Samstag, 24. November 2007

Bolivien: Potosi

Immer noch im Gedanken möglichst bald nach Uyuni und Chile zu gelangen, versuchten wir heute unser Glück, von Sucre via Potosi nach Uyuni zu fahren. Das Problem war natürlich immer noch die andauernden Proteste der Bevölkerung in Sucre, welche unter anderem die Strassen für einkommende und ausgehende Fahrzeuge sperrten.

Wir machten uns daher um 6.30 Uhr am 24. November (die Wahrscheinlichkeit, dass die Strassen so früh schon blockiert waren, schien klein zu sein) auf den Weg zum Busterminal. Wie immer wurden wir, kaum aus dem Taxi ausgestiegen, von Busticketverkäufern empfangen, welche um unsere Gunst buhlten. Nach kurzer Verhandlung konnten wir uns einen Platz auf dem nächsten Bus (6 de Octubre) ergattern und zudem noch zu einem Preis, der niedriger war, als die Lokalen bezahlten (1.60 CHF / Person für 3.5 Stunden Fahrt).

Die Busfahrt war alles andere als angenehm und Roberto würde sagen, dass es die schlimmste Busfahrt bis jetzt war. Die lokalen Hochländer, die auch mit dem Bus mitfuhren, stanken dermassen, dass Roberto fast kotzen musste. Er hat sich aber gut gehalten, da wir noch ein Flakon Parfüm griffbereit hatten und dies auf die Jacke sprühen konnten. Somit konnte Roberto die Fahrt an seiner Jacke schnüffelnd überleben. Man ist ja nicht zimperlich, aber der Gestank, der von diesen Leuten in diesem besagtem Bus ausging, sprengt alle Vorstellungen: die Hände stanken nach altem Ziegenkäse, der Mundgeruch nach Fäulnis (man stellt sich am besten vor, jemand kaut auf einer verwesenden Ratte rum, die sicher schon zwei Wochen im Mund gewesen sein muss), die Kleider je nach Anatomie nach Scheisse und Pisse (WC-Papier ist für die Hochländer gänzlich ein Fremdwort und dementsprechend bleibt halt immer was hängen; die älteren Herren müssen ihr Ding wohl vor dem Beenden des Urinierens versorgen, vermutlich wegen der Kälte im Hochland).

In Potosi angekommen wurde uns vermittelt, dass der Bus, den wir am Mittag Richtung Uyuni nehmen wollten, nicht fuhr. Die Gründe reichten von Blockade bis hin zu Defekt des Busses; der wahre Grund jedoch war vermutlich, dass sie einfach nicht fahren wollten, da es nicht genügend Passagiere hatte. Die nächste Fahrgelegenheit war gemäss der alternativen Anbieter erst um 19.00 Uhr abends. Das hiess für uns, 6 Stunden in der hässlichen Stadt zu verweilen. Nicht nur das war übel, nein, als Roberto 'mal kurz Früchte einkaufen ging, wurde Sebnem prompt auf die Probe gestellt: Es kam ein Typ vorbei, der fadenscheinig ein Busticket verkaufen wollte und Sebnem ein paar Fragen stellte. Unterdessen kam von hinten ein älterer Mann daher, der sich mit unserem wichtigsten Rucksack vom Acker machte. Dank Sebnems Instinkten und guter Reaktion befand sich der Mann jedoch alsbald in der Situation eines Verfolgten, denn Sebnem rannte ihm kurzerhand nach J. Der Mann musste wohl realisieren, dass mit Sebnem nicht zu spassen ist (sie spielt immerhin 2. Liga Basketball) und liess den Rucksack auf die Strasse fallen, um den Vorsprung nicht zu verlieren (auf 4000 M.ü.M muss man mit seinen Reserven haushalten bei Verfolgungsjagden). Mittlerweilen war Roberto auch alarmiert worden und überprüfte das Geschehen mit Verwunderung, da er dachte, Sebnem hätte nun doch einen Bus gefunden, der nach Uyuni fährt und wollte sich beeilen, diesen zu erwischen. Einerseits dank der Reaktion von Sebnem aber andererseits auch mit riesem Glück können wir den Rucksack wieder unser Eigen nennen; hätte Sebnem ein paar Sekunden mehr gezögert, wäre der Mann auf Nimmerwiedersehen weg gewesen. Kurz darauf erschien auch die Polizei, welche einen Amerikaner nach genau diesem Mann befragte, der anscheinend schon öfters in diesem Gebiet die Touristen um ihr Gepäck erleichtert hatte.

Wir taten uns kurzerhand mit dem freundlichen und vielgereisten Amerikaner zusammen und gingen ins einzig gute Kaffee in Potosi, am Hauptplatz von Potosi, wo wir auf alle anderen Touristen, welche sich in dieser Stadt befanden, traffen. Tip(p): Nehmt keinen der alkoholischen Kaffeegetränke, der Rum, den sie einem einschenken ist von der billigsten Sorte. Dafür ist die heisse Schokolade empfehlenswert. Ansonsten ist zu sagen, dass ausser dem Hauptplatz in Potosi, nichts wirklich sehenswert ist. In Potosi macht man nur Halt, um entweder nach Uyuni weiterzufahren oder die bekannte Silbermine zu besuchen. Wir entschieden uns so gegen 17.30 Uhr zurück an die Busstation (es gibt zwei Bussstationen, die schöne gelbe, wo die Busse aus Sucre und Cochabamba ankommen und dann diejenige, wo die Busse Richtung Uyuni fahren; die letztere ist keine Busstation im eigentlichen Sinne, mehr eine lebendige Strasse mit vielen Busgesellschaften) zu kehren und standen wieder vor einem neuen Problem: Anscheinend kamen wir zu spät an, denn die Busgesellschaften waren schon alle voll besetzt mit Passagieren Richtung Uyuni und keiner wollte mehr uns ein Ticket verkaufen. Der Amerikaner und Roberto fingen an die Busgesellschaften zu bearbeiten, dass sie doch einen grösseren Bus schicken sollten und sie für mehr Passagiere auf der Strasse werben würden. Nach langem Hin- und Her und fruchtlosen Flirtversuchen mit der hauptverantwortlichen Dame (welche ihren Säugling an der Brust hatte und es uns Männern nicht erleichterte, rational zu diskutieren) der einen Busgesellschaft schien es plötzlich doch noch zu klappen. Wir hatten vier Passagiere mehr gefunden, welche nach Uyuni wollten und bezahlten auch rund einen 1.50 CHF (soviel wie uns die Fahrt von Sucre nach Potosi gekostet hatte) mehr als es eigentlich kosten würde. So kam der Bus und er füllte sich und füllte sich und es nahm kein Ende mehr. Der Bus war komplett überfüllt und es mussten etwa 10 natürlich heftigst stinkende Passagiere im Mittelgang stehen; zum Glück hatten wir unsere Plätze, denn die Fahrt dauerte wieder einmal nicht wie ursprünglich gesagt 5 Stunden, sondern 6.5 Stunden. Somit kamen wir erst um 2 Uhr morgens in Uyuni an, ohne ein Hostel gebucht oder die leiseste Ahnung von einer Unterkunft überhaupt zu haben. Wir folgten zwei Schweizern, welche (wie könnte es anders sein) schon alles perfekt organisiert hatten und fanden prompt eine Bleibe im selben Hotel Avenida für $7 USD zusammen.

Gute Nacht und die wenigen Bilder könnt Ihr hier begutachten:

Donnerstag, 22. November 2007

Bolivien: Sucre

Wir sind am 22. November 2007 in Boliviens Hauptstadt Sucre, welche sich auf 2790 M.ü.M befindet, angekommen. Auf Robertos Wunsch hin haben wir den Flieger von Santa Cruz aus genommen und sparten uns so eine lange Busfahrt über die hügelige Landschaft. Zu unserem Glück schien die Sonne bei unserer Ankunft. Wieder einmal kamen wir am Flughafen an ohne irgendwelche Pläne gemacht zu haben; so nahmen wir ein Taxi ins Zentrum und fanden mit Hilfe des Taxichauffeurs ein familienbetriebenes Hostel ca. 4 Blöcke vom Hauptplatz entfernt. Das Hostel "Pachamama" ist absolut empfehlenswert (grosse Zimmer, eigenes Bad, warme Dusche, günstiges Frühstück, sehr nette Mitarbeiter) und kostet pro Nacht ca. 10.00 CHF für beide zusammen.

Nach dem Check-In sind wir noch in Sucre herumgelaufen und haben uns die historische "weisse" Stadt näher betrachtet.

Die Stadt ist nicht all zu gross und man findet sich schnell zurecht. Wir sind zudem auf einen Markt mitten in der Stadt gestossen mit riesigen Frucht- und Gemüseständen, Fleischangeboten, etc.

Überall findet man Internetcafés, Bars und Restaurants mit exotischen Menüs. Sucre ist die wichtigste historische Stadt Boliviens; hier wurde auch im Jahre 1825 die Unabhängigkeit Boliviens erklärt. Viele Museen haben in Sucre ihren Standort; wir aber müssen zugeben, dass wir kein einziges davon besucht haben. Vielleicht ergibt sich das irgendwann mal mit dem Alter, dass man "Museumsgänger" wird J. Wir geniessen es mehr durch die Strassen zu schlendern, uns im Park zu erholen und die Leute zu beobachten und zu kritisieren.

Die Stadt selbst ist wiederum ganz anders als La Paz, die Leute, deren Kleidung, die Strassen, die Häuser. Bis anhin waren wir immer der Meinung, dass La Paz die Hauptstadt Boliviens sei, doch wurden wir diesbezüglich eines Besseres belehrt. In La Paz finden sich lediglich die Regierung und die Behörde wider, in Sucre allerdings befindet sich das Obergericht. (Nachlesen in Wikipedia). Sucre ist die konstitutionelle Hauptstadt mit der kompletten Legislative, die Exekutive liegt in La Paz. Dieser Umstand ist logischerweise auch ein Grund für die immer wieder aufkommenden Unruhen in Sucre, welche an diesem Wochenende mit einer heftigen Auseinandersetzung zwischen der Bevölkerung und der Polizei begann.

Wir Wundernassen haben uns natürlich für die Demonstration interessiert und sind deshalb frühmorgens losgewandert Richtung Hauptplatz, wo sich schon einige Hundert lautstarke Demonstranten befanden und mit Parolen gegen Evo Morales (gegenwärtiger umstrittener Präsident von Bolivien, auch weniger liebevoll "Ego Morales" genannt) um sich warfen.

Was anfangs sehr friedlich aussah, endete schlussendlich in einer bitteren Strassenschlacht zwischen hauptsächlich jungen Studenten und der Polizei, welche alsbald nicht mehr zögerte und die jungen steinwerfenden und Dynamit-sprengenden Studenten mit Tränengas bewarf. Wir Unschuldigen, natürlich durch unsere Neugierde selbst schuld, sind da irgendwie hineingeraten (wir wurden auf einmal mit einer Horde sich zurückrennender Demonstranten überrascht, die mit Tränengas angegriffen wurden). Roberto kannte sich mit dem Tränengas bereits aus, ich jedoch wurde das erste Mal mit Tränengas konfrontiert und war doch schockiert, wie sich das im Rachen und in den Augen (zum Glück hatte ich eine Sonnenbrille an) auswirkte. Natürlich machten wir uns sofort davon und machten einen grossen Umweg um die Demonstranten. Auf dem Rückweg zu unserem Hotel wurden wieder Opfer dieser Tränengas-Attacke. Dieses Mal wurden wir richtig damit eingedeckt und natürlich unfreiwillig. Die Leute spuckten nur noch herum und husteten wie wild, die Augen tränten aufs Heftigste. Schlussendlich machten wir einen "riesen-Umweg" um das Zentrum und kamen doch noch heil im Hotel an. Den Leuten schien die ganze Sache sehr Ernst zu sein. Die Schlacht dauerte noch bis spät in die Nacht an. Die Stadt wurde im Zentrum zum Kriegsfeld: brennende Autoreifen (um die Wirkung des Tränengases zu vermindern), wüst zugerichtete junge Leute und wütende und weinende Frauen J, welche aber keine Sekunde zögerten die jungen Leute anzuspornen und gratis mit den nötigen Kampfutensilien (Essig gegen das Tränengas, Mundschutz und Steinschleudern) zu versorgen.

Am Tag danach waren die Zeitungen des Landes voll mit Artikeln wie diesem (Ausschnitte):

Calles de Sucre se convirten en un gran campo de batalla

"Sucre vivio ayer un 'viernes negro' por la represion de la Policia, que no midio nada a lanzar gases lacrimogenos y balines contra cientos y hasta miles de ciudadanos"

"Pero mientras se leian las ultimas conclusiones del cabildo, a las 12:45, la Policia comenzo a reprimir a un grupo de jovenes que se habia dirigido en marcha al Teatro Gran Mariscal. Desde temprano, el control en esa zona era inexplicablemente estricto y con el choque, los efectivos ocuparon momentaneamente el sector. Con gases y golpes echaron del lugar a los manifestantes, pese a la respuesta incresante de estos con piedras. En medio del enfrentamiento, varias granadas fueron dirigidas contra viviendas particulares, provocando temor e indignacion entre sus habitantes. En pocos minutos, la gasificacion se expandio a todas las calles proximas al teatro, donde ciculaba gente de toda edad, lo que llevo a los vecinos a sumarse a la 'batalla', sacando agua en baldes y mangueras para apagar las granadas de gas, mientras los manifestantes encendian fogatas con llantas y todo lo que podian encontrar."

"Jovenes y hombres y mujeres adultos entraban por turno a la 'batalla' con los policias, que estaban bien armados con gases y balines. Mientras el cielo se ennegrecia por los gases y el hollin de las llantas quemadas, la pelea continuaba; la lluvia tambien se sumo y se convirtio en la casual aliada de los manifestantes, apagando los gases de la Policia."

"La noche no trajo la calma. El casco viejo de la ciudad parecia un campo de batalla con piedras, palos y vidrios regados por sus calles, y varios graffitis en contra del Gobierno pintados en edificios."

"Hay mas de 150 heridos. Algunos de ellos recibieron atencion medica por traumatismo encefalo craneano (TEC), otros por politraumatismos y contusiones en el rostro y proximidades de los ojos, y la mayoria por intoxicacion con gas lacrimogeno."

Was ich jedoch fast am Schlimmsten fand, war die Tatsache, dass sich die Zeitungen sehr politisch gaben und sich 100% hinter die jugendlichen Studenten stellten, welche den Hauptanteil der Unruhen verursachten (angefeuert und unterstützt vom Rest der Bevölkerung). Die Zeitungen im Lande liessen es aussehen, als ob die Polizei die Übeltäter waren, obwohl sich diese ganz augenscheinlich (wir waren dabei) ab einem gewissen Punkte wehren musste. Ob die drastische Massnahme mit Tränengas notwendig war, bleibt dahin gestellt (die Diskussion führen wir in der Schweiz am 2. Mai auch ad absurdum), aber wieder einmal haben es die Medien in Bolivien geschafft, die minder Bemittelten und Leute der unteren sozialen Schicht mit gering fundierter Schulausbildung mit ihrer Propaganda zu täuschen. Kein Wunder, die Exekutive sitzt in La Paz und dieser Umstand scheint offensichtlich sogar den meisten Zeitungsverlegern ein Dorn im Auge zu sein. Wieder einmal bin ich froh in einem Land aufgewachsen zu sein, wo die Neutralität und offene Meinungsfreiheit zum obersten Gebot gehört. Den Vorteil mehrere Sprachen ausreichend gut zu beherrschen, erlaubt es mir im Notfall auch Zeitungen aus anderen Ländern als das gerade betroffene zu lesen, um mir eine zweite Meinung zu bilden. In Südamerika wird generell wenig Zeitung gelesen, der Bildungsstand ist wie in Nordamerika in der breiten Masse eher im unteren Segment anzusiedeln (das heisst nicht, dass es nicht einen signifikanten Teil an brillianten Leuten gäbe) und daraus ergeben sich natürlich auch leicht zu steuernde Generationen.

Den Rest der Bilder wie immer hier:

Freitag, 16. November 2007

Bolivien: Santa Cruz

Wir waren glücklich auf der Fahrt von La Paz nach Santa Cruz, da wir endlich wieder in wärmeres Wetter stossen würden. Santa Cruz liegt auf etwa 400 M.ü.M und befindet sich grenzlich tropisch/subtropisch bezüglich des Klimas. Schon bei der Anfahrt wurde uns wieder wärmer, da wir aber noch in unseren Winterkleidern steckten, war dies jedoch nicht erstaunlich. Als mir in La Paz die Leute noch sagten, dass es in Santa Cruz angenehm war, glaubte ich es nicht; es schien so unglaublich, gar unvorstellbar, dass es irgendwo in Bolivien warm sein könnte. Fakt war jedoch, dass wir in 30 Grad Celsius warmes und wunderschönes wetter fuhren. Ich war überglücklich, jedoch immer noch mit einem Thermoleibchen, einem kurzen Leibchen und einem langen dicken Pullover bekleidet, Sebnem in ähnlicher Konstellation. Die Leute schauten uns etwas verdutzt an, realisierten jedoch bald, dass wir aus Santa Cruz kommen mussten.

Ein weiterer Grund, weshalb ich unbedingt nach Santa Cruz wollte, war dass zwei ehemalige ehrenwerte Studienkollegen vor mir sich entschieden hatten, eine Softwarefirma in Santa Cruz zu eröffnen. Zugegeben, vermutlich dient das als Frontschild verdeckter Drogenschmuggel Aktionen J. Auf jeden Fall wussten wir nicht einmal, wo die Herren Marius mit seiner bezaubernden Frau Suelen Kimberley und Ranjan sich aufhielten, geschweige dann wohnen. Ich hatte jedoch eine Telefonnummer und wir schrieben ihnen noch, dass wir dann an diesem besagten Tag ankommen würden. Dummerweise hatte der Bus einige Stunden Verspätung und so verpassten wir meine Kollegen, welche sich extra ein paar Stunden frei genommen hatten, um uns vom Busbahnhof abzuholen. Sie entschieden sich jedoch nach meinem Telefonanruf, nochmals zurückzukehren und uns abzuholen.

Es war schon witzig die beiden Bleichgesichter wieder einmal zu sehen, für einmal nicht die Schulbank drückend oder an der Kletterwand, nein, in Bolivien. Bei Marius wusste ich immer, dass er einmal etwas in Bolivien beginnen würde, Ranjan jedoch hatte mich mit seiner Entscheidung, in einem so fremden Land etwas Neues aufzubauen, erstaunt. Doch wie es sich herausstellte mauserten sich die beiden bestens, wenn auch mit beträchtlicher Hilfe von Suelen und ihrer Familie, welche Bolivianer sind. Suelen selbst, die fast perfekt Deutsch spricht und sogar Schweizerdeutsch versteht, wäre lieber in der Schweiz geblieben, hat jedoch die Chance gepackt und in Santa Cruz den ersten und besten Kebab Laden eröffnet: Kimberleys Kebab, … (Adresse). Wenn ihr also einmal unterwegs in Bolivien und Santa Cruz seid, Lust auf ausgezeichnete Küche (nebst dem täglichen bolivianischen Menu, gibt’s Quiches und Kebabs und einiges mehr) habt und dazu noch eine hübsche Bolivianerin Schweizerdeutsch sprechen hören wollt, dann geht zu Kimberleys Kebab.

Es war interessant mit meinen Kollegen über die Probleme einer Firmengründung in Bolivien zu sprechen, etwas Simples wie ein Bankkonto dauert halt so seine Weile. Die Jungs haben echt Gas gegeben und innerhalb kürzester Zeit eine Lokalität im Zentrum der Stadt gefunden, Computer organisiert und Büromöbel installiert. Sie arbeiten zu viert, Marius und Ranjan als Firmengründer ein weiterer geselliger Schweizer, dessen Namen uns wieder einmal entfallen ist (nennen wir ihn einmal Felix) und ein talentierter bolivianischer Programmierer, dessen Namen wir nicht einmal versucht haben uns zu merken J.

Der Tag verging wie im Fluge und am Abend trafen sich alle bei Kimberley's Kebab. Es ist vor allem am Wochenende ein Treffpunkt für Freunde und Bekannte aus der näheren Umgebung. So auch diesen Abend, an welchem ein paar Freundinnen von Suelen eintrafen und schon bald für latinamerikanische Stimmung sorgten. Da wir schon etwas müde waren von der Reise, entschieden wir uns für die langweilige Tour und gingen schlafen, währenddessen die sich die heitere Truppe tanzend Richtung Ausgang bewegte.

Vom nächsten Tag gibt's eigentlich nicht vieles zu berichten, es war einer dieser Tage, auf die man als Paar beim Reisen nach längerer Zeit unweigerlich trifft. Viele Leute schreiben uns immer wieder, dass wir sehr glücklich auf den Fotos aussehen. Das stimmt auch, denn wir schiessen je keine Fotos, wenn wir streiten, aber man soll ja nicht glauben, das komme nicht vor. Viele Worte möchte ich eigentlich nicht verlieren, aber trotzdem möchte ich einmal erwähnen, wie schwierig das Reisen als Paar manchmal auch sein kann. Auch wenn man es nicht glauben mag, man trifft auf Konfliktsituationen, auf welche man im täglichen Leben in einer Partnerschaft vermutlich weniger trifft. In der gewohnten Umgebung kann man sich dann zur Not verdrücken, entweder in seinen eigenen Raum oder in die Arbeit oder man wendet sich an Freunde. Das funktioniert beim Reisen einfach nicht ganz so einfach. Nichts, was man besucht, bedeutet einem die gleiche gewohnte Umgebung, in welcher man sich auch ohne Partner wohlfühlen und abschalten kann; man sitzt sprichwörtlich aufeinander, 24/7. So geschehen auch an diesem Tag, wo wieder einmal eine Kleinigkeit durch Hartnäckigkeit auf beiden Seiten zu einem deftigen Streit führte. Wir schreiben dies nicht zur Selbstheilung oder zur Psychoanalyse, sondern wollen einfach einmal auch unterstreichen, dass nicht immer alles in bester Ordnung ist. Diejenigen Leser unter Euch, welchen schon mehrere Jahre mehr oder weniger erfolgreich in einer Paarbeziehung leben/dahinvegetieren kennen das ja bestens und brauchen von uns Jungen sicherlich keinen Rat mehr. Rat gibt es sowieso nicht, sich zusammenreissen und zusammenraufen heisst die Devise und meiner Meinung nach auch der nötige Respekt seinem Partner gegenüber.

An diesem Tag flog auch Corina, Ranjan's bessere Hälfte, ein. Ranjan und Corina kennen sich schon sehr lange, waren aber nie ein Paar, bis kurz vor Abreise von Ranjan nach Bolivien. Kurzer- oder auch längerer Hand hat sich Corina entschieden, dem Abenteurer Ranjan nach Bolivien zu folgen. Aber es ist nicht so, wie viele gerade denken werden: die beiden sind genug alt, diese Entscheidung mit all ihren Konsequenzen zu tragen und sie passen bestens zueinander. Man hat das Gefühl, die beiden sind schon seit ihrer Geburt füreinander bestimmt.

Wir haben uns am darauf folgenden Tag entschieden einen Ausflug nach Espejillos zu machen mit Marius' Wagen. Die Fahrt dorthin dauert ungefähr eine Stunde, wobei der letzte Teil der Strecke nur mit einem 4WD zu bewältigen ist. Espejillos ist im Prinzip eine Art Erholungsoase an einem Fluss mit überwachtem Parking. Der Fluss bietet verschiedene natürliche Schwimmbecken, welche über Jahrhunderte hinweg durch das fliessende Wasser entstanden sind. Zudem sind einige kleine Wasserfälle entstanden, die man hochkraxeln kann. Folgt man dem Wasserlauf, befindet sich oben eine kleine Lagune, welche durch den grossen Wasserfall am selben Ort entstanden ist. Beim grossen Wasserfall sollte man nicht hinunterspringen; bei einer Höhe von sicher 20 Metern trifft man dann auf etwa 2 Meter tiefes Wasserbecken gleich einen Meter neben der Eintrittsstelle des herunterfallenden Wassers. Dummerweise steht einem jedoch noch ein unter Wasser stehender Felsbrocken im Weg und den sieht man nicht beim springen. Trifft man auf diesen auf, sieht's düster aus. Der beste kleine Wasserfall, den man hinterspringen kann ist derjenige, wo sich auch die aus Beton gebaute Plattform mit herausstehenden Armierungseisen befindet. Von dort aus kann man ins tiefe schmale Becken springen (nicht zu weit nach vorne, da es wieder einen Felsvorsprung unter Wasser hat) oder wer den Mut besitzt springt über den nächsten Wasserfall ins nächst tiefer gelegene Becken. Das Problem dort ist, dass es knapp 1.5 Meter tief ist und man somit nur bäuchlings reinspringen kann. Auch so trifft man noch auf dem Boden auf, aber sanft. Für Leute, die sich mit Turm- oder Felsenspringen nicht auskennen, ist dieser Sprung nicht empfehlenswert. Vorallem aber sollte man sich zwei Mal vergewissern, wie tief das zweite Becken ist, bevor man dann hochklettert und springt.

Nach dem Badespass kann man sich an einem der an der Strasse zum Parking entlang stehenden Foodhütten verpflegen mit "empanadas rellenas de queso" (mit Käse gefüllte Teigtaschen). Wir fuhren zurück und erledigten noch ein paar kleinere Einkäufe und legten uns schlafen. Sebnem uns ich wieder ins gleiche Bett, aber nur für ein Weilchen, denn Sebnem war es zu warm im Zimmer. Sie entschied sich draussen in der Hängematte zu schlafen, natürlich mit leicht fatalen Ergebnis: sie wurde regelrecht von den Mücken verstochen. Mein Mitleid hielt sich in Grenzen J.

Wir entschieden uns den neuen Tag im vielversprechenden Aqualand zu verbringen. So simpel die Entscheidung, so interessant ist meistens auch dann der Weg ans gewünschte Ziel. Ganz nach südamerikanischer Manier: "Ja, ja, das liegt da Richtung Flughafen. Brauchst nur den Bus x Richtung Jesus zu nehmen, dann einen weiten Bus Richtung Flughafen und dann läufst Du halt noch ein Weilchen." Si, claro, machen wir doch jeden Tag. Wir fuhren mit dem einen Bus, liefen ein Stückchen und fuhren mit dem anderen Bus und liefen ein Stückchen und landeten im Flughafengelände. Dann nahmen wir uns ein Taxi, welches uns zum Aqualand brachte. Kostete uns alles 20 Bolivianos (3 Franken). Der Eintritt schläg einem unter der Woche bis und mit Donnerstag mit 30 Bolivianos und am Wochenende mit 60 Bolivianos pro Person zu buche. Es gibt zwei Wasser Vergnügungsparks nahe beieinander, aber wir entschieden uns für den grösseren.

Das Preis/Leistungs Verhältnis beim Aqualand stimmt nicht unbedingt. Es gibt zwei grössere Rutschbahnen, wobei die eine für etwa 15 Meter fast vertikal (etwa 80° Neigung) ist und dann in einer langen Gerade endet. Die anderen Rutschbahnen sind äusserst klein, aber trotzdem bieten sie gerade für kleinere Kinder, wie mich, den nötigen Spass. Als Vollblut Wasserrutschbahn Profi wollte ich natürlich sofort die einzig interessante Rutschbahn runterrutschen, aber die war leider nicht in Betrieb. Sofort fing ich an mich durchzufragen bei den Dutzenden von Lifeguards, die den Rundumkanal beobachteten, bis ich beim Verantwortlichen der Anlage angelangte. Ich bat ihn um eine Erklärung, aber da wir in Bolivien waren, erwartete ich nichts Konkretes und so wertvoll war dann auch seine Antwort. Er versicherte mir aber, dass er die Rutsche so gegen 13.00 Uhr nachmittags in Betrieb nehmen würde. Also vertrieben wir unsere Zeit mit einem Rundgang durch die Anlage, welcher ziemlich kurz ausfällt. Es gibt noch so ein Pseudowellenbad, das jedoch nicht wirklich interessante Wellen erzeugt (die Form des Bassins ist äusserst suboptimal gebaut, so dass kein guter Swell entstehen kann). Lustigerweise erklärten mir die Angestellten der Anlage, dass es 3 Meter Wellen sind. Da Bolivien ja bekanntlich nicht am Meer liegt (oder nicht mehr; man darf nämlich wissen, dass die Gegend um Salar de Uyuni herum früher vor 15'000 Jahren mit dem Ozean verbunden war – deshalb auch der übergrosse Salzsee, welche jetzt von den Kordilleren eingekesselt ist), entschuldigte ich ihnen diesen Lapsus und erklärte den Leuten, dass wenn es wirklich 3 Meter Wellen wären, nicht mehr allzu viele Leute daran Spass hätten; geschweige dann ihre Kleinkinder zum Plantschen in das Wellenbad reinsetzen würden.

Es wurde Zeit für die interessante Wasserrutsche und allmählich bewegte sich etwas an jenem Ende des Parks. Sebnem und ich liefen im Stechschritt Richtung Turm, den man erklimmen muss, um sich dann ins Vergnügen zu befördern. Ich war der erste J. Viele Bolivianer sind nicht nur ziemlich träge, wenn es ums Arbeiten geht, sie sind auch nicht gerade die schnellsten (oder kümmern sich zu wenig darum), wenn es bergauf geht. Einzige Ausnahme sind natürlich die Schlangenbildungen um 5 Uhr morgens vor der Bank, um die Pension zu kassieren oder seinen Zahltag zu beziehen. Nicht nur, dass ich der erste war, ich blieb auch am längsten auf der Rutschbahn; wie bereits gesagt, das grösste Kleinkind im Bad. Ich habe mir auch schon überlegt, in Zukunft meine Profession zu wechseln und professionell Wasserrutschen zu testen.

So langsam wurde es Zeit zu gehen, denn wir langweilten uns ein wenig. Witzigerweise kam gerade als wir aufbrachen die Sonne hervor und lachte uns ins Gesicht. Die Rückfahrt war um einiges einfacher. Man kann nämlich einfach an die Hauptstrasse stehen und auf einen der Micros warten, die vorbeibrausen und für 2 Bolivianos pro Person ist man dabei. Dummerweise fahren die Micros nie dorthin, wo man eigentlich hinmöchte und Santa Cruz ist nicht gerade klein oder übersichtlich. So fuhren und fuhren wir an unglaublich interessanten Gegenden vorbei, bis wir einmal wagten den Chauffeur zu fragen, wohin der denn fahre. Witzigerweise wusste es im Bus niemand, aber alle wussten, wo sie aussteigen müssen. Das ist auch ziemlich typisch für das zentrale und nördliche Südamerika: alle wissen ungefähr was sie brauchen und wohin sie wollen, für mehr Informationen reicht es nicht. Notgedrungen stiegen wir aus, da die Strassennamen, welche an uns vorbeiflitzten schon bald nicht mehr auf unserer Stadtkarte ersichtlich waren. Somit hiess es für uns back tracken. Dank Sebnems ausgezeichneten Navigierfähigkeiten kamen wir dann doch noch im Zentrum und bei Kimberley's Kebab, dem universalen Treffpunkt der Stadt, an.

Am Abend entschieden wir uns alle zusammen Essen zu gehen und zwar gut bürgerlich in ein mit Schweizer Management versehenes Restaurant (NAME?). Ranjan, Corina, Marius, Suelen, Sebnem und ich. Vorweg genommen, das Restaurant wird seinem Ruf gerecht. Die Preise sind gesalzen, vor allem für bolivianische Verhältnisse, aber die Qualität des Essens ist top. Fast alle bestellten "s'Züri-Gschnetzlets" (keine Ahnung, wie man das auf Deutsch übersetzen würde). Das war wahrhaftig ein Festmahl erster Güte. Zufrieden und mit vollem Bauch machten wir uns auf den Rückweg und machten noch kurz halt in einer der vielen Bars an der Ausgehmeile von Santa Cruz, welche gemäss Marius am Wochenende dem Ocean Drive in Miami gleichen soll (was ich persönlich etwas bezweifeln mag, da ich Miami sehr gut kenne und weiss, wie wild die Parties dort sein können; ist einfach eine Frage der finanziellen Kraft der Partyveranstalter und –gänger, welche in Miami ungeschlagen ist)

Am nächsten Tag entschieden sich die Girls (Corina, Suelen, Sebnem) und ich, dass wir nach Las Cabañas fahren würden, um uns die Zeit mit Quad fahren um die Ohren zu schlagen. Der Ort ist sehr beliebt unter den lokalen Leuten, da es einer der grossen Freizeittreffpunkte ist. Was ihn unter anderem speziell macht, sind die unzähligen Esslokale, welche mit typisch bolivianischen Spezialitäten preisen.

Wir versuchten unser Glück beim ersten und zu diesem Zeitpunkt einzigen Anbieter von Quads und trotz der Tatsache, dass wir mit Suelen nicht nur eine Bolivianerin sondern auch noch eine lokale Persönlichkeit aus Santa Cruz dabei hatten, schienen die Jungs vom Quadverleih keinerlei Interesse am Geschäft zu haben und verharrten auf ihren hohen Preisen und schlechten Quads. Die meisten Quads, die ich gesehen habe, sind eher von schlechter Qualität, aber ich wurde in Costa Rica ja auch verwöhnt mit dem besten vom besten. Wir entschieden uns, ins nahegelegene Restaurant zu gehen und etwas zu trinken und abzuwarten. Das war definitiv eine weise Entscheidung, denn als wir aufbrechen wollten, sahen wir, dass ein zweiter und dritter Anbieter ihre Tore öffneten und die Quads parat machten. Diese waren um einiges kooperativer und so mieteten wir uns 4 Quads für ungefähr 7 CHF für 40 Minuten. Nach zwei drei Proberunden auf einer präparierten Piste konnte es losgehen Richtung Freiheit. An dieser Stelle muss ich vielleicht etwas zu Corina sagen: Kampfsau im Quadrat. Ich habe in Costa Rica oft den Ladies zugegzuckt, wie sie sich halb zögerlich halb ungeschickt in die Strassengräben beförderten. Nicht so meine Ladies an diesem Tag und schon gar nicht Corina, welche Ranjan vermutlich Konkurrenz gemacht hätte. Wir hatten einen Riesenspass und rasten am Flussufer entlang, fingen an kleine Sprünge über Erhebungen zu machen und schossen einige Fotos. Leider waren die 40 Minuten zu schnell vorbei, denn die Zeit zählt natürlich auch schon auf dem Übungstrack retour.

Nach dem Spass gingen wir in ein Restaurant, welches eines der traditionellen Gerichte aus Cochabamba anbot: Pique Machu (das wir noch einmal auf 4500 M.ü.M im Gebirge um Uyuni herum aufgetischt bekamen). Wir fuhren nach Hause und relaxten noch ein wenig und Suelen ging wieder nach dem Besten schauen in ihrem Lokal. Leider muss man in Bolivien und auch anderen Ländern mit arbeitscheuen Angestellten und komplizierter Bürokratie immer nach dem Rechten schauen. Bei Suelen geschah während unseres Aufenthaltes wirklich jeden Tag etwas Neues, auf das sie sich einstellen musste. Einmal vergass die eine Angestellte den Lokalschlüssel, meldete sich aber nicht bei Suelen, sondern wartete einfach vor dem Laden. Ein anderes Mal kamen die Mitarbeiter nicht zur Arbeit, eine war soweit ich mich erinnerte krank und die andere an einer Beerdigung ihres Grossvaters. Aber natürlich rief  niemand an, um Suelen die Chance zu geben Ersatzleute zu organisieren oder überhaupt zu planen. Ein anderes Mal stellten irgendwelche Leute die Wasserzufuhr (aus Versehen oder Desinteresse) ab und bis man in Bolivien einen Verantwortlichen für einen Defekt findet, können Zeiten vergehen. Das ist meiner Meinung nach generell ein grosses Problem in Ländern, wie Ecuador, Peru und Bolivien: die Leute möchten keine Verantwortung übernehmen, keine Qualitätsverbesserung erreichen und hoffen immer darauf, dass der Staat ihnen hilft und sind dann betroffen, wenn die Regierung andere Pläne hat. Das ist in Ländern wie Chile, Kolumbien und Argentinien schon etwas anders, die Leute haben gelernt zu arbeiten und bei der Arbeit mitzudenken. Es sind zugleich diese Länder, wo ich zum Beispiel ein dediziertes Arbeitsgericht gesehen hatte. Doch hinsichtlich Geschäftsführung und Business allgemein in Südamerika werde ich in einem separaten Blog sicher noch ein paar Worte loswerden.

Am Abend kochten Sebnem und ich noch für alle und zwar ein typisches italienisches Gericht: Überbackene Teigwaren an einer Tomatensauce mit Saisongemüse. Dazu gab's als Beilagen Baguettebrötchen mit Guacamole und Bruschette. Die Leute assen es J.

Am darauf folgenden Tag war nur relaxen und chillen (ich bin ein NBC: natural born chiller) angesagt und wir planten ein wenig die Reise nach Sucre, der konstitutionellen Hauptstadt Boliviens. Suelen war an diesem Tag ziemlich krank, wahrscheinlich wegen Überarbeitung und Stress und dem vergangenen Wochenende. Also schauten wir auch ein wenig nach Suelen, die aber nichts weiter als Schlaft benötigte. Wir faulenzten, schrieben unsere Berichte fertig, damit ihr was zum Lesen habt und wir unsere Erinnerungen nicht verlieren und am Abend gingen wir noch ins Kino, um den Film Invasion mit Nicole Kidman zu gucken; ein etwas langweiliger Film.

Am nächsten Tag hiess es schon Abschied nehmen von meinen Kollegen, der schönen Stadt Santa Cruz, der Wärme und den sehr freundlichen Leuten. Für single Männer hier noch ein kleiner Wink: das Verhältnis Frau zu Mann wird auf 6:1 geschätzt, die Frauen sind im Allgemeinen sehr offenherzig und nett und im Vergleich zum Rest von Bolivien um ein Vielfaches ansehnlicher (ich muss hier politisch korrekt schreiben, um mich nicht in die Nesseln zu setzen, zusätzlich habe ich ja schon die schönste Frau auf Erden). Zurück zur Abreise: Ich habe entschieden, dass wir den nächsten Teil der Reise nach Sucre mit dem Flugzeug zu bestreiten. Es gab eigentlich 3 Gründe dafür. Erstens war es genügend billig (USD 60$ pro Person), zweitens bedeutend schneller (35 Minuten Flug versus 15 Stunden Busfahrt) und drittens hatte ich ein wenig genug vom Bus fahren. Unser Tag begann mit dem Versuch, die traditionellen Salteñas (warme und meist pikante mit Fleisch oder Geflügel gefüllte Teigtaschen) zu essen, welche vor allem in Cochabamba zum Frühstück verspeist werden. Eine Salteñeria fanden wir auch, aber gemäss unseren bolivianischen Freunden waren es nicht die echten Salteñas. Danach fuhren wir zum Flughafen und verabschiedeten uns. Kurz darauf lief ich zum TAM (militärische Airline) Ticketoffice und fragte nach ihren Preisen nach Sucre: USD 50$ pro Person. Tja, man kann nicht immer gewinnen J. Die Leute haben uns auch gesagt, dass die TAM nicht so zuverlässig sei, wie die AeroSur. Lustigerweise war es an diesem Tag irgendwie nicht der Fall und wir mussten eine Stunde auf das Flugzeug warten. Der Flug war angenehm kurz und wir kamen sicher und erholt in der Hauptstadt Boliviens an.

Für mich ist es klar, weshalb sich Marius und Ranjan in Santa Cruz niedergelassen haben, es scheint wirklich die einzige Grossstadt in Bolivien zu sein, welche eine funktionierende Industrie besitzt. Das Klima ist das Jahr hindurch angenehm warm mit ein paar heissen Sommermonaten, die Leute scheinen im Durchschnitt eine höhere Schulausbildung genossen zu haben als in anderen Städten Boliviens, aber das mag sehr wohl auch ein falscher Eindruck sein. Alles in allem ist Santa Cruz für uns die einzige Stadt in welcher wir uns überhaupt vorstellen könnten zu wohnen, wenn wir aus irgendwelchen Gründen uns in Bolivien niederlassen würden; was wir aber ziemlich sicher nicht machen werden.

Sonntag, 11. November 2007

Bolivien: La Paz

Am 12. November 2007 sind wir in La Paz (ca. 3'200 – 4'000 M.ü.M. je nach Standort) nach einer längeren Busfahrt mit der Diana Tours angekommen.

Roberto war mittlerweile durch die andauernde Kälte (alles unter 25° Celsius ist zu kalt für ihn) und Höhe krank geworden. So krank, dass wir uns entschieden, ein Weilchen in der Stadt zu verweilen und uns auszukurieren. Das hat jedoch nicht wirklich geklappt, denn La Paz ist auch hoch in den Lüften und auch zu kalt für uns. Jedenfalls hatten wir bei der Ankunft weder grosse Lust noch einen speziellen Impuls um noch lange nach Hotels zu suchen und gingen ins erst beste billige Hotel "Maya Inn, Calle Sagamanga N° 339" gegenüber der Ankunft unseres Busses.

In La Paz haben wir krankheitsbedingt nicht so viel unternommen. Ein Highlight eines jeden Touristen hier wäre sicher mit dem Mountain Bike die Todesstrasse hinunter zu brausen, aber wir entschieden uns wegen unseres Zustands gegen diese Biketour. Stattdessen schlenderten wir ein wenig durch die Strassen und Gassen dieser moderat interessanten oder schönen Stadt. Wir besuchten den Hexenmarkt, wo unter anderem Tierembryos angeboten werden und natürlich alles Mögliche an natürlichen Viagra-Produkten. Roberto erinnerte das sofort an Afrika, wo jedes billige Kraut gegen Potenzprobleme angeboten wird; die meisten Touristen können nicht einmal Salbei von Pfefferminze unterscheiden, oder geschweige denn erkennen. Dank dem jahrelangen Gärtnerdasein seiner Eltern und dem untertänigen Mithelfen durch stundenlangem Jäten hat Roberto da einen klaren Vorteil, jedoch hat er auch keine Potenzprobleme J.

Wir passierten auch den Strassenmarkt (kurz: mercado), wo wir wieder einmal einheimisch und äusserst günstig assen (80 Rappen das Mahl). Leider bekam uns das nicht so gut und unsere Mägen revoltierten ein wenig: no risk no fun J. Die Situation änderte sich insofern, als wir uns entschieden, die Essensqualität massiv zu steigern, was sich natürlich auch im Preis niederschlug. Wir trafen um die Ecke unseres Hostels einen etwas abgedrehten Schweizer, der einen Buchladen für Touristen aufgemacht hat und dieser erklärte uns, dass es in La Paz einen Fribourger (Schweizer Kanton) gibt, der echtes Fondue anbietet. Das liess sich Sebnem nicht zweimal sagen. So marschierten wir noch am gleichen Abend in die etwas noble Gegend, wo sich das Restaurant Swiss Fondue befand.

Es ist manchmal wie verhext, aber man trifft doch wirklich immer wieder auf die gleichen Leute in Südamerika, ohne dass man es wirklich planen würde. Kaum abgesessen und ein Fondue für zwei bestellt (was im Übrigen wirklich unglaublich schmackhaft ist), kommen noch mehr Schweizer und Deutsche herein; im Verlauf des Abends füllte sich das komplette Lokal mit Deutschsprechenden. Aber nicht irgendwelche Schweizer, nein, das gleiche Paar, welches wir in Trujillo, Peru, kennen gelernt und in Huacachina und Aguas Calientes wieder gesehen haben, treffen wir in La Paz, Bolivien wieder. Auch die zwei Deutschen in ihrer Begleitung trafen wir früher schon in Peru auf einer Busfahrt von Cusco nach Puno. Man glaubt es nicht, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Aber alle, die Südamerika bereisen, werden diesem Umstand zustimmen: man trifft immer wieder die gleichen Leute. Das wohl Erstaunlichste ist, dass wir immer wieder mit dieser einen Israelin zusammentreffen. Kennen gelernt hatten wir sie in Panama, in Kolumbien trafen wir sie in Medellin wieder und dann laufen wir auf dem Machu Picchu geradewegs in sie hinein. Da sind 5000km Weg dazwischen! Wir sind überzeugt, dass wir sie in Chile, Argentinien oder Brasilien wieder treffen werden J.

Jedenfalls haben wir uns prächtig amüsiert diesen Abend und sind dann nach dem Fondueessen noch in die beiliegende Bar namens "Diesel nacional" gegangen. Diese Bar ist absolut einzigartig in ihrer Architektur: alles aus Metall gefertigt, Teile aus einem Schiffsrumpf, aus einer Lokomotive und aus einer Maschinenfabrik. In der Mitte befindet sich ein aus Metall (ein Metallkessel eines Dampfschiffes) gefertigtes Cheminée, welches die Gäste herzlich aufwärmt. Wir haben an diesem Abend unser nicht geplantes Treffen gefeiert und dementsprechend getrunken.

Am nächsten Tag wollten wir auf eine Stadtrundfahrt. Nachdem Roberto mühsam aus dem Koma erwacht war, gingen wir schnurstracks zum Busstandort. Dort stand auch schon der rote Doppeldecker Bus parat. Natürlich hatten wir für einen Moment vergessen, dass wir in Bolivien sind und Streiks und Strassenblockaden zum Alltag gehören. Bolivien ist ein Drittweltland und damit sind solche Hindernisse an der Tagesordnung. Vermutlich eine Mischung aus latenter Bedrohung der Demonstranten, welche scheinbar mit Steinschleudern die Strassen La Paz unsicher machten und der Tatsache, dass nur etwa 8 Leute die Tour an diesem Tag machen wollten, veranlasste den Veranstalter die Stadtrundfahrt abzusagen. Wir kriegten jedoch unser Geld zurück.

Was blieb uns gross übrig, als uns kulinarisch zu verwöhnen; dies versuchten wir an dem wohl berühmtesten Glace-Verkaufsstand (Eisdiele für die Deutschen) in La Paz, wovor es wirklich jeden Tag eine Schlage hat (was es ansonsten in Südamerika noch vor Banken gegen Ende des Monats zu sehen gibt). Roberto hat sogleich mit einem Bild, welches den Apfelstrudel-ähnlichen Glaceturm darstellte, geliebäugelt. Eigentlich haben wir uns schon noch kurz gewundert, wieso alle Glaces (Eis/Eiscrème für die Deutschen) so billig waren und Robertos Wunschtraum vom perfekten Apfelglace sage und schreibe $5 USD kostete. Wir haben uns auch nicht all zu viele Gedanken gemacht, obwohl die Zubereitung desselben ungefähr 10 Minuten dauerte, wobei unterdessen schon 10 weitere Kunden ihr Eis bekamen.

Nach der besagten Zeitspanne kam die Dame dann mit der Kreation zurück: dekadent! Der Glaceturm musste mit beiden Händen getragen werden und wog locker fast ein Kilogramm. Geliefert wurde das Ding in einer ansonsten für ein Familien-Mittagessen passender Styroporschachtel, aufgeklappt. Roberto traute seinen Augen nicht. Für die Leser, die Roberto nicht so gut kennen: Glace steht nicht wirklich zuoberst auf seiner Gourmetliste. Eigentlich war er nur scharf auf das mickrige Apfelküchlein, welches unter einer Tonne Eis vergraben war. Das Bild war teuflisch verwirrend gemacht und verleitete ihn zu diesem Wahnsinnskauf. Natürlich konnte er das Eis nicht fertig mampfen und beförderte es elegant in den nächst gelegenen Abfalleimer. Es vergingen etwa 30 Sekunden und schon kam ein etwas verlumpter Strassengeselle des Weges, blickte kurz in den Abfalleimer und zog sich schamlos den vorhin entsorgten Glaceturm heraus. Überglücklich fing dieser sodann an, sein Festmahl zu verspeisen, gänzlich unbekümmert unserer verdutzten Blicke. Roberto war glücklich, jemanden auf der Strasse so ein Geschenk gemacht zu haben, obwohl es weniger geplant war. Sebnem zog nach, aber das einzige was danach Interesse an ihrem fast fertig gegessenen Schokolade Eis hatte, war ein lausiger Strassenköter mit Rastalocken.

Den kulinarischen Höhepunkt hatten wir ja schon erreicht mit dem echten Schweizer Fondue, welches wir am Abend zuvor verspeist hatten, aber zu erwähnen bleiben noch zwei interessante Essmöglichkeiten: unseren Libanesen gegenüber des Hostels und die Pizzeriakette an der Querstrasse oben, welche gleich zwei identische Läden an der gleichen Strasse etwa 100 Meter voneinander entfernt anbietet. Der Libanese ist unbedingt empfehlenswert, sofern man diese Art von Küche schätzt. Kostengünstig und unglaublich vielfältig und gut gekocht. Der Zugang zum Lokal sollte einem nicht davon abschrecken, dieses doch zu besuchen. Einfach weitergehen und die Treppe hoch, auch wenn man denkt, man werde gleich überfallen. Die Pizzeria (der Name ist uns leider entfallen) ist speziell in zweierlei Hinsicht: Erstens sind die Pizzas lecker und zweitens kann man über den Preis verhandeln. So deftig sogar, dass wir zwei Pizzas fast zum Preis einer ursprünglich angepriesenen bekamen.

Zwischendurch sind wir immer wieder beim vorhin genannten Schweizer vorbeigegangen, um uns mit Kartenmaterial und Informationen einzudecken. Ein Hinweis für alle Reisenden (insbesondere aber Schweizer), welche in La Paz verweilen oder es passieren: geht bei dem Shop vorbei und wechselt ein paar Worte mit dem netten Typen, er hat ein paar lustige Stories auf Lager und holt Euch eventuell wieder auf den Boden der Tatsachen, wenn es um Planung in Bolivien geht. Zudem bietet er manchmal Flüge zu verbilligten Preisen an, da er einen speziellen Draht zu den Fluggesellschaften hat.

Da wir in La Paz wirklich nicht so fit waren, haben wir keinen chronologisch korrekten Ablauf der Dinge, welche wir erlebt haben. Jedoch gibt es noch zwei kleine Geschichtchen, die Roberto hier an dieser Stelle loswerden wollte.

Das erste betrifft den ziemlich schönen Stadtpark in La Paz, welchen man nach einem kleinen Eintrittsgeld in vollen Zügen geniessen kann. Der Park stellt den Rest der Stadt bezüglich Ordnung und Sauberkeit in den Schatten; Schlemihl's Peiniger würde da erblassen. Das Faszinierende aber an diesem Park, für Roberto zumindest (der einfach noch nicht wirklich erwachsen ist), ist die im Zentrum angesiedelte superbreite und recht lange Steinrutschbahn, welche sich sinusförmig in der sinkenden Achse in die Tiefe zieht. Das Spezielle an der Rutschbahn sind wohl die zwei π-Sinus Erhöhungen, welche, gegeben die nötige Anfangsgeschwindigkeit und der nötige Drang zur Selbstverstümmelung, eine Person locker ein paar Zentimeter oder eben auch mehr in die Höhe katapultieren lassen.

Natürlich greift die Zentripetalkraft weniger stark auf 4000 M.ü.M und eventuell hat die Höhenlage Robertos Hirn auf ein etwas vegetativeres Niveau herabgestuft. Fakt jedoch ist, dass Roberto mit optimalem Richtungsvektor und ziemlich hoher Anfangsbeschleunigung diese Rutschbahn erkundet hat. Bei der ersten Erhebung hob er ab und landete äusserst unsanft, ohne die kleinste Chance gehabt zu haben, sich in der Luft in eine bessere Position zu hieven oder drehen, teils mit dem Rücken teils mit dem Steissbein auf der zweiten Erhebung, welche sich etwa 1.5 Meter weiter vorne befindet. Den Rest der Rutschpartie wurde vom Hirn Gott sei Dank nicht mitgeschnitten, dafür hat die Kamera ein paar Schnappschüsse gemacht.

Ein normaler Mensch wäre dort geblieben, wo er nach einer solchen Fehlkalkulation gelandet wäre, Roberto hingegen (man erinnere sich der verminderten Hirnkapazität) machte sich nach einigen Minuten Wundenleckens direkt auf den Weg, den ganzen Spass nochmals zu versuchen. So eine Rutsche hinunter zu rutschen kann doch nicht so schwierig sein; immerhin meisterten es dies in der Zwischenzeit einige der sich am Unfallort versammelten kichernden Kindern mit Bravour. Wer die Jackass Serien oder die aus den Serien entstandenen Filme kennt, kennt natürlich auch den Ausgang des weiteren Versuch Robertos diese Rutschbahn physikalisch zu seinen Gunsten zu meistern. Das Hirn musste wohl gänzlich abgeschaltet haben, denn irgendwie fand er Gefallen an der Tatsache, mit überhöhter Geschwindigkeit über die erste Erhöhung und mit vollem Gewicht direkt auf die zweite zu klatschen. Es war ja auch nur eine massive Betonkonstruktion. Nachdem sich Sebnem genug gelangweilt hatte, konnten wir auch noch den Rest des Parks erkunden, welcher einem einen schönen Rundblick innerhalb der Stadt auf die Stadt selbst erlaubt.

Die zweite kleine Geschichte betrifft Sebnem's unermüdliche Planernatur. Wir dachten, es wäre sicher wieder einmal lustig und interessant, unsere Flüge zu verschieben. An diesem Tag hatten wir nichts Besseres vor und transportierten uns also zur American Airlines Filiale. Wenigstens versuchten wir es, landeten aber bei der LAN Chile Filiale (zugegeben, wir waren zuerst bei American Airlines, aber die wollten keinen Finger rühren und behaupteten immer, dass sie keinen Zugriff auf unsere Flugsegmente hätten, ohne jedoch einmal die Finger auf die Tastatur zu legen), bei welcher sich jedoch die Mitarbeiter ein Mittagsschläfchen gönnten. So gingen wir wohl den schlechtesten Hamburger der Stadt essen und kamen mit leichter Magenverstimmung zurück an den Ursprung der Verzweiflung: Reisedatum verschieben. Wer unsere Reise etwas mitverfolgt und eine Hirnleistung etwas über Robertos hat, kann sich vielleicht an die Leichtigkeit unseres ähnlichen Unterfangens in Lima erinnern. Doch aufgepasst, wir sind hier in einem neuen Land. Dass es die gleiche Fluggesellschaft ist, spielt überhaupt keine Rolle. Eigentlich wollten wir ja nur den ersten Flug um ein paar Tage verschieben, doch das endete in einem kleinen Desaster.

Die repräsentative Dame fing an irgendetwas in den Computer zu haken, obwohl wir eigentlich nur den ersten Flug verschieben wollten und schwafelte immer etwas von Diskrepanz zwischen dem, was wir in Lima geändert bestätigt hatten, und dessen, was sie vor ihrer Glotze hatte. Auch wirbelte sie furchtlos mit Wörtern umher, die nach Flugplanänderung und schon verpasster Flüge tönten. Kurzum, Sebnems kühler Kopf kontrollierte den uns neu ausgestellten Flugplan und sie kriegte schier die Krätze. Viele Flugdaten waren wieder so, wie sie vor den Änderungen in Lima waren. Nach dem ersten Herzinfarktsanfall (Dank Robertos reduzierter Hirnleistung und seinem allgemeinem Desinteresse an der Sache selbst war sein Herz weniger belastet) von Sebnem, fingen wir an die Dame zu behandeln und ihr zu erklären, dass entweder sie keine Ahnung von System hatte oder halt umgekehrt. Wir gaben ihr alle unsere Tickets und die elektronische Flugagenda und baten sie, die Ursache des Problems zu finden.

Wir schleppten uns zurück zur American Airlines Filiale, deren Mitarbeiter schon ganz gierig auf uns warteten. Nachdem Sebnem sich mit Nachdruck (drohend könnte hier als Synonym gesetzt werden) Ton verschaffte, sahen wir, dass die hübsch verschmierte Persönlichkeit hinter der sauberen American Airlines Theke doch noch Hände hatte. Sie bewegte sie sogar und erst recht noch Richtung Tastatur. Welch ein Wunder, es musste das Eis gewesen sein, dass Roberto am Tag zuvor so liebevoll gespendet hatte. Jemand hatte Erbarmen mit uns (Sebnem und ich gehören zwei verschiedenen Religionen an, darum ist das "jemand" hier adäquat genug). Vermutlich haben sie die 30 Sekunden Mehrarbeit den American Airlines Reservationscode einzutippen gänzlich aus dem Konzept gebracht und sie konnte vielleicht daher das erste Mal ihre Hände nicht bewegen, doch dieses Mal kriegten wir innerhalb 3 Minuten zwei schwarz auf weiss auf endlosem Druckpapier mit Nadeldrucker bestätigte Flugreservationen mit allen Flugsegmenten, korrekt wie nach der Änderung in Lima. Da staunten wir nicht schlecht und die nun sehr freundlich wirkende Dame von American Airlines gleich mit.

Sofort hasteten wir aus dem auf Eiszeit angepasst runter gekühlten Büro, eilten zurück zum etwas wärmeren (erhöht vermutlich die Hirnleistung einiger LAN Chile Mitarbeiter und deren von Roberto ungemein) LAN Chile Büro, welches unterdessen sehr beschäftigt aussah: 4 Repräsentanten von LAN Chile in weiblicher Form, von welcher ganz besonders und genau eine Kunden betreute; wir haben bis heute noch nicht herausgefunden, was die andern 3 Damen für eine Rolle inne hatten in diesem Büro. Eine der zufällig freien Damen dieses Trios erbarmte sich unser und bot uns aufmerksam zu ihrem Pult, wo das Chaos nicht bestätigter Flugtickets Endzeitstadium angenommen hatte. So sassen wir hin und versuchten das ganze mit kühlem Kopf (nur schon deswegen lohnt es sich kurz bei American Airlines vorbei zu schauen oder den Kopf durch die Tür zu zwängen) und mit dem frischen Flugsegment Ausdruck noch einmal von hinten her aufzuräumen.

Es verging ein Weilchen bis die zweite Dame des Trios bemerkte, dass sie eigentlich auch nichts am Erledigen war und sie klinkte sich prompt zu unser aller Erstaunen in die Problematik ein. Das Spezielle dabei war nun, dass auf ihrem Bildschirm auf wiederum magische Weise das gleiche zum Vorschein kam, wie das wir auf unserm Endlospapier schwenkten. So, das Problem war also in-house (für einmal war nicht Microsoft daran schuld). Nach heiterem Rätselraten, welches die Aufmerksamkeit der dritten Puppe im Raum weckte, bemerkte die zweite vielbeschäftigte Landsfrau, dass bei unseren Änderungen der Flugdaten in Lima eine zweite neue LAN Chile Buchungsnummer emittiert wurde und die neuen Flugdaten unter dieser gespeichert wurden. Unter der alten Nummer waren immer noch die alten Flugdaten (es ist uns an dieser Stelle lieber, wenn die Leute, vor allem Mitarbeiter von LAN Chile und American Airlines, das ganze nicht so richtig verstehen, denn dieser kleine Trick ermöglicht es uns, unser "Around-The-World" Ticket auf mehr als ein Jahr hinaus zu verlängern). Ganz geschafft von dieser Strapaze nutzten wir die Gunst der Stunde und buchten heiter unseren ersten Flug von Calama nach Santiago weiter nach hinten auf den 1. Dezember. Dies würde es uns erlauben, mehr Zeit in Bolivien zu verbringen, was wir ja dann auch taten.

Das Ende unseres unterhaltsamen Aufenthaltes bot dann die Busfahrt nach Santa Cruz, welche wir mit der "Trans Copacabana MEM I" Busgesellschaft bestritten. Für Leute, die auch mit der qualitativ besten (besten ist hier nicht das richtige Wort, aber wir wollen an dieser Stelle nicht alle Touristen verscheuchen) Busgesellschaft fahren wollen, empfehlen wir, das oben in Anführungs- und Schlusszeichen gesetzte Mahnmal exakt zu kopieren und nicht vorher die überteuerte Busstation zu verlassen, ehe sie nicht ein Ticket bei dieser Gesellschaft erworben haben. Ihr werdet es uns im Nachhinein danken!

Zynismus aussen vor, die Bilder findet ihr natürlich hier:

Freitag, 9. November 2007

Bolivien: Lake Titicaca (Copacabana, Isla del Sol)

Nach unserer letzten Übernachtung in Puno in Peru ging es weiter nach Bolivien. Unsere erste Anlaufstation war das kleine touristische Städtchen Copacabana (3800 m.ü.M.), gelegen zwischen den beiden Hügeln "Cerro Calvario" und "Niño Calvario". Nicht weil wir unbedingt die Stadt sehen wollten, mehr aus dem Grund, weil wir die Insel "Isla del Sol" auf dem Titicaca See (höchster navigierbarer See der Welt!) besuchen wollten. Gemäss der Inka Mythologie war dies die Geburtstätte der Sonne.

Aber, um überhaupt in das Städtchen Copacabana zu gelangen, musste jedermann im Bus zuerst 1 Boliviano (Bol im Weiteren) bezahlen. Daher ist es wichtig, dass man kurz nach der Grenze bereits Geld in bolivianischer Währung zur Verfügung hat. In Copacabana angekommen, haben wir gleich ein Hotel organisiert und haben uns auf den Weg gemacht, die Stadt am wunderschönen Titicaca See ein bisschen näher kennenzulernen. Das Städtchen machte für uns einen sehr friedlichen Eindruck und die Einheimischen waren freundlich, bis auf die Angestellten unseren Hotels. Wir haben nämlich im Hotel Center logiert (für US$7/beide zusammen) und hatten das Gefühl im unhöflichst geführten Hotel gelandet zu sein. Roberto hat sich sehr über den einen Angestellten aufgeregt, der uns gegenüber sehr herablassend wirkte und uns mit dem Zeigefinger drohte, wenn wir bis nicht bis um Punkt 10.00 Uhr auschecken würden, wir eine weitere Nacht bezahlen müssten. Hätte der Angestellte noch einen Ton mehr rausgelassen, hätten wir die halbe Portion mal richtig durchgeschüttelt. Aber wir wollten ja nicht schon am ersten Tag in Bolivien negativ auffallen und schon gar nicht mit der Bolivianischen Armee oder Polizei zu tun haben.

Aber zurück zu Copacabana. Um eine bessere Übersicht des Städtchens zu haben, entschieden wir den Hügel "Cerro Calvario" hinaufzuklettern. Von dort oben aus hat man eine fantastische Sicht über Copacabana. Wie wir feststellten befindet sich oben am Hügel eine Art christliche Gebets- und Heiligenstätte, wohin sich die einheimischen Pilger und Alkoholiker begeben. Was wir aber absolut nicht verstehen konnten war die Tatsache, dass der Hügel auch für die lokale Abfallentsorgung benutzt wird. Das ist wirklich ein trauriger Anblick, überall Scherben auf dem Boden, Abfall und Sonstiges. Teilweise mussten wir sogar über Abfallhaufen laufen, um weiter zu kommen (siehe auf den Fotos!). Wir machten nur kurz ein paar Fotos auf dem Hügel und liefen dann auf der anderen Seite des Hügels (ein viel einfacher Weg) hinunter. Die Landschaft um Copacabana (Richtung Yampupata) ist weltklasse. Wären wir an jenem Tag nicht so müde gewesen wären wir die Strasse Richtung Yampupata entlang gelaufen. Dort ist man zudem frei von anderen Touristen.

Am zweiten Tag haben wir uns entschlossen, die Insel "Isla del Sol" zu besuchen. Die Bootsfahrt dauert ca. 2 h (hin; retour nur 1,5 h). Wir wurden im Norden der Insel in Cha'llapampa abgeladen und hatten die Möglichkeit in den Süden zu laufen, wo wir dann abgeholt werden würden, oder den Norden kurz zu entdecken und später mit dem Boot in den südlichen Teil zu fahren. Wir haben uns natürlich dazu entschieden den dreistündigen Trekking-Trip in den Süden zu machen. Aber vorher wollten wir uns noch die labyrinthartigen Chincana Ruinen (Eintrittskarten sind bei der Ankunft zu kaufen, direkt neben dem Museum; 10 Bol. / pro Person) ansehen und haben die Dienstleistung eines 11-jährigen "Reiseführers" in Anspruch genommen. Roberto hat ihm 3 Bol. angeboten, wenn er uns zu den Ruinen führt (natürlich hätten wir den Weg selbst zu den Ruinen gefunden, es war mehr aus Goodwill unsererseits). Zu unserer Überraschung wusste der Junge, also unser Reiseführer, sehr viel über die Geschichte der Insel. Er führte uns ehrenvoll durch das Labyrinth mit immer wieder einkehrenden Stopps zur genaueren Erläuterung der Funktionen der einzelnen Ruinen.


Nun nach diesem Vorfall machten wir uns auf den Weg in den Süden. Die kleine Wanderung hat sich auf jeden Fall gelohnt, da die Umgebung und die Sicht auf den Titicaca See wirklich herrlich waren.


Nach der Kontrolle war es dann noch ein einstündiger Marsch bis wir am kleinen Hafen ankamen, wo unser Boot bereits wartete. Wir hatten noch ca. 1h Zeit bis wir definitiv abfuhren und haben uns dort auf die Wiese gelegt und uns bis zur Abfahrt ausgeruht. Während der Rückfahrt sind wir wieder auf zwei Schweizer gestossen und haben Tipps und unsere bisherigen Erlebnisse ausgetauscht. Die beiden (leider können wir uns nicht mehr an deren Namen erinnern; sie hiess Pascale, aber seinen Namen wissen wir nicht mehr) reisen während fünf Monaten hinauf nach Peru, Ecuador, Costa Rica, Nicaragua, etc. bis nach Kuba.

Am Abend haben wir uns dann noch auf die Suche nach einem guten Restaurant begeben und sind auf das "Puerto oder Porto del Sol" gestossen. Das gehört sicher zu einem der besseren Restaurants in Copacabana und ist sehr empfehlenswert (zumindest unser Nachtessen war gut zubereitet). Das Morgenessen jedoch wird einem praktisch kalt serviert; zumindest für den kleinen Motzi Roberto ist das ein grosser negativer Aspekt an diesem Restaurant.

Am dritten Tag in Bolivien machten wir uns auf den Weg nach La Paz. Wir hatten unsere Tickets bereits in Puno organisiert und erwarteten eigentlich keine Komplikationen, da wir am Vortag eine Reservation gemacht haben. Kurz gesagt: Sie wollten uns wegen Roberto's Surfbrett nicht mitnehmen. Das hörten wir bis anhin während unserer Südamerikareise das erste Mal und konnten den Typen gar nicht ernst nehmen. Nach einigen eingehenden & heftigen Diskussionen haben sie das Brett doch noch missmutig auf das Dach geladen und uns mitgenommen.

So haben wir in den ersten Tagen in Bolivien nicht gerade die schönsten und besten Erfahrungen mit einigen Leuten gemacht. Aber in La Paz sieht die Sache schon ganz anders aus; mehr dazu in unserem nächsten Bericht.

Mehr Fotos über die Umgebung bei Lake Titicaca:

Nach ca. zwei Stunden Marsch sind wir auf eine Kontrollperson geraten, die unsere Tickets sehen wollte. Natürlich zeigten wir ihr unsere Tickets und haben uns natürlich nichts dabei gedacht. So wurde uns dann mitgeteilt, dass unsere Tickets nur für den nördlichen Teil der Insel gültig seien. Wenn wir hier passieren wollen, müssten wir separate Tickets für nochmals 10 Bol. / pro Person kaufen, um in den Süden zu gelangen. Natürlich hatten wir keine andere Möglichkeit (theoretisch kann man um den Hügel rum laufen und sich die Ausgabe so sparen, aber das dürfte ein ziemlich mühsamer Weg sein) als diese Tickets zu kaufen, aber man hätte uns das auch vorher mitteilen können. Auf diese Weise kommt man sich leider ziemlich verarscht wohl. Für was das Geld schlussendlich gebraucht wird, bleibt für uns wohl ein Geheimnis.
Nachdem wir die Ruinen besichtigt haben, machten wir uns auf unsere kleine Trekkingtour über die hügelige Landschaft der Insel (man kann den Weg nicht verfehlen). Unser Reiseführer bot uns an uns noch ein Stückchen zu begleiten, da er denselben Heimweg hatte. Da wir wirklich begeistert waren vom kleinen Sprössling, wollten wir ihm 7 Bol. (= fast 1 CHF) anstatt den 3 Bol. geben. Aber leider nahm die ganze Angelegenheit eine andere unerfreuliche Form an. Der Junge wollte sage und schreibe 30 Bol. von uns, da er meinte, dass seine Freunde auch so viel kriegen würden. Roberto hat mit dem Kleinen sodann ein Wörtchen gesprochen und ihm klar gemacht, dass er das mit den Touristen nicht machen könne. Wenn er 30 Bol. wolle, solle er den Leuten das von Anfang an klar machen. Nun schlussendlich gaben wir ihm 10 Bol. aber leider zeigte er sich überhaupt nicht dankbar. Für einen kleinen Jungen sollten 10 Bol. mehr als genug sein, aber er hat das nicht zu schätzen gewusst. Die Kinder in Bolivien (man darf nicht vergessen, dass Bolivien noch als Drittweltland gilt) werden teilweise ganz anders erzogen und wachsen damit auf, bei den Touristen Geld zu erbetteln. Natürlich beziehe ich mich hier auf die unterste Schicht der bolivianischen Bevölkerung. Was hier auch oft anzutreffen ist, sind Kinder, die uns ansprechen und Fotos machen wollen und später Geld dafür verlangen. Natürlich gehen wir nicht darauf ein und geben einem Kind lieber einmal Süssigkeiten. Die einen freuen sich die anderen weniger. Leider gibt es halt immer wieder Touristen, die den Kindern bzw. den Bettelnden mehr als genug an Geld geben. So haben die Leute das Gefühl, dass jeder Tourist gleich sei. Auf jeden Fall fanden wir es wirklich sehr schade, dass eben unser kleiner junger und intelligenter Reiseführer sich überhaupt nicht zufrieden gab und keine Dankbarkeit zeigte.

Donnerstag, 8. November 2007

Peru: Cusco nach Puno

Wir haben uns am 8. November 2007 definitiv entschieden Richtung Bolivien zu fahren mit vorherigem Halt in Puno (Stadt am Titicaca See). Von Cusco aus hat man eine grosse Auswahl an Bussen, die Fahrtgelegenheiten bis Puno bieten (ca. US$ 5.00 – 7.00 / Person; Fahrt ca. 6-7 h). So sind wir an jenem Morgen spontan mit dem Taxi zum Busterminal Terreste in Cusco gefahren und haben uns da Tickets für die Fahrt organisiert. Natürlich fuhr der Bus mit 1 h Verspätung ab. Das ist der Preis den man zahlen muss, wenn man "günstig" reisen möchte. Nun ja, wir sind uns das ja bereits gewohnt, dass die Busse meistens erst dann abfahren, wenn genügend Leute an Bord sind.

Die Busfahrt an sich war in Ordnung, aber nicht direkt wie uns beim Ticketverkauf bestätigt wurde. Wir machten in jedem kleinen Dörfchen Halt um irgendwelche Passagiere aufzuladen. Eine siebenstündige Busfahrt ist für uns bereits ein "Piece of Cake". Interessant zu wissen ist auch, dass man als Autofahrer einiges an "Strassengebühren" (für die Benutzung der Panamericana) bezahlen muss. Das haben wir am eigenen Leib erlebt, als wir in Lima für eine Woche ein Auto gemietet haben.

In Puno angekommen wurden wir mit Taxi- und Hotelangeboten überhäuft. Wie immer haben wir alle Angebote ignoriert und haben es uns erstmal im Busterminal bequem gemacht und die Leute beobachtet. Kurz daraufhin kam eine nette Dame auf uns zu und unterbreitete uns ein Angebot, welches wir – nach Besichtigung des Hotelzimmers –  angenommen haben: Eine Übernachtung im Hotel Kantuta (E-Mail: hkantutapuno@hotmail.com) für US$ 6.00 für beide zusammen. Kaum zu glauben, aber wir hatten sogar Wifi-Connection im Zimmer (es scheint so zu sein, dass die Telefonica Gesellschaft an gewissen Orten Perus Wireless Zugang offen hält, eventuell für Servicetechniker oder dergleichen; dies hält uns jedoch nicht davon ab, dieses Netz auch zu gebrauchen). Wenn man also nicht gerade in der Hochsaison in Peru herumreist, ist es sehr empfehlenswert nicht im Voraus ein Hotelzimmer zu buchen. Ich habe nämlich am Vorabend noch im Internet die Hotelpreise in Puno ausgecheckt und war ziemlich erstaunt darüber, dass alle so im US$ 20.00 Bereich lagen. Momentan herrscht Niedersaison und die Hotels konkurrieren ziemlich um die Touristen, was sich natürlich positiv für uns auswirkt.

In Puno sind wir nur einen Tag geblieben, da wir schnell nach Bolivien gelangen wollten. Natürlich dürfen der Plaza de Armas und eine Kathedrale auch in Puno nicht fehlen. Die Stadt selbst bietet viele Übernachtungs-, Ess- und Ausgehmöglichkeiten. Sie ist schon ziemlich für den Tourismus ausgerichtet und zudem wurde anscheinend – gemäss Auskunft des Taxi-Chaffeurs – eine Petition eingereicht, in welcher gefordert wird, dass der Lake Titicaca in die Liste der Weltwunder aufgenommen wird. Wie bereits erwähnt ist Puno eine weitere kleine Touristenstadt und dient unserer Meinung nach nur als Notfallübernachtung, wenn man auf der Durchfahrt ist oder die Inseln auf dem Lake Titicaca in Peru besuchen möchte.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich natürlich noch erwähnen, dass mit diesem Trip ein Traum für Roberto in Erfüllung gegangen ist. Seit über 20 Jahren war es ein grosser Traum von ihm den Lake Titicaca zu besuchen. Als kleiner Bube hat er immer die "Guinness World Record" Bücher gewälzt und darin natürlich auch den Titicaca See entdeckt, der ihn schon damals faszinierte. Zudem spielten er und seine Familie zu Hause immer Wortspiele, wie Scrabble, und da kam ein so interessantes Word wie Titicaca öfter vor.

Hier noch ein paar wenige Fotos von Puno:

Samstag, 3. November 2007

Cuzco

Wer Richtung Machu Picchu geht, wird unweigerlich an der Stadt Cusco vorbeikommen. Für die meisten Leute dürfte dies eine interessante Erfahrung sein und vor allem junge Reisende werden sich dem Partyleben nicht entziehen können. Cusco und seine Umgebung haben sehr vieles zu bieten und sind absolut einen Besuch wert. Jedoch muss man sich auf die Abzockerei gefasst machen. Peru scheint unserer Meinung nach die beste Unterstützung und das beste Marketing im Bereich Tourismus zu betreiben, jedoch ist es den Leuten in und um Cusco herum in den Kopf gestiegen und man beginnt europäische Preise zu verlangen. Was uns sehr verärgert hatte, war die Tatsache, dass man einfach als Prinzip als reicher Tourist angeschaut wurde und keine Klassendifferenzierung mehr stattgefunden hat, hinsichtlich der touristischen Angebote.

Wenn man in Südamerika herumreist, kann man im Normalfall die Ausgaben sehr gut  steuern; es gibt meistens Preise für Einheimische, dann Preise für Israelis, dann Preise für gut Spanisch sprechende Leute, dann Preise für English sprechende Leute und dann Preise für Leute, denen es einfach egal ist, wie viel es kostet.

In Cusco scheint es diese Preisdifferenzierung einfach nicht für alle Angebote zu geben und was sich für uns sehr negativ ausgewirkt hat, ist die Tatsache, dass die Leute auch nicht mit sich verhandeln lassen; im Gegenteil, sie werden noch wütend oder frech, wenn man ihnen erklärt, dass man halt nicht einfach beliebig Geld bezahlen kann. Ein Beispiel ist das sogenannte "boleto turistico", welches 70 Soles kostest und einem erlaubt verschiedene archeologische Sites zu besuchen, die man natürlich auch fast nur mit einer kostenspieligen Tour erreichen kann (die Alternative mit Bussen dahin zu kommen ist äusserst zeitintensiv und nervenraubend). Für 40 Soles kann man sich das halbe Ticket kaufen, welches einem Zutritt zu vier verschiedenen Sites gewährt aber nur ein Tag gültig ist. Da wir nur eine Site oberhalb Cusco besuchen wollten, hatten wir überhaupt keine Lust so ein Ticket zu kaufen. Interessanterweise wurde uns gesagt, dass man vor Ort für 5 Soles so ein Eintrittsticket bekommt, also sind wir halt an einem Tag da hinauf gelaufen. Leider war dies wieder so eine Falschinformation und sie wollten und partout kein Eintrittsticket verkaufen, nur das "boleto turistico", welches wir uns partout weigerten zu kaufen. IPeru, die unabhängige Anlaufsstelle für Touristeninformationen, hatte ein Gehör für unsere Anliegen und die Leute erzählten uns, dass sie schon öfters Reklamationen von Rucksacktouristen bekommen hätten, welche auch nicht bereit gewesen wären diesen Betrag hinzublättern, nur damit man Inkaruinen oder ähnliches aus der Geschichte sehen konnte. Die Regierung um Machu Picchu herum hat da aber andere Pläne; und seien wir einmal ehrlich, wieso sollten die auch anders denken. 99% der Leute, die nach Cusco oder Machu Picchu kommen, ist es so lang wie breit, wie viel sie bezahlen müssen … zumindest erscheint es einem so.

Es ist ja eigentlich unsere Schuld, dass wir uns so verarschen lassen, aber irgendwie hat das ganze Desaster schon beim Flughafen begonnen. Anstatt, dass wir einfach in die Stadt gefahren wären und uns eines der Hunderten von billigeren Hotels (in Cusco scheint jedes Haus ein Hotel oder ein Restaurant zu sein) genommen hätten, organisierte Roberto am Flughafen bei einer nett lächelnden Dame einen Transfer inklusive Hotelunterkunft; für $30 USD im Hotel Monarca im San Blas Viertel. Angefangen hatte der Preis bei 70 Dollar und ging dann runter, nachdem Roberto ihr gesagt hatte, dass $30 USD das Maximum sei, was wir bezahlen können. Wir fuhren sodann mit dem Taxi, dessen Chauffeur ein Kollege von der Dame war, zum besagten Hotel Monarca. Unterwegs laberte uns die nette Dame voll mit den möglichen Optionen Geld für Touristenattraktionen loszuwerden. Das "boleto turistico" wurde auch immer wieder erwähnt und gegen Ende der Fahrt, war es für sie schon klar, dass wir je ein solches "boleto turistico" kaufen und natürlich auch 2-3 ihrer Offerten für Tagestouren buchen. Nach dem Einchecken wurden wir mit Mate (Tee aus Kokablättern) begrüsst, damit wir uns besser an die Höhe gewöhnen können. Während dem Teeschlürfen in der Hotellobby erzählte sie uns nochmals von ihren Optionen bezüglich der Tagesausflüge. Je länger wir ihr jedoch zuhörten, desto weniger fanden wir ihre Angebote toll. Um das Gespräch nicht all zu sehr in die Länge zu sehen haben wir uns entschieden selbst die Stadt ein bisschen zu erkunden und sie bei Bedarf zu kontaktieren. Ehrlich gesagt, wurde die Dame gegen das Ende hin sehr aufdringlich, wogegen wir beide ziemlich "allergisch" sind. Wir haben sie während unseres Aufenthaltes in Cusco auch nicht mehr kontaktiert.

Natürlich haben wir dann auch bald erfahren, dass wir viel zu viel bezahlt haben für eine Unterkunft, aber wir genossen den kleinen "Luxus" eines Hotelzimmers inklusive Frühstück. Zudem hatten wir die Möglichkeit unsere Sachen während dem Besuch des Machu Picchu's sicher zu lagern. Und gegen Ende bezahlten wir sogar nur noch 25 Dollar für die Nacht. Wir hatten zudem sporadisch Internetanschluss via Wifi; in einer Ecke des Zimmers musste es frei von Stahlträgern gewesen sein, denn wir konnten uns mit dem ominösen Telefonica Accesspoint verbinden.

Da wir im San Blas Viertel logierten, statteten wir diesen natürlich auch einen Besuch ab. Es ist das Arbeiterviertel, in welchem man klassische Manufakturen findet und sich auch ein mittelgrosser Lebensmittelmarkt inklusive Restaurantnischen befinden.

 Vom San Blas Viertel ins Zentrum benötigt man ungefähr 10 Minuten zu Fuss. Die Stadt hat architektonischeiniges zu bieten und die Plaza de Armas ist wohl der Höhepunkt der Baukunst.
Verbunden sind die einzelnen Bauwerke durch enge labyrinth-artige Gassen; für uns jedoch unverständlich, dass die zentrale Zone in Cusco nicht autofrei ist. Die Taxis rasen teilweise dermassen schnell und gefährlich durch die engen Gassen, dass es ein Wunder ist, dass nicht mehr passiert. Der Tourismus ist in Cusco so fortgeschritten wie nirgends sonst in Peru, jedoch offensichtlich sehr einseitig. Auf der Strecke bleiben meistens die Natur, die Einheimischen und Kontinuität. Die Tourismusentwicklung in Südamerika beschränkt sich generell nur auf möglichst schnelle und effiziente Bereicherung einiger Individuen, selten fliesst Geld in die nachhaltige Entwicklung gesunder Prozesse oder in die Unterstützung minderbemittelter Menschen und Agrikultur. Das bedeutet unweigerlich, dass die Tourismusbranche sehr inflexibel ist bezüglich Kompromisshandel; man schröpft den Touristen nur einmal dafür jedoch so heftig wie möglich. Zurück bleibt für uns jedoch der bitter Nachgeschmack der Abzockerei (für Machu Picchu verstärkt sich das Problem noch) gepaart mit wunderschönen Momenten der einzigartigen Landschaft aus Geschichte und Kultur.

Genug gemotzt, wie schon eben angetönt, genossen wir die kulturellen Angebote der Stadt und ihrer Umgebung. Dazu gehörte unter anderem eine Manifestation der Unabhängigkeit Peru's mit militärischer Zeremonie und lautstarkter Proklamation der Freiheit unter der Flagge Peru. Auf dem Plaza de Armas stand alles was Rang und Namen hatte in der Region, zusammen mit einigen Kompanien aus Polizeischule und Militär.
   
Was man in Cusco reichlich finden kann, sind Pizzerias. Es gibt zwei Gründe, dies hier zu erwähnen. Der erste ist wohl, dass wir auf der Reise bis nach Cusco das erste Mal wieder auf italienisches Essen trafen und der zweite Grund ist, dass wir zudem eine ausgezeichnete Trattoria fanden: die Nonna Trattoria, geführt von G. Orieta Valdivia de Sota in San Augustin 298, die das Restaurant nach Tradition ihrer italienischen Grossmutter weiterführt. Fast jedes Mahl auf der reichhaltigen Menükarte wird im Holzofen mit Eukalyptusholz zubereitet. Roberto hat hier eine der besten Lasagne in seinem Leben gegessen (geschlagen nur noch von der Lasagne seiner Freundin Sebnem, seiner Mutter, derjenigen von Moni und einer ganz speziellen Lasagne, welche man in einem kleinen Lokal in Cefalu in Sizilien bekommt ;)).

So nun geht es Richtung Machu Picchu, welches Roberto schon länger ein Dorn im Auge ist. Aber wir freuen uns trotzdem unglaublich auf diese Erfahrung. Alles Weitere liest ihr am besten im