Samstag, 2. Februar 2008

Brasilien: Sao Paulo

Nach über einem halben Jahr Reisen im Spanisch sprechenden Teil Südamerikas wurde es Zeit, die Sprachgrenze zum ersten Mal in Form eines kurzen Besuchs in Brasilien zu überqueren. Aus verschiedenen Gründen hatten wir uns entschieden, den Aufenthalt in Brasilien auf nur drei Wochen zu beschränken (in etwa die Zeit, die ein Reisender im Durchschnitt aus Europa in diesem Land verbringt): Ganz klar ein Hindernis würde uns die Sprachbarriere sein, aber die schiere Grösse dieses facettenreichen Landes ist einschüchternd genug. Es ist als landete man irgendwo in Europa und hätte jetzt drei Wochen zur Verfügung, um sich etwas darin, inklusive eines nicht vernachlässigbaren Teils Russlands anzugucken. Ich würde im Falle von Europa sicherlich ans Meer fahren, Kroatien, Italien und Griechenland beherbergen wunderschöne Strände. Würde man einen Nordamerikaner fragen, dann würde dieser mit grösster Wahrscheinlichkeit Paris, Rom, Berlin, London, Barcelona und Athen angeben, weil sehr viele geschichtliche oder politische Schulbücher in den Vereinigten Staaten immer diese Städte erwähnen.

Nun, wir sind aus Europa und stehen jetzt vor einer ähnlichen Entscheidung, denn auch in Brasilien gibt es unzählige sehenswerte Städte und der Vorteil ist, dass sich viele dieser entlang der über 6000km langen Küste Brasiliens befinden. Wer schon einmal quer durch Australien oder Afrika gefahren ist, der kann sich vorstellen, wie immens gross dieses Land ist und zu allem Unglück müssen die in Brasilien noch eine so unnötig komplizierte und zumindest für Sebnem und mich hässliche Sprache sprechen. Wir entschieden uns, gegeben durch unsere Oneworld Flugsegmente von Buenos Aires nach Sao Paulo und von Rio de Janeiro nach Santiago de Chile wenigstens diese zwei Kapitalen der Verkörperung der brasilianischen Kultur zu besuchen. Witzigerweise oder vielleicht auch weniger betrachtet man die Hostelpreise während dieser kurzen Überhochsaison fiel unsere Reise nach Brasilien genau auf die Karnevalszeit. Wir haben vermutlich so ziemlich alles falsch gemacht, was man in dieser Zeit als Tourist falsch machen kann: Last-Moment Buchung einer Unterkunft irgendwo in Brasilien bis 50km weit ins Landesinnere, keine Tickets für den Sambadrom (dazu gleich mehr) gekauft und die Preise unterschätzt. Hier aber gleich zur Beruhigung: Wir haben alle unsere Organe noch, wir wurden nicht überfallen, niedergestochen oder sonst irgendwie angegriffen und wir hatten eine sehr gute und interessante Zeit in Brasilien. Mit vielen NZZ Folios über die Favelas (slumartige Stadtviertel von 30% der Bevölkerung Rio de Janeiros) und ausgezeichneten Filmen wie City of God [LINK] oder Touristas [LINK] werden Leute immer wieder auf die Brutalität und Gewalt, welche auf den Strassen Sao Paulos oder Rio de Janeiros alltäglich sind, hingewiesen. 70%-90% (die Zahlen schwanken leider sehr je nach Quelle sind aber nicht minder traurig) der Jugendlichen in den Favelas erreichen das 25ste Lebensjahr nicht. Wir planten definitiv keinen Besuch dieser slumartigen Stadtviertel.

Irgendwie hat es Sebnem wieder geschafft uns ein einigermassen günstiges (für die Verhältnisse während der Karnevalszeit) Hostel zu organisieren. Geht man auf eine der Buchungsseiten von Hostels (http://www.hostelbookers.com/, http://www.hostels.com/, http://www.hostelworld.com/) erschlagen einen die Preise fast und die Konditionen versetzen einem den Todesstoss; 6 Tage muss man im Minimum buchen (vor allem in Rio de Janeiro) und so ein Platz in einem 12-er Dormitorium kann einem mit rund $60-$120 USD pro Nacht und Person zu buche schlagen. Dann hat man einen Schlafplatz, ist aber noch weit davon entfernt den Karneval zu sehen. Naïv wie wir beide waren – im Nachhinein fanden wir heraus, dass viele andere Reisenden die gleiche illusionistische Vorstellung hatten – dachten wir, dass wir dann einfach die Strassen mit den halbnackt herumtanzenden und festlich gekleideten hübschen Damen suchen und uns zu der Menschenmenge hinzugesellen. Falsch gedacht, der typische Karneval scheint im Süden Brasiliens kommerzialisiert zu sein und wenn man die sexy Girls und Boys der verschiedenen Schulen sehen möchte, dann muss man sehr tief in die Tasche greifen; im Nachhinein etwas verständlicher. Das Spektakel spielt sich nämlich in Sao Paulo und Rio de Janeiro in einem so genannten Sambadrom ab. Das Sambadrom ist ein in die länge gezogenes rechteckiges mit Flutlichtern und einer monstermässigen Beschallungsanlage versehenes Stadium, welches gut einen Kilometer lang ist. In der Mitte führt die Paradestrasse und beidseitig türmen sich die Tribünen entlang der Strasse mit verschiedenen Plätzen, die Preise von erschwinglich bis fast schon lächerlich. Die Show beginnt so gegen 22.30 Uhr und geht sicherlich länger als die meisten Partyleute vertragen. Wir haben uns (ich besoffen, wie mein ehemaliger Schulkollege in Chicago Andreas Wietasch richtig kommentiert hat in der Bilderserie, und Sebnem sichtlich ermüdet) so gegen 3 Uhr morgen auf den Rückweg gemacht. Möchte man hingegen den Karneval auf den Strassen sehen, ist uns gesagt worden, dass die Stadt Salvador in der Nähe von Recife den Karneval so feiert; sicherlich einen Besuch wert.

Ich fand es noch witzig, wie wir an das Spektakel in Sao Paulo gelangt sind. Sebnem wollte schon immer an den Karneval und Rio de Janeiro war einfach finanziell nicht in unserem Segment. Zudem waren wir ja in Sao Paulo und dort gab es auch Karneval. Dieser dauert im Normalfall etwa knapp eine Woche, wobei nur in den ersten beiden Tagen die professionellen Schulen ihre Tänze, Trachten und Kultur zum Besten geben. Es lohnt sich also Tickets für diese Tage zu kaufen. Der Kauf des Tickets kann sehr interessant sein. Es gibt verschiedene Kategorien, aber so richtig verstanden haben wir das nicht wirklich. Für interessierte gibt es auf dieser Website eine Übersicht. Wir waren in Sektor B, ziemlich am Anfang, wo sicher alle Schulen vorbeikommen (einige Teile der Gruppierungen verlassen die Paradestrasse seitlich schon etwas früher, wie zum Beispiel die Trommlerformationen). Es sind unnummerierte Sitzplätze, aber am Karneval setzen nicht einmal die 80-jährigen vor 2 Uhr morgens hinJ.

Wir schlenderten so langsam zurück ins Hostel und wogen ab, ob wir versuchen sollten, einfach einmal zum Event zu fahren, um zu sehen, ob man vielleicht trotzdem noch einen Platz ergattern kann; die Tickets waren nämlich komplett ausverkauft. Wir trafen noch zwei Iren, welche zuvor für 120 Reais (rund $70 USD) pro Person auf dem Schwarzmarkt Tickets ergattert hatten und schon halb auf dem Weg Richtung Sambadrom waren. Wir entschieden uns dann es einfach zu versuchen und hasteten zur Metrostation. Dort fuhren wir zur Station Portuguesa-Tiête, dem Bushauptterminal Sao Paulos. Von dort aus kriegt man von irgendwelchen Leuten gratis Bustickets die einem direkt zum Sambadrom fahren. Schon als wir ausstiegen kamen zahlreiche fragwürdige Gestalten auf uns zu und fragten uns ob wir noch Tickets brauchten. Wie uns der Alltag in Südamerika bei grau-schwarzen Geschäften immer wieder bestätigte, observiert man das Geschehen und den Händler zuerst einmal unbeeindruckt und völlig desinteressiert. Darauf folgt ein kurzer obercooler bestätigender Blick, dass man an einem Deal interessiert sein könnte und der Rest ist schauspielerische Kunst (jede Partie scheint den anderen davon zu überzeugen, dass er zu Hause eine 10-köpfige Familie durchzubringen hat und wenn der Preis weiter zu dessen Ungunsten ausfällt, diese unter das Existenzniveau fielen und so weiter und so fort). Das ganze Hin und Her klappt meistens besser, desto fliessender man die landestypische Sprache beherrscht. Unser Portugiesisch ist auf dem Nullniveau, vor allem am zweiten Tag in Brasilien. Man versteht zwar erstaunlich viel, wenn man es liest aber die Brasilianer geben einem nicht genügend Verschnaufpausen, um ihre Orationen im Hirn nach Erkennen eines Wortes ausreichend zu verarbeiten, damit man annähernd etwas verstehen würde. Trotzdem fanden wir es geschickter, die Leute in Brasilien auf Spanisch als Englisch anzusprechen (die meisten sprechen ungemein besser Englisch als Spanisch, oder tun zumindest so wie die Romands in der Schweiz J), denn mit Englisch ist man immer als abzuzockender Gringo abgestempelt.

Wir kamen in Kontakt mit einer Frau, welche schwarz Tickets für 120 Reais pro Person im Sektor B anbot. Sie folgte uns und versuchte uns erfolgreich von der Authentizität der Eintrittstickets auf halb Spanisch halb Portugiesisch zu überzeugen. Sie lief mit uns bis zum ersten Eingang, wo sich die mehrere Hundert Meter lange Schlange Besucher bildet und verifizierte mit einem Ticketkontroller die Echtheit der Tickets. Unterwegs handelten wir den Preis herunter bis auf 105 Reais (bei legalem Kauf hätte es 80 Reais gekostet) pro Person, kauften die Tickets und standen in der richtigen Schlange an. Die Schlange mit den A und B Tribünenplätzen war aber elend lang und einige Schlaumeier kletterten über die Absperrung und folgten den anderen Leuten mit anderen Kategorien, welche um einiges schneller vorwärts zu kommen schienen. Sehr zum ihrem Nachteil, denn ein paar Hundert Meter weiter vorne wurden sie rigoros wieder zurückgeschickt und mussten hinten anstehen. Da der ankommende Strom von Menschen nicht abzubrechen schien, verloren diese Leute sehr viel Zeit. Zu diesem Schlaumeiern gehörten auch unsere zuvor getroffenen Iren, welche wir verdutzt auf halber Strecke trafen. Wir liessen sie auf unserer Höhe über die Absperrung in die Schlange eingliedern, welches von hinten mit viel Missmut und wütenden Stimmen begleitet wurde. Wir erklärten den Leuten, dass es unsere Freunde wären und sie nur kurz etwas erledigen mussten und die Lage beruhigte sich wieder. Das bescherte mir das erste Gratisbier an diesem Abend, eines der vielen zu viel Getrunkenen J.

Irgendwann kommt man dann an den richtigen Eingang, wo man das Ticket abliefert und sich möglichst schnell auf die Tribüne begibt, um einen optimalen Platz zu ergattern. Wir waren leider schon etwas später unterwegs und kamen etwa eine Viertelstunde vor Beginn des Spektakels an. Somit durften wir mit den hinteren Tribünenplätzen vorlieb nehmen. Das ist an und für sich nicht ein grosses Problem, ausser man möchte ganz klare und scharfe Bilder der klinisch hergerichteten Busen der braungebrannten Ladies knipsen oder Schattenkonturen der 12-packs der Boys in knappen weissen Höschen auf Bildern festhalten.

Der Ablauf ist in etwa folgender: Es gibt eine mir unbekannte Anzahl Staffeln mit einer mir ebenfalls unbekannten Anzahl Schulen, die ihr tänzerisches Können und ihrer Umsetzung eines Themas zum Besten geben. Zu Beginn jeder Staffel gibt's ein Feuerwerk und die stereotypische Sambamusik für die Staffel wird eingedröhnt. Diese gleiche Musik wird dann solange wiederholt, bis alle Schulen der Staffel durch die Paradestrasse getanzt sind. Abschliessend kommen die städtischen Kehrichtmänner und –frauen und räumen gleich hinterher tanzend den gröbsten Dreck auf. Dann gibt es eine Pause von rund einer Viertelstunde, die nächste Musik der nächsten Staffel wird eingedröhnt und wiederum tanzen neue Schulen mit ihren immensen und wunderschön gestalteten Wagen vorbei; ehrlich gesagt sind die Wagen der Loveparade, der Streetparade oder jedes Karnevalumzugs den ich je gesehen habe ein Witz im Vergleich zu diesen liebevoll gebauten Vehikeln, die teils mit Motorenkraft und oftmals mit Hilfe purer Muskeln der Strasse entlang gestossen werden. Auf den Vehikeln türmen sich meistens ein Dutzend Tänzer auf Schwindel erregender Höhe auf kleinen hervorstehenden Plattformen und geben ihr Bestes. Die Leute, die ihre Schule erkennen jubeln ihren Stars zu, alle tanzen und viele singen. Es wird mit selbst aufgeblasenen Luftröhren (Achtung: hat man wie in meinem Fall schon ein paar Biere in sich gekippt kann das Unterfangen des Aufblasens einer solchen Röhre ein Balanceakt sein) umher geworfen oder gewedelt, Pappteller und Werbekartons fliegen durch die Luft, kleine ungefährliche Feuerwerkskörper und Wunderstäbe werden gezündet und die Menschenmenge konvertiert in eine im Delirium versunkene Masse ausgelassener Individuen. Die meisten Männer mit enormen Bierbäuchen ziehen spätestens nach der zweiten Staffel und dem zehnten Bier ihre übergrossen T-Shirts aus, damit die mit nicht ins Maul getroffene Bier und Schweiss getränkten Brusthaare gut als Kontrast in die sonst farbenfrohe Menge passt; oft prallen einige der entblössten Bäuche zusammen, aber stören tut's keinen. Eine Staffel dauert, so weit ich mich erinnern kann, rund eine bis eineinhalb Stunden.

Nach ein paar Staffeln hat man es jedoch gesehen. Es ist immer das gleiche und die Sambamusik macht einem zusammen mit dem Alkohol mürbe im Kopf und willenlos. Diese Tatsache unterstreicht das ungebremste Bevölkerungswachstum der Brasilianer. Wir waren nach gut vier Stunden mürbe und zumindest der männliche Teil unserer Gruppe (die Iren hatten sich zu uns gesellt), dass heisst alle ausser Sebnem, war ziemlich besoffen. Wir machten uns gemeinsam auf den Rückweg, um die Kosten der Taxifahrt durch vier teilen zu können. Unterwegs fing der eine irische Kollege an mit dem Fahrer zu diskutieren und bis zum Zeitpunkt, wo der andere irische Kollege eine Zigarette im Auto rauchen wollte, war alles ziemlich ruhig. Der Fahrer wollte aber nicht, dass man in seinem Auto raucht und machte dies lautstark publik. Durch den Alkoholeinfluss wirkte die Antwort des Kollegen auf diese Bitte gleich lautstark und negativ. Das war etwas ungünstig, denn wie so oft in Südamerika fühlen sich die Leute sofort verbal angegriffen und lassen ihre Unmut in einem lauten Wortgewitter freien Lauf. Der Ire auf dem Vordersitz wollte natürlich gegen argumentieren und verfehlte damit den Punkt, dass wir vier überhaupt keine Rechte in diesem Taxi hatten und uns in eine sehr ungünstige Position verfrachteten, mitten in der Nacht in Sao Paulo auf einer Strasse, die wir nicht kannten. Es gelang uns den Iren zu beruhigen und die Diskussion auf Fussball umzulenken, ein Thema das dem Fahrer sofort einen Sonnenschein ins Gesicht zauberte, umso mehr als der zuvor heftig diskutierende Ire die brasilianischen Fussballer huldigte. Ende gut alles gut, wir kamen lebendig an und fielen müde und glücklich endlich einen Karneval in Brasilien miterlebt zu haben ins Bett.

Der nächste Tag gestaltete sich mit einer von Sebnem dirigierten City Tour. Zu den von kommerziellen Anbietern angebotenen City Tours gibt’s folgende Informationen: Es gibt keinen typischen City Bus, wie in manch anderen Städten. Die Auswahl der Anbieter ist so vielfältig wie die Farben des Karnevals. Zu den Preisen hier ein Beispiel: Es gibt eine Tour von SP Tours, die kostet sage und schreibe R$ 260.00 ($150 USD) für zwei Personen für 3 Stunden, R$ 320 für 4 Stunden und R$465 für 5 Stunden. Gemäss Auskunft ist diese Tour sodann auch nur für zwei Personen gedacht. Andere Touren füllen teilweise einen kompletten Bus mit Leuten. Eine alternative Möglichkeit bietet sich am Wochenende: Turis Metro. Hier muss man zu einem bestimmten Zeitpunkt an der Metrostation Sé sein und von da aus starten diverse Touren mit einem Guide. Das ganze wird per Metro durchgeführt, das Ticket muss selbst bezahlt werden. Ein Metroticket kostet R$ 2.30.

Sao Paulos Strassen sind übersäht mit Obdachlosen, vor allem Kindern und Jugendlichen. Es gibt einem teilweise schon ein Gefühl von Unwohlsein. Man sollte Augenkontakt vermeiden, denn sobald man Kontakt hergestellt hat, kommen sie auf einen zu und betteln unaufhörlich. Die angenehmen Bettler fragen kurz nach dem Getränk, das man zum Beispiel in der Hand hält und so etwas kann man getrost geben, aber man sollte (solange man nicht mit Waffen bedroht wird) generell kein Geld geben. Ich habe diese elenden Zustände in verschiedenen Ländern in Asien und Afrika gesehen, aber so richtig daran gewöhnen werde ich mich wohl nie. Mit direkter Geldspende auf der Strasse hilft man aber nicht, zumindest nur temporär. Das Problem verschiebt sich einfach. Kleines Beispiel aus der Realität: Das Leben der Obdachlosen in solchen Agglomerationen hat bedauernswerterweise so geringe Bedeutung, dass wenn man jemanden etwas Geld gibt, dieser unter Umständen von anderen Obdachlosen oder Stadtviertelbossen dafür genötigt oder umgebracht wird. Langjährige etablierte Hilfswerke bieten da eine viel flächendeckendere und zeitlich währende Unterstützung. Generell sollte man als Tourist vermeiden nachts durch die Strassen Sao Paulos zu schlendern. Wie eingangs des Abschnitts erwähnt, machten wir ein kleines persönliches Sightseeing am letzten Tag: Theatro Municipal, Catedràl de Sé und die Luz Zugstation.

Wir waren in einem Hostel nahe einer solchen nächtlich gefährlichen Zone Sao Paulos quartiert, dem Sao Paulo Downtown Hostel. Das Positive zuerst: die Betten sind gut und das Frühstück sehr reichhaltig. Weniger optimal schien uns, dass der Internetzugang nicht gratis war, obwohl man mit einem persönlichen Laptop nur die Hälfte bezahlen musste. Der lausige Pooltisch in der in Renovation befindlichen Küche war nicht gratis, die Küche praktisch unbrauchbar. Aber das wirklich ganz Üble an diesem Aufenthalt in diesem Hotel war, dass wir obwohl wir per Hostelbookers 10% im Voraus bezahlt hatten, den kompletten Betrag für die Übernachtung entrichten mussten. Die Angestellten wollten uns weiss machen, dass sie das Geld nie von Hostelbookers kriegen würden und wir diese 10% als Reservationsgebühr bezahlten. Hostelbookers verlangt aber selten (in unserem Fall nie) eine Gebühr und wenn, dann ist diese separat auf dem Reservationsbeleg aufgelistet, welchen wir dem ungläubigen Mitarbeiter unter die Nase hielten. Dieser aber wollte das nicht glauben und so mussten wir den kompletten Betrag bezahlen. Wir meldeten dies bei Hostelbookers und diese haben sich prompt eingeschaltet und das Hostel um eine Rückerstattung des Betrages geboten. Wir warten bis heute noch auf den ausstehenden Betrag und geben in dieser Sache nicht so leicht nach.

Am Abend des dritten Tages ging es weiter nach Florianopolis, um endlich das Strandleben Brasiliens zu geniessen. Per Zufall stiessen wir auf eine unglaubliche Unterkunft in Barra de Lagoa auf der Insel Florianopolis, deren Besitzerin uns per Telefon einen sehr guten Eindruck hinterliess. Doch dazu mehr im folgenden Bericht. Richtung Florianopolis hat man folgende Auswahl an Busgesellschaften: Catarinense / 1001 und Reunidas Transporte. Richtung Rio de Janeiro gibt es viele Möglichkeiten mehr, unter anderem Expresso Brasilerio, Expresso do Sul, Itapemirim und 1001. Die Preise für Busfahrten in Brasilien sind verglichen mit anderen Ländern Südamerikas horrend und kommen meistens in die Nähe eines halben Flugtickets der gleichen Strecke; bei einer Fahrt von 40 Stunden nach Salvador kann dies ein entscheidender Faktor für den Flug sein.

Wir fuhren am Abend los Richtung dem 12-14 Stunden entfernten Florianopolis. Zuvor am Busterminal lernten wir noch eine (für mich zumindest sehr ungeschickte) Peruanerin kennen, die in die gleiche Richtung aber eine Stunde später mit dem bequemeren Semicama Bus fuhr, einen Luxus den wir uns bei einer so "kurzen" Busfahrt nicht mehr leisten J. Wir waren glücklich Sao Paulo zu verlassen, nicht unbedingt eine unserer Lieblingsstädten.

Hier die Bilderserie von Sao Paulo und unseres Karnevalbesuchs:

Mittwoch, 30. Januar 2008

Argentinien: Buenos Aires

Buenos Aires war für uns so eine Art Hafen für weitere Reisen in den Süden Argentiniens, dem Strand entlang, nach Uruguay und auch der Ort, an welchem wir Weihnachten und Neujahr verbrachten. Den Neujahrsbericht [LINK] haben wir vor Längerem geschrieben und veröffentlicht. Die Stadt an sich bietet viele interessante Orte, die man entdecken kann, aber während unseren Aufenthalten fanden wir selten etwas, was uns wirklich aus den Socken haute. Da sind für mich zumindest Städte wie Santiago de Chile oder Lima in Peru um einiges Interessanter.

Den ersten Aufenthalt in Buenos Aires verbrachten wir in der zweiten Dezemberwoche, nachdem wir uns früher als geplant von Chile verabschiedeten; wetterbedingt muss man hier anfügen. Da wir uns sofort nach einem Auto umgeschaut hatten und auch ein akzeptables Angebot fanden, führten wir den Roadtrip der Atlantikküste Argentiniens [LINK] entlang durch. Während dieser Zeit logierten wir, wir auch die anderen Tage (ausser über Neujahr), im sehr empfehlens- und preiswerten Gran Hotel Oriental, einen Quader vom Kongressgebäude entfernt. Telefon, Kabelfernseher, Heizung, inkl. Frühstück, an der Bartolomé Mitre 1840 situiert, Tel 4951-6427, ghoriental@hotmail.com, $30 USD pro Nacht ein Doppelzimmer.

Wir lernten die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Angestellten zu schätzen und freundeten uns sofort mit ihnen an. Dies ermöglichte uns einige zusätzliche Goodies, welche andere Gäste nicht hatten: Beliebig viele Medialunas (die argentinische Version eines Croissants), das schönste und neuste Zimmer mit der Nummer 309 ganz hintern am Flur im zweiten Stock mit sporadischem Wifi-Internetanschluss und sofortige Unterstützung, falls wir etwas gebrauchten. Leider kennen sich die Angestellten nicht so gut aus in Buenos Aires und somit waren wir schon bald die Anlaufsstelle für Fragen bezüglich Sehenswürdigkeiten, wenn neue Touristen ankamen. Zusätzlich konnten wir Englisch-Spanisch-Deutsch übersetzen und organisierten dem Hotel einige Stadtkarten. In den ersten drei Tagen unseres Aufenthalts besuchten wir nur die nähere Umgebung und suchten uns die besten Orte für Internet, Food, Wäscherei und Lebensmittel aus. Wir würden ja bald wieder zurückkehren.

In unserem Stadtviertel (Centro oder Congresso) gibt es folgende Empfehlungen: Das Restaurant Cervantes einen Block weiter um die Ecke, um leckere nicht zu bewältigende Mahle zu sich zu nehmen. Nebenbei sind die Preise sehr fair. Ein weiteres Lokal, welches halb Fastfood halb Restaurant ist, ist das Restaurant Americana. Dieses Lokal wurde mein persönlicher Favorit bezüglich der Pizzas (besonders die Napoletana Completa). Die Pizzas gehören wirklich zu den besten, die ich je gegessen habe und dementsprechend haben wir während unseren Aufenthalten in Buenos Aires sicher rund ein Dutzend Male eine Pizza verdrückt. Was zudem eindrücklich ist, ist die Arbeitsgeschwindigkeit der Angestellten in diesem Laden und das hektische, stets freundlich und sarkastische, überaus organisierte Treiben dieser; es wird der Vorstellung rund einem Dutzend Aldi-Kassendamen auf voller Geschwindigkeit die Artikel in der Kasse erfassend gerecht.

Und weil Moni meine Exkurse so liebt, schweifen wir hier doch gleich ein bisschen ab, damit ich den bizarren Moment beschreiben kann, in welchem wir uns bei der Erfassung dieses Artikels befinden: Rechts neben mir sitzt wie so oft Sebnem und schreibt in der von Moni liebevoll gestalteten Agenda Notizen über unseren letzten 11-tägigen Aufenthalt hier auf der Insel Florianopolis. Die Dame links neben mir ist soeben erleichtert aufgestanden, weil es im Warteraum nur zwei Fernseher gibt und der eine genau über ihrem Kopf hängt und der andere wohl zu weit weg war für ihre zarten Augen. Sie sitzt jetzt gegenüber von mir und starrt gebannt auf die Flimmerkiste und verfolgt eine brasilianische Soap-opera wie die anderen 30 Wartenden. Nichts kann diese Leute aus ihrem Bann bringen, so versessen scheinen die hier auf Fernsehen zu sein. Aber das ist nicht nur eine Krankheit der Brasilianer, nein, beide Amerikas scheinen dem Bann dieser Shows verfallen zu sein. In Nordamerika wenigstens scheinen sicher weniger Leute wegen eines obligatorischen Kaufs des Fernsehers in Schulden zu stürzen als in Südamerika. Der Kauf eines Autos und einer Flimmerkiste ist ein Statussymbol der meisten Südamerikaner. 20:05, letzter Aufruf für den Bus der Gesellschaft Catarinense nach Sao Paulo. Einige Leute können sich losreissen und spurten dem Ausgang entgegen. Schräg gegenüber sitzt ein junger Typ mit lustigen Krausen und versucht den Rubikwürfel zu bezwingen, ziemlich erfolglos wie ich anmerken möchte. Die Leute hier in Brasilien reisen allgemein mit sehr wenig Gepäck, anders als in anderen Ländern Südamerikas und so erstaunt es nicht, dass wir etwas verwundert angeglotzt werden. Unser Bus ist hier, somit schweife ich wieder zurück zum Buenos Aires Bericht.

Möchte man Buenos Aires mit dem Fahrrad erkunden, kann das sehr teuer ausfallen, ausser man bequemt sich ins Stadtviertel Palermo, wo sich der Milenium Bike (Bonpland 2215, Palermo, Cap. Fed.) Shop befindet. Diese netten Leute bieten einem gute Preise, vor allem, wenn man sich entscheidet für mehrere Tage ein Vehikel zu mieten.

Was wäre Buenos Aires ohne den Besuch einer Tangoshow. Buenos Aires strotzt gerade von Angeboten dieses Genres und brüstet sich die Metropole und die Wurzelstadt des Tangos zu sein; letzteres dürfte gemäss einigen Historikern jedoch eher Montevideo sein. Da wir bei Fernem Tango-Experten sind, können wir das nicht beurteilen. Falls man sich in den verschiedenen Tangostilen auskennt, dann kann man sicherlich in den unterschiedlichen Stadtvierteln, wo sich Tangoschulen mit verschiedenen Stilen etabliert haben, genau das Richtige für einen buchen. Ein Beispiel sei hier erwähnt:

Die Tangoshow am Astor Piazzolla Theater ("Piazzolla Tango", http://www.piazzollatango.com/). Die Show kostet mit Essen pro Person $80 USD, ohne Essen $60 USD. Sie beherbergt einen luxuriösen Raum, offeriert gutes Essen und natürlich eine Show mit Tango-Tänzern und professionellen Sängern. Zu finden zentral an der Florida 165 / San Martin 170, Galeria Güemes.

Wir haben uns an unseren letzten Tagen des letzten Aufenthalts in Buenoes Aires um den Besuch einer solchen Tangoshow gekümmert und nach einigem Herumirren und Umherfragen bei der lokalen Jugend wurden wir mehrheitlich auf die erschwingliche und sehr traditionelle Tangoshow im berühmten und nostalgischen Cafe Tortaloni aufmerksam gemacht und entschlossen uns kurzerhand so eine Show zu reservieren. Die Reservation sollte genügend früh gemacht werden. Die Show läuft jeden Tag, aber die Unmenge an Touristen, welche das gleiche Ziel haben ist überraschend, wenn es um Reservationen geht. Am besten reserviert man sich gute Plätze (vorne an der Bühne im unteren Saal, man kann sich die Sitzverteilung anzeigen lassen) mindestens einen Tag vorher. Der Preis liegt bei rund $??? USD. Das Geld ist es allemal wert. Die Tangoshow liefert einem ein farbenfrohes Potpourri aus Gesang, Tangotanz, abwechslungsreicher melancholisch, tragisch und komödiantisch vorgetragener Schauspielkunst, welche die geschichtliche Entwicklung des Tangos in einem typischen Stadtviertel um die letzte Jahrhundertwende herum in Buenos Aires aufzeigt. Untermalt wird das ganze musisch von einem professionellen Quartett (Viola, Kontrabass, Klavier und Ziehharmonika) der lokalen Tangoschule. Die Show dauert ungefähr 90 Minuten und verlangt von den Künstlern einiges ab und bietet noch einige Schmankerl zwischendrin, welche ich an dieser Stelle nicht preisgeben möchte. Ich war zuerst sehr skeptisch der Show gegenüber, aber Sebnem hat mich eines Besseren belehrt und ich bin ihr sehr dankbar dafür, dass sie so stur auf den Besuch beharrte.

Grosse Städte sind logischerweise in Stadtviertel eingeteilt; das ist in Buenos Aires natürlich auch der Fall und da wir ja so oft und relativ lange in dieser Stadt verweilt haben, hatten wir auch eine bessere Möglichkeit, einige Stadtviertel zu Fuss zu erkunden. Buenos Aires ist je nach Ansicht und Ort eine relativ sichere Stadt. Wie in jeder Grossstadt gibt es immer irgendwo Delinquenten und potentielle Gefahren. Hält man sich aber an die Grundregeln der sicheren Fortbewegung von Touristen in fremden Städten, sollte einem eigentlich nichts passieren. Für uns definitiv sehenswerte und auch sehr sichere Stadtviertel waren in Buenos Aires: Centro, Palermo, Recoleta, Once, San Telmo und Puerto Madrino (das Reichenviertel).

Im Centro kann man einige historische Gebäude betrachten. Zudem befindet sich dort die Shoppingmeile Florida und ein sehr grosses Bankenviertel. Das Stadtviertel San Telmo, welches viele Tangoschulen und dementsprechend Tangoshows bietet, ist gut zu Fuss zu erreichen und bildet die Brücke zum Puerto Madrino, wo die Reichen und (eventuell) Schönen der Stadt ihre Behausungen haben. Die Wolkenkratzer und Loft-Wohnungen sind rund um das Hafengelände situiert und top-modern gestaltet. Man kann den Reichtum der dort wohnenden Menschen sehr gut vorstellen. Der Loft-Baustil ist ähnlich zu Stadtvierteln wie zum Beispiel Zürich Kreis 5 oder zu Portland, Oregon, wo alte Backsteinfabriken, Bierbrauereien oder Giessereien halb abgebrochen und in Lofts umfunktioniert werden. Wer sich kulinarisch verwöhnen lassen will, der kann entlang der sündhaft teuren Lofts in Puerto Madrino in eines der Schickimicki Lokale eintreten und sich mondän kulturell den Bauch voll schlagen. Eine interessante kulinarische Alternative bietet jedoch das entfernte Stadtviertel Palermo, welches sehr gute (und viele italienische) Restaurants besitzt. Leider fehlte uns die Gelegenheit, einmal in diesem Stadtviertel essen zu gehen. Prinzipiell steigt man bei der Plaza Italia aus und läuft südwestlich. Nicht zu verpassen dort angegliedert befinden sich der wunderschöne botanische Garten mit Dutzenden von Katzen (wie man auf der Bilderreihe bei uns sehen kann, gibt es sogar halbe Tiger) und der kleinere der beiden Zoos von Buenos Aires.

An einem Tag entschieden wir uns noch den beeindruckenden und riesigen (man könnte sich vermutlich darin verirren) Friedhof mit prunkvollen meterhohen Grabstätten im Stadtviertel Recoleta zu besuchen. Was auch noch sehr interessant ist, ist ein Besuch im Palacio de las Aguas Corrientes (Palace of Running Waters). Das Gebäude ist insofern imposant, als dass es im letzten Jahrhundert als zentraler Wasserspeicher für die ganze Stadt diente. Ein Museumsbesuch mit exzellenter mehrsprachiger Führung ist möglich, wenn man fragt. Mehr Informationen findet man unter http://www.aysa.com.ar/.

Wir haben in Buenos Aires sehr viele Dinge für unsere Weiterreise organisiert und waren auch sehr oft unterwegs, um ein neues Stadtviertel zu erkunden. Ein letzter Hinweis für einen sicheren und guten Transfer zwischen der Stadt und dem Flughafen: Manuel (Tel.: 15-5060-4727). Ein junger tüchtiger und sehr netter Typ.

Wir würden vermutlich nicht mehr so schnell wieder nach Buenos Aires zurückkehren, ausser um gute Verbindungen in benachbarte Länder zu haben oder um einen weiteren Besuch in Argentinien durch zu führen. Die Stadt wirkt nur in wenigen Teilen optimal gestaltet und organisiert. Es gibt etliche Parks, diese sind jedoch meiner Meinung nach nur durchschnittlich unterhalten. Nach Städten wie Santiago de Chile, Lima oder Medellin fehlt mir das Grüne ganzer Alleen. Die Leute in Buenos Aires sind nach unserer Erfahrung fast ausschliesslich sehr hilfsbereite, arbeitswillige und lustige Leute, so wie in ganz Argentinien. Leider scheint das schöne Land etwas Pech mit der Regierung zu haben und man hüte sich die falschen Leute in Buenos Aires auf die Regierung anzusprechen; die Diskussion kann sehr schnell in ein Wortgefecht hitziger Argumente ausarten. Die Leute der Arbeiterschicht (vor der Deevaluierung des Pesos im 2000 zur oberen Mittelschicht gehörend) sind verständlicherweise sehr verbittert über die situationsbedingte Regierung der Familie Kirchner. Überall hört man die gleichen Geschichten: Über Nacht wurde der Dollar zum Peso auf 1:1 gesetzt und hat somit Tausende von Familien in Argentinien unter die Armutsgrenze geschickt.

Was die Leute zusätzlich verärgert scheint die Tatsache zu sein, dass zwei Monate vor dieser Deevaluierung die Reichen Familien in Argentinien gewarnt wurden uns somit die Möglichkeit hatten den Kursverlust durch temporäres Abstossen der landeseigenen Währung und späteren Rückkauf elegant zu überbrücken. Das Trauerspiel sieht man jede Nacht in ganz Buenos Aires. Überall liegen Heimatlose herum, unzählige Leute durchwühlen den Abfall der Gesellschaft, nicht jedoch auf Essen, sondern auf alles, was recycelt werden kann: Pet-Flaschen, Glas, Karton und Metall. Bezahlt wird pro Kilo getrenntem Müll, die Leute sind flink wie die Wiesel und sehr organisiert. Einige Strassenhelfer gehen voraus und sammeln die zu verwertenden Objekte in grosse Kulis, Kollegen fahren sporadisch mit dem Lastwagen vorbei und laden den Müll auf, um ihn bei einer der städtischen Recycling-Anlage auf der Waage gegen Geld einzutauschen.

Wie fast überall in Südamerika in der Arbeiterschicht genügt es nicht, dass beide Elternteile einen Job haben, irgendein einem Nebenverdienst gehen die meisten nach und das Sammeln von wieder verwertbarem Müll scheint lukrativ genug zu sein. Im Morgengrauen, wenn der Abfall durch das Durchwühlen der Menschen und in zweiter Instanz den herrenlosen Tieren schön gleichmässig auf den Strassen Buenos Aires verteilt ist, öffnen die Zeitungskioske ihre Türen und auf dem Titelbild sieht man die frisch gekürte Präsidentin Kristina Kirchner, wie sie das Amtszepter vom alten Präsidenten, ihrem Mann, feierlich übernimmt und eine für die Politiker Südamerikas typische alles verbessernde Rede hält. Unten rechts auf der zweiten Seite sieht man dann den chronologischen Ablauf der nahen Besuche und Reisen der Staatsfrau in andere Länder, um mit den anderen mehr oder minder gleich gesinnten Staatsoberhäuptern über irgendwelche futuristische Ideen zu diskutieren.

Samstag, 26. Januar 2008

Reise nach Patagonien (El Calafate) Tag 3

Unsere Reise führte uns heute nochmals in den Nationalpark Los Glaciares zum imposanten  Gletscher Perito Moreno. Dieser ist über 30 km lang, besitzt eine Oberfläche von 195km2 und ist zudem der sehenswürdigste und berühmteste Gletscher im oben erwähnten Nationalpark. So wurden wir am Morgen von der gleichen  Reisegesellschaft wie am Vortag vor dem Hotel abgeholt und nach Puerto de Bajo de las Sombras gefahren.

An der Exkursion nahm ebenfalls eine kanadische Familie teil, die im gleichen Hotel logierte. Während der Exkursion haben wir sie aber leider kaum zu Gesicht bekommen. Ein tieferes Gespräch erfolgte am Abend in der Lobby. So haben wir erfahren, dass der Familienvater  kanadischer Konsul ist und er im letzten Herbst nach Buenos Aires versetzt wurde. Sie haben die Sommerferien der Kinder also genutzt, um eine kleine Erkundungstour durch den Süden Argentiniens zu machen. Die Familie war sehr offenherzig und es war interessant zu hören, wo sie auf der Welt bereits gewohnt hatten aufgrund des Jobs von Steven. Es muss sicherlich sehr interessant für die Kinder sein, bereits im jungen Alter so viele Kulturen und Länder kennen lernen zu dürfen.

Zurück zu unserm TagesausflugJ: Nach 1.5h Fahrt im Omnibus kamen wir im Nationalpark an und wurden aufgefordert in ein bereits startbereites Boot umzusteigen, welches uns auf die andere Seeuferseite fahren würde. Nach nur ca. 10 Minuten Fahrt auf dem See, konnten wir bereits einen Blick auf einen weissen Brocken, den Gletscher Perito Moreno, erhaschen. Die Übergangsfahrt dauerte ungefähr 25-30 Min. Bei der Ankunft wurden wir von Angestellten des Nationalparks höflich empfangen und schnellstens in eine spanisch und englisch sprechende Gruppe eingeteilt. Wir schlossen uns der spanisch sprechenden Gruppe an und folgten unserem Guide. Bevor es jedoch Richtung Gletscher ging, gab es eine kleine Einführung und wir hatten die Möglichkeit unnötiges Gepäck in ein dafür gemachtes Häuschen zu deponieren.

Wir hatten an diesem Tag ebenfalls sehr viel Glück mit dem Wetter. Anscheinend seien Temperaturen über 18° sehr ungewöhnlich für dieses Gebiet.

Weiter führte uns die Exkursion nach einem 20-minütigen Marsch zum Fusse des Gletschers, wo wir spezielles Schuhwerk (Touristensteigeisen, um genau zu sein) an unsere Schuhe montiert bekamen. Natürlich wurde uns vor dem Minitrekking auf dem Gletscher noch beigebracht, wie man korrekt zu laufen hat. Es gibt nämlich spezielle Methoden zu beachten, wenn man hinauf- bzw. hinabsteigen möchte. Danach fing das rund 1 ½ Stunden dauernde Minitrekking endlich los. Wir liefen auf der Oberfläche des Gletschers auf und ab und bestaunten seine Grösse und Formation. In unserer Gruppe war Roberto nebst den beiden Guides der einzige, der es von Anfang an im Griff hatte. Wie ihr Roberto kennt, wollte er einen der herausragenden Gletscherzipfel besteigen und versuchte alles Mögliche den Guide davon zu überzeugen. Die lassen aber nicht mit sich reden und so musste Roberto sich nur mit dem Minitrekking zufrieden geben. Gemäss unserem Guide gäbe es keine Touren, die Robertos Träume betreffend dem Gletscher erfüllen würden. Der Hintergrund ist, dass Roberto als Amateurkletterer auch schon in der Schweiz einige Male im Eis klettern war und sich natürlich die potentielle Möglichkeit nicht entgehen lassen wollten, in Patagonien einer durch Reibung und unterschiedlicher Flussgeschwindigkeit entstehenden Gletscherwand empor zu kraxeln.

Das Minitrekking an sich war nicht sehr anstrengend und man hat das Laufen auf dem Gletscher schnell im Griff. Die 1 ½ Stunden waren gerade ausreichend um das Gefühl für das Ganze zu entwickeln. Für diejenigen die nicht genug bekommen, gibt es eine alternative Gletschertour, welche 4-5 Stunden dauert.

Diese Exkursion ist wirklich einmalig und jedem Argentinienbesucher wärmstens zu empfehlen. Zugleich konnte man das Wasser vom Gletscher direkt trinken; so haben wir die Gelegenheit gepackt und unsere Wasserflaschen mit dem frischen Gletscherwasser nachgefüllt. Dabei wurde uns auch gesagt, dass gemäss unterschiedlichen Forschern, welche die Luftqualität messen, in Patagonien die sauberste Luft auf der Welt zu finden sei.

Nach dem Minitrekking hatten wir ca. 2 h zur freien Nutzung, welche wir auf einem Steinbrocken mit hervorragender Sicht auf den Gletscher, verbrachten. Wir machten hier ein Picknick und genossen die warmen Sonnenstrahlen. Natürlich durfte eine Siesta an so einem wunderschönen Ort nicht fehlen.

Um ca. 15.15 Uhr mussten wir uns am Seeufer eintreffen um das Boot zurück auf die andere Seite zu nehmen, wo wir bereits vom Bus erwartet wurden. Wir wurden nicht wie erwartet zurück ins Hotel gefahren, sondern zu einem wunderschönen Aussichtspunkt über den Gletscher Perito Moreno; dieses Mal sahen wir die offene Front des Gletschers und konnten Zeugen eines unglaublich imposanten Naturschauspiels werden: dem tosenden und krachenden Abbrechen tonnenschwerer Eisklumpen von der Front des Gletschers in den hellblauen See, begleitet von einer grösseren Welle und Sekunden später dem Einklatschgetöse. Hier hatten wir wieder eine Stunde Zeit um die Ortschaft zu erkunden oder ein Häppchen einzunehmen. Wir nutzten die Zeit und gingen auf Erforschungstour und schossen Fotos der Gletscherstirn aus verschiedenen Blickwinkeln.  
Nach diesem Sightseeing ging es endlich (wir waren ziemlich erschöpft von so einem ereignisreichen Tag) weiter Richtung Hotel.

Im Hotel angekommen, sind wir wie oben bereits erwähnt mit der kanadischen Familie ins Gespräch gekommen und daraus hat sich dann eine Billardpartie zwischen Steven und Roberto ergeben, wo sich beide gut geschlagen haben, oder besser gesagt, es steht im Moment 1:1 und die Partie wird irgendwann irgendwo auf dieser Welt fortgesetzt. Auch hier musste Roberto zugeben, dass Steven ein sehr guter Billardspieler ist.

Unsere Fotos vom Gletscher Perito Moreno findet Ihr hier:

Freitag, 25. Januar 2008

Reise nach Patagonien (El Calafate) Tag 2

Unser heutiger Ausflug führte uns in den Nationalpark Los Glaciares (Info: dieser wurde von Unesco im Jahre 1981 in die Welterbeliste aufgenommen), welcher sich ca. 50 km von dem kleinen Städtchen El Calafate befindet. Wir wurden heute Morgen mit ca. 30 Minuten Verspätung von derselben Agentur wie in Ushuaia, der Rumbo Sur, in einem Minibus abgeholt (leider musste während der Fahrt ein älter Herr erbrechen und somit war die Fahrt nicht gerade sehr angenehm; niemand hat sich wirklich um ihn gekümmert und er sass auf seinem Platz in seiner eigenen Kotze) und zur Puerto de la Cruz in Punta Bandera gefahren, wo wir dann unsere Eintrittstickets für den Nationalpark kauften, das Transportmittel wechselten und uns in einen der fünf Katamarane begaben.

Das Eintrittsticket ist nur einen Tag gültig und beträgt sofern man keine argentinische Staatsbürgerschaft besitzt oder Student im Lande ist, satte CHF 13.00. Dieser Preis wäre unserer Meinung nach gerechtfertig, wenn das Eintrittsticket für zwei oder drei Eintritte gültig wäre, denn am darauf folgenden Tagen werden wir wieder eine Exkursion in den Nationalpark machen und nochmals denselben Preis bezahlen müssen. Es gibt nämlich zwei berühmte und gut "verkaufte" Exkursionen, welche in den Nationalpark führen. Einerseits ist eine der Touren die ganztägige Tour auf einem Katamaran, wo man zu verschiedenen Gletschern hingefahren wird und andererseits gibt es noch eine Exkursionsmöglichkeit zu dem berühmten Gletscher Moreno, worauf man gleichwohl eine kleine (1.5h) oder grosse (4h) Trekkingtour machen kann.

Gemäss Auskunft unseres Guides navigieren täglich 5 Katamaran-Schiffe mit je über 200 Sitzplatzmöglichkeiten durch den Lago Argentino und den einmündenden Kanälen. Da hier in Argentinien in den Monaten Januar und Februar Hochsaison herrscht, waren alle Katamarane voll mit Touristen besetzt, welche sich um einen guten Platz im Boot bemühten. Alle hatten natürlich die gleichen Ziele, die Eisberge und Gletscher aus einem guten Winkel zu sehen und ein paar gute Fotos zu schiessen. Unserer Meinung waren eindeutig zu viele Leute auf dem Katamaran, aber wir haben uns gut durchgekämpft und gute Plätze ergattert.

Die Fahrt bis zum ersten Gletscher Spegazzini dauerte ca. 1:45 h und die Ansicht war einfach atemberaubend, vor allem weil ich bis anhin noch keine Gletscher live gesehen habe; ich habe mir jedoch vorgenommen, wenn wir zurück in der Schweiz sind, auch die hiesigen Gletscher zu besuchenJ. Während der Fahrt durch den Lago Argentino konnte man immer wieder kleine Eisberge vorbeitreiben sehen unter anderem auch grössere Brocken, die im türkisfarbenen See trieben. Zu unserem Glück hatten wir blauen Himmel mit einzelnen Wolken, was uns die Fahrt auf dem Deck ein bisschen erleichterte.

Wir machten also ca. einen 10-minütigen Halt beim Gletscher, so dass ihn alle zur Ansicht bekamen. Natürlich musste man schon vorher auf dem Deck sein, wenn man einen guten Platz ergattern wollte, um gute Fotos ohne Passagiere darauf machen wollte. So gingen wir ca. eine halbe Stünde früher auf Deck und hielten Ausschau nach Eisbergen und dem Gletscher.

Zurück zum Gletscher Spagazzini: gemäss unserem Infobüchlein des Nationalparks ist dieser der höchste im Nationalpark (130 Meter). Unsere Weiterfahrt führte uns danach  zwischen grossen Eisbergen in den Brazo Upsala zum bis ca. 10 km breiten Gletscher Upsala, dem grössten Gletscher im Nationalpark Los Glaciares. Vom Upsala Gletscher aus fuhren wir sodann weiter in die Onelli Bucht zu einer Anlegestelle. Hier hatten die Passagiere die Möglichkeit auszusteigen und einen kleinen Spaziergang durch einen Wald bis zum Onelli-See gegenüber dem Onelli-Gletscher zu machen (ca. 800 Meter). Die Aussicht auf den Onelli-See mit den vielen kleinen Eisbrocken in seinem Wasser ist ebenfalls atemberaubend und wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Hier hatten wir die Möglichkeit während ca. 1 ½ Stunden die Küste des Onelli-Sees auszukunden und eventuell ein Häppchen einzunehmen. Natürlich war der begehbare Weg für die Touristen limitiert und man konnte nur bis zu einem gewissen Punkt laufen. Von diesem Punkt der Insel hatten wir zusätzlich Aussicht auf die Bolado und Agassiz-Gletscher.

Wir genossen also den Ausblick auf die Gletscher bevor es wieder mit dem Katamaran zum Hafen in Punta Bandera ging. Dort wurden wir bereits von unserem Fahrer erwartet und zurück ins Städtchen gefahren.

Hier noch die vielen Fotos von den Gletschern:

Donnerstag, 24. Januar 2008

Reise nach Patagonien (El Calafate) Tag 1

Heute standen keine speziellen Aktivitäten auf unserem Reiseprogramm. Das einzige was einzuhalten war, war unser Flug um 15.00 Uhr mit der Fluglinie Aerolinia Argentina. So nahmen wir es sehr gemütlich und hielten uns in der Lobby unseres Hotels auf bis wir von der Reiseagentur Rumbo Sur abgeholt und in den Flughafen transferiert wurden. Die Lobby des Hotels Ushuaia ist wirklich sehr gemütlich gestaltet und man hat mehr oder weniger seine Ruhe. Auch hatten wir hier gute Wifi-Verbindung, so dass wir in aller Ruhe alles ein bisschen aktualisieren konnten, was unsere Fotos und Blog anbetrifft.

Um ca. 13.30 Uhr ging es dann Richtung Flughafen, wo natürlich bereits eine Horde von Touristen auf deren Flüge wartete. Auch an diesem Flughafen muss man zusätzlich zum Ticketpreis eine Flughafentaxe bezahlen. In Ushuaia beträgt sie nur ca. CHF 5.00. Wenn man aber all die Flughafentaxen summiert, welche man schlussendlich für eine Reise durch Argentinien bezahlen muss, kommt man am Ende auf einen stolzen Preis. Natürlich wurden wir auch nicht im Voraus über diese zusätzlichen Kosten informiert.

Unser Flug startete mehr oder weniger pünktlich und wir flogen weiter in den Norden von Patagonien nach El Calafate. Auch an diesem Flughafen wurden wir von den freundlichen Angestellten der Rumbo Sur Reiseagentur abgeholt und in das über 20 km entfernte Städtchen gefahren. Wir waren sehr überrascht, dass der Flughafen so weit ausserhalb des Städtchens liegt. Es ist also sehr zu empfehlen im Voraus einen Transfer ins Zentrum zu organisierenJ.

In El Calafate logieren wir im 4-Sterne Hotel Elan, von wo aus man eine hervorragende Aussicht auf den See (wo man sogar Flamingos beobachten kann) hat. Das Hotel ist wirklich eine super Anlage mit eigenem Fitnesstudio und bietet einen super Komfort, zusätzlich scheint das Hotel stets voll zu sein. Wie wir festgestellt haben, haben wir einen sehr viel günstigeren Preis für ein Doppelzimmer bezahlt als in der Rezeption angegeben. Dies aus dem Grund, weil wir über das Reisebüro Fuera de Ruta in Buenos Aires die komplette Tour gebucht haben.

Wir haben anfangs Abend noch einen kleinen Spaziergang am See entlang gemacht und die Aussicht genossen. Auch hier in El Calafate beträgt die Sonnenstundenanzahl pro Tag über 16 Stunden. Im Moment ist es 22:30 Uhr und man hat das Gefühlt es sei erst SpätnachmittagJ. Es ist auch hier unüblich warm für die Jahreszeit. Der Schnitt sei hier nach Angaben von Guides zwischen 7-10 Grad und es müssen bei unserer Ankunft wohl sicher 20 Grad gewesen sein; sehr zur Freude von Roberto.

Hier noch ein paar wenige Fotos unseres 4. Tages im Süden von Argentinien:

Mittwoch, 23. Januar 2008

Reise ans Ende der Welt (Ushuaia) Tag 3

Heute wurden wir pünktlich um 8.oo Uhr vor unserem Hotel von einem der vielen Omnibusse der Reiseagentur Rumbo Sur abgeholt. Die Rumbo Sur bietet in Patagonien viele Touren an, leider liegt die Anzahl der jeweils Teilnehmenden im etwas grösseren Rahmen als erwünscht. Wir waren uns von Anfang an bewusst, dass dies auf uns zukommen würde. Diejenigen unter Euch, die unseren Blog kontinuierlich mitverfolgen, wissen, dass wir nicht viel von dem ganzen Touristengetümmel und Pauschalreisen halten. Heute war also so ein Tag, wo wir mit dem ganzen Touristenstrom mitflossen.

Zuerst wurden alle Passagiere persönlich vom Hotel abgeholt (wir waren mitunter die jüngsten Teilnehmer), und wir waren natürlich die ersten am Morgen, die abgeholt wurden. So kurvten wir zuerst 30 Min. im kleinen Städtchen Ushuaia herum, bis alle eingeladen und startbereit waren. Unsere Reiseleiterin Mariela, die auch schon eine Zeit lang in der Schweiz gearbeitet hat, hat einen super Job gemacht und uns über alles genaustes informiert und uns auch in die Geschichte von Ushuaia eingeführt. Auch hatten wir extrem Glück mit dem Wetter, die Sonne zeigte sich nämlich den ganzen Tag hinüber von ihrer besten Seite.

Unser erster Stopp war bei der Station "Ferrocarril Austral Fueguino", welches sich im Nationalpark Tierra del Fuego 11 km ausserhalb der Stadt Ushuaia befindet. Hier finden sich alle Touristen ein, um mit dem berühmten "Tren del Fin del Mundo" durch den Nationalpark zu fahren und die wunderschöne und abwechslungsreiche Landschaft zu bestaunen. An diesem Morgen hatte es insgesamt 3 Züge, die mit Touristen voll besetzt waren und im Viertelstunden-Takt abfuhren. Wir wurden in den Zug Nr. 3 verwiesen und teilten uns unseren Wagonabteil zuerst mit zwei sehr amüsanten Argentiniern aus Cordoba. Die Restlichen Leute in unserem Wagon waren Reisende aus Spanien. Natürlich war bei denen von Anfang an Fiesta angesagt und sie unterhielten sich in einer Lautstärke, dass man die Ansage aus den Mikrophonen nicht mehr hörte. Einigen Leuten (darunter zwei ältere Amerikanerinnen) passte das überhaupt nicht und so fragten sie den Kondukteur an, ob sie nicht in einen anderen Wagon versetzt werden könnten, da die lustigen Spanier und Argentinier einen enormen Lärm machen würden. Nach einem kurzen Hin- und Her hat man andere Plätze für die 4 sich durch den Lärm gestört gefühlten Passagiere gefunden. Somit konnten Roberto und ich deren Wagenabteil für uns zwei alleine in Anspruch nehmen. Während der ganzen Fahrt hat man sich dann noch über diese 4 Passagiere amüsiert und über sie Witze gerissenJ. Man legt sich also lieber nicht mit Spaniern an…

Einst hat diese Bahn die sich gut behehmenden Häftlinge zum Bäumefällen in den Wald transportiert; damals war der Zug jedoch ohne Fenster und es muss dementsprechend eine eisige 7km Fahrt zum Baumschlag gewesen sein. Die Stadt Ushuaia war nämlich gemäss Aussagen unseres Guides ursprünglich eine Gefängnisstadt. Das Gefängnis wurde aber ca. um 1950 geschlossen. Die Zugstrecke wurde von einem Argentinier mit viel Liebe zum Detail nachgebaut und man fühlt sich demnach sofort authentisch-nostalgisch in die damalige Zeit versetzt.

Die Fahrt dauert ungefähr 1 ½ Stunden und beinhaltet einen 15-minütigen Stopp bei der Estación Cascada de la Macarena, wo man den Macarena Wasserfall besichtigen und die Aussicht in Form von Fotos festhalten kann. Danach führte uns unser Weg durch einen "sub-antarktischen" Wald entlang des Flusses Pipo. Ebenfalls befinden sich im Nationalpark einige archäologische Ruinen der Yámana -Einheimischen.

Die Fahrt endet sodann an der Estación del Parque. Von hier aus hat man die Möglichkeit wieder mit der Bahn zurück an den Ausgangspunkt zu fahren oder mit einer vororganisierter Tour weitere Teile des Nationalparks zu entdecken. Hinweis: der Preis für die Fahrt in einer der wohl berühmtesten Bahnen beträgt übrigens satte CHF 21 (Hinweg) und ca. CHF 23.00 (Hin- und Zurück). Wir wurden an der Endstation auch bereits von unserem Guide Mariela mit einem freundlichen Lächeln erwartet. So fuhren wir weiter durch den dicht-besiedelten Wald und erhielten eine Lektion über die Vegetation und die Plagen der Umgebung. Im Wald des Nationalparks seien hauptsächlich verschiedene Arten von Buchen anzutreffen. Die Plagen seien die Hasen, Nagetiere (Biber) und noch ein Tier, dessen Namen wir nicht kannten auf Spanisch. Während der Fahrt und unseren Wanderungen haben wir dementsprechend auch viele Hasen auf saftigen Wiesen und Waldlichtungen angetroffen, jedoch sind diese schnell wieder davon gehoppeltJ.

Unsere nächste Station war in der Zone Lago Roca. An diesem Punkt hat man einen beeindruckenden Blick auf den Cerro Cóndor, auf dessen Spitze die Grenze nach Chile verläuft. Für diejenigen, denen die Kälte nichts ausmacht, bietet diese Zone sogar CampingmöglichkeitenJ. Von dem Lago Roca aus starteten wir einen kleinen Marsch bis zum Zentrum der Campinganlage. Hier hatten wir die Möglichkeit einen kleinen Snack einzunehmen. Danach ging es weiter zur berühmten Bucht von Lapataia. Hier endet nämlich die Nationalroute N°3 (sie befindet sich im Nationalpark) oder auch Panamericana genannt und startet mehr oder weniger offiziell in Alaska, eigentlich Prudhoe Bay. Von hier aus kann man die Lagunen Verde und Negra bewundern.

Dieser Aussichtspunkt ist - wie man sich vorstellen kann - von Touristen aller Art überlaufen. Ich selber habe heute die Erfahrung gemacht, dass eher die älteren Touristen ungeduldig waren und sich mehrheitlich vordrängelten, wenn es etwas zu sehen gab. Ein Beispiel: Wir liefen mit unserer Truppe zu einem Aussichtspunkt hinauf, wo wir glücklicherweise eine Falkenart auf der Wiese herumlaufend gesehen haben. Nicht eine Sekunde verging, bis sich alle sofort vordrängelten und herumschubsten. Das gab mir ehrlich gesagt ziemlich zu denken. Schlussendlich war es ja nur ein Vogel und nicht Britney Spears. Und derjenige Herr, der sich so bemüht hat, ganz nach vorne zu kommen, hatte eine Einmal-Gebrauch-Kamera von Konica dabei. Er wird sicher die besten Fotos geschossen haben
J. Roberto und ich gingen die Sache eher locker an und amüsieren uns auf die Kosten anderer. Ich verstehe auch nicht, was sich die Leute davon versprechen, wenn rund 30 Menschen in einem sich schliessenden Halbkreis mit erhöhter Lautstärke Richtung Wildtier vorpreschen, um es zu fotografieren.

Nach dem Rundgang im Nationalpark führte uns die Fahrt zurück ins Zentrum von Ushuaia bzw. an den Hafen "Don Eduardo Arturo Brisighelli". Nach einer einstündigen Pause startete hier nämlich unsere 2. Tour des Tages. Hier ist noch zu bemerken, dass wir mit der Reiseagentur Rumbo Sur eine Rundfahrt auf einem Katamaran durch den Beagle Kanal zu den Seelöwen-Inseln gebucht hatten. Wie wir aber später herausgefunden haben, bestünde auch die Möglichkeit eine längere (4 1/2-stündige) Tour zu besuchen, in welcher man zusätzlich Magellan-Pinguin Kolonien auf entfernter liegenden Inseln beobachten kann. Natürlich war der Reiz da, unsere Rute umzuändern, um auch die Pinguine zu sehen, aber schlussendlich haben wir uns wegen zwei Gründen dagegen entschieden: Leider fühlte sich heute Roberto nicht gut und die Tabletten haben ihm nicht sehr geholfen und zudem hätten wir je CHF 20.00 mehr bezahlen müssen. Wir waren uns sodann einig, dass wir die im Voraus gebuchte Tour zu den Seelöwen machen und nichts in unserem Reiseprogramm ändern. Wir werden bestimmt anderswo die Möglichkeit haben, Pinguine beobachten zu können. So startete unsere Tour auf dem Beagle Kanal pünktlich um 15.00 Uhr. Roberto und ich durften als Passagiere den Katamaran als erste betreten und somit hatten wir den besten Platz im Katamaran, wo sich Roberto zum Schlafen hinlegen konnte. Er hat leider nicht sehr viel von unserer kleinen Rundreise mitbekommen, was mir natürlich sehr Leid tat. Schlussendlich nehme ich an, dass er nur wegen mir auf die Tour mitgekommen ist, auch wenn er das verneintJ. Vom Katamaran aus hatte man eine wunderschöne Panoramaaussicht auf die kleine Stadt Ushuaia. Nach ca. 1h Schiffsfahrt kamen wir am Leuchtturm Les Eclaireurs, den Inseln "de los Lobos" (Seelöwen) und "los Pájeros" (Vögel) an. Hier hatten wir die Möglichkeit die Seelöwen und die Vögel (mehrheitlich Kormorane, die mir von Weitem sehr einem Pinguin ähnelten) von Nahem zu beobachten. An jeder der Inseln machten wir ca. 10 Minuten Halt, damit auch alle Leute genügend Zeit hatten, einige Schnappschüsse zu machen.

Während der Rückfahrt hatte man eine ausgezeichnete Sicht auf die Bergkette Martial und seinem gleichnamigen Gletscher. Wir haben noch viele andere mit Schnee bedeckten Bergspitzen auf der chilenischen Seite gesehen, aber die Namen jener sind uns leider entfallen.

Unsere Tour endete sodann bereits um 17.30 Uhr (ich hätte noch Stunden auf dem Katamaran bleiben können um die vielen Inseln zu besuchen und seine Bewohner zu observieren). Wir hatten an diesem Nachmittag auch Glück im Unglück. Gerade als wir die Seelöwen Insel erreicht hatten, zeigte sich der Batteriestatus auf unserer Kamera sehr niedrig. Somit mussten wir immer schnell ein Foto machen und die Kamera sofort ausschalten. Leider gab die Kamera dann aber doch noch den Geist auf. Glücklicherweise erst nachdem wir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten gesehen hattenJ

In Ushuaia angekommen machten wir uns auf den Weg zurück ins Hotel. Roberto legte sich sodann gleich hin, leider ging es ihm während des Abends nicht sehr gut. Er hatte sich in diesem kalten Wetter erkältet.

Hier noch die Fotos unseres abendteuerreichen Tages:

Dienstag, 22. Januar 2008

Reise ans Ende der Welt (Ushuaia) Tag 2

Nach einem super leckeren Frühstück (Auswahl am Frühstücksbuffet) wurden wir um 9.00 Uhr von der Nunatak Adventure vor dem Hotel abgeholt. Wie der Name des Veranstalters bereits aussagt, hatten wir einen abendteuerreichen Tag in einem 4x4 Geländewagen vor uns. Wir waren die letzten zwei Passagiere nebst sechs Brasilianern und somit mussten wir uns mit einem Platz hinten im Wagen begnügen. Unser Fahrer, der zugleich unser Guide war, war ziemlich wortkarg. Wahrscheinlich lag es daran, dass ihn die Brasilianer nicht verstanden haben und er die Brasilianer nichtJ. Unser erster Halt unseres Ganztagesausfluges war an einem Panoramapunkt, wo man eine einzigartige Aussicht über die Seen Escondido und Fagnano hatte. Von hier aus begann unser Off-Road Abenteuer. Der Land Rover entführte uns in eine unvergessliche Fahrt durch atemberaubende Wälder, tiefe Schlammbecken und entlang der steinigen Küste des Sees Fagnano. Wir entdeckten Landschaften, die ohne einen 4x4 Geländewagen und der dementsprechenden Fahrkenntnis nicht möglich wären. Die Fahrt durch die Schlammlöcher war sehr abenteuerlich. An einem Punkt der Strecke blieb unser Wagen im Schlamm stecken und musste mit Hilfe eines an einem Baum angebunden Seils herausgezogen werden. Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob das alles nur Show für die Touristen war, denn der zweite Wagen hinter uns fuhr fast ohne Probleme durch den Morast. Vielleicht hat das auch mit dem Talent des Fahrers zu tunJ.

Während der Fahrt durch den Wald machte sich das Ausmass der Zerstörung einer riesigen Biberpopulation bemerkbar. Wir hatten die Möglichkeit auszusteigen und über einige Baumstämme zu klettern und uns den von den Bibern zerstörten Wald näher anzuschauen. Gemäss unserem Guide wollten die Einheimischen früher den Biber im Feuerland züchten wegen des Felles. Leider entpuppte sich die Fellqualität nicht als eine der besten Sorten und somit hat man die Biberpärchen in Ruhe gelassen. Heute sind natürlich mehr als nur ein paar Pärchen vorhanden und vermehren sich ungehindert und zerstören mit ihrem Treiben die Wälder; zudem haben die Biber keine natürlichen Feinde, was den Einheimischen wohl grosse Sorge bereiten muss. Schlussendlich sind die Menschen selbst Schuld an dieser Tatsache, da die kanadischen Biber in das Feuerland von Menschen eingebracht wurden, wie übrigens auch der Hase und die Ratte. Das erklärt dann wiederum auch, weshalb man bei der Einreise nach Patagonien auch vom Inland her, relativ rigoros auf illegale Objekte, wie Tiere und Obst kontrolliert wird.

An der Küste des Sees Fagnano legten wir am Mittag Pause ein und konnten die Küste entlang laufen, während die Guides (unser Guide und ein zusätzlicher von einer anderen Truppe) Mittagessen vorbereiteten. Wir haben selbstverständlich das Gebiet näher angeschaut und Roberto hat seine Füsse in den See Fagnano eingetaucht, aber ihm war die Temperatur des Wassers eindeutig zu kalt, um eine Runde im See zu schwimmen. Wir machten uns danach zurück zu unserem Ausgangspunkt und wurden mit einem Barbecue begrüsst bzw. überrascht. Wir waren insgesamt ca. 12 Leute und sassen auf Holzstämmen, welche um das Lagefeuer aufgestellt waren. Auf dem Grill gab es nebst dem bekannten Choripan-Würstchen richtiges argentinisches Steak. Der Choripan ist übrigens eine sehr populäre Sandwichart in Argentinien. Der Name kommt von der Kombination der Zutaten: ein grillierter Chorizo (Paprikawurst) eingeklemmt in ein Brot (span.: pan). Zudem wurden Salatteller aufgetischt, wo man sich selbst bedienen konnte. Einen feinen Malbec Wein und eine lecker Vorspeise gingen dem Festschmaus voraus. Wir waren wirklich sehr positiv überrascht, da wir nicht einmal mit einem Mittagessen gerechnet haben. Das Essen war sehr schmackhaft und das Ambiente zwischen den Leuten im Wald stimmte. Schlussendlich wurden wir zusätzlich noch mit einem Dessert, Tee und Kaffee überrascht. Von Vorspeise bis Dessert, an alles wurde gedacht. Hier ist noch zu erwähnen, dass man natürlich auch ein Vegi-Menü haben kann, man muss aber den Touroperator vorher informieren.

Der Guide der anderen Truppe war ein Brasilianer, der uns stets zum Lachen brachte und viel über die Fauna zu erzählen hatte. Ihm merkte man an, dass im die Arbeit sehr viel Spass bereitete, während unser Guide sich immer noch sehr wortkarg gab.

Nachdem wir unsere Bäuche voll geschlagen und neue Energie aufgetankt hatten, ging es im Land Rover weiter der Küste entlang zum Escondido See, wo uns eine Kanufahrt erwartete. Der See war ziemlich ruhig mit einer kleinen Strömung. Roberto und ich waren die ersten, die sich ein Kanu geschnappt haben und auf dem See herumgefahren sind. Roberto hatte bereits Erfahrung mit Kanu fahren und somit hat er mich kurz instruiert und wir sind dann wie eine Rakete abgezischt und haben unsere Truppe weit hinter uns gelassenJ. Wir fuhren langsam die Küste entlang (einen Bogen) und warteten auf unsere Gruppe, die im Schneckentempo sich zu uns gesellte. Nach ca. 40 Minuten mussten wir uns leider auf den Rückweg machen und ein wenig gegen die Strömung ankämpfen. Wir wurden bei der Ankunft dann als das Winning Schweizer Team bezeichnetJ.

Kurz darauf machten wir uns wieder auf den Weg nach Ushuaia. Die Rückfahrt dauerte ca. 1h und wir waren am Ende des Tages sehr müde. Der heutige Ausflug hat uns sehr viel Spass bereitet und wir haben wieder Mal einiges hinzugelernt. Eine Tour mit einem 4x4 Geländewagen ist wirklich sehr empfehlenswert, da man an Orte herankommt, die man alleine nicht erreichen könnte.

Die Fotos unserer Tour mit einem 4x4 Land Rover findet ihr hier: