fuhren wir dann am Lee Point Caravan Park vorbei, bei welchem wir dann prompt noch einen Platz fanden. Es ist der grösste Caravan Park und einer, der immer als letztes gefüllt ist. Wir entschieden uns daher, hier zu bleiben, was im Nachhinein dann auch das Zuhause bis zum Ende unseres Australienaufenthaltes sein würde. Wir bekamen eine powered site und nachdem ich dem Portier unser Erlebnis erzählte, brachte er uns an einen sehr ruhigen Ort. Die Leute hier hatten sehr viel Verständnis für unsere Lage und waren wirklich sehr nett und einfühlsam zu uns; etwas, was bei den Australiern meistens eher selten zu finden ist.

Sebnem ging es immer noch nicht so wahnsinnig gut und das Schlafen im engen Auto ohne Privatsphäre oder einen Ort, wo man sich hätte zurückziehen können war nicht gegeben. Also entschieden wir uns wenigstens für die nächsten drei Tage uns eine Cabin für AUD 80.00$ zu leisten. Es sind basic Unterkünfte in einem moderat grossen Raum, mit Fernseher, Air Conditioning, Kühlschrank, Toaster, Sofa, ein Queen-size Bett und eine Mikrowelle. Wir entschieden uns also ab dem nächsten Tag in so eine Cabin zu ziehen und bekamen prompt die letzte solcher Unterkunft mit der Nummer 10, direkt vor dem Toiletten- und Duschenblock. Wir bauten vor der Tür unsere Campingküche auf und fühlten uns alsbald sehr viel wohler. Schon beim Bezug der Cabin 10 lernte ich Marie und die kleine Kirrilee kennen, welche die lokalen Cabins reinigten. Es stellte sich heraus, dass aus dieser kleinen Bekanntschaft eine ziemlich enge Freundschaft zu einer ungewöhnlichen Familie entstand, welche dort im Caravanpark lebte und arbeitete. Die wirklich sehr nette und hilfsreiche Familie May, eine Mischung aus schottischem und australischem Blut, besteht aus dem Hausherren und Workaholic Peter, der ebenfalls hart arbeitenden Marie aus Schottland und den witzigen und aufgestellten Kindern Lorn (10 Jahre alt), Kirrilee (gerade 7 Jahre alt geworden) und Timor (5 Jahre alt und das grösste Schlitzohr). Nachdem Peter und ich ein paar Sätze ausgewechselt hatten und uns gleich auf der gleichen Wellenlänge befanden, – ich würde sagen Peter ist noch sarkastischer veranlagt als ich – erzählte ich Peter das kleine Dilemma welches wir mit unserem Auto hatten. Wir hatten schon Flyers gebastelt und diese in den Hostels aufgehängt und ein "For Sale" A4 Blatt an unsere Rückscheibe gehängt, hatten aber kleine Hoffnung, das Auto noch über eine Privatperson loszuwerden innerhalb einer knappen Woche. Wir hätten es einfach für AUD $5000 an einen Dealer verhökert oder noch versucht es im Caravanpark abzustellen. Peter hörte mir aufmerksam zu und meinte dann so nebenbei und locker: "Leave it with me, I'll sell the car for you!". Nicht sicher, ob er jetzt wieder einen seiner sarkastischen Bemerkungen offenbarte, fragte ich ihn halb verwundert halb witzelnd nach. Peter jedoch war es sehr ernst und er meinte, nachdem wir uns gut 15 Minuten gekannt hatten, dass er uns sehr gerne helfen würde den Wagen zu verkaufen, nur schon aus dem Grund, weil es ein gesuchtes und sehr sehr gutes 4x4 Auto ist. Mir blieb der Kinnladen verdutzt hängen und ich fragte abermals, ob er einen Witz mache. Peter war es ernst. Er offerierte mir den Wagen dem Minimum entsprechend zu pflegen, ihn immer wieder zu starten und damit herumzufahren und das Wichtigste, ihn für einen guten Preis zu verkaufen. Hier oben in Darwin sind die Leute auf Diesel betriebene Motoren angewiesen, vor allem in den Aborigine Communities, da sie oft Probleme mit Benzin schnüffelnden Eingeborenen hatten. In gewisse Gebiete kann man nur mit Dieselmotoren fahren und somit treibt dies den Preis unseres Wagens in die Höhe. Peter nannte uns eine Zahl, für welche er gedenkt unseren Wagen zu verkaufen, aber solange es nicht passiert ist, werden wir nichts verraten. Eigentlich wären auch AUD $ 5000 in Ordnung, denn dann wären wir immer noch sehr billig gereist in den drei Monaten in Australien und für was wir gesehen und erlebt hatten. Hinzu kommt, dass ich eine alte Steuerrechnung bekommen habe, welche unser momentanes Budget übersteigt :). Aber wir sind ja schon bald wieder in der Schweiz und dann sehen wir weiter. Wir haben ja brav unsere Steuern bezahlt, die Krankenkasse und alle Versicherungen. Das sind bei vielen Reisenden, die wir getroffen hatten, oft stark unterschätzte Kostenfaktoren. Bei uns summiert sich dies auf sicher 700-800 Franken im Monat extra, die wir dazu rechnen müssen. Der langen Rede kurzer Sinn: ich nahm das Angebot an und musste natürlich sofort Sebnem davon erzählen, die mir zuerst auch nicht so recht Glauben schenken wollte.

Nun, wir waren auf jeden Fall sehr erleichtert, denn ein grosses Problem hatte sich schon fast von selbst gelöst. Was noch blieb in den restlichen Tagen, war unser Gepäck von sicherlich 80kg herunter zu kriegen auf 40kg. Verbrennen wollten wir unsere Kleider, Schuhe und den auf eine halbe Bibliothek angewachsenen Bücherstapel nicht und somit entschieden wir uns, alles etwas zu sortieren und per Seefracht nach Hause zu schicken. Wir schmissen alle Winterkleider, die Wanderschuhe, Kletterschuhe, Bücher, CDs und andere Utensilien in unser Auto und fuhren abermals nach Darwin, um einer der door-2-door Frachtfirmen nach dem Preis anzufragen. Ehrlich gesagt bin ich mir bis heute noch nicht sicher, wie diese überhaupt überleben können, denn nachdem wir uns nach dem Preis für 40 kg Fracht erkundigt hatten, mussten wir zuerst einmal herzhaft lachen: zwischen AUD $1600 und AUD $1900 per Flugfracht, Seefracht sei unmöglich. Die eine Firma wollte sogar noch AUD $400 extra, weil wir das Gepäck zur Inspektion nach Brisbane hätten verschicken sollen. Ich fragte dann die lokale Frachtexpertenfirma gegenüber der lokalen Post noch, wie der Service denn zu vergleichen wäre zwischen ihnen und der australischen Post? Sichtlich angegriffen von meiner sehr unhöflichen Frage und meiner Frechheit überhaupt den Versuch zu starten, die beiden Kuriere zu vergleichen, meinte die Dame nur: Da gibt es keinen Vergleich, die Post versendet Briefe und wir professionell Pakete. Wir versuchten uns Glück sodann motiviert bei der hiesigen Post und durften nicht so sehr zu unserem Erstaunen erfahren, dass die Post nicht nur Briefe verschickt, nein, man wird es kaum glauben, sie versendet auch Pakete mit maximal 20kg Gewicht pro Paket. Der Preis: ungefähr AUD $160.00 bis AUD $180.00 per Paket und auch nicht weniger erstaunlich war, dass Seefracht natürlich möglich wäre. Es dauert halt einfach zwei bis drei Monate, aber das macht uns nichts aus. Wir entschieden uns offensichtlich für die Post, kauften jedoch die viel robusteren Boxen bei der "Konkurrenz" ein. Der Post war dies völlig egal und die Damen dort reagierten auch völlig gelassen und unkompliziert. Als wir das erste Paket fertig verschnürt hatten, wog es auf der Waage 18.35 kg; optimal. Wir machten uns an das zweite und wogen es: 19.68 kg. Was für ein Glück :). Leider mussten wir das zweite nochmals öffnen, da Sebnem ihre Parfümflakons eingepackt hatte und wir nicht wussten, dass dies nicht möglich ist. Gut 10 Minuten später waren wir dann fertig, um gut AUD $ 400.00 und der Hälfte unseres Gut und Habens erleichtert.

Die folgenden Tage verbrachten wir hauptsächlich mit einigen Fahrten in der Gegend herum, dem Sonnen am kleinen Swimmingpool in der Caravanpark Anlage, dem Spielen und Unterrichten der Kinder und dem Besuch des wichtigsten Markts, dem Mindil Beach Market. In Darwin herrschen eigentlich immer etwa 30° C und somit sehr angenehmes Wetter. Man muss sich überhaupt keine Gedanken über die Kleidung machen. Einfach aufstehen, Badehose anziehen und raus in den Sonnenschein.

Am 5. August hatten Marie und die kleine Kirrilee beide Geburtstag und Peter lud uns spontan ein, mit ihnen beim Wharf essen zu gehen, da die Kinder uns schon sehr in ihre Herzen geschlossen hatten. Wir sagten zu und folgten der Familie und zwei weiteren älteren Besuchern des Caravanparks, die die Familie kannte, zum Hafengelände in Darwin. Wir assen Fisch (jaja, Sebnem ist immer noch fischsüchtig; sie hat Fisch schon fast vor die Bratwurst mit Zwiebelsosse auf der Liste der Lieblingsessen gesetzt) und genossen einen lustigen und relaxten Abend in einer illustren Runde. Zurück wollten die Kinder unbedingt mit unserem Wagen fahren und so füllte sich unser Wagen mit den Kindern, bevor überhaupt irgendjemand intervenieren konnte. Uns war es wegen dem erst kürzlich geschehenen Unfall etwas mulmig zu Mute, in der Nacht mit fremden Kindern in Darwin herumzukurven, aber wenn etwas passieren muss, passiert es natürlich. Wir kamen erwartungsgemäss heil an luden die Familie noch zu uns ein, um Kirrilee mit einem Schokoladenkuchen und einer lustigen Geburtstagskarte zu überraschen. Sie freuten sich sehr und wir verputzten die halbe Torte. Danach fielen wir todmüde ins Bett, denn wir hatten uns fast den ganzen Tag um die Rasselbande gekümmert; und diese Kinder sind überaus aktiv :).

Am nächsten Tag entschieden wir uns, unser Air Conditioning System zu reparieren und bekamen von Peter den Tip(p) in die Winnellie Gegend zu fahren. Per Zufall fanden wir dann einen kleinen A/C Reparaturshop mit unglaublich netten Mechanikern, welche das Problem mit ihren professionellen Geräten sofort fanden. Die Gasleitungen für das flüssige Gas im Rotor des A/C Systems waren durch das 4WD Fahren beschädigt und es floss alles Gas aus. Somit musste das Ventil repariert werden und wir mussten die Trommel mit neuem Gas auffüllen. Kein billiger Spass. Gut AUD $150.00 wurde uns verrechnet, dafür war es jetzt aber ein für alle Male gefixt. Bezüglich des Luftschlauches konnte mir der gute Mann auch nicht weiterhelfen und so bleibt dieses Problem erhalten. Falls sich jemand für das Auto interessiert und das bemängelt, dann kann er ja einfach AUD $150.00 vom Verkaufspreis abziehen. Wir fuhren wieder zurück und kochten uns etwas Feines. Danach fuhren wir noch unter die Bedachung beim Eingang, wo man gratis den Wireless Internetzugang benutzen kann. Praktisch jeden Abend finden sich dort die jungen Leute mit ihren Autos und Laptops ein und benutzen den Zugang. Witzigerweise sind es ausschliesslich Deutsche und wir, die das Angebot zu nutzen wissen. Das zeigt auch wieder einmal, dass wir in Europa einfach schon gewohnt sind, Wardriving zu benutzen; jeder normale Mensch macht das heutzutage in Europa. In Australien sind die Leute über diese hier neue Form des "Internetmissbrauchs" empört und man spricht in der Politik und den Medien von möglichen Lösungen dieser unverschämten Missbräuche; anstatt, dass man gegen die Oligopolstellungen der Internetanbieter gehen würde, um dem Konsumenten faire Preise zu garantieren. Das gleiche Dilemma widerspiegelt sich im Bereich GPS. Für die Australier eine relativ neue Technologie (im Bereich Unterhaltungselektronik kann man im Grundsatz davon ausgehen, dass Australien gut 1-2 Jahre hinter Europa und Asien ist), gibt's hier von einem Tochterarm der Telstra Kommunikationsfirma eine Monopolstellung was das Anbieten von topologischem und rein geographischem Kartenmaterial betrifft. Die Firma bestimmt im Markt, auf welchen Geräten ihre Australienkarte läuft. Man kriegt lausige Navman GPS Empfänger (zumindest suggerieren das die unzähligen negativen Beiträge im Internet hinsichtlich dieser Marke) oder bei den bekannten Tomtom oder Garmin kriegt man Vorkriegsmodelle, bei welchen man in Europa schon gar keinen Support mehr kriegt. Wir haben uns ja auch ein GPS Gerät gekauft aus zwei Gründen: Einerseits spart man sich in den grossen Städten auf der Suche nach einer bestimmten Adresse unter Umständen sehr viel Zeit und vor allem Geld in Form von gespartem Benzin, andererseits kann man mit GPS Koordinaten versehene Topokarten gut ausmessen und Fixpunkte anfahren, wenn halt wieder einmal eine Strasse nicht genau nach Landkarte verläuft. Drittens kann man halt so Fragen wie, wo ist der nächste ANZ Bankomat oder die nächste Caltex Woolworth Tankstelle meistens akkurat beantworten. Leider wirkt sich hier die Monopolstellung der Firma, welche dieses elektronische Kartenmaterial zur Verfügung stellt, ziemlich negativ auf die Qualität der Dienstleistung aus. In ACT und NSW und dem Süden von QLD waren die Angaben sehr genau, jedoch wenn man mehr in den Norden fährt (ausgenommen Cairns oder Rockhampton) wird das System oftmals aus dem Konzept geworfen. Beim Kauf versuchte ich bei den verschieden Anbietern von GPS zu erklären, dass es für mich wichtig wäre, wenn ich eine Bluetooth-Anbindung hätte, damit ich die WGS84 Daten direkt über eine Pipe in den OziExplorer oder Google Earth speisen könnte. Solche Funktionalität wurde kürzlich erst mit dem Tomtom 720 (soweit ich mich erinnere) und den erst kürzlich in Australien erhältlichen Garmin Geräten zur Verfügung gestellt. Die Leute schauten mich meistens nur verdutzt an und meinten, dass ich so eine Funktionalität überhaupt nicht gebrauchen könne. Die Australier glauben nicht an Kartenlesen und verirren sich lieber einmal mehr, weil sie es unterschätzt haben, dass seit ihrer Kindheit vermutlich rund 1'000'000 Kilometer mehr Strassen hinzugekommen sind. Mit dem OziExplorer und einer 600MB grossen 1:250000 gerasterten Mappe von ganz Australien hätte ich die einzige Albinoameise irgendwo im Ghetto draussen gefunden. Aber für eine banal Funktionalität mehr als AUD $600 zu bezahlen lag uns einfach nicht, zumal wir die gleichen alten Geräte in der Schweiz schon für mindestens die Hälfte weniger gekriegt hätten. Leider liess sich unser simpler Tomtom nicht ohne Weiteres modifizieren, um die Datenpunkte über eine Schnittstelle herausdumpen zu lassen. Ich habe es jedoch geschafft, eine Linux console zu installieren und einen Event-Treiber, welcher bei USB-Schnittstellenverbindung über das sysfs den SIRF-III Empfänger Memory Bereich ausspuckt. Wenn ich noch mehr Zeit gehabt hätte, hätte ich vermutlich die Speicheraufschlüsselung knacken können und mit einem gezielten Ausschneiden gewisser Hexwerte aus dem Zahlenstrom des SIRF-III Chips die GPS Koordinaten Realtime auf unseren Laptop übertragen können. Somit wäre das Geräte extrem nutzbar gewesen. Umgekehr war es auch nicht so einfach, wie wir es uns dachten. Wir wollten nämlich alle von uns mühsam eingetippten "points of interests" im Google Earth über den Routen Exportmechanismus ins hauseigene Tomtom Format konvertieren und dann als Route oder Waypoints oder POIs speichern. So einfach war dies aber nicht, denn zuerst muss man das KML Format mit GPSbabel in ein von Tomtom erkennbares Format umwandeln. Leider funktioniert GPSbabel in dieser Hinsicht etwas ungeschickt und produziert zwar lesbare Dateien, füllt jedoch die einzelnen Felder falsch oder schlecht aus. Irgendwann haben wir es dann über ziemlich komplizierte Konvertierungsstufen geschafft, unsere POIs auf unseren Tomtom zu übertragen. Nun kommt aber das Problem mit der Software des Navigators, welche in meinen Augen schlichtweg nur Scheisse ist. Ich weiss ja nicht, ob die Software, welche im Übrigen zumindest bei den Tomtom Geräten unter Linux läuft, von Studenten geschrieben worden ist, oder ob man den Programmieren ungenügend Geld bezahlt hat, aber ich bin mir sicher, dass keiner der Entwickler ihre Software im praktischen Umgang über ein paar Tausend Kilometer hinweg in Australien getestet haben. Back-tracking an einen zuvor gesetzten beliebigen POI funktioniert überhaupt nicht. Strassen, welche beidseitig "stopping bays" auf gleicher Höhe besitzen, werden als Nebenstrassen erkannt und die gesamte noch zu fahrende Strecke bis Ziel abgehakt und man wir angewiesen sich leicht links oder rechts zu halten, obwohl die Strasse nicht noch mehr geradeaus gehen könnte. Möchte man die Software dazu benutzen rückwärts die schon gefahrene Strecke zu messen, weil man über zwei von drei Punkten weiss, wie gross die Distanz ist, aber nicht über alle Punkte, dann ist das Gerät extrem verwirrt und hüpft mit der Anzahl Kilometer vom Ursprungsort bis zur momentanen Position wie wild herum. Der Kompass funktioniert nicht mehr, wenn man für eine Zeit die Verbindung zu den Satelliten verliert. Ich könnte beliebig weiterfahren mit den Defekten dieser Software, aber den Leuten hier scheint dies egal zu sein oder sie verstehen es schlichtweg nicht. Glücklicherweise haben wir ja noch den Kompass, den mir Marco Demarmels damals kurz vor meiner Abreise zu meinem Geburtstag geschenkt hatte. So, ich bin wieder einmal abgeschweift. Na, jedenfalls haben wir und andere ziemlich schnell herausgefunden, wo man gratis ins Internet gelangen konnte und wussten das auch zu nutzen mit der Aktualisierung unserer Bilder und den Berichten; so dass wir jetzt fast aktuell sind und viele fehlende Berichte auch noch hoch laden konnten.

An Donnerstagabend wurden wir von Peter und seiner Familie eingeladen, sie an den Mindil Beach Market zu begleiten. Für viele Leute ist man nicht in Darwin gewesen, wenn man nicht diesen Markt gesehen hat. Für uns so eine Art Jahrmarkt, war es schon ein interessantes Spektakel, zumal es viele indonesische und asiatische Küchen zur Auswahl gab und einige Streetperformer ihr Bestes gaben, und um die Gunst der Zuschauer zu buhlen. Einer dieser Performer ist die Gruppe EmDee, welche das traditionelle Didgeridoo Instrument mit digitalen Sounderzeugern, Synthesizern und einen ziemlich einfach ausgestattetem Schlagzeug zu einem Drum'n'Bass Ensemble mixen. Vermutlich, an den Namen der Perfomer an, sind es ursprünglich Deutsche, welche aber schon sehr lange in Australien leben müssen. Der Didgeridoo-Spieler hat sogar die lokalen Aborigines in den Bann gezogen, denn er beherrscht das Instrument unglaublich gut. Der Schlagzeuger ist nicht schlecht, aber meiner Meinung nach noch etwas zu wenig einfallsreich und hat wenig Interpretationserfahrung im Drum'n'Bass Umfeld. Ich bin in den 90er Jahren nebst anderen Stilrichtungen mit Jungle, Drum'n'Bass und Downtempo in ihrer Blütezeit aufgewachsen und sehr anspruchsvoll, wenn es um diese meist vom Bossanova abgeleiteten Beats kommt. Ich habe mir aber dennoch eine CD gekauft, denn ich fand die Jungs echt Klasse und wollte sie absolut unterstützen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich sie schon einmal gesehen hatte vor ein paar Jahren, entweder in Melbourne oder in Ottawa an einem Musikfestival. Wir genossen den Abend sehr und kamen natürlich auch in den Genuss des Sonnenuntergangspektakels am Strand, wo sich jeden Tag in dieser Hochsaison vermutlich Hunderte von Leuten treffen und die Sonne im Meer versinkend beobachten und fotografieren. Genau das haben wir auch getan und haben uns dann einen Happen gegönnt. Die May Familie verabschiedete sich alsbald und wir gingen nochmals den zweiten Promo Auftritt der EmDee Band zuhören. Dieses Mal ergatterten wir uns den vordersten Platz und genossen die fünf Stücke, welche das Duo (manchmal ist noch eine Stimme mit dabei) absolut perfekt performten. Den meisten Leuten unabhängig des Alters schien es zu gefallen und die Eingeborenen zeigten ihre Tanzkunst; wenn auch etwas betrunken :). Wir fuhren nach der Vorstellung auch nach Hause ins Bett.

Wir mussten am nächsten Tag wieder einmal unsere Behausung wechseln, da wir uns ja schon am ersten Tag in der Cabin entschieden hatten, die restlichen Tage in dieser Behausung zu verbringen. So mussten wir von Cabin 10 in Cabin 3 zügeln, wo wir prompt auf sehr lustige aber auch ziemlich rassistische Nachbarn trafen. Da wir sowieso die nächsten zwei Tage praktisch nur am Pool verbrachten, liess uns das kalt. Wir genossen die Sonne und bereiteten uns langsam für unsere Weitereise nach Bali vor. Praktisch alles war erledigt, wir hatten jemanden gefunden, der uns um das Problem des Autoverkaufs erleichtert hatte und wir hatten unser Gepäckgewicht um die Hälfte reduziert.

An einem Tag kamen dann die Kinder schon am Vormittag bei uns vorbei und wir wunderten uns, weshalb sie denn nicht in der Schule waren. Streik, war die kurze aber prägnante Antwort. Nach ein paar weiteren Nachforschungen fanden wir heraus, dass die Lehrer für mehr Lohn streiken. Da wir es nicht durchgehen lassen konnten, dass die Kinder einfach keinen Unterricht geniessen, haben wir kurzerhand eine Schulstunde für alle drei Levels organisiert und ich habe mit ihnen ihre Hausaufgaben gemacht, welche sie in Paketen zu je einer Woche Hausarbeit bekommen. Da sie in Darwin immer noch relativ kleine Klassen haben, hatten alle ähnliche Hausaufgaben, aber unserer Meinung nach absolute nicht dem Alter entsprechend. Der 10 Jahre alte Lorn zum Beispiel musste bis zur Fünferreihe alle Reihen aufschreiben und auswendig lernen, wobei eine Reihe bis 12x der respektiven Reihe geht; also in seinem Falls bis 12x5. Ich mag mich da ja etwas weit aus dem Fenster hinaus lehnen, aber soweit ich mich erinnere, konnten wir im Alter von 10 Jahren sicherlich schon bis 1000 rechnen und hatten die Division von Hand durchgenommen. Die Hausaufgaben generell waren von lausigster Qualität und hatten meiner Meinung nach weder erzieherischen Wert noch irgendwelchen Bildungswert. Es hat mich schon etwas schockiert und ich konnte den Streik nicht so ganz nachvollziehen. Ich habe dann die Aufgaben etwas erweitert und alle drei so lange sitzen lassen, bis sie die Aufgaben erledigt hatten. Erst dann erlaubten wir es ihnen, wieder im Swimmingpool zusammen den Nachmittag zu verbringen und zu spielen. Am Abend kam Peter zu mir und meinte bloss, dass die Kinder von jetzt an bei mir die Hausaufgaben machen wollen :).

Am Sonntagmorgen bekam ich noch ein Telefon der Polizei, welche von mir noch ein Statement benötigte und Sebnem und ich fuhren deshalb noch einmal nach Darwin zur Polizeistation. Dort wurde ich schon von Andrew Wolfe erwartet und wir schrieben den Polizeibericht hinsichtlich des Unfalls. Er versicherte mir nochmals, dass mich wirklich keine Schuld trifft und die Sache damit gegessen sei. Mich jedoch interessierte das Schicksal des Verunfallten und so versuchte ich ihn solange zu bearbeiten, bis er mit den Informationen herausrückte. Der Mann habe keine Familie oder Nachkommen, ist in den 40er Jahren und hatte in den letzten zwei Jahren mehrere Motorradunfälle wegen zu schnellen Fahrens. Die Schwester des Verunfallten war erst vor kurzem in Darwin, denn die Angehörigen wohnen in QLD und NSW. Sie verstand die Situation anscheinend und ist sehr wütend auf ihren Bruder. Als ich mich über den Zustand des Mannes erkundigte, stockte Andrew ein wenig. Er sagte mir, dass der Mann solch schwere Verletzungen davon getragen hatte, dass sie ihn nicht mehr im Spital in Darwin behandeln konnten und ihn vor drei Tagen nach Brisbane geflogen hatten. Es ist bei Bewusstsein, jedoch hat er sich erhebliche Knochenbrüche (ich möchte hier nicht ins Detail gehen) zugezogen und dummerweise das Genick gebrochen. Es besteht die Chance, dass er für immer gelähmt sein könnte. Man kann es im Moment nicht sagen. Etwas betrübt über den Ausgang der Sache verabschiedete ich mich und Sebnem und ich fuhren wieder zurück in den Caravanpark. Es nahte der Moment des Abschieds und wir erledigten am Sonntagnachmittag noch alle Formalitäten mit Peter und tauschten unsere Adressen aus. Das war es dann auch schon: ich drückte ihm die Autoschlüssel in die Hand und er fuhr uns zum Flughafen mit unserem Auto. Wir sind sehr gespannt zu hören ob und für wie viel er den Wagen loswerden kann. Wir waren drei Stunden zu früh am Flughafen, weil wir ja wieder einmal die Sache mit dem Surfbrett richten mussten. Zu unserem Erstaunen interessierte sich der Angestellte überhaupt nicht für unsere Fracht uns somit waren wir in 5 Minuten durch die Abfertigung. Jetzt hiess es Abwarten auf den Flieger Richtung Bali. Zum Glück fanden wir auf dem Flughafen noch gratis Internetzugang und konnten unsere letzten Problemchen per Email lösen und die Bilder von Darwin noch hoch laden.

Ich vermisse Australien schon jetzt, denn irgendwie ist es für mich immer noch ein magisches Land von ungeahnter Schönheit. Ich bin dieses Mal jedoch sehr enttäuscht worden von der Politik und der Art vieler Australier und frage mich schon, ob ich mich wirklich ins System einpassen könnte. Wir werden die Immigrationsmöglichkeit nach Australien nicht aufgeben, aber legen die Idee für den Moment auf Eis. Uns reizt nach der ganzen Reiserei viel mehr ein Arbeitsangebot in Südamerika, der Schweiz mit firmenbedingten Auslandsaufenthalten oder in Asien. Leider habe ich es wieder nicht geschafft, meine weiteren Verwandten in Perth zu besuchen. Hätten wir das Auto verkaufen können, wären wir kurz nach Perth geflogen, um meinen Onkel zu besuchen, den ich noch nie in meinem Leben (soweit ich mich erinnere) getroffen habe. Aber jetzt geht es zuerst nach Asien und den Start machen wir mit Indonesien oder genauer gesagt mit Bali. Wir haben noch überhaupt keinen Plan, ausser, dass wir wieder mehr surfen wollen und möglichst weg vom Touristenstrom :).

Die Bilder unseres Aufenthaltes in Darwin möchten wir natürlich niemandem vorenthalten:

Freitag, 1. August 2008

Australien: Roadtrip Nitmiluk & Kakadu Nationalpark

Heute hat die Schweiz Geburtstag und so hoffen wir, dass es in der Schweiz auch so schön ist wir bei uns seit gut zwei Wochen. Wir haben immer Sonnenschein und mindestens 25°, strahlend blauer Himmel und genügend Kälte in der Nacht, um unsere Esswaren vor dem vorzeitigen Verderben zu retten. Natürlich war es auch heute wieder ein wunderschöner Tag und wir haben uns schon darauf eingestellt, die nächsten 2 Monate wieder in tropischen Gebieten zu reisen. Wir hatten im letzten Jahr zum Glück nur einen Monat in Canberra so eine Art Winteranfang mit bis 10° Kälte zu überstehen und freuten uns nach dem dortigen Aufenthalt wieder auf gesunderes Klima.

Ziemlich früh am Morgen sind wir los gefahren Richtung Katherine, da wir uns dort im Informationszentrum uns über den Kakadu Nationalpark informieren wollten und es dort vermutlich auch das billigste Benzin in grosser Umgebung geben würde. Zudem mussten wir wieder einmal ein paar kleine Reparaturen an unserem Landcruiser erledigen, welche nur mit den richtigen Hilfsmitteln zu bewerkstelligen waren. Ein Problem war, dass das von mir angeschweisste Abgasrohr mit einer lausigen dünnen Metallplatte am Chassis nicht wirklich halten konnte. Somit hatten wir ein lästiges Klappern des Auspuffs und die Chance darauf ihn sogar zu verlieren, sofern die Eigenschwingung erreicht werden würde. Wir entschieden uns in Katherine auch bei ein paar Wreckers (Autoschrotthalden) vorbei zu gehen, in der Hoffnung ein paar kleine Ersatzteile wie Schrauben und einen Deckel für den Scheibenwischertank zu erhaschen. Der erste Wrecker war sehr unfreundlich und ich war froh, dass er mir nicht noch seine Bulldogge hinterher jagte. Ein weiterer war nicht aufzufinden und klauen wollten wir nicht. Irgendwann kamen wir dann nach langen Irrfahrten und ziemlich unfreundlichen Hinweisen zu einer Garage, welche sich auf das Schweissen spezialisierte. Der Besitzer war auch sehr freundlich, erklärte mir aber, dass er den Laden nicht mehr führt sondern entschieden hatte, nur noch das Zubehör zum Schweissen zu verkaufen. Kein Problem, meinte ich, dann nehmen wir doch eins der Geräte und reparieren den kleinen Schaden, was vermutlich etwa 3-4 Minuten gedauert hätte. Leider hatte er aber kein Kabel mehr, da er gerade vor einer Stunde das letzte verkauft hatte und somit standen wir wieder mit weniger Benzin im Tank und dem gleichen Problem auf der Strasse. Er meinte jedoch, wir sollen ein paar Blocks weiter vorne zum Elektriker gehen; mit etwas Glück würde dieser den Job erledigen können. Also fuhren wir zum Autoelektriker und wurden auch sehr freundlich begrüsst. Der Boss inspizierte den Defekt kurz und gab dann dem Lehrling einen unmissverständlichen Auftrag, mit einem metallenen D-Ring das Rohr an das Chassis zu bohren. Er fing an … bastelte … werkelte … hämmerte … bohr … fluchte … und die Arbeit schien kein Ende zu nehmen. Ein 4 Minuten Job artete in gut 3/4 Stunden aus und dann berechneten sie uns noch AUD 30.00$ für die Arbeit. Nicht sehr begeistert von diesem Umstand bedankten wir uns und machten uns auf Nimmerwiedersehen auf, um endlich in den nächsten Nationalpark zu gelangen.

Das Pech schien kein Ende zu nehmen: Irgendwie hatte sich dass R.A.A.F (Royal Australian Air Force) entschieden, so eine Miniparade durch die Hauptstrasse von Katherine zu organisieren und blockierte für gut eine halbe Stunde jeglichen Verkehr durch die Stadt; und das wohl bemerkt auf dem Stuart Highway, der wichtigsten Verbindungsstrasse zwischen Darwin und Alice Springs. Wir blieben zwangsläufig stehen und Sebnem schoss ein paar Fotos von den uniformierten Herren und Damen der Air Force. Das ganze Prozedere schien den meisten Leuten ziemlich auf den Wecker zu gehen, da niemand verstand, weshalb um Uhr auf der Hauptstrasse sich so ein Zug von rund 120 uniformierten Leuten präsentieren musste. Da wir viele militärische Umzüge gesehen hatten in Südamerika, waren wir froh, dass der Spuk gut 15 Minuten später schon wieder vorüber war. Wir kämpften uns den Weg nach vorne an den unzähligen Wohnmobilen und Mietautos vorbei über die Brücke aus der Stadt hinaus Richtung Darwin. Auf der Brücke fiel und noch so ein Schmierspruch auf der linken Seite bei der Eisenbahnbrücke auf, der zumindest mir sehr einfallsreich erschien: "Jesus loves Nachos". Eine sehr simple aber durchaus fundierte Aussage, welche viele Interpretationsmöglichkeiten lässt. Ich denke da an die vielen Trinkabende mit Freunden in meiner Jugendzeit die wir hätten füllen können mit einer solch durchdachten Aussage.

Auf dem Weg in den riesigen Kakadu Nationalpark kommt man 42 km nördlich von Katherine unweigerlich am Nitmiluk Nationalpark vorbei und man hat die Möglichkeit ein paar ziemlich ansehnliche Wasserfälle und Teiche zu besuchen. Wir entschieden uns abzubiegen und die Edith Falls zu besuchen. Nur schon aus diesem Grunde, lohnt es sich während der Trockenzeit um Darwin herum, ein Informationszentrum zu besuchen und nach dem Stand der Gewässer zu fragen. Viele Flüsse sind nämlich jetzt schon furztrocken und da kann man noch lange zu einem Wasserfall fahren, tosende Bäche wird man dann nicht finden; dafür ist die Chance höher wieder einmal einen verstopften Luftfilter zu haben. Der Edith Falls Wasserfall jedoch wurde bestätigt, Wasser zu führen. Wenn auch nicht viel, war er sehr imposant anzuschauen und der relativ grosse See, welchen der Wasserfall nährt lädt unweigerlich zum Baden ein. Die Farben reichen bei Sonnenschein von hellbraun am Ufer über ein leichtes gelblich, hellgrün ab etwa einem Meter Tiefe über ein dunkles sattes Grün bis hin zu einem fast Schwarz. Der See hat uns sehr gefallen und wir haben uns etwas darin gebadet. Falls man Lust hat, kann man einem 2.6 km langen Wanderweg entlang laufen, der hinauf zur Spitze des Wasserfalls führt und dann wieder zurück. Hierbei sollte man speziell auf die verschiedenen Arten von Schlange aufpassen, welche sich besonders an warmen Tagen in der Nähe des Wassers und dann im Gebüsch bei Steinen zeigen. Es verging nicht so viel Zeit, bis auch wir eine zu Gesicht bekamen. Da ich sie nicht eindeutig zuordnen konnten, beliessen wir es beim Fotografieren aus der Ferne. Es könnte entweder eine sehr harmlose Wasserschlange (deren Biss trotzdem heftig schmerzt) sein oder eine der giftigsten Schlangen überhaupt diese Erde.

Danach haben wir uns auf den Weg in den Kakadu Nationalpark gemacht. Bei Pine Creek auf dem Stuart Highway muss man in den Kakadu Highway einbiegen und dann führen die nächsten gut 250km in den Nationalpark hinein. Wir haben dann zur Sicherheit in Pine Creek nochmals unseren Tank aufgefüllt. Pine Creek war vor ca. 150 Jahren eine lebendige kleine Minenstadt (Dank des Goldrush). Heute ist es ein kleines, eher unfreundliches Dörfchen, wo man Benzin, Essen und wenn nötig ein Zimmer bekommt. Theoretisch gäbe es auch einen Mechaniker, aber der war nicht auffindbar. Wir waren nämlich auf der Suche nach einem Luftschlauch aus zweiter Hand, welcher den Turboeinlauf des Motors mit dem Luftfilterausgang verbindet. Das Problem bei Toyota ist nämlich, dass das das Teil ist, das einer der höchsten Verschlisse aufweisst und des Weiteren ist Original Toyotazubehör sündhaft teuer und sehr schwierig zu bekommen. Wir haben auf den letzten paar Tausend Kilometer immer wieder mit Leuten gesprochen, welche das Problem kannten und bekamen unterschiedliche Tip(p)s. Einer war, dass wir von einem Holden (australische Automarke) einen Luftschlauch kriegen würden, der passt. Was ich so langsam lernte war, dass dieses Teil sehr teuer war (gut AUD 120.00 $ neu) für so ein lausiges Plastikding, es aber auch eine relativ komplizierte Formstruktur besitzt, welche ihren Zweck erfüllen muss. Erstens, muss der Luftschlauch biegsam sein, weil der Motor durch die verschiedenen Kräfte, welche er ausübt beim Laufen und Fahren sich aus Sicht des Luftfilters heftig in alle Richtungen bewegt. Dafür hat man eine Rillenstruktur gewählt, welche wie eine Art Harmonika funktionieren. Da ein Turbolader in Betrieb sehr viel Luft ansaugt, muss das Teil robuster sein, als die kommoden Luftschläuche. Dies wiederum macht es kompliziert, die Harmonikastruktur flexibel genügend zu gestalten, dass die Wände nicht reissen bei den Vertiefungen; dies ist nämlich bei unserem Luftschlauch passiert durch Abnutzung über die Jahr hinweg. Wenn man auf Autofriedhöfen rumstöbert, wird man bei den Toyota Landcruiser Turbo Modellen immer wieder diesen Defekt sehen. Ein Loch wäre eigentlich ja kein Problem, wenn man sich nicht die halbe Zeit auf Dreckstrassen befinden würde, wo die Luft einen hohen Gehalt an Staub enthält. Das dreckige Luftgemisch, welches ungefiltert in den Turbolader gelangt, wird mit einem unschönen Ton und einem langsam kaputt gehenden Motor quittiert. Wir schon ein paar Male erwähnt in unseren vorhergehenden Berichten, haben wir das ganze immer mit einer Rolle Elektrotape umwickelt und so das Loch zwangsläufig für ein paar Hundert Kilometer geflickt. Das Problem mit dem Elektrotape und einem Motor der bei 30° Aussentemperatur gut 70° heisse Luft generiert ist ganz simpel, dass es die Konsistenz nicht behält. Zudem wird es durch das Loch andauernd auf die Probe gestellt und Richtung Verbrennung gesogen und meistens war es nur eine Frage der Zeit, bis das Tape dann durch den Riss in den Motor gelang und mit einer kleinen zurück speienden Flamme verschwand :). Imposant, wenn das Ziel ist, den Motor etwas zu testen oder viel schwarzen Rauch zu generieren, weniger imposant, wenn man vorwärts kommen will.

Zusätzlich mussten wir eine Pause einlegen, da der Motor sehr überhitzt wirkte. Die Klimaanlage stieg auch noch aus, und obwohl ich ein paar Seiten darüber im Haynes Manual gelesen hatte, wurde ich nicht schlau daraus, wie ich das Problem beheben konnte. Was ich zu dieser Zeit noch nicht wusste, war, dass sich das eine Einlaufventil für das Gas des Rotors der Kühlmaschine durch die heftige Ruckelfahrten unsere 4WD Tracks gelöst hatte und somit Gas entwich und durch den Zusammenprall mit dem Känguru auch Kühlmittel des Motors auslief. Doch dazu später; in diesem Moment war die Lösung einfach die Fenster herunter zu rollen und den Überlauftank des Kühlmittelsystems mit Wasser zu füllen. Ich habe mich spendierfreudig gegeben und dem Motor ein möglichst gesundes Quellwasser spendiert :).

Ohne Klimaanlage brausten wir als in den Kakadu Nationalpark. Man kann nämlich entlang der geteerten Hauptstrasse im Nationalpark 110km/h fahren. Das war für uns eine neue Erfahrung, denn normalerweise fährt man im Nationalpark maximal mit 50km/h. Von der Hauptstrasse weg kommt man dann über meist ungeteerte Strassen zu den Sightseeing Plätzen. Der Nationalpark ist riesig und bietet, sofern man die Zeit hat und den Willen dazu, gut für ein paar Wochen interessante Aufenthalte. Die Aktivitäten beinhalten unter anderem: Bush walking, Wildlife Fotografie, 4WD-Driving, etc. Das anliegende noch grössere Arnhem Gebiet gehört den Aborigine Stämmen und ist wohl eines der am wenigsten besuchten Orte in Australien, da man eine spezielle Bewilligung einholen muss, um dort hinein zu fahren. An diesem Wochenende hätte man relativ gut solche Bewilligungen einholen können bei Jabiru, da in diesem Gebiet gerade ein wichtiges interkulturelles Fest gefeiert wurde. Wenn man sich die weiten Strecken durch den Nationalpark nicht antun möchte, gibt es die Möglichkeit über den Kakadu Nationalpark zu fliegen; diese Touren werden unter "Scenic Flights" von diversen Touragenturen angeboten. Eine Stunde "Kakadu Arnheim Land Explorer" kostet AUD $ 195.00 pro Person. Jedoch trifft das auf einen Flieger zu, wo man das ganze Geschehen nur aus einem geschlossenen Fenster hinaus beobachten kann. Möchte man einen Helikopterausflug über das Arnhem Gebiet machen, muss man mindestens AUD 300.00 hinblättern für Dreiviertelstunden Abenteuer.

Da es schon etwas spät war, haben wir uns entschieden am Gunlom Pool für eine Nacht nieder zu lassen. Wir dachten, dass wenn der Campingplatz etwas weiter weg von der Hauptstrasse weg sei, es sicherlich fast keine Leute mehr haben würde: Weit gefehlt! Wir haben hier im Kakadu Nationalpark das erste Mal zu spüren bekommen, was aus den abenteuerreichen Umgebungen rund um Darwin passiert ist. Die Gegenden sind begehrter denn je und es sammeln sich Tausende von australischen und europäischen Touristen nördlich des 15° Breitengrades auf der südlichen Hemisphäre an. Da hat es auf den Strassen Richtung Darwin und darum herum vor 10 Jahren ganz anders ausgesehen. Der ganze Nationalpark ist voll von Britz, Apollo, Kea, Backpacker, Wicked Camper, Around Australia Motorhomes und all den anderen hässlichen Mietautos und jeder Dritte hat ein Victoria Nummernschild. Man kann wirklich keine Minute alleine für sich sein und die Natur geniessen, ohne dass nicht ein Auto vorbeikommt. Trotzdem ist der Gunlom Pool ein wunderschöner Ort, um seine Zelte für die Nacht oder für mehrere Nächte aufzuschlagen; die Tagestouristen verschwinden nach und nach und man hat den See praktisch für sich alleine. Zu Spitzenzeiten übernachten hier 37 Kilometer von der Hauptstrasse entfernt bis zu 300 Campervans. Der designierte Ort für die Karawanen und Zelte ist gut mit Bäumen besäht und im Umkreis von 30-50 Meter gibt es gemauerte Feuerstellen mit einer Art groben Grill.

Sebnem wollte natürlich gleich unsere frisch gekauften Knoblauch-Petersilie Würstchen auf dem Feuer machen, aber irgendwie sah ich nirgendwo Feuerholz, abgesehen von ein paar kleinen Ästchen in der niedergemähten Wiese. Ich entschied mich, einmal die Gegend zu erkunden und marschierte mit Sebnem los Richtung Outback, intelligenterweise barfuss und mit kurzen Hosen, wie der Obertourist, der noch nie im Outback war. Ein paar Dornenstiche im Fuss und glücklicherweise ohne Schlangenbiss weiter vorne trafen wir auf einen toten Baum, der so aussah, also ob er verbrannt werden wollte. Da der Abstand zum Campingplatz den Lärm, welchen ich gleich verursachte nicht ausreichte, um andere Leute auf das Geschehen aufmerksam machen zu lassen, marschierte ich los Richtung Opfer und begutachtete den gut 20 Zentimeter dicken und rund 5-6 Meter hohen Baum. Es gingen mir einige Gedanken durch den Kopf, welche sich alle um das gleiche Problem drehten, nämlich, wie fällt und zerkleinert man einen Baum dieser Grösse in handliche Stücke für ein gemütliches Lagerfeuer. Und wieder einmal gewann die Physik! Beim Abtasten fiel mir auf, dass der Baum teilweise schon von Termiten durchhöhlt war und etwas hohl klang und vor allem leicht biegsam war. Hebelwirkung wird's schon richten und ich begann mit aller Kraft den Stamm in eine Richtung zu verbiegen. Zu Beginn hörte man nur ein leises Kracken, dann jedoch durch kontinuierliches Schütteln kam der Baum in eine Schwingung, die immer heftiger wurde und gab dann nach gut 5 Minuten mit einem lauten Knacks nach. Dummerweise fiel der Baum nicht zu Boden, sondern verhängte sich mit dem Geäst im benachbarten Baum; vielleicht auch zu meinem Glück, denn ich befand mich ziemlich genau unter dem Baum :). Mit ein paar gezielten Fusstritten knallte ich alle Äste frei und der Baum krachte tosend zu Boden und zersplitterte in drei Teile. Diese waren handlich genug, um sie anzuheben über einen Stein prasseln zu lassen, um sie weiter zu zerkleinern. Nach weiteren 15 Minuten hatten wir einen kleinen Haufen qualitativ sehr gutes Brennholz, welches nur noch zurück transportiert werden musste. Umkämpft von Hunderten von Fliegen (die ganze Prozedur drückte ein paar Schweisstropfen aus meinen Poren) stampften wir zwei Supertouristen bepackt mit ziemlich schwerem Kauriholz barfuss, Sebnem mit Flipflops, durch das Outback zurück zu unserem Zeltplatz. Dämlicher wäre es vermutlich nicht mehr gegangen, aber wenigstens hatten wir jetzt genügend Holz für ein nobles Feuer und unsere 12 Würstchen. Und wie das Feuer loderte! Ich bin mir sicher, dass alle anderen Gäste neidisch auf unseren Brandherd guckten. Das Problem war nur, dass das Kauriholz so extrem heiss verbrennt und ich so viel aufgestapelt hatte, dass sich ein Annähern an die Feuerstelle für eine Zeit als gänzlich unmöglich gestaltete. Die resultierende Kohlenschicht hätte gereicht, um ein Lamm oder eine Kuhhüfte zu braten. Sebnem hatte unter dessen Kartoffeln, Zucchini und Zwiebeln in Alufolie gepackt und wir warfen das Gemüse in die Glut. Die Würstchen folgten und fingen instand an zu brutzeln. Es war just um diese Zeit, als sich ein Aborigine und sein Sohn sehr freundlich auf uns zu bewegten und uns fragten, ob wir hier übernachten wollen. Das bejahten wir und bezahlten für zwei Personen AUD $10.80; ein sehr fairer Preis, was wir im Nachhinein dachten, wenn man bedenkt, dass sie einem sehr gute Duschen zur Verfügung stellen und ausreichend Mülleimer herumstehen, wo man seinen Abfall loswerden kann. Nicht wenige Male, mussten wir unseren Abfall mehrere Dutzend Kilometer in der brütenden Hitze hinten im Auto mitfahren, bis wir einen Ort gefunden hatten, wo wir den Abfall korrekt beseitigen konnten. Die sehr freundlichen Einkassierer zogen von Dannen und wir genossen kurze Zeit später unser Essen und schliefen friedlich unter einem bezaubernden Sternenhimmel ein.

Viel hatten wir noch nicht gesehen bis anhin und so entschieden wir uns am zweiten Tag zu den berühmten Nourlangie Rocks zu fahren. Hier kann man einige der best erhaltenen Steinzeichnungen sehen. Man kann einem vorgefertigten Weg entlang spazieren und die unglaublichen Zeichnungen auf den grossen Felswänden von Nahem betrachten. Es würde sich vermutlich sehr lohnen diese Tour mit einem Guide zu machen, welche dies zu gegebenen Zeiten vermutlich gratis anbieten. Wir trafen unterwegs auf zwei Gruppen mit Tourguides, eine australische und eine italienische, und beide Erzähler wussten unglaublich viel über die Zeichnungen und die Geschichte der damals hier lebenden Aborigines zu erzählen. Es war sehr interessant den Ausführungen zuzuhören. Die italienische Gruppenleiterin erzählte, dass wenn man alle Zeichnungen betrachten wollte, man gut einen zweiwöchigen Marsch vor sich hätte. Es existieren über 5000 katalogisierte Felsenzeichnungen in dieser Gegend und sie zählt damit zu der meist bemalten Gegend der Welt. Am Ende des Weges kann man dann entweder einen 20 Kilometer Bushwalk anhängen oder über den Lookout Punkt zum Autoparkplatz zurück gelangen. Da wir noch andere Dinge vorhatten am heutigen Tag und auch nicht genügend ausgerüstet waren, liefen wir auf den Lookout Point hinauf, von welchem man einen wahnsinnigen Ausblick über das ganze Gebiet hat. Wir genossen den Ausblick und kehrten zurück zum Landcruiser, welcher uns in die am weitest im Nationalpark entfernte Stadt Jabiru brachte.

Jabiru ist das Grenzdorf zum Arnhem Land, zu welchem man nur mit Bewilligung eingelassen wird. In Jabiru gibt es eigentlich nichts Interessantes, jedoch kann man Benzin tanken. Es gäbe theoretisch einen Mechaniker, welchen wir jedoch auch nach zweimaligem Vorbeifahren nicht aus seinem Häuschen locken konnten. Die einzige Überraschung offeriert sich in Form einer Bäckerei namens Kakadu Bakery. Wir hielten dort an und gönnten und eine Erfrischung mit Coca Cola und einer überraschend schmackhaften Pizza und besprachen den weiteren Aufenthalt im Nationalpark. Da wir die Felsenmalereien schon gesehen hatten und die meisten Wasserfälle kein Wasser führten, uns die Landschaft auch nicht so sehr aus den Socken haute, nachdem wir von den Nationalparks auf der Cape York Halbinsel verwöhnt wurden, entschieden wir uns, diesen Tag noch nach Darwin zu fahren, welches nur noch 280 Kilometer entfernt lag. So hielten wir nicht mehr beim Ubirr Rock an, da der Besuch der Nourlangie Rocks vollkommend ausreichend war für uns. Nach einer unbeschwerlichen Fahrt kamen wir dann endlich in der Vorstadt von Darwin, Palmerston, an und fuhren gleich zum Flughafen, um unsere Flüge bestätigen zu lassen. Ich war schon gut 10 Jahre lang nicht mehr in Darwin und die Grösse der verbauten Gegend hat mich umgehauen. Nichts sitzt mehr, wo es früher war, der Bush wurde abgehakt und es sind Wohnsiedlungen entstanden und man muss sogar bezahlen, um sein Auto beim Flughafen abzustellen, AUD $3.50 für die erste halbe Stunde. Das sind ja schon fast Flughafen Kloten Preise. Dummerweise waren wir dann auch noch 17 Sekunden zu spät bei der Ticketmaschine, und mussten somit AUD $5.00 bezahlen. Eigentlich kamen wir rechtzeitig, wählten aber die falsche Ticketmaschine, welche keine Münzen akzeptierte und bis wir realisierten, dass es zwei Meter weiter weg noch eine hat, die funktionierte, waren wir zu spät. Eine Unterkunft hatten wir auch noch nicht, aber das sollte ja kein Problem sein in Darwin. Wenigstens dachten wir das in unserer Naivität.

Unsere Nationalparkbesuche haben wir mit ein paar Fotos untermalt, welche hier zu finden sind: 

Mittwoch, 30. Juli 2008

Australien: Roadtrip Barkly Highway via Stuart Highway to Mataranka

In eisiger Kälte sind wir auf dem Restplatz auf dem Barkly Highway erwacht und bereiteten uns schnell für die Weiterfahrt Richtung Mount Isa vor. Die Stadt war glücklicherweise nicht mehr all zu weit entfernt. Sie ist umgeben von Hügeln und ihr Wahrzeichen sind zwei riesige Schornsteinkamine und die Minen. Das Städtchen hat uns nicht besonders gut gefallen, aber wenigstens konnten wir hier noch günstig Diesel tanken. Wir erkundigten uns noch über Ersatzlampen, da ja eine anlässlich des Zusammentreffens mit einem Känguru den Geist aufgegeben hatte. Neue Lampen bekommt man nur im Duopack und der geschätzte Kostenpunkt liegt bei ca. AUD $ 150.00. Da wir im Moment eher auf low-budget aus sind, entschieden wir uns bis auf Darwin abzuwarten und dort die Notwendigkeit der Ersetzung nochmals zu überdenken.

So fuhren wir gegen Uhr von Mount Isa los Richtung Three Ways, was eine Strecke von 650 km ausmacht. Der Streckenabschnitt ist anfangs noch sehr interessant, doch nach ein paar hundert Kilometern hat sich das Auge an die Vegetation gewöhnt: Unendlich sich ausbreitende Grasslandschaften, an vereinzelten Orten mit Bäumen und dann wieder übersäht mit Termiten "Moulds". Kurz nach der Durchfahrt durch Camooweal gelangt man an die Grenze von Queensland und den Northern Territories. Hier ist die Schnelligkeitslimite 130km/h und der Dieselpreis schwindelnd hoch! Bis nach Three Ways zahlt man pro Liter Diesel mindestens AUD $ 2.24! Uns wurde gesagt, dass der Dieselpreis in Darwin tiefer sei, dennoch war es hier in Three Ways, wo wir einen neuen Rekord aufstellten und für gut 81 Liter AUD $ 182.00 bezahlten. Das tat weh :). Das Problem war auch, dass wir bis zu diesem Zeitpunkt mit einem komplett verstopften Luftfilter herumfuhren und die Pumpe für den Einspritzmechanismus mit Öl verschmiertem Dreck blockiert war. Nachdem Roberto ein paar Seiten im Manuel gelesen hatte und sich noch an die Konversationen mit Mario dem Supermechaniker erinnern konnte, blies er den Luftfilter mit der Luftpumpe aus und säuberte den Pumpenmechanismus. Leider riss das bewegliche Verbindungsstück des Ansaugschlauches zwischen dem Luftfiltergehäuse und dem Turboeingang fast vollends und eine weitere Rolle Klebestreifen musste herhalten.

Nach dem Reparieren des Autos war es dann auch schon wieder Zeit, unser Lager aufzuschlagen. Wir übernachteten in Three Ways im Threeway's Roadhouse Camping Ground für AUD $ und genossen die untergehende Sonne. Obwohl wir das nicht mehr erwähnten, aber seit wir Cape Tribulation verlassen hatten, wurden wir von wolkenlosem Sonnenschein begleitet und durften die Tage im mindestens 25° warmen Wetter verbringen. Das kam uns und den Sachen auf unserem Autodach sehr gelegen. Wir kochten uns Pasta und bereiteten uns für den nächsten Jump vor, welcher dann nur noch knapp 600 Kilometer sein würde. Darwin war schon in die Nähe gerückt und nur noch 1000 Kilometer von uns entfernt. Bei Three Ways treffen die wichtigen Strassen des Barkly Highways und des Stuart Highways zusammen, welcher von Darwin über Alice Springs bis nach South Australia führt. Da wir wirklich praktisch den ganzen Tag gefahren sind, gibt es auch hier nicht viel zu erzählen, aussser, dass kein Känguru mehr dran glauben musste.

Am nächsten Morgen haben wir wieder selber Brot gebackt und sind frühmorgens losgefahren in das ca. 560 km entfernte Mataranka. Der Weg dem Stuart Highway entlang ist extrem langweilig und man zählt die Kilometer rückwärts bis man über die wenigen Städtchen in die Oase Mataranka gelangt. Hier sieht man vermehrt Aborigines. Wir wollten eigentlich noch weiter fahren Richtung Darwin, aber irgendwie blieben wir hier hängen. Es ist wirklich so eine Art Oase und der natürliche Thermalpool, welcher als eine Art Bach durch die Dschungellandschaft fliesst, hat es uns sehr angetan. Zudem ist die anliegende Campinganlage "Mataranka Homestead" sehr schön umgeben von Palmen. Wir haben uns dann irgendwann entschieden, dass es sowieso etwas zu spät ist, um weiter zu fahren und haben dann die AUD $20.00 für einen Campingplatz bezahlt. Unabhängig davon, ob man zahlender Gast ist oder nicht, kann man Gebrauch des natürlichen Thermalbades machen. Dieser Thermalpool mit kristallklarem Wasser (34°) liegt idyllisch inmitten von Palmen und ist 24 Stunden geöffnet; zwangsläufig :). Wir haben uns natürlich sofort in das Wasser begeben und sind dem Bach Richtung Weiher gefolgt, in welchem es anscheinend manchmal Krokodile drin haben soll. Mich hat das nicht so sehr aufgehalten und ein paar andere Australier auch nicht wirklich und wir schwammen ein wenig in dem Weiher umher. Die Leute der Anlage stellen immer wieder Fallen und versuchen die Krokodile vom Weiher fern zu halten und somit ist die Gefahr wirklich sehr klein, auf ein Krokodil zu treffen. Nichtsdestotrotz verirrt sich immer wieder einmal eines in den Pool; unser Vorteil ist jedoch, dass es sich um Süsswasserkrokodile handelt, welche im Vergleich zu ihren Salzwasserkollegen als eher ängstlich einzustufen sind. Sebnem blieb draussen und betrachtete das Geschehen aus sicherer Entfernung und sichtete dafür als erste eine kleine Schildkröte, die sich offensichtlich in ihrem Schönheitsschlaf gestört fühlte und mal so kurz an die Wasseroberfläche des Sees schwamm, um zu gucken, was denn ihn ihrer Umgebung Aufregendes los sei. Leider konnte ich sie nicht fangen, da diese Dinger, wenn sie klein sind, sehr scheu sind und im trüben Wasser braucht sie nicht weit zu kommen, bis ich keine Chance mehr habe, ihr zu folgen. Zudem wollte ich meine Arme und Hände aus hoffentlich verständlichen Gründen nicht zu weit in die Mangrovenwurzeln am Ufer entlang hineinstrecken.

Nachdem wir uns tüchtig gebadet und jeden Winkel erkundet hatten, wurden wir auf ein Schild mit "car wash" aufmerksam und ich fragte bei der Bar kurz nach, was es mit dem auf sich hat. Die Lady meinte nur, dass wir unser Auto waschen können und ich war etwas verdutzt, denn im Normalfall herrscht in Australien im Outback extreme Wasserknappheit. Als ich dann realisierte, dass pro Tag 10 Millionen Liter Wasser aus dieser warmen Quelle fliessen, fuhren wir schnurstracks zum Ort und fingen an unser Auto zu waschen. Wir mussten zuerst noch den Schlauch reparieren, aber wuschen sicherlich gut eine Stunde unseren Landcruiser mit konstant 34° warmen Wasser durch und durch. Nach getaner Arbeit blitzte unser Auto wieder, als ob es frisch ab Presse kommen würde; zumindest für uns.

Wir kochten uns eine Pasta und assen unser Mahl den malerischen und dramatischen Sonnenuntergang am Horizont verfolgend. Ich überredete Sebnem nochmals mit mir in den Thermalpool baden zu kommen, zumal es bei totaler Finsternis ein noch spezielleres Erlebnis ist. Sie zögerte ein wenig, kam dann doch mit und wir genossen unser Bad im warmen fliessenden Bach im Dschungel mit Blick auf einen wunderschönen klaren Sternenhimmel. Andere Pärchen werden uns vielleicht zustimmen, dass dies ein speziell guter Ort für ein wenig Zweisamkeit ist bei Nacht :).

Das Gebiet um den Pool herum ist zur Sommerzeit Brutort der "Little Red Flying Fox", eine Art fliegender Hunde. Diese kommen dann zu Hunderten und hängen sich in den Wipfeln der Bäume und Palmen und hinterlassen durch ihr Gewicht ein Bild der Zerstörung wie nach einem Taifun, da sie sämtliche Palmenwedel herunter reissen. Dies erlaubt es dem Dschungel sich zu reorganisieren und andere Pflanzenarten bekommen eine Chance zu wachsen, da nun endlich wieder Sonnenlicht auf den Boden trifft. Generell sind die Struktur und der Mechanismus des Überlebens und Zusammenlebens der Organismen eines Urwaldes höchst interessant. Ich frage mich manchmal, wie viel dieser Strukturverläufen des Urwaldes sich in unseren urbanen Sozialverhaltensweisen widerspiegeln. Eventuell gäbe es interessante Parallelen zwischen der Dynamik der soziotechnischen Elemente einer heutigen Grossstadt und der biologischen Evolution eines Urwaldverbundes. Nur so als kleines Beispiel: Im Dschungel findet man immer wieder solche Trittbrettfahrer, welche sich an einen Baum hängen und so schneller parasitär zu Sonnenlicht und Wasser gelangen oder es gibt Pflanzen, welche andere über Jahrtausende regelrecht verschlingen; in der heutigen Zeit oft bei feindlichen Firmenübernahmen zu beobachten.

Und wieder einmal bin ich sinnlos abgeschweift. Wir sind nur noch knapp 350 km von Darwin entfernt, wenn man dem Stuart Highway folgen würde. Wir haben uns jedoch entschieden es locker anzugehen und mindestens noch den Umweg durch einen der grössten Nationalparks der Welt zu gehen, den Kakadu Nationalpark. Dazu jedoch mehr im nächsten Bericht.

Die Bilder des Badespasses sind hier verewigt:

Dienstag, 29. Juli 2008

Australien: Roadtrip Lakefield Nationalpark via Lakeland und Savannah Highway

Vorsichtiges Fahren war am heutigen Morgen angesagt mit dem Ziel ohne eine weitere Panne den Lakefield Nationalpark hinter uns zu lassen. Unsere erste Priorität war es, irgendwo einen Occasions-Reifen als Ersatzreifen zu kaufen. Wenn man sich in Australien auf alternative Routen begibt, sollte man auf jeden Fall einen, besser zwei, dabei haben. Das erste Dörfchen  nach dem Verlassen des Nationalparks ist wie schon im vorhergehenden Bericht erwähnt Musgrave. Musgrave ist ein Durchgangsdorf zur Spitze von Cape York und ist die Drehscheibe für den Einkauf von Proviant und Benzin. Von hier aus sind es noch ca. 500 km bis an die Spitze. Wir hielten uns hier kurz auf, entsorgten unseren kaputten Reifen und machten uns auf den Weg in die nächst grössere Stadt Laura.

Unsere geplante Route wäre aber ganz anders verlaufen. Wir wollten 24km südlich von Musgrave auf eine alternative Route einschlagen, welche sich bis nach Dunbar erstreckt. Von dort aus wollten wir auf der 4WD Strecke "Savannah Way (alternate Route)" zum 258km entfernten Dörfchen Normanton gelangen. Aber seit Tagen war die Strecke zwischen Dunbar und Normanton geschlossen und wir bekamen nirgends korrekte Infos darüber, wann die Strecke wieder geöffnet würde. Von Musgrave aus bis nach Normanton über die die 4WD Strecke sind es 488 km. Wir waren wegen der bis auf weiteren Schliessung der Strasse nun gezwungen über Lakeland / Mareeba / Ravenshoe / Mount Surpise über den Savannah Highway nach Normanton zu fahren, was sich über eine Strecke von 1034 km hinauszieht. Das ist ein lästiger Umweg von 546 km oder eine Tankfüllung oder AUD $ 150.00!  Dieser Umstand hat uns doch sehr geärgert, zumal wir uns mit der alternativen Route fast eine ganze Tankfüllung hätten ersparen können und weil diese Route sicherlich interessanter gewesen wäre. Nun, zum Meckern blieb keine Zeit übrig und wohl oder übel nahmen wir diesen Umweg in Kauf und machten uns von Musgrave aus Richtung Laura auf die Suche nach einem passenden Ersatzreifen. Im verschlafenen Dörfchen von Laura – von hier aus kann man den Split Rock anschauen – machten wir nicht all zu langen Halt. Wir erkundigten uns nach einem Ersatzreifen, jedoch standen nur neue Reifen für AUD $ 200.00 zum Kauf. Mit auf dem Weg bekamen wir den Tipp in Lakeland bei Chris vorbeizuschauen, er sei "The Man", was Autoteile anbelange. Bis auf Lakeland waren es weitere 62 km und wir machten uns auf den Weg dorthin. Unterwegs fragten wir noch bei lokalen Geschäften an, ob sie ein Gebrauchtreifen zum Verkauf hätten, leider war für unseren Landcruiser nichts dabei, jedoch auch hier erhielten wir den Rat, bei Chris vorbeizuschauen. Chris the Swiss, wie wir dann herausgefunden haben, scheint in einem Umkreis von über 200 km einen super Ruf zu haben. Eigentlich ist er zwischen Cairns und der kompletten Cape York Halbinsel als der Mechaniker von Dieselmotoren und 4WD Autos bekannt.

In Lakeland angekommen, tankten wir erst wieder Mal unseren Tank voll und erkundigten uns über den Wohnort von Chris. Er wohnt zusammen mit seiner Frau Rösli, ebenfalls Schweizerin, 8 km südlich von Lakeland Richtung Mareeba und hat sich vor über 10 Jahren hier Land gekauft und sich eine Existenz aufgebaut. Er führt eine sehr moderne und typisch schweizerisch aufgeräumte Garage, die man so in ganz Australien vermutlich nicht mehr finden würde, und seine Frau arbeitet mehrheitlich draussen im Feld. Die beiden züchten nebenbei erfolgreich … & Passionsfrüchte, die bei gelangter Reife an spezielle BIO-Läden in Melbourne, Sydney und Brisbane verkauft werden. Während sich Roberto mit Chris über das Auto unterhielten, nahm mich seine Frau mit auf einen kleinen Rundgang um die Felder. Wir kauften schlussendlich bei Chris einen neuen Reifen für AUD $ 185.00. Er meinte, dass man hier in der Gegend sich gar keine Mühe machen müsse, einen Gebrauchtreifen finden zu wollen. Die Vorschriften diesbezüglich seien in den letzten Jahren sehr strikt geworden und sogar er als Garageführer bekäme vom Händler keine Gebrauchtreifen mehr über. Es gibt Vorschriften bezüglich der Profilabnutzung und diese Regelung steht für die Sicherheit der Strassen. So gaben wir das Geld für einen neuen Reifen aus und sind nun wieder auf der sicheren Seite, wenn es wieder Mal eine Panne geben sollte. Chris erläuterte uns noch, dass das Business mit der Garage nicht mehr so gut laufe wie in den guten alten Zeiten. Seine Theorie dafür sind zwei Faktoren: der Alkohohlverbot, der vor ein paar Jahren auf der Cape York Peninsula erhoben wurde und dass das Fischen an vielen Orten limitiert wurde. Es seien nicht mehr so viele Leute in dieser Gegend unterwegs wie früher. Das mag wohl sein, aber nach wie vor ist Chris auf der ganzen Cape York Peninsula bekannt und die Anlaufstelle überhaupt. Als wir eine andere Person auf dem Caravanpark nach Chris fragten und ihm erzählten, dass er nicht mehr so viel arbeite, meinte der nur: er kenne ihn ja eigentlich nur seit kurzem und weiss gar nicht, wie er ein Mensch ein noch grösseres Pensum an Arbeit als das heute bewerkstelligen kann. Wieder einmal eine kleine Diskrepanz zwischen dem, was die Einheimischen unter Arbeit verstehen und was wir Schweizer darunter verstehen. Kurz bevor wir uns auf die Weltreise begaben, lasen wir noch in der Zeitung die Statistiken der durchschnittlich geleisteten Überstunden per Capita in der Schweiz und wie wir mit grossem Abstand die Spitze halten; wir werden diese Statistik wohl etwas gegen unten korrigieren.

Da es nun bereits Abend war, entschieden wir uns im Caravanpark in Lakeland zu übernachten und bezahlten AUD $ für eine "powered site". Glücklicherweise waren wir nur für eine Übernachtung in diesem Caravanpark. Ich wäre lieber im Outback irgendwo im Gebüsch auf die Toilette gegangen als auf diese! Überall hingen irgendwelche Viecher herum und während meiner Dusche bekam ich Besuch von zwei Kakerlaken. Ich mag diese herumkrabbelnden Viecher einfach überhaupt nicht und werde mich wohl nie an sie gewöhnen.

Am nächsten Morgen machten wir uns dann auf den Weg auf die Savannah Way, welche zumindest in Theorie von Cairns bis nach Broome führt, zumindest aber den Pazifik mit dem indischen Ozean bei Normanton verbindet. Während der Fahrt waren wir ziemlich alleine auf der Strasse bzw. mit der Geschwindigkeit mit der wir unterwegs waren, konnten die Wohnmobile nicht mehr mithalten. Bis auf eine Ausnahme. Wir überholten ca. 50 km vor Mount Surprise einen roten Sportswagen mit einer Dame am Steuer und hatten sie ab diesem Zeitpunkt immer dicht hinter uns. Unglaublich, wie sie auf einmal Gas geben konnte, als sie überholt wurde :). Auf jeden Fall leistete sie gute Arbeit und holte uns immer wieder ein. Sie muss also zwischenzeitlich über 150 km/h gefahren sein. In Mount Surprise gönnten wir uns einen Burger und nach ca. 5 Minuten kam ein älteres Pärchen auf uns zu und die Dame fragte uns: "Are you the driver of this car" auf unseren Landcruiser zeigend. Roberto meinte dazu, ob sie die Dame sei, die wie eine Verrückte gefahren sei und sie meinte nur: "I always tried to catch up with you guys". Sie war wirklich eine sehr witzige Persönlichkeit und musste bestimmt so um die 60-65 Jahre alt sein und in ihrem früheren Leben eine Raserin gewesen sein :). Die beiden sind einfach Mal so 500km gefahren, um ein paar Freunde zu besuchen. Die Distanzen in Australien sind einfach enorm. Wir fahren im Moment sozusagen täglich die Distanz von Zürich-Genf. und zurück. Wenn es mal eine Strecke von 200 km zu fahren gibt, ist das ein "piece of cake":).

So fuhren wir der Savannah Highway entlang bis nach Normanton und kamen dort kurz vor Dunkelheitseinbruch an und liessen unseren Wagen voll tanken. Von hier aus führt eine 4WD Strecke (immer noch die Savannah Way) via Borroloola nach Darwin. Da Roberto noch ziemlich fit war, entschieden wir uns noch bis in das 383 km entfernte Städtchen Cloncurry zu gelangen. Der heutige Tag stand also voll im Zeichen des Fahrens und Vorwärtskommens. Es war auch das erste Mal, wo wir gefahren sind und ich möchte diese Tat ungern wiederholen. Die Strecke zwischen Normanton und Cloncurry auf der Burke Development Route war am Abend voll mit herumhoppelnden Kängurus. Und das auf einer Strecke von über 300 km. Die Kängurus können von gut Glück reden, dass Roberto ein sehr vorsichtiger Fahrer ist und eine gute Reaktionsgeschwindigkeit besitzt. Nach unserer Zählung sind knapp 34 Kängurus dem sicheren Tot entkommen, weil wir ausgewichen sind oder abgebremst haben (Anmerkung von Roberto: ich hätte eigentlich bei keinem angehalten, aber Sebnem zu liebe wollte ich kein Massaker veranstalten). Eines hat es dann leider doch nicht geschafft. Roberto hat von Weitem vier die Strasse überquerende Kängurus gesehen und stark abgebremst. Drei der Kängurus sind im Gebüsch verschwunden. Das eine blieb stehen, hoppelte einmal rechts, dann links und dann auf unser Auto zu, welches immer noch mit etwa 40km/h unterwegs war und gut 2.5 Tonnen wiegt. Impulserhaltung lehrt uns Masse mal Geschwindigkeit im Quadrat durch zwei für die Energie, den Rest kann man sich denken bei einem Massenunterschied von 1 zu 50. Es tut mir extrem Leid für das Känguru, aber das scheint hier in Australien kein grosses Dilemma zu sein. An den Strassen liegen sie zu Dutzenden tot herum und werden von den Vögeln gänzlich eliminiert. Ein Lastwagen oder Lastzug nimmt hier überhaupt keine Rücksicht und fährt einfach die Strasse entlang ohne Rücksicht auf Verlust. Ich mag die Kängurus wirklich sehr gerne, aber wenn sie einfach auf die Strasse rennen und sich nicht entscheiden können, wohin genau, da kann ich nur sagen, was für ein dummes Vieh das ist. Man weiss nie, ob jetzt von irgendwoher ein Känguru auf die Strasse hoppelt und somit ist das Fahren für mich in der Nacht abgehackt. Roberto ist sich das von früher her gewohnt und ihm scheint das Umfahren von Kängurus nicht so sehr zu beschäftigen. Das angefahrene Känguru hat uns auch mit einem neuen Defekt beschert. Eine der vorderen Lampen ist defekt. (((((Der Kopf des ziemlich grossen Kängurus wurde durch die Bullbar gezwängt und hat eines der Spotlichter getroffen und es wurde dadurch ziemlich beschädigt; ansonsten gab es nicht den kleinsten Kratzer am Auto. )))))Hätte man nicht den dumpfen Bums gehört und das Känguru etwa 10 Meter weit weg schleudern sehen, hätte man nicht einmal gewusst, dass man etwas angefahren hat. Das gibt einem auch zu denken, wenn man mit so einem schweren Gefährt unterwegs ist, das ab einer gewissen Geschwindigkeit einfach durch alles durchfährt wie ein Panzer. Wir haben ja mit unserem Landcruiser schon öfters neue Strassen durch das Gebüsch gebaut; man stelle sich vor, für einen kurzen Moment nicht alles zu sehen auf einem Parkfeld oder bei einer Strassenüberquerung und man trifft einen Menschen.

In Cloncurry wechselten wir auf die Barkly Highway und fuhren noch ca. 30 km Richtung Mount Isa bis wir einen Ausruhplatz fanden und dort die Nacht verbrachten. Die Nacht war hier im Outback ziemlich kalt und wir froren uns den Arsch ab. Puhhh, heute sind wir von Lakeland über die Savannah Highway bis nach Cloncurry gefahren. Das ist eine Strecke von 1246km. Leider war unser Auto auch nicht mehr im besten Zustand, denn die lange Strecke praktisch ohne Halt hatte ihm ziemlich zugesetzt und der Riss im Ansaugschlauch des Turbos wurde zu einem grossen Loch, welches wir nun mit Elektrikklebeband abzudichten versuchen. Zudem überhitzte unser Motor ein wenig, denn die komplette Kühlflüssigkeit war aus dem Reservoir verschwunden und kam auch nach dem Abkühlen nicht mehr zum Vorschein. Des Weiteren hatten wir ein ernstes Problem mit dem Luftansaugmechanismus über den Luftfilter und ein übles Problem mit der Getriebepumpe. Leider hat Roberto das erst später richtig entdeckt und so kam es, dass der Motor im Turbobetrieb über 3700 U/min einfach abschaltete; nichts wirklich Erfreuliches, wenn man sich mit 110 km/h auf dem Highway befindet. Zum Glück hat Roberto jedoch das Haynes Toyota Landcruiser Repair and Maintenance Handbuch gekauft, wo man, gegeben genügend Zeit, alles über dieses Auto herausfinden kann. Darwin ist immer noch über 1600 Kilometer entfernt.

Viele Fotos gibt es zwar nicht von unserer Durchreise, aber die ein paar wenigen wollten wir Euch natürlich nicht vorenthalten:

Montag, 28. Juli 2008

Australien: Roadtrip Cape Tribulation to Lakefield National Park

Nach zwei schönen und erholensamen Tagen in Cape Tribulation machten wir uns wieder einmal auf die Weiterreise. Am Morgen gönnte sich Roberto im Garten von Sean noch eine erfrischend kalte Dusche in der Sprinkleranlage. Sean und sein Saufkuppel erwachten doch noch kurz vor unserer Abfahrt – sichtlich mit einem üblen Kater – und wünschten uns eine pannenfreie und schöne Weiterreise.

Die vor uns ungeteert gelegene Strecke nach Cooktown ist bekannt als der "Bloomfield Track". Diese ist nur mit einem 4WD Wagen befahrbar und führt durch ein paar Flüsse und steile Hügel. Anfangs denkt man noch, dass die Strecke auch mit einem Mobilauto befahrbar sei, aber man wird dann nach weiteren 10 Minuten Fahrt eines Besseren belehrt und man kann von Glück reden, wenn man seinen Wagen im Griff hat. Wenn man nicht mit einem 4WD Wagen unterwegs ist, muss man die ganze Strecke bis nach Mossman über den Daintree River zurück fahren und von dort einen grossen Umweg über die Stadt Lakeland fahren, um nach Cooktown zu gelangen. So sind wir hier im Norden sehr froh um den Kauf unseres Landcruisers und gelangen an Orte, wo nicht jedermann sein Zelt aufschlagen kann. Hier treffen wir mehrheitlich australische Touristen an, die sich auf dem Weg an die Spitze der Cape York Peninsula – dem nördlichsten Punkt Australiens – befinden. Ja, ja, Cape York. Diese Destination stand auf unserer Wunschdestinationsliste an erster Stelle aber leider mussten wir davon absehen. Wir haben leider ein zeitliches Problem und man müsste sich mindestens 1 Woche – wenn nicht 2 Wochen – Zeit nehmen um Cape York zu entdecken.

Die Cape York Halbinsel besteht aus 14 Mio. Hektaren Savannenlandschaft und Regenwald. Die beste Reisezeit durch das tropische Paradies wäre jetzt, also in der "Trockenzeit" von Mai – Oktober. Vor 10'000 Jahren war Cape York mit Papa New Guinea verbunden und aus diesem Grund findet man sogar in diesem Teil von Australien den "Cuscus" (Opossum-Gattung), den "Palm Cockatoo" (Australiens grösster Papageienart) und zwei Spezies von Paradiesvögeln, den "Trumpet Manucode" und den "Magnificent Riflebird". Der Iron Range Nationalpark in Cape York ist bekannt für die Observierung dieser raren Tierarten. Natürlich sind wir ein bisschen enttäuscht, dass wir keine Zeit mehr hatten, bis an die Spitze von Cape York zu gelangen, zumal wir nur noch ca. 700 km davon entfernt waren. Übrigens ist es verboten Alkohol mit in das Gebiet von Cape York mitzubringen; da haben wir aber auch schon anderes erlebt. Den Australiern scheint diese Regelung ziemlich am Arsch vorbei zu gehen und kaufen in grossen Mengen Alkohol mit auf den Weg. Hier herrscht das Prinzip des Australian Law: Don't get caught!

Nun bin ich wieder ein bisschen ausgeschweift. Zurück zum Bloomfield Track. Die Fahrt über die hügelige Landschaft hat uns ziemlich gut gefallen, vor allem weil sie eine willkommende Abwechslung darstellte und Roberto und seine Fahrkenntnisse forderte. Wir machten kurz Halt bei einem der Aussichtspunkte und gelangten alsbald bei Black Mountain (Info Wikipedia) auf den Mulligan Highway, welcher sich bis nach Cooktown erstreckt. Cooktown wurde wohl so benannt, weil im Jahre 1770 der Seefahrer James Cook hier einen sicheren Fluss fand und 48 Tage in der Stadt verbrachte, um sein havariertes Schiff zu reparieren.

Hier haben wir zum ersten Mal seit der Abfahrt in Canberra die Sonne richtig gespürt und haben auf der Wiese ein kleines Nickerchen gemacht. Da wir uns auf dem Weg in den Lakefield Nationalpark befanden, wo man auf Selbstversorgung angewiesen ist, machten wir noch ein paar kleine Einkäufe und tankten unseren Landcruiser voll. Witzig ist die Tatsache, dass in Cooktown zwei Tankstellen konkurrieren, von denen einer satte 10 Cents mehr pro Liter verrechnet. Bei einem 90 Litertank macht das AUD $ aus. Es kann also nie schaden, sich in einem Dörfchen nach den Dieselpreisen umzuschauen, sofern man nicht für 9 Dollar Diesel verbraucht, um es herauszufinden :). Wir haben was das anbetrifft auch schon die falsche Entscheidung getroffen. Dann denkt man, dass man einen guten Deal gefunden hat und prompt fährt man an einer anderen Tankstelle vorbei, wo man ein paar Dollar hätte sparen können. Was die Benzinpreise anbelangt, stören sich viele Australier (und wir schliessen uns ihnen an) über die übermässig erhöhten Preise in den letzten Monaten bzw. Jahren. In Queensland startete vor gut ein paar Tagen ein Streik der Lastwagenfahrer gegen die absurden Benzin- bzw. Dieselpreise. Wie der Streik nun ausgegangen ist, wissen wir leider nicht. In den Medien wurde davon gesprochen, dass die Leute in Queensland sich mit dem Nötigsten aufstocken sollen, da die Läden in der Streikperiode leer sein würden. Wir bezahlen je nach Ort und Territorium zwischen AUD $ 1.70 – für einen Liter Diesel (Durchschnitt liegt bei AUD $ 1.80). Grundsätzlich ist der Dieselpreis in Queensland günstiger als in ACT oder New South Wales, weil er von der Queensland Administration subventioniert wird. Benzin (bleifrei) schlägt einem mit AUD $ – 1.70 zu buche. Diese Angaben gelten nicht für das Northern Territory. Wie es hier aussieht, müssen wir noch herausfinden :).

Auf unserem Weg in den Lakefield Nationalpark schauten wir uns noch kurz den Endeavour Wasserfall an und lernten zwei junge Australier kennen, die ebenfalls auf dem Weg nach Cape York waren. Sie haben ihr Auto total neu restauriert und Roberto hat deren 4WD unter die Lupe genommen und ein paar Ideen für etwaige Erweiterungen an unserem Landcruiser gesammelt. Generell lernt man auf der Strasse von den Australiern, vor allem die älteren Generationen, sehr viel über 4WD und wie man seine Karren modifiziert. Roberto hat sehr viele Ideen für das nächste 4WD Auto, welches wir entweder durch den fernen Osten, Kolumbien und Venezuela oder quer durch Afrika fahren werden. Diese Reisen liegen jedoch in ferner Zukunft :). Ursprünglich hatten wir sogar einmal geplant, sofern das Geld gereicht hätte, den Wagen nach Sri Lanka oder Singapore zu verschiffen und dann über Indien, Pakistan, Afghanistan, den arabischen Staaten, Syrien in die Türkei zu fahren, um meine Eltern zu besuchen; ein anderes Mal halt. Es gäbe im mittleren/fernen Osten eben noch ein paar Länder, welche Roberto noch nicht besucht hat, wie zum Beispiel Kasachstan, Usbekistan und Turkmenistan. Wir sind jedoch jetzt auf dem Weg Richtung Lakefield Nationalpark.

Die Strecke bis zum Eingang des Nationalparks ist sehr schön und führt über eine ungeteerte rote Strasse (Erklärung von Roberto: wie vermutlich jeder weiss, entstammt das Rot oder die Terrakotta Farbe des roten Kontinents aus der Oxidation der Metalle im Boden und ein Teil davon ist das vergossene Kängurublut dieser unzählig an der Strasse liegenden niedlichen Tiere; Silikon ist vermutlich der einzige Grund, weshalb einige Steinformationen noch nicht dem Erdboden gleich gemacht wurden, aber hier komme ich in einen Bereich der Chemie, wo ich nicht mehr so sattelfest bin) durch einen Wald. Hie und da sind ein paar Flüsse oder Bäche zu überqueren wo man wieder einmal im Vorteil ist, wenn man im Besitze eines 4WD ist. Wieso ich das so explizit erwähne? Ca. 30 km vor dem Eingang in den Nationalpark war ein Pärchen aus Victoria mit einem 3.5 Tonnen schweren Mercedes Minibus nach der Flussüberquerung im weichen Sand auf der anderen Seite stecken geblieben. Sie waren sichtlich erleichtert uns auf der anderen Seite zu sehen. Roberto lief kurzerhand durch den Fluss hindurch und schaute sich das Dilemma genauer an. Das Pärchen muss schon seit einer Weile versucht haben, ihren Minibus aus dem Sand auszugraben, da beide total ausser Atem waren. Der nette Herr leidet zusätzlich an einer terminalen Lungenkrankheit und war extrem am Ende mit seinen Kräften; wollte aber nach eigenen Aussagen noch ein bisschen weiter reisen, bevor er ins Grass beisst. Glücklicherweise haben wir uns vor unserer Abreise eine "Winch" (Übersetzung? Motorisierter Drahtseilzug?) gekauft und konnten den schweren Mercedes mit etwas Glück und viel Mühe aus dem Sand ziehen. Dabei mussten wir eine zweite Strasse mit unserem Landcruiser durch noch tieferen Sand bauen, weil der Mercedes die einzig mögliche Spur versperrt hatte. Zudem mussten wir den Mercedes aufwärts an einem 15° steilen Anhang herausziehen. Aber die Winch hat gehalten (wenn auch knapp) und der Landcruiser hat sich keinen Milimeter nach unten zerren lassen.  Soviel zur Aussage von Joe, Roberto's Onkel: "Ohh, you are never going to need that bloody winch" :). Diese alleine nämlich kostet normalerweise gut AUD $ 700.-; wir kriegten sie über Ebay jedoch etwas billiger.

Das Pärchen bedankte sich abermals bei uns und wir machten uns weiter auf den Weg. Wenn wir gerade bei dem Thema Pannen sind, möchten wir Euch die Aussage des im Nationalpark tätigen Rangers nicht vorenthalten. Als wir ihm von der Panne am Fluss erzählten, meinte er nur, dass müssen sicherlich Europäer gewesen sein. Mehrheitlich seien es Europäer die im Nationalpark stecken bleiben oder sonst welche Pannen aufweisen (wohl bemerkt unterwegs mit ihren nicht ganz für diese Strecke tauglichen Karren oder überschätzen einfach die Strassenverhältnisse, da die schlechteste Strasse in Europa vermutlich an die Qualität des Bruce Highways kommt). Die Stelle mit dem weichen Sand ist im sehr wohl bekannt, da hier schon einige nicht mehr weiterkamen und Hilfe benötigten. Nun ja, apropos Pannen, ihr werdet es uns kaum glauben, aber wenige Zeit nach unserer Heldentat, mussten wir uns wieder Mal mit einem kaputten Reifen auseinandersetzen! Der hintere rechte Reifen wurde bei der Schnelligkeit, mit welcher wir unterwegs waren, überhitzt und an einem fest sitzenden etwas scharfen Stein regelrecht zerfetzt. Natürlich spielte die Kondition der Strasse und die Umgebungshitze auch eine Rolle, aber vor allem wegen des zu schnellen Fahrens mit zu hohem Gewicht und zu niedrigem Reifendruck, hatten wir uns den Rest des mit einem total kaputten Reifen abzugeben. Wenigstens war der Untergrund dieses Mal etwas besser als auf Fraser Island. Trotzdem musste Roberto, da wir essentiell nur noch auf dem einen Felgen standen, ein Loch unterhalb der Befestigungsstütze bei der Übersetzungsstange in die Strasse graben, um den Flaschenheber sicher positionieren zu können. Wir, schon geübt mit dem Radwechsel, montierten den Ersatzreifen diesmal mit weniger Problemen an. Übrigens eine Sache noch, von der ich nicht mehr sicher bin, ob das in einem der vorherigen Blogeinträgen erwähnt ist: Unser kaputter Reifen von Fraser Island liess sich zum Glück ohne grossen Aufwand reparieren. Der Reifen wies kein wirkliches Loch auf, sondern wurde aus dem Felgen gehievt, da wir mit wenig Luft im Pneu unterwegs waren, um im Sand eine grössere Ablagefläche zu erhalten. Er wurde uns damals gratis von einem Fan unseres Autos repariert.

Diesmal hatten wir aber Pech; der Reifen gehörte definitiv auf den Schrotthaufen! So warfen wir den kaputten Reifen auf unser Dach (der richtige OZ style wäre natürlich den Pneu im Nationalpark zu lassen, damit sich die wilden Tiere daran nähren können) und fuhren in den nächstgelegenen Campingplatz (Bushcamping). In "Old Laura" kann man sich selbst für einen der Dutzenden Campgrounds registrieren. Man entscheidet sich für einen Schlafplatz, steckt AUD $ 4.50/Person in ein Couvert und wirft dieses in ein dafür vorgesehenes Kästchen. Wir übernachteten im "Kennedy Bend Waterhole Campground", wo wir ganz alleine waren. Der direkt neben uns gelegene Fluss ist gemäss dem Ranger einer der besten Orte um einen Krokodil sehen zu können. Natürlich war mir sehr mulmig zu wissen, dass nur ca. 10 Meter weiter im Fluss Krokodile hausen. Der Lakefield Nationalpark, welches sich auf der Cape York Peninsula befindet, ist voll mit Flüssen ("the wetlands") und zieht viele verschiedene Arten von Tieren, vor allem Wasservögel an. Die Krokodile behausen einen Grossteil der Flüsse und es ist strengstens verboten sich in eines der Gewässer zu begeben. Und wieder einmal haben wir uns übertroffen: Wir haben beide mit dem Inhalt einer 1.25L Flasche Wasser geduscht. Man wagt es kaum zu glauben aber es ist so. Wir haben beide nicht schlecht gestaunt, als wir das realisiert haben. Wie verschwenderisch wir doch in unserer Gesellschaft sind mit Wasser. Natürlich haben wir uns nicht die Haare gewaschen oder den linken unteren Zeh, aber die wichtigsten Zonen wurden sauber und wir wagten uns wieder aneinander zu schmiegen, ohne Gefahr zu laufen auf Ewigkeit hin aneinander verklebt zu sein.

Am nächsten Morgen machten wir eine Kleine Tour am Fluss entlang und auf den Sanddünen im Fluss und während der Suche nach einem Krokodil lauschten wir den Vögeln zu und genossen es in der Wildnis zu sein. Leider hatten wir kein Glück mit der Sichtung eines Krokodils und machten uns weiter auf den Weg. Obwohl man ja immer wieder davor gewarnt wird, genau das nicht zu machen, muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass man schon extrem Pech haben muss, um von einem Krokodil attackiert zu werden. Im Allgemeinen scheuen die Tiere zu viel Lärm und verziehen sich lieber an einen ruhigeren Ort. Wie schon in anderen Berichten erwähnt, kann man natürlich Pech haben und am falschen Zeitpunkt am falschen Ort sein. Die Zeitungen hier im Norden haben sicherlich jede Woche von so einer Story zu berichten. Hier sind es jedoch nicht nur die Touristen, welche gefressen werden (obwohl nach einer Aussage einer Informationsmitarbeiterin Amerikaner die Statistik führen beim gefressen werden), sondern auch die Einheimischen, welche sich halt schon sehr ungern an Regeln halten und trotz des Verbots oder der Ermahnung direkt ans Wasser begeben, um zu fischen und die Fischabfälle wieder in den Fluss schmeissen; am besten noch mit einem Hund an der Leine in der Nähe und halb besoffen. Beim Herausfahren auf den richtigen Track am Morgen fuhren wir dann an zwei solchen Gesellen vorbei, die schon etliche Bierdosen zu Morgenstund verdrückt haben mussten. Bierdosen werden im Allgemeinen von diesen Unbelehrbaren auch nicht mitgenommen, sondern im Feuer verbrannt. Dem australischen Outbackjungen wird natürlich vom stolzen erfahrenen Papa früh erklärt, dass wenn man das Buschfeuer im Nationalpark genügend gross und feurig macht, man alles darin verbrennen kann, inklusive Abfall und Bierdosen. Um das Feuer genügend gross zu machen, benötigt man natürlich ein paar richtige Bäume, welche man mit einer Motorsäge oder mit dem 4WD umwirft und zerstückelt. Fertig ist das OZ BBQ. Was wir schon alles in den Aschen vorhergehender Besucher gefunden haben.

Was uns sofort aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass wir nicht die einzigen mit einer Reifenpanne waren. Immer wieder sieht man einen kaputten Reifen am Strassenrand liegen. Ist wirklich schade, dass die Leute ihren Abfall nicht einfach mitnehmen können, zumal man sich hier in einem Nationalpark befindet.

Der Nationalpark hat uns sehr gut gefallen und es hat es sich allemal gelohnt hier hinauf zu fahren. Es gibt im ganzen Nationalpark genau einen Campingplatz, wo kalte Duschen zur Verfügung stehen. So machten wir uns als allererstes auf den Weg dorthin, da wir noch vorhatten, einen weiteren Tag im Nationalpark zu verbringen.

Vorbei an der Landschaft von Nifold Plain und an herumhoppelnden Wallabies (nördlich von Hann Crossing) landeten wir am späteren Nachmittag auf dem Campingplatz beim Annie River. Nifold Plain ist eine riesige, baumlose und flache Grasslandschaft übersäht mit Termiten "moulds" und hat uns sehr imponiert. Die Bushcampingzone mit Blick auf den Annie River hat uns sofort gut gefallen und wir genossen den wunderschönen und heissen Tag. Für kurze Zeit waren wir alleine auf dem Campinglatz, bis sich zwei furchterregend aussehende Australier aus der South Australia zu uns gesellten. Es stellte sich heraus, dass sie ziemlich locker waren und auch auf dem Weg an die Spitze von Cape York waren. Sie fischten den ganzen Nachmittag und Abend lang und gerade als wir uns schlafen legten, fing der eine einen riesigen spotted cod. Sie fingen auch mud crabs (Krabbenart) und einige Stingrays. Den einen Stingray behielten sie als bait (Deutsch? Beute?), die anderen liessen sie gehen. Nach ein paar Spielereien mit dem Cod entschieden sie, dass sie ihn auch wieder zurück werfen wollen, denn wir vier hätten unmöglich so viel Fisch essen können; er wog gut 20kg.

Wir kriegten auch noch gratis Strom, da der eine Australier einen Generator hatte (kostet etwa AUD $ 2000). Im Gegenzug gaben wir den Jungs zwei Meter Alufolie und ein paar Kochtipps, wie man Kürbis, Zucchini und Kartoffeln auf dem Feuer schmackhaft zubereitet oder Peperoni länger haltbar macht im tropischen Klima ohne Kühlschrank. Wir sind immer noch ohne Kühlschrank unterwegs und haben unsere Mägen schon an so einiges gewöhnen können :). Manchmal kaufen wir uns Fisch oder Gehacktes, bereiten dies jedoch spätestens 12 Stunden später zu und kochen es. Beim Gemüse ist es weniger schlimm, wenn es nicht mehr so frisch ist und Milchprodukte gehen im Allgemeinen auch. Manchmal macht sich eine kleine Magenverstimmung bemerkbar, aber das könnte natürlich auch von unserem abgestandenen Wasser im 20 Liter Tank kommen, denn wir wissen eigentlich nie so genau, was für Wasser wir kriegen (im Moment dieser Berichterfassung haben wir Wasser aus einer 34° Grad heissen Mineralquelle getankt, welches wir über Nacht draussen in der Savanne abgekühlt haben), wenn wir unseren Wassertank an einem Gartenschlauch auffüllen. So geschehen auch, als wir aus dem Lakefield Nationalpark herausfuhren und uns Richtung Musgrave begaben, um Diesel und Wasser zu tanken. Musgrave muss wohl das kleinste und wichtigste Dörfchen in einer sehr grossen Umgebung sein, denn es besteht aus zwei bis maximal drei Häuschen und davon ist eines die Tankstelle mit einem riesen grossen Parkplatz, an welchem sich alle 4WD Leute treffen, um sich ein letztes Mal abzusprechen bezüglich den letzten 500 Kilometer bis zur Spitze. Das Wasser ist Bohrwasser und dementsprechend bekommt man auch ein paar Proben australischen Bodens mit, welche dann in Form von dunkeln Fetzen im Wasser des Tanks herumschwimmen. Aber seit Südamerika sind wir uns einiges gewohnt, und wir wollen auch unsere Mägen wieder für Indonesien und Asien trainieren.

Auch wir müssen uns absprechen und da wir in den letzten Tagen keine Änderung bezüglich der gesperrten Strassen erhielten und auch niemand uns sagen konnte, ob die Strassen in naher Zukunft denn wieder offen sein würden, entschieden wir uns den langen und sehr mühsamen Weg hinunter zum Savannah Highway zu fahren und über Mount Isa nach Darwin zu gelangen. Von Musgrave aus waren es noch 3000 Kilometer und es war klar, dass wir sicherlich einen Overnighter oder halben Overnighter (Tag und Nachtfahrt) machen mussten. Die Wahnsinnsfahrt von über 1200 Kilometer von der Cape York Halbinsel über den Savannah Highway bis fast nach Mount Isa bekommt ihr im nächsten Bericht geliefert.

Die schönen Schüsse des Nationalparks findet ihr hier: