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Mittwoch, 23. Januar 2008

Reise ans Ende der Welt (Ushuaia) Tag 3

Heute wurden wir pünktlich um 8.oo Uhr vor unserem Hotel von einem der vielen Omnibusse der Reiseagentur Rumbo Sur abgeholt. Die Rumbo Sur bietet in Patagonien viele Touren an, leider liegt die Anzahl der jeweils Teilnehmenden im etwas grösseren Rahmen als erwünscht. Wir waren uns von Anfang an bewusst, dass dies auf uns zukommen würde. Diejenigen unter Euch, die unseren Blog kontinuierlich mitverfolgen, wissen, dass wir nicht viel von dem ganzen Touristengetümmel und Pauschalreisen halten. Heute war also so ein Tag, wo wir mit dem ganzen Touristenstrom mitflossen.

Zuerst wurden alle Passagiere persönlich vom Hotel abgeholt (wir waren mitunter die jüngsten Teilnehmer), und wir waren natürlich die ersten am Morgen, die abgeholt wurden. So kurvten wir zuerst 30 Min. im kleinen Städtchen Ushuaia herum, bis alle eingeladen und startbereit waren. Unsere Reiseleiterin Mariela, die auch schon eine Zeit lang in der Schweiz gearbeitet hat, hat einen super Job gemacht und uns über alles genaustes informiert und uns auch in die Geschichte von Ushuaia eingeführt. Auch hatten wir extrem Glück mit dem Wetter, die Sonne zeigte sich nämlich den ganzen Tag hinüber von ihrer besten Seite.

Unser erster Stopp war bei der Station "Ferrocarril Austral Fueguino", welches sich im Nationalpark Tierra del Fuego 11 km ausserhalb der Stadt Ushuaia befindet. Hier finden sich alle Touristen ein, um mit dem berühmten "Tren del Fin del Mundo" durch den Nationalpark zu fahren und die wunderschöne und abwechslungsreiche Landschaft zu bestaunen. An diesem Morgen hatte es insgesamt 3 Züge, die mit Touristen voll besetzt waren und im Viertelstunden-Takt abfuhren. Wir wurden in den Zug Nr. 3 verwiesen und teilten uns unseren Wagonabteil zuerst mit zwei sehr amüsanten Argentiniern aus Cordoba. Die Restlichen Leute in unserem Wagon waren Reisende aus Spanien. Natürlich war bei denen von Anfang an Fiesta angesagt und sie unterhielten sich in einer Lautstärke, dass man die Ansage aus den Mikrophonen nicht mehr hörte. Einigen Leuten (darunter zwei ältere Amerikanerinnen) passte das überhaupt nicht und so fragten sie den Kondukteur an, ob sie nicht in einen anderen Wagon versetzt werden könnten, da die lustigen Spanier und Argentinier einen enormen Lärm machen würden. Nach einem kurzen Hin- und Her hat man andere Plätze für die 4 sich durch den Lärm gestört gefühlten Passagiere gefunden. Somit konnten Roberto und ich deren Wagenabteil für uns zwei alleine in Anspruch nehmen. Während der ganzen Fahrt hat man sich dann noch über diese 4 Passagiere amüsiert und über sie Witze gerissenJ. Man legt sich also lieber nicht mit Spaniern an…

Einst hat diese Bahn die sich gut behehmenden Häftlinge zum Bäumefällen in den Wald transportiert; damals war der Zug jedoch ohne Fenster und es muss dementsprechend eine eisige 7km Fahrt zum Baumschlag gewesen sein. Die Stadt Ushuaia war nämlich gemäss Aussagen unseres Guides ursprünglich eine Gefängnisstadt. Das Gefängnis wurde aber ca. um 1950 geschlossen. Die Zugstrecke wurde von einem Argentinier mit viel Liebe zum Detail nachgebaut und man fühlt sich demnach sofort authentisch-nostalgisch in die damalige Zeit versetzt.

Die Fahrt dauert ungefähr 1 ½ Stunden und beinhaltet einen 15-minütigen Stopp bei der Estación Cascada de la Macarena, wo man den Macarena Wasserfall besichtigen und die Aussicht in Form von Fotos festhalten kann. Danach führte uns unser Weg durch einen "sub-antarktischen" Wald entlang des Flusses Pipo. Ebenfalls befinden sich im Nationalpark einige archäologische Ruinen der Yámana -Einheimischen.

Die Fahrt endet sodann an der Estación del Parque. Von hier aus hat man die Möglichkeit wieder mit der Bahn zurück an den Ausgangspunkt zu fahren oder mit einer vororganisierter Tour weitere Teile des Nationalparks zu entdecken. Hinweis: der Preis für die Fahrt in einer der wohl berühmtesten Bahnen beträgt übrigens satte CHF 21 (Hinweg) und ca. CHF 23.00 (Hin- und Zurück). Wir wurden an der Endstation auch bereits von unserem Guide Mariela mit einem freundlichen Lächeln erwartet. So fuhren wir weiter durch den dicht-besiedelten Wald und erhielten eine Lektion über die Vegetation und die Plagen der Umgebung. Im Wald des Nationalparks seien hauptsächlich verschiedene Arten von Buchen anzutreffen. Die Plagen seien die Hasen, Nagetiere (Biber) und noch ein Tier, dessen Namen wir nicht kannten auf Spanisch. Während der Fahrt und unseren Wanderungen haben wir dementsprechend auch viele Hasen auf saftigen Wiesen und Waldlichtungen angetroffen, jedoch sind diese schnell wieder davon gehoppeltJ.

Unsere nächste Station war in der Zone Lago Roca. An diesem Punkt hat man einen beeindruckenden Blick auf den Cerro Cóndor, auf dessen Spitze die Grenze nach Chile verläuft. Für diejenigen, denen die Kälte nichts ausmacht, bietet diese Zone sogar CampingmöglichkeitenJ. Von dem Lago Roca aus starteten wir einen kleinen Marsch bis zum Zentrum der Campinganlage. Hier hatten wir die Möglichkeit einen kleinen Snack einzunehmen. Danach ging es weiter zur berühmten Bucht von Lapataia. Hier endet nämlich die Nationalroute N°3 (sie befindet sich im Nationalpark) oder auch Panamericana genannt und startet mehr oder weniger offiziell in Alaska, eigentlich Prudhoe Bay. Von hier aus kann man die Lagunen Verde und Negra bewundern.

Dieser Aussichtspunkt ist - wie man sich vorstellen kann - von Touristen aller Art überlaufen. Ich selber habe heute die Erfahrung gemacht, dass eher die älteren Touristen ungeduldig waren und sich mehrheitlich vordrängelten, wenn es etwas zu sehen gab. Ein Beispiel: Wir liefen mit unserer Truppe zu einem Aussichtspunkt hinauf, wo wir glücklicherweise eine Falkenart auf der Wiese herumlaufend gesehen haben. Nicht eine Sekunde verging, bis sich alle sofort vordrängelten und herumschubsten. Das gab mir ehrlich gesagt ziemlich zu denken. Schlussendlich war es ja nur ein Vogel und nicht Britney Spears. Und derjenige Herr, der sich so bemüht hat, ganz nach vorne zu kommen, hatte eine Einmal-Gebrauch-Kamera von Konica dabei. Er wird sicher die besten Fotos geschossen haben
J. Roberto und ich gingen die Sache eher locker an und amüsieren uns auf die Kosten anderer. Ich verstehe auch nicht, was sich die Leute davon versprechen, wenn rund 30 Menschen in einem sich schliessenden Halbkreis mit erhöhter Lautstärke Richtung Wildtier vorpreschen, um es zu fotografieren.

Nach dem Rundgang im Nationalpark führte uns die Fahrt zurück ins Zentrum von Ushuaia bzw. an den Hafen "Don Eduardo Arturo Brisighelli". Nach einer einstündigen Pause startete hier nämlich unsere 2. Tour des Tages. Hier ist noch zu bemerken, dass wir mit der Reiseagentur Rumbo Sur eine Rundfahrt auf einem Katamaran durch den Beagle Kanal zu den Seelöwen-Inseln gebucht hatten. Wie wir aber später herausgefunden haben, bestünde auch die Möglichkeit eine längere (4 1/2-stündige) Tour zu besuchen, in welcher man zusätzlich Magellan-Pinguin Kolonien auf entfernter liegenden Inseln beobachten kann. Natürlich war der Reiz da, unsere Rute umzuändern, um auch die Pinguine zu sehen, aber schlussendlich haben wir uns wegen zwei Gründen dagegen entschieden: Leider fühlte sich heute Roberto nicht gut und die Tabletten haben ihm nicht sehr geholfen und zudem hätten wir je CHF 20.00 mehr bezahlen müssen. Wir waren uns sodann einig, dass wir die im Voraus gebuchte Tour zu den Seelöwen machen und nichts in unserem Reiseprogramm ändern. Wir werden bestimmt anderswo die Möglichkeit haben, Pinguine beobachten zu können. So startete unsere Tour auf dem Beagle Kanal pünktlich um 15.00 Uhr. Roberto und ich durften als Passagiere den Katamaran als erste betreten und somit hatten wir den besten Platz im Katamaran, wo sich Roberto zum Schlafen hinlegen konnte. Er hat leider nicht sehr viel von unserer kleinen Rundreise mitbekommen, was mir natürlich sehr Leid tat. Schlussendlich nehme ich an, dass er nur wegen mir auf die Tour mitgekommen ist, auch wenn er das verneintJ. Vom Katamaran aus hatte man eine wunderschöne Panoramaaussicht auf die kleine Stadt Ushuaia. Nach ca. 1h Schiffsfahrt kamen wir am Leuchtturm Les Eclaireurs, den Inseln "de los Lobos" (Seelöwen) und "los Pájeros" (Vögel) an. Hier hatten wir die Möglichkeit die Seelöwen und die Vögel (mehrheitlich Kormorane, die mir von Weitem sehr einem Pinguin ähnelten) von Nahem zu beobachten. An jeder der Inseln machten wir ca. 10 Minuten Halt, damit auch alle Leute genügend Zeit hatten, einige Schnappschüsse zu machen.

Während der Rückfahrt hatte man eine ausgezeichnete Sicht auf die Bergkette Martial und seinem gleichnamigen Gletscher. Wir haben noch viele andere mit Schnee bedeckten Bergspitzen auf der chilenischen Seite gesehen, aber die Namen jener sind uns leider entfallen.

Unsere Tour endete sodann bereits um 17.30 Uhr (ich hätte noch Stunden auf dem Katamaran bleiben können um die vielen Inseln zu besuchen und seine Bewohner zu observieren). Wir hatten an diesem Nachmittag auch Glück im Unglück. Gerade als wir die Seelöwen Insel erreicht hatten, zeigte sich der Batteriestatus auf unserer Kamera sehr niedrig. Somit mussten wir immer schnell ein Foto machen und die Kamera sofort ausschalten. Leider gab die Kamera dann aber doch noch den Geist auf. Glücklicherweise erst nachdem wir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten gesehen hattenJ

In Ushuaia angekommen machten wir uns auf den Weg zurück ins Hotel. Roberto legte sich sodann gleich hin, leider ging es ihm während des Abends nicht sehr gut. Er hatte sich in diesem kalten Wetter erkältet.

Hier noch die Fotos unseres abendteuerreichen Tages:

Dienstag, 22. Januar 2008

Reise ans Ende der Welt (Ushuaia) Tag 2

Nach einem super leckeren Frühstück (Auswahl am Frühstücksbuffet) wurden wir um 9.00 Uhr von der Nunatak Adventure vor dem Hotel abgeholt. Wie der Name des Veranstalters bereits aussagt, hatten wir einen abendteuerreichen Tag in einem 4x4 Geländewagen vor uns. Wir waren die letzten zwei Passagiere nebst sechs Brasilianern und somit mussten wir uns mit einem Platz hinten im Wagen begnügen. Unser Fahrer, der zugleich unser Guide war, war ziemlich wortkarg. Wahrscheinlich lag es daran, dass ihn die Brasilianer nicht verstanden haben und er die Brasilianer nichtJ. Unser erster Halt unseres Ganztagesausfluges war an einem Panoramapunkt, wo man eine einzigartige Aussicht über die Seen Escondido und Fagnano hatte. Von hier aus begann unser Off-Road Abenteuer. Der Land Rover entführte uns in eine unvergessliche Fahrt durch atemberaubende Wälder, tiefe Schlammbecken und entlang der steinigen Küste des Sees Fagnano. Wir entdeckten Landschaften, die ohne einen 4x4 Geländewagen und der dementsprechenden Fahrkenntnis nicht möglich wären. Die Fahrt durch die Schlammlöcher war sehr abenteuerlich. An einem Punkt der Strecke blieb unser Wagen im Schlamm stecken und musste mit Hilfe eines an einem Baum angebunden Seils herausgezogen werden. Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob das alles nur Show für die Touristen war, denn der zweite Wagen hinter uns fuhr fast ohne Probleme durch den Morast. Vielleicht hat das auch mit dem Talent des Fahrers zu tunJ.

Während der Fahrt durch den Wald machte sich das Ausmass der Zerstörung einer riesigen Biberpopulation bemerkbar. Wir hatten die Möglichkeit auszusteigen und über einige Baumstämme zu klettern und uns den von den Bibern zerstörten Wald näher anzuschauen. Gemäss unserem Guide wollten die Einheimischen früher den Biber im Feuerland züchten wegen des Felles. Leider entpuppte sich die Fellqualität nicht als eine der besten Sorten und somit hat man die Biberpärchen in Ruhe gelassen. Heute sind natürlich mehr als nur ein paar Pärchen vorhanden und vermehren sich ungehindert und zerstören mit ihrem Treiben die Wälder; zudem haben die Biber keine natürlichen Feinde, was den Einheimischen wohl grosse Sorge bereiten muss. Schlussendlich sind die Menschen selbst Schuld an dieser Tatsache, da die kanadischen Biber in das Feuerland von Menschen eingebracht wurden, wie übrigens auch der Hase und die Ratte. Das erklärt dann wiederum auch, weshalb man bei der Einreise nach Patagonien auch vom Inland her, relativ rigoros auf illegale Objekte, wie Tiere und Obst kontrolliert wird.

An der Küste des Sees Fagnano legten wir am Mittag Pause ein und konnten die Küste entlang laufen, während die Guides (unser Guide und ein zusätzlicher von einer anderen Truppe) Mittagessen vorbereiteten. Wir haben selbstverständlich das Gebiet näher angeschaut und Roberto hat seine Füsse in den See Fagnano eingetaucht, aber ihm war die Temperatur des Wassers eindeutig zu kalt, um eine Runde im See zu schwimmen. Wir machten uns danach zurück zu unserem Ausgangspunkt und wurden mit einem Barbecue begrüsst bzw. überrascht. Wir waren insgesamt ca. 12 Leute und sassen auf Holzstämmen, welche um das Lagefeuer aufgestellt waren. Auf dem Grill gab es nebst dem bekannten Choripan-Würstchen richtiges argentinisches Steak. Der Choripan ist übrigens eine sehr populäre Sandwichart in Argentinien. Der Name kommt von der Kombination der Zutaten: ein grillierter Chorizo (Paprikawurst) eingeklemmt in ein Brot (span.: pan). Zudem wurden Salatteller aufgetischt, wo man sich selbst bedienen konnte. Einen feinen Malbec Wein und eine lecker Vorspeise gingen dem Festschmaus voraus. Wir waren wirklich sehr positiv überrascht, da wir nicht einmal mit einem Mittagessen gerechnet haben. Das Essen war sehr schmackhaft und das Ambiente zwischen den Leuten im Wald stimmte. Schlussendlich wurden wir zusätzlich noch mit einem Dessert, Tee und Kaffee überrascht. Von Vorspeise bis Dessert, an alles wurde gedacht. Hier ist noch zu erwähnen, dass man natürlich auch ein Vegi-Menü haben kann, man muss aber den Touroperator vorher informieren.

Der Guide der anderen Truppe war ein Brasilianer, der uns stets zum Lachen brachte und viel über die Fauna zu erzählen hatte. Ihm merkte man an, dass im die Arbeit sehr viel Spass bereitete, während unser Guide sich immer noch sehr wortkarg gab.

Nachdem wir unsere Bäuche voll geschlagen und neue Energie aufgetankt hatten, ging es im Land Rover weiter der Küste entlang zum Escondido See, wo uns eine Kanufahrt erwartete. Der See war ziemlich ruhig mit einer kleinen Strömung. Roberto und ich waren die ersten, die sich ein Kanu geschnappt haben und auf dem See herumgefahren sind. Roberto hatte bereits Erfahrung mit Kanu fahren und somit hat er mich kurz instruiert und wir sind dann wie eine Rakete abgezischt und haben unsere Truppe weit hinter uns gelassenJ. Wir fuhren langsam die Küste entlang (einen Bogen) und warteten auf unsere Gruppe, die im Schneckentempo sich zu uns gesellte. Nach ca. 40 Minuten mussten wir uns leider auf den Rückweg machen und ein wenig gegen die Strömung ankämpfen. Wir wurden bei der Ankunft dann als das Winning Schweizer Team bezeichnetJ.

Kurz darauf machten wir uns wieder auf den Weg nach Ushuaia. Die Rückfahrt dauerte ca. 1h und wir waren am Ende des Tages sehr müde. Der heutige Ausflug hat uns sehr viel Spass bereitet und wir haben wieder Mal einiges hinzugelernt. Eine Tour mit einem 4x4 Geländewagen ist wirklich sehr empfehlenswert, da man an Orte herankommt, die man alleine nicht erreichen könnte.

Die Fotos unserer Tour mit einem 4x4 Land Rover findet ihr hier:

Montag, 21. Januar 2008

Reise ans Ende der Welt (Ushuaia) Tag 1

Irgendwann Ende Dezember entschieden Sebnem und ich, dass wir, trotz der erhöhten finanziellen Belastung, eine kleine Reise in den Süden Argentiniens nach Feuerland machen. Wir (eigentlich ausschliesslich Sebnem) begaben uns auf die Suche nach einem geeigneten Angebot und fanden dann einen vertrauenserweckenden Reiseorganisator namens Fuera de Routa, ähnlich dem Globetrotter in der Schweiz. Wir wurden sehr freundlich und sofort willkommen geheissen, aber nicht auf die Art, wo man sofort merkt, dass die Leute nur so lange nett sind, bis sie ihr billiges Angebot an den Mann gebracht haben. Die Reiseagentur ist auf Argentinienreisen und speziell Patagonien spezialisiert. Wir wurden ausserordentlich gut beraten und bekamen nach rund einer halben Stunde Gespräch ein auf uns zugeschnittenes 7-tägiges drei Seiten starkes ausführliches Reiseprogramm ausgedruckt. Nachdem wir noch ein paar weitere Anbieter angefragt hatten, merkten wir wieder einmal, wie unglaublich riesige Unterschiede es doch bei den Reiseveranstaltern gibt bezüglich des "customer relationship managements", der Informationen die man erhält und der Freundlichkeit und dem nötigen Respekt mit welchen man behandelt wird. Da ich fern von einem Spezialisten bezüglich Pauschalreisen buchen bin, kann ich diese Diskrepanz welche hier in Südamerika teilweise herrscht nicht vergleichen mit Reiseveranstaltern in der Schweiz.

Ein Sprung nach vorne bringt uns an den Sonntag vor dem Abflug Richtung Ushuaia. Sebnem und ich, komplett unvorbereitet und noch nichts gepackt, loggen uns noch einmal ins System ein, welches online alle unsere Informationen inklusive Reiseprogramm offeriert. Die Fuera de Ruta Reisegesellschaft ist sogar so modern, dass sie dem Reisenden eine Art normalsterblich-lesbare Version der Amadeus Flugreservierungssoftware zur Verfügung stellt.

Exkurs für Interessierte, andere überspringen einfach diesen Absatz: Für diejenigen unter den Lesern, die nicht so viel reisen oder in einer Reisegesellschaft oder Flughafen arbeiten: Es gibt eigentlich zwei grosse Anbieter von Buchungssoftware für Reisegesellschaften, eines ist das Galileo und das andere das Amadeus. Diese Software erlaubt es Reisegesellschaften auf sehr speditive und sichere Art direkt auf die Flugbesetzung einzelner Airlines zuzugreifen und Flüge zu buchen. Es sind dies einige der wenigen Programme, die heute noch per Terminal (Emulation in der heutigen Windows-verseuchten Welt) Eingabe funktionieren und mnemonische Kommandos zur Steuerung benutzen (ähnlich dem ehemaligen von der ETH entwickelten FLINTE System des Schweizer Militärs zur Kommunikation in Kriegsfällen oder Steuerungssysteme in der Maschinen- und Metallindustrie). Man gibt so einen mnemonischen Befehl ein und erhält für nicht versierte Leute komplett kryptische Ausgaben, welche zur Buchung und Information für den Agenten dienen. Ein guter alter "Hacker"-Freund von mir (M. Lorenzi), der mich schon im zarten Kindesalter ins Programmieren eingeführt hatte, schrieb in den Spät-80ern anfangs 90er genau so ein Buchungsprogramm (wenn ich mich nicht komplett irre in der Sprach Clipper) und war sehr erfolgreich damit; er hat mir sehr vieles von der dahinter liegenden Technologie erklärt.

Und wieder einmal bin ich abgeschweift. Kurs nach Feuerland, por favor. Aber zuerst noch unser Dilemma am Abend vor dem Abflug: Wir gucken also eifrig in das Amadeus und stellen fest, dass es eine Flugverschiebung gegeben hat, wieso auch immer. Der neue Zeitpunkt war mit 11.30 angegeben. Na wunderbar, wir können ausschlafen, denn mit 45 Minuten Fahrt muss man schon rechnen, wenn man zum Ezeiza Flughafen in Buenos Aires muss; hinzu kommen noch die 1.5 bis 2 Stunden, welche man vor Abflug einrechnen muss. Unser Flug war ursprünglich auf 08.25 angekündigt. Hätten wir an diesem Punkt unsere Sachen zusammengepackt und wären schlafen gegangen, hätte unser Tagesbeginn anders ausgesehen. Sebnem jedoch, in ihrer Natur, welche geradlinig dem dritten thermonuklearen Hauptsatz folgt (für nicht-Physiker: der absolute Ruhezustand oder Relaxfaktor eines Elements kann nicht erreicht werden), wollte die Qualität der Aussage fundieren. Also ging sie auf die Suche nach einer online Flughafenabfluginformation im Internet und wurde natürlich auch fündig. Das Dilemma war jetzt, dass dort immer noch stand, dass unser Flug AR1868 um 08.25 losgehen würde. Es gab zwar ein kleiner Hinweis, dass die dort dargestellte Information nach besten Wissen und Gewissen erfolgt, Fehler aber sehr gut möglich sind. Super, wie sollen wir uns da entscheiden. Tendenziell wollten wir schon ausschlafen, aber den ersten Flug der Reise zu verpassen, weil wir uns einem online System anvertrauten, war nach unseren Erlebnissen in Südamerika auch nicht eine Option. Schlaumeier bemerken hier, dass man vielleicht die Airline anrufen sollte. Das ist korrekt, jedoch gibt es da ein paar Hindernisse: Erstens findet man praktisch nur Gratisnummern (zumindest für die 7/24 Hotline) und die gehen weder vom Hotel aus, noch mit einer Prepaid-Karte am öffentlichen Telefon noch mit Skype. Alle nicht-Gratisnummern haben Servicezeiten wie die Post in der Schweiz. Man kann somit nicht so trivial am Samstag oder Sonntag Informationen über den Flugstatus erhalten bei Aerolineas Argentina.

So standen wir am Montagmorgen um 4.40 nach knapp 3.5 Stunden Schlaf auf (wir mussten ja noch packen). Um 5.30 Uhr ging es los, ohne grosse Pläne bezüglich des Transportmittels geschmiedet zu haben. Es gibt einen Bus Nummer 86, der ab Congresso oder Plaza de Mayo zum Flughafen fährt. Die Dauer schwankt je nach Aussage zwischen einer und zwei Stunden, der Preis dürfte die zwei Pesos nicht überschreiten. Ein Taxi oder VIP-Shuttle Service sind die anderen Methoden, welche einen sicher ans Ziel bringen. Das Taxi kostet ab 2008 rund 70 argentinische Pesos (vorher 55), was rund $23 USD bedeutet. Wir versuchten es mit dem Bus. Leider ist es nicht so offensichtlich, wo der Bus genau hält (ja ja, im Gegensatz zum nördlichen Südamerika, kann man in Argentinien nicht einfach beliebig an jeder Strassenecke den Bus anhalten und aufsteigen) und so verpassten wir den Bus, welcher einfach an uns vorbeibrauste und 200 Meter weiter vorne Halt machte. Wir liefen zurück zum Hotel und baten den netten Nachtportier uns ein Taxi zu rufen. So fuhren wir mit dem Taxi zum Flughafen. Der Taxifahrer war ein sehr laut artikulierender Mensch und auch ziemlich extrem in seinen Ansichten, wie so viele hart arbeitende Bürger in Buenos Aires, die nicht so einverstanden sind mit der Regierung in ihrem Land (also Vorsicht, wenn ihr in Argentinien seid und die Politik anspricht; man sollte gut vorbereitet sein). Er erzählte uns zudem, dass er auch gerne so reisen würde wie wir, er dies aber nicht mehr könne, da seine Frau vor rund einem halben Jahr durch ein Nierenversagen an eine Dialyse gebunden ist. Er ärgert sich sehr über diesen Zustand.

Wir kamen rund 45 Minuten nach Abfahrt am Flughafen an und zielten schnurstracks Richtung Check-in der Aerolineas Argentina. Zum Glück waren wir schon um diese Zeit dort, denn nach dem einchecken hatte es eine 150 Meter Schlange von Reisenden. Natürlich hätten wir ausschlafen können, denn der Flug wurde tatsächlich aus uns bis zum heutigen Tage nicht erfindlichen Grunde gestrichen und wir wurden auf den 11.30 Uhr Flug gebucht. Ich muss an dieser Stelle den "Ghetto-style" der Aerolineas Argentina erwähnen, welcher uns schon an verschiedensten Orten in Argentinien und Uruguay bestätigt wurde. Manchmal werden die Flüge willkürlich verschoben, manchmal gestrichen und manchmal wird man auf eine andere Fluggesellschaft gebucht. Das passiert einem auch bei anderen Fluggesellschaften, aber wenigstens geben die einem eine Information, damit man den Umstand besser verstehen kann und eventuell noch eine Vergünstigung auf einen weiteren Flug der betroffenen Airline; und es kommt nicht so oft vor, dass es hervorstechen würde als eine typische Eigenschaft der Airline. Aerolineas Argentina ist zu vergleichen mit einigen Bahnen der British Railway Corporation. Nie pünktlich, keine Information und monopolistisches Verhalten dem Kunden gegenüber. Der Flughafen Ezeiza ist auch nicht optimal organisiert: Die Fluganzeigen inklusive der online-Version der Fluganzeigen sind schlichtweg nicht ausreichend und teilweise falsch und es gibt keine Instanz am Flughafen, die einem mit Fluginformationen behilflich sein würde.

Wir lungerten wie halbtote Fliegen am Flughafen rum, da sie einem für "domestic flights" erst so ab 10.00 Uhr in den Wartesaal mit bequemen Teppichboden lassen. Bei Sebnem meldete sich ein Wolfshunger aber ich vertröstete sie auf das leckere Essen, das wir auf dem Flug kriegen würden. Weit gefehlt! Es wurde uns ein halb vertrocknetes Käse-Schinken Sandwich (und Roggenbrot kann wirklich trocken sein) serviert. So ist es halt im Leben. Dafür wurden wir in Ushuaia von zwei Repräsentanten der Rumba Sur Abenteuerreisen Agentur freundlich abgeholt und ins 4-Sterne Hotel Ushuaia gefahren, ein sehr schönes Hotel auf dem Hügel mit Blick über halb Ushuaia und dessen imposanten Hafen, wo an diesem Tag gleich drei riesen Kreuzfahrtschiffe ankerten. Praktisch alle Schiffe, die Antarktisreisen durchführen ankern in Ushuaia. Für diejenigen unter Euch die es interessiert: Vermutlich der beste Anbieter solcher Antarktisreisen dürfte Quark Expeditions sein. Mit Preisen (je nach Route und Luxus) ab rund $5000 USD bis gut $40000 USD pro Person muss man schon rechnen.

Wir haben noch einen Spaziergang ins Dorf gemacht und einen überteuerten Burger verdrückt und dann wohl die teuerste Schokolade in unserem Leben gekauft bei der Laguna Negra Chocolate Artesanial. Und wir wurden beklaut, man wird es kaum glauben. Unser vom Hotel gesponsorter kaputte Regenschirm wechselte den Besitzer, als wir die teure Schokolade einkauften. Auch die Angestellten im Hotel konnten es kaum glauben, denn wer stiehlt an einem so touristischen Ort schon einen kaputten Regenschirm? Es musste wohl ein verzweifelter israelischer Tourist (siehe Blogeintrag über Bolivien) gewesen sein.

Es ist jetzt nach 22.00 Uhr abends, die Sonne hat die Wolken verdrängt und scheint in voller Kraft auf das liebliche Städtchen Ushuaia, hier am südlichsten (gut erreichbaren) Ort Südamerikas. In dieser Zeit begünstigen Wendekreise, die geographische Deklination (Richtungsstellung der Erde) und der Sonnenstand zu gegebener Zeit (mitunter bestimmend für die Jahreszeiten) das bekannte Phänomen, dass mit steigendem Breitengrad auch die Sonnenscheindauer steigt. Für interessierte Leute ein etwas ungenauer aber ausreichend erklärender Artikel auf Wikipedia zu Sonnenstrahlung. Gemäss dieser Seite beträgt in heute in Ushuaia die Sonnenscheindauer 16 Stunden und 20 Minuten, die Deklination -19.77°. Wir befinden uns auf dem Breitengrad (DMS): 54° 49' 0 S und auf dem Längengrad (DMS): 68° 16' 0 W. Am Ende der Reise werden wir jeden Längengrad überquert und mindestens 100 Breitengrade bereist haben (Zürich rund auf dem 47° N und Ushuaia auf dem 54° S). Was erstaunen mag, ist die Tatsache, dass zum Beispiel nur schon Moskau mit 56° N weiter weg vom Äquator liegt, als Ushuaia. Für mich war das nördlichste was ich je besucht hatte Reykjavik (Island) auf 64° N. So, nun habe ich sicher alle Leser schön in den Schlaft gewiegt mit meinen Ausführungen.

Gute Nacht und hier noch die wenigen Bilder des heutigen Tages: