Freitag, 16. November 2007

Bolivien: Santa Cruz

Wir waren glücklich auf der Fahrt von La Paz nach Santa Cruz, da wir endlich wieder in wärmeres Wetter stossen würden. Santa Cruz liegt auf etwa 400 M.ü.M und befindet sich grenzlich tropisch/subtropisch bezüglich des Klimas. Schon bei der Anfahrt wurde uns wieder wärmer, da wir aber noch in unseren Winterkleidern steckten, war dies jedoch nicht erstaunlich. Als mir in La Paz die Leute noch sagten, dass es in Santa Cruz angenehm war, glaubte ich es nicht; es schien so unglaublich, gar unvorstellbar, dass es irgendwo in Bolivien warm sein könnte. Fakt war jedoch, dass wir in 30 Grad Celsius warmes und wunderschönes wetter fuhren. Ich war überglücklich, jedoch immer noch mit einem Thermoleibchen, einem kurzen Leibchen und einem langen dicken Pullover bekleidet, Sebnem in ähnlicher Konstellation. Die Leute schauten uns etwas verdutzt an, realisierten jedoch bald, dass wir aus Santa Cruz kommen mussten.

Ein weiterer Grund, weshalb ich unbedingt nach Santa Cruz wollte, war dass zwei ehemalige ehrenwerte Studienkollegen vor mir sich entschieden hatten, eine Softwarefirma in Santa Cruz zu eröffnen. Zugegeben, vermutlich dient das als Frontschild verdeckter Drogenschmuggel Aktionen J. Auf jeden Fall wussten wir nicht einmal, wo die Herren Marius mit seiner bezaubernden Frau Suelen Kimberley und Ranjan sich aufhielten, geschweige dann wohnen. Ich hatte jedoch eine Telefonnummer und wir schrieben ihnen noch, dass wir dann an diesem besagten Tag ankommen würden. Dummerweise hatte der Bus einige Stunden Verspätung und so verpassten wir meine Kollegen, welche sich extra ein paar Stunden frei genommen hatten, um uns vom Busbahnhof abzuholen. Sie entschieden sich jedoch nach meinem Telefonanruf, nochmals zurückzukehren und uns abzuholen.

Es war schon witzig die beiden Bleichgesichter wieder einmal zu sehen, für einmal nicht die Schulbank drückend oder an der Kletterwand, nein, in Bolivien. Bei Marius wusste ich immer, dass er einmal etwas in Bolivien beginnen würde, Ranjan jedoch hatte mich mit seiner Entscheidung, in einem so fremden Land etwas Neues aufzubauen, erstaunt. Doch wie es sich herausstellte mauserten sich die beiden bestens, wenn auch mit beträchtlicher Hilfe von Suelen und ihrer Familie, welche Bolivianer sind. Suelen selbst, die fast perfekt Deutsch spricht und sogar Schweizerdeutsch versteht, wäre lieber in der Schweiz geblieben, hat jedoch die Chance gepackt und in Santa Cruz den ersten und besten Kebab Laden eröffnet: Kimberleys Kebab, … (Adresse). Wenn ihr also einmal unterwegs in Bolivien und Santa Cruz seid, Lust auf ausgezeichnete Küche (nebst dem täglichen bolivianischen Menu, gibt’s Quiches und Kebabs und einiges mehr) habt und dazu noch eine hübsche Bolivianerin Schweizerdeutsch sprechen hören wollt, dann geht zu Kimberleys Kebab.

Es war interessant mit meinen Kollegen über die Probleme einer Firmengründung in Bolivien zu sprechen, etwas Simples wie ein Bankkonto dauert halt so seine Weile. Die Jungs haben echt Gas gegeben und innerhalb kürzester Zeit eine Lokalität im Zentrum der Stadt gefunden, Computer organisiert und Büromöbel installiert. Sie arbeiten zu viert, Marius und Ranjan als Firmengründer ein weiterer geselliger Schweizer, dessen Namen uns wieder einmal entfallen ist (nennen wir ihn einmal Felix) und ein talentierter bolivianischer Programmierer, dessen Namen wir nicht einmal versucht haben uns zu merken J.

Der Tag verging wie im Fluge und am Abend trafen sich alle bei Kimberley's Kebab. Es ist vor allem am Wochenende ein Treffpunkt für Freunde und Bekannte aus der näheren Umgebung. So auch diesen Abend, an welchem ein paar Freundinnen von Suelen eintrafen und schon bald für latinamerikanische Stimmung sorgten. Da wir schon etwas müde waren von der Reise, entschieden wir uns für die langweilige Tour und gingen schlafen, währenddessen die sich die heitere Truppe tanzend Richtung Ausgang bewegte.

Vom nächsten Tag gibt's eigentlich nicht vieles zu berichten, es war einer dieser Tage, auf die man als Paar beim Reisen nach längerer Zeit unweigerlich trifft. Viele Leute schreiben uns immer wieder, dass wir sehr glücklich auf den Fotos aussehen. Das stimmt auch, denn wir schiessen je keine Fotos, wenn wir streiten, aber man soll ja nicht glauben, das komme nicht vor. Viele Worte möchte ich eigentlich nicht verlieren, aber trotzdem möchte ich einmal erwähnen, wie schwierig das Reisen als Paar manchmal auch sein kann. Auch wenn man es nicht glauben mag, man trifft auf Konfliktsituationen, auf welche man im täglichen Leben in einer Partnerschaft vermutlich weniger trifft. In der gewohnten Umgebung kann man sich dann zur Not verdrücken, entweder in seinen eigenen Raum oder in die Arbeit oder man wendet sich an Freunde. Das funktioniert beim Reisen einfach nicht ganz so einfach. Nichts, was man besucht, bedeutet einem die gleiche gewohnte Umgebung, in welcher man sich auch ohne Partner wohlfühlen und abschalten kann; man sitzt sprichwörtlich aufeinander, 24/7. So geschehen auch an diesem Tag, wo wieder einmal eine Kleinigkeit durch Hartnäckigkeit auf beiden Seiten zu einem deftigen Streit führte. Wir schreiben dies nicht zur Selbstheilung oder zur Psychoanalyse, sondern wollen einfach einmal auch unterstreichen, dass nicht immer alles in bester Ordnung ist. Diejenigen Leser unter Euch, welchen schon mehrere Jahre mehr oder weniger erfolgreich in einer Paarbeziehung leben/dahinvegetieren kennen das ja bestens und brauchen von uns Jungen sicherlich keinen Rat mehr. Rat gibt es sowieso nicht, sich zusammenreissen und zusammenraufen heisst die Devise und meiner Meinung nach auch der nötige Respekt seinem Partner gegenüber.

An diesem Tag flog auch Corina, Ranjan's bessere Hälfte, ein. Ranjan und Corina kennen sich schon sehr lange, waren aber nie ein Paar, bis kurz vor Abreise von Ranjan nach Bolivien. Kurzer- oder auch längerer Hand hat sich Corina entschieden, dem Abenteurer Ranjan nach Bolivien zu folgen. Aber es ist nicht so, wie viele gerade denken werden: die beiden sind genug alt, diese Entscheidung mit all ihren Konsequenzen zu tragen und sie passen bestens zueinander. Man hat das Gefühl, die beiden sind schon seit ihrer Geburt füreinander bestimmt.

Wir haben uns am darauf folgenden Tag entschieden einen Ausflug nach Espejillos zu machen mit Marius' Wagen. Die Fahrt dorthin dauert ungefähr eine Stunde, wobei der letzte Teil der Strecke nur mit einem 4WD zu bewältigen ist. Espejillos ist im Prinzip eine Art Erholungsoase an einem Fluss mit überwachtem Parking. Der Fluss bietet verschiedene natürliche Schwimmbecken, welche über Jahrhunderte hinweg durch das fliessende Wasser entstanden sind. Zudem sind einige kleine Wasserfälle entstanden, die man hochkraxeln kann. Folgt man dem Wasserlauf, befindet sich oben eine kleine Lagune, welche durch den grossen Wasserfall am selben Ort entstanden ist. Beim grossen Wasserfall sollte man nicht hinunterspringen; bei einer Höhe von sicher 20 Metern trifft man dann auf etwa 2 Meter tiefes Wasserbecken gleich einen Meter neben der Eintrittsstelle des herunterfallenden Wassers. Dummerweise steht einem jedoch noch ein unter Wasser stehender Felsbrocken im Weg und den sieht man nicht beim springen. Trifft man auf diesen auf, sieht's düster aus. Der beste kleine Wasserfall, den man hinterspringen kann ist derjenige, wo sich auch die aus Beton gebaute Plattform mit herausstehenden Armierungseisen befindet. Von dort aus kann man ins tiefe schmale Becken springen (nicht zu weit nach vorne, da es wieder einen Felsvorsprung unter Wasser hat) oder wer den Mut besitzt springt über den nächsten Wasserfall ins nächst tiefer gelegene Becken. Das Problem dort ist, dass es knapp 1.5 Meter tief ist und man somit nur bäuchlings reinspringen kann. Auch so trifft man noch auf dem Boden auf, aber sanft. Für Leute, die sich mit Turm- oder Felsenspringen nicht auskennen, ist dieser Sprung nicht empfehlenswert. Vorallem aber sollte man sich zwei Mal vergewissern, wie tief das zweite Becken ist, bevor man dann hochklettert und springt.

Nach dem Badespass kann man sich an einem der an der Strasse zum Parking entlang stehenden Foodhütten verpflegen mit "empanadas rellenas de queso" (mit Käse gefüllte Teigtaschen). Wir fuhren zurück und erledigten noch ein paar kleinere Einkäufe und legten uns schlafen. Sebnem uns ich wieder ins gleiche Bett, aber nur für ein Weilchen, denn Sebnem war es zu warm im Zimmer. Sie entschied sich draussen in der Hängematte zu schlafen, natürlich mit leicht fatalen Ergebnis: sie wurde regelrecht von den Mücken verstochen. Mein Mitleid hielt sich in Grenzen J.

Wir entschieden uns den neuen Tag im vielversprechenden Aqualand zu verbringen. So simpel die Entscheidung, so interessant ist meistens auch dann der Weg ans gewünschte Ziel. Ganz nach südamerikanischer Manier: "Ja, ja, das liegt da Richtung Flughafen. Brauchst nur den Bus x Richtung Jesus zu nehmen, dann einen weiten Bus Richtung Flughafen und dann läufst Du halt noch ein Weilchen." Si, claro, machen wir doch jeden Tag. Wir fuhren mit dem einen Bus, liefen ein Stückchen und fuhren mit dem anderen Bus und liefen ein Stückchen und landeten im Flughafengelände. Dann nahmen wir uns ein Taxi, welches uns zum Aqualand brachte. Kostete uns alles 20 Bolivianos (3 Franken). Der Eintritt schläg einem unter der Woche bis und mit Donnerstag mit 30 Bolivianos und am Wochenende mit 60 Bolivianos pro Person zu buche. Es gibt zwei Wasser Vergnügungsparks nahe beieinander, aber wir entschieden uns für den grösseren.

Das Preis/Leistungs Verhältnis beim Aqualand stimmt nicht unbedingt. Es gibt zwei grössere Rutschbahnen, wobei die eine für etwa 15 Meter fast vertikal (etwa 80° Neigung) ist und dann in einer langen Gerade endet. Die anderen Rutschbahnen sind äusserst klein, aber trotzdem bieten sie gerade für kleinere Kinder, wie mich, den nötigen Spass. Als Vollblut Wasserrutschbahn Profi wollte ich natürlich sofort die einzig interessante Rutschbahn runterrutschen, aber die war leider nicht in Betrieb. Sofort fing ich an mich durchzufragen bei den Dutzenden von Lifeguards, die den Rundumkanal beobachteten, bis ich beim Verantwortlichen der Anlage angelangte. Ich bat ihn um eine Erklärung, aber da wir in Bolivien waren, erwartete ich nichts Konkretes und so wertvoll war dann auch seine Antwort. Er versicherte mir aber, dass er die Rutsche so gegen 13.00 Uhr nachmittags in Betrieb nehmen würde. Also vertrieben wir unsere Zeit mit einem Rundgang durch die Anlage, welcher ziemlich kurz ausfällt. Es gibt noch so ein Pseudowellenbad, das jedoch nicht wirklich interessante Wellen erzeugt (die Form des Bassins ist äusserst suboptimal gebaut, so dass kein guter Swell entstehen kann). Lustigerweise erklärten mir die Angestellten der Anlage, dass es 3 Meter Wellen sind. Da Bolivien ja bekanntlich nicht am Meer liegt (oder nicht mehr; man darf nämlich wissen, dass die Gegend um Salar de Uyuni herum früher vor 15'000 Jahren mit dem Ozean verbunden war – deshalb auch der übergrosse Salzsee, welche jetzt von den Kordilleren eingekesselt ist), entschuldigte ich ihnen diesen Lapsus und erklärte den Leuten, dass wenn es wirklich 3 Meter Wellen wären, nicht mehr allzu viele Leute daran Spass hätten; geschweige dann ihre Kleinkinder zum Plantschen in das Wellenbad reinsetzen würden.

Es wurde Zeit für die interessante Wasserrutsche und allmählich bewegte sich etwas an jenem Ende des Parks. Sebnem und ich liefen im Stechschritt Richtung Turm, den man erklimmen muss, um sich dann ins Vergnügen zu befördern. Ich war der erste J. Viele Bolivianer sind nicht nur ziemlich träge, wenn es ums Arbeiten geht, sie sind auch nicht gerade die schnellsten (oder kümmern sich zu wenig darum), wenn es bergauf geht. Einzige Ausnahme sind natürlich die Schlangenbildungen um 5 Uhr morgens vor der Bank, um die Pension zu kassieren oder seinen Zahltag zu beziehen. Nicht nur, dass ich der erste war, ich blieb auch am längsten auf der Rutschbahn; wie bereits gesagt, das grösste Kleinkind im Bad. Ich habe mir auch schon überlegt, in Zukunft meine Profession zu wechseln und professionell Wasserrutschen zu testen.

So langsam wurde es Zeit zu gehen, denn wir langweilten uns ein wenig. Witzigerweise kam gerade als wir aufbrachen die Sonne hervor und lachte uns ins Gesicht. Die Rückfahrt war um einiges einfacher. Man kann nämlich einfach an die Hauptstrasse stehen und auf einen der Micros warten, die vorbeibrausen und für 2 Bolivianos pro Person ist man dabei. Dummerweise fahren die Micros nie dorthin, wo man eigentlich hinmöchte und Santa Cruz ist nicht gerade klein oder übersichtlich. So fuhren und fuhren wir an unglaublich interessanten Gegenden vorbei, bis wir einmal wagten den Chauffeur zu fragen, wohin der denn fahre. Witzigerweise wusste es im Bus niemand, aber alle wussten, wo sie aussteigen müssen. Das ist auch ziemlich typisch für das zentrale und nördliche Südamerika: alle wissen ungefähr was sie brauchen und wohin sie wollen, für mehr Informationen reicht es nicht. Notgedrungen stiegen wir aus, da die Strassennamen, welche an uns vorbeiflitzten schon bald nicht mehr auf unserer Stadtkarte ersichtlich waren. Somit hiess es für uns back tracken. Dank Sebnems ausgezeichneten Navigierfähigkeiten kamen wir dann doch noch im Zentrum und bei Kimberley's Kebab, dem universalen Treffpunkt der Stadt, an.

Am Abend entschieden wir uns alle zusammen Essen zu gehen und zwar gut bürgerlich in ein mit Schweizer Management versehenes Restaurant (NAME?). Ranjan, Corina, Marius, Suelen, Sebnem und ich. Vorweg genommen, das Restaurant wird seinem Ruf gerecht. Die Preise sind gesalzen, vor allem für bolivianische Verhältnisse, aber die Qualität des Essens ist top. Fast alle bestellten "s'Züri-Gschnetzlets" (keine Ahnung, wie man das auf Deutsch übersetzen würde). Das war wahrhaftig ein Festmahl erster Güte. Zufrieden und mit vollem Bauch machten wir uns auf den Rückweg und machten noch kurz halt in einer der vielen Bars an der Ausgehmeile von Santa Cruz, welche gemäss Marius am Wochenende dem Ocean Drive in Miami gleichen soll (was ich persönlich etwas bezweifeln mag, da ich Miami sehr gut kenne und weiss, wie wild die Parties dort sein können; ist einfach eine Frage der finanziellen Kraft der Partyveranstalter und –gänger, welche in Miami ungeschlagen ist)

Am nächsten Tag entschieden sich die Girls (Corina, Suelen, Sebnem) und ich, dass wir nach Las Cabañas fahren würden, um uns die Zeit mit Quad fahren um die Ohren zu schlagen. Der Ort ist sehr beliebt unter den lokalen Leuten, da es einer der grossen Freizeittreffpunkte ist. Was ihn unter anderem speziell macht, sind die unzähligen Esslokale, welche mit typisch bolivianischen Spezialitäten preisen.

Wir versuchten unser Glück beim ersten und zu diesem Zeitpunkt einzigen Anbieter von Quads und trotz der Tatsache, dass wir mit Suelen nicht nur eine Bolivianerin sondern auch noch eine lokale Persönlichkeit aus Santa Cruz dabei hatten, schienen die Jungs vom Quadverleih keinerlei Interesse am Geschäft zu haben und verharrten auf ihren hohen Preisen und schlechten Quads. Die meisten Quads, die ich gesehen habe, sind eher von schlechter Qualität, aber ich wurde in Costa Rica ja auch verwöhnt mit dem besten vom besten. Wir entschieden uns, ins nahegelegene Restaurant zu gehen und etwas zu trinken und abzuwarten. Das war definitiv eine weise Entscheidung, denn als wir aufbrechen wollten, sahen wir, dass ein zweiter und dritter Anbieter ihre Tore öffneten und die Quads parat machten. Diese waren um einiges kooperativer und so mieteten wir uns 4 Quads für ungefähr 7 CHF für 40 Minuten. Nach zwei drei Proberunden auf einer präparierten Piste konnte es losgehen Richtung Freiheit. An dieser Stelle muss ich vielleicht etwas zu Corina sagen: Kampfsau im Quadrat. Ich habe in Costa Rica oft den Ladies zugegzuckt, wie sie sich halb zögerlich halb ungeschickt in die Strassengräben beförderten. Nicht so meine Ladies an diesem Tag und schon gar nicht Corina, welche Ranjan vermutlich Konkurrenz gemacht hätte. Wir hatten einen Riesenspass und rasten am Flussufer entlang, fingen an kleine Sprünge über Erhebungen zu machen und schossen einige Fotos. Leider waren die 40 Minuten zu schnell vorbei, denn die Zeit zählt natürlich auch schon auf dem Übungstrack retour.

Nach dem Spass gingen wir in ein Restaurant, welches eines der traditionellen Gerichte aus Cochabamba anbot: Pique Machu (das wir noch einmal auf 4500 M.ü.M im Gebirge um Uyuni herum aufgetischt bekamen). Wir fuhren nach Hause und relaxten noch ein wenig und Suelen ging wieder nach dem Besten schauen in ihrem Lokal. Leider muss man in Bolivien und auch anderen Ländern mit arbeitscheuen Angestellten und komplizierter Bürokratie immer nach dem Rechten schauen. Bei Suelen geschah während unseres Aufenthaltes wirklich jeden Tag etwas Neues, auf das sie sich einstellen musste. Einmal vergass die eine Angestellte den Lokalschlüssel, meldete sich aber nicht bei Suelen, sondern wartete einfach vor dem Laden. Ein anderes Mal kamen die Mitarbeiter nicht zur Arbeit, eine war soweit ich mich erinnerte krank und die andere an einer Beerdigung ihres Grossvaters. Aber natürlich rief  niemand an, um Suelen die Chance zu geben Ersatzleute zu organisieren oder überhaupt zu planen. Ein anderes Mal stellten irgendwelche Leute die Wasserzufuhr (aus Versehen oder Desinteresse) ab und bis man in Bolivien einen Verantwortlichen für einen Defekt findet, können Zeiten vergehen. Das ist meiner Meinung nach generell ein grosses Problem in Ländern, wie Ecuador, Peru und Bolivien: die Leute möchten keine Verantwortung übernehmen, keine Qualitätsverbesserung erreichen und hoffen immer darauf, dass der Staat ihnen hilft und sind dann betroffen, wenn die Regierung andere Pläne hat. Das ist in Ländern wie Chile, Kolumbien und Argentinien schon etwas anders, die Leute haben gelernt zu arbeiten und bei der Arbeit mitzudenken. Es sind zugleich diese Länder, wo ich zum Beispiel ein dediziertes Arbeitsgericht gesehen hatte. Doch hinsichtlich Geschäftsführung und Business allgemein in Südamerika werde ich in einem separaten Blog sicher noch ein paar Worte loswerden.

Am Abend kochten Sebnem und ich noch für alle und zwar ein typisches italienisches Gericht: Überbackene Teigwaren an einer Tomatensauce mit Saisongemüse. Dazu gab's als Beilagen Baguettebrötchen mit Guacamole und Bruschette. Die Leute assen es J.

Am darauf folgenden Tag war nur relaxen und chillen (ich bin ein NBC: natural born chiller) angesagt und wir planten ein wenig die Reise nach Sucre, der konstitutionellen Hauptstadt Boliviens. Suelen war an diesem Tag ziemlich krank, wahrscheinlich wegen Überarbeitung und Stress und dem vergangenen Wochenende. Also schauten wir auch ein wenig nach Suelen, die aber nichts weiter als Schlaft benötigte. Wir faulenzten, schrieben unsere Berichte fertig, damit ihr was zum Lesen habt und wir unsere Erinnerungen nicht verlieren und am Abend gingen wir noch ins Kino, um den Film Invasion mit Nicole Kidman zu gucken; ein etwas langweiliger Film.

Am nächsten Tag hiess es schon Abschied nehmen von meinen Kollegen, der schönen Stadt Santa Cruz, der Wärme und den sehr freundlichen Leuten. Für single Männer hier noch ein kleiner Wink: das Verhältnis Frau zu Mann wird auf 6:1 geschätzt, die Frauen sind im Allgemeinen sehr offenherzig und nett und im Vergleich zum Rest von Bolivien um ein Vielfaches ansehnlicher (ich muss hier politisch korrekt schreiben, um mich nicht in die Nesseln zu setzen, zusätzlich habe ich ja schon die schönste Frau auf Erden). Zurück zur Abreise: Ich habe entschieden, dass wir den nächsten Teil der Reise nach Sucre mit dem Flugzeug zu bestreiten. Es gab eigentlich 3 Gründe dafür. Erstens war es genügend billig (USD 60$ pro Person), zweitens bedeutend schneller (35 Minuten Flug versus 15 Stunden Busfahrt) und drittens hatte ich ein wenig genug vom Bus fahren. Unser Tag begann mit dem Versuch, die traditionellen Salteñas (warme und meist pikante mit Fleisch oder Geflügel gefüllte Teigtaschen) zu essen, welche vor allem in Cochabamba zum Frühstück verspeist werden. Eine Salteñeria fanden wir auch, aber gemäss unseren bolivianischen Freunden waren es nicht die echten Salteñas. Danach fuhren wir zum Flughafen und verabschiedeten uns. Kurz darauf lief ich zum TAM (militärische Airline) Ticketoffice und fragte nach ihren Preisen nach Sucre: USD 50$ pro Person. Tja, man kann nicht immer gewinnen J. Die Leute haben uns auch gesagt, dass die TAM nicht so zuverlässig sei, wie die AeroSur. Lustigerweise war es an diesem Tag irgendwie nicht der Fall und wir mussten eine Stunde auf das Flugzeug warten. Der Flug war angenehm kurz und wir kamen sicher und erholt in der Hauptstadt Boliviens an.

Für mich ist es klar, weshalb sich Marius und Ranjan in Santa Cruz niedergelassen haben, es scheint wirklich die einzige Grossstadt in Bolivien zu sein, welche eine funktionierende Industrie besitzt. Das Klima ist das Jahr hindurch angenehm warm mit ein paar heissen Sommermonaten, die Leute scheinen im Durchschnitt eine höhere Schulausbildung genossen zu haben als in anderen Städten Boliviens, aber das mag sehr wohl auch ein falscher Eindruck sein. Alles in allem ist Santa Cruz für uns die einzige Stadt in welcher wir uns überhaupt vorstellen könnten zu wohnen, wenn wir aus irgendwelchen Gründen uns in Bolivien niederlassen würden; was wir aber ziemlich sicher nicht machen werden.

Sonntag, 11. November 2007

Bolivien: La Paz

Am 12. November 2007 sind wir in La Paz (ca. 3'200 – 4'000 M.ü.M. je nach Standort) nach einer längeren Busfahrt mit der Diana Tours angekommen.

Roberto war mittlerweile durch die andauernde Kälte (alles unter 25° Celsius ist zu kalt für ihn) und Höhe krank geworden. So krank, dass wir uns entschieden, ein Weilchen in der Stadt zu verweilen und uns auszukurieren. Das hat jedoch nicht wirklich geklappt, denn La Paz ist auch hoch in den Lüften und auch zu kalt für uns. Jedenfalls hatten wir bei der Ankunft weder grosse Lust noch einen speziellen Impuls um noch lange nach Hotels zu suchen und gingen ins erst beste billige Hotel "Maya Inn, Calle Sagamanga N° 339" gegenüber der Ankunft unseres Busses.

In La Paz haben wir krankheitsbedingt nicht so viel unternommen. Ein Highlight eines jeden Touristen hier wäre sicher mit dem Mountain Bike die Todesstrasse hinunter zu brausen, aber wir entschieden uns wegen unseres Zustands gegen diese Biketour. Stattdessen schlenderten wir ein wenig durch die Strassen und Gassen dieser moderat interessanten oder schönen Stadt. Wir besuchten den Hexenmarkt, wo unter anderem Tierembryos angeboten werden und natürlich alles Mögliche an natürlichen Viagra-Produkten. Roberto erinnerte das sofort an Afrika, wo jedes billige Kraut gegen Potenzprobleme angeboten wird; die meisten Touristen können nicht einmal Salbei von Pfefferminze unterscheiden, oder geschweige denn erkennen. Dank dem jahrelangen Gärtnerdasein seiner Eltern und dem untertänigen Mithelfen durch stundenlangem Jäten hat Roberto da einen klaren Vorteil, jedoch hat er auch keine Potenzprobleme J.

Wir passierten auch den Strassenmarkt (kurz: mercado), wo wir wieder einmal einheimisch und äusserst günstig assen (80 Rappen das Mahl). Leider bekam uns das nicht so gut und unsere Mägen revoltierten ein wenig: no risk no fun J. Die Situation änderte sich insofern, als wir uns entschieden, die Essensqualität massiv zu steigern, was sich natürlich auch im Preis niederschlug. Wir trafen um die Ecke unseres Hostels einen etwas abgedrehten Schweizer, der einen Buchladen für Touristen aufgemacht hat und dieser erklärte uns, dass es in La Paz einen Fribourger (Schweizer Kanton) gibt, der echtes Fondue anbietet. Das liess sich Sebnem nicht zweimal sagen. So marschierten wir noch am gleichen Abend in die etwas noble Gegend, wo sich das Restaurant Swiss Fondue befand.

Es ist manchmal wie verhext, aber man trifft doch wirklich immer wieder auf die gleichen Leute in Südamerika, ohne dass man es wirklich planen würde. Kaum abgesessen und ein Fondue für zwei bestellt (was im Übrigen wirklich unglaublich schmackhaft ist), kommen noch mehr Schweizer und Deutsche herein; im Verlauf des Abends füllte sich das komplette Lokal mit Deutschsprechenden. Aber nicht irgendwelche Schweizer, nein, das gleiche Paar, welches wir in Trujillo, Peru, kennen gelernt und in Huacachina und Aguas Calientes wieder gesehen haben, treffen wir in La Paz, Bolivien wieder. Auch die zwei Deutschen in ihrer Begleitung trafen wir früher schon in Peru auf einer Busfahrt von Cusco nach Puno. Man glaubt es nicht, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Aber alle, die Südamerika bereisen, werden diesem Umstand zustimmen: man trifft immer wieder die gleichen Leute. Das wohl Erstaunlichste ist, dass wir immer wieder mit dieser einen Israelin zusammentreffen. Kennen gelernt hatten wir sie in Panama, in Kolumbien trafen wir sie in Medellin wieder und dann laufen wir auf dem Machu Picchu geradewegs in sie hinein. Da sind 5000km Weg dazwischen! Wir sind überzeugt, dass wir sie in Chile, Argentinien oder Brasilien wieder treffen werden J.

Jedenfalls haben wir uns prächtig amüsiert diesen Abend und sind dann nach dem Fondueessen noch in die beiliegende Bar namens "Diesel nacional" gegangen. Diese Bar ist absolut einzigartig in ihrer Architektur: alles aus Metall gefertigt, Teile aus einem Schiffsrumpf, aus einer Lokomotive und aus einer Maschinenfabrik. In der Mitte befindet sich ein aus Metall (ein Metallkessel eines Dampfschiffes) gefertigtes Cheminée, welches die Gäste herzlich aufwärmt. Wir haben an diesem Abend unser nicht geplantes Treffen gefeiert und dementsprechend getrunken.

Am nächsten Tag wollten wir auf eine Stadtrundfahrt. Nachdem Roberto mühsam aus dem Koma erwacht war, gingen wir schnurstracks zum Busstandort. Dort stand auch schon der rote Doppeldecker Bus parat. Natürlich hatten wir für einen Moment vergessen, dass wir in Bolivien sind und Streiks und Strassenblockaden zum Alltag gehören. Bolivien ist ein Drittweltland und damit sind solche Hindernisse an der Tagesordnung. Vermutlich eine Mischung aus latenter Bedrohung der Demonstranten, welche scheinbar mit Steinschleudern die Strassen La Paz unsicher machten und der Tatsache, dass nur etwa 8 Leute die Tour an diesem Tag machen wollten, veranlasste den Veranstalter die Stadtrundfahrt abzusagen. Wir kriegten jedoch unser Geld zurück.

Was blieb uns gross übrig, als uns kulinarisch zu verwöhnen; dies versuchten wir an dem wohl berühmtesten Glace-Verkaufsstand (Eisdiele für die Deutschen) in La Paz, wovor es wirklich jeden Tag eine Schlage hat (was es ansonsten in Südamerika noch vor Banken gegen Ende des Monats zu sehen gibt). Roberto hat sogleich mit einem Bild, welches den Apfelstrudel-ähnlichen Glaceturm darstellte, geliebäugelt. Eigentlich haben wir uns schon noch kurz gewundert, wieso alle Glaces (Eis/Eiscrème für die Deutschen) so billig waren und Robertos Wunschtraum vom perfekten Apfelglace sage und schreibe $5 USD kostete. Wir haben uns auch nicht all zu viele Gedanken gemacht, obwohl die Zubereitung desselben ungefähr 10 Minuten dauerte, wobei unterdessen schon 10 weitere Kunden ihr Eis bekamen.

Nach der besagten Zeitspanne kam die Dame dann mit der Kreation zurück: dekadent! Der Glaceturm musste mit beiden Händen getragen werden und wog locker fast ein Kilogramm. Geliefert wurde das Ding in einer ansonsten für ein Familien-Mittagessen passender Styroporschachtel, aufgeklappt. Roberto traute seinen Augen nicht. Für die Leser, die Roberto nicht so gut kennen: Glace steht nicht wirklich zuoberst auf seiner Gourmetliste. Eigentlich war er nur scharf auf das mickrige Apfelküchlein, welches unter einer Tonne Eis vergraben war. Das Bild war teuflisch verwirrend gemacht und verleitete ihn zu diesem Wahnsinnskauf. Natürlich konnte er das Eis nicht fertig mampfen und beförderte es elegant in den nächst gelegenen Abfalleimer. Es vergingen etwa 30 Sekunden und schon kam ein etwas verlumpter Strassengeselle des Weges, blickte kurz in den Abfalleimer und zog sich schamlos den vorhin entsorgten Glaceturm heraus. Überglücklich fing dieser sodann an, sein Festmahl zu verspeisen, gänzlich unbekümmert unserer verdutzten Blicke. Roberto war glücklich, jemanden auf der Strasse so ein Geschenk gemacht zu haben, obwohl es weniger geplant war. Sebnem zog nach, aber das einzige was danach Interesse an ihrem fast fertig gegessenen Schokolade Eis hatte, war ein lausiger Strassenköter mit Rastalocken.

Den kulinarischen Höhepunkt hatten wir ja schon erreicht mit dem echten Schweizer Fondue, welches wir am Abend zuvor verspeist hatten, aber zu erwähnen bleiben noch zwei interessante Essmöglichkeiten: unseren Libanesen gegenüber des Hostels und die Pizzeriakette an der Querstrasse oben, welche gleich zwei identische Läden an der gleichen Strasse etwa 100 Meter voneinander entfernt anbietet. Der Libanese ist unbedingt empfehlenswert, sofern man diese Art von Küche schätzt. Kostengünstig und unglaublich vielfältig und gut gekocht. Der Zugang zum Lokal sollte einem nicht davon abschrecken, dieses doch zu besuchen. Einfach weitergehen und die Treppe hoch, auch wenn man denkt, man werde gleich überfallen. Die Pizzeria (der Name ist uns leider entfallen) ist speziell in zweierlei Hinsicht: Erstens sind die Pizzas lecker und zweitens kann man über den Preis verhandeln. So deftig sogar, dass wir zwei Pizzas fast zum Preis einer ursprünglich angepriesenen bekamen.

Zwischendurch sind wir immer wieder beim vorhin genannten Schweizer vorbeigegangen, um uns mit Kartenmaterial und Informationen einzudecken. Ein Hinweis für alle Reisenden (insbesondere aber Schweizer), welche in La Paz verweilen oder es passieren: geht bei dem Shop vorbei und wechselt ein paar Worte mit dem netten Typen, er hat ein paar lustige Stories auf Lager und holt Euch eventuell wieder auf den Boden der Tatsachen, wenn es um Planung in Bolivien geht. Zudem bietet er manchmal Flüge zu verbilligten Preisen an, da er einen speziellen Draht zu den Fluggesellschaften hat.

Da wir in La Paz wirklich nicht so fit waren, haben wir keinen chronologisch korrekten Ablauf der Dinge, welche wir erlebt haben. Jedoch gibt es noch zwei kleine Geschichtchen, die Roberto hier an dieser Stelle loswerden wollte.

Das erste betrifft den ziemlich schönen Stadtpark in La Paz, welchen man nach einem kleinen Eintrittsgeld in vollen Zügen geniessen kann. Der Park stellt den Rest der Stadt bezüglich Ordnung und Sauberkeit in den Schatten; Schlemihl's Peiniger würde da erblassen. Das Faszinierende aber an diesem Park, für Roberto zumindest (der einfach noch nicht wirklich erwachsen ist), ist die im Zentrum angesiedelte superbreite und recht lange Steinrutschbahn, welche sich sinusförmig in der sinkenden Achse in die Tiefe zieht. Das Spezielle an der Rutschbahn sind wohl die zwei π-Sinus Erhöhungen, welche, gegeben die nötige Anfangsgeschwindigkeit und der nötige Drang zur Selbstverstümmelung, eine Person locker ein paar Zentimeter oder eben auch mehr in die Höhe katapultieren lassen.

Natürlich greift die Zentripetalkraft weniger stark auf 4000 M.ü.M und eventuell hat die Höhenlage Robertos Hirn auf ein etwas vegetativeres Niveau herabgestuft. Fakt jedoch ist, dass Roberto mit optimalem Richtungsvektor und ziemlich hoher Anfangsbeschleunigung diese Rutschbahn erkundet hat. Bei der ersten Erhebung hob er ab und landete äusserst unsanft, ohne die kleinste Chance gehabt zu haben, sich in der Luft in eine bessere Position zu hieven oder drehen, teils mit dem Rücken teils mit dem Steissbein auf der zweiten Erhebung, welche sich etwa 1.5 Meter weiter vorne befindet. Den Rest der Rutschpartie wurde vom Hirn Gott sei Dank nicht mitgeschnitten, dafür hat die Kamera ein paar Schnappschüsse gemacht.

Ein normaler Mensch wäre dort geblieben, wo er nach einer solchen Fehlkalkulation gelandet wäre, Roberto hingegen (man erinnere sich der verminderten Hirnkapazität) machte sich nach einigen Minuten Wundenleckens direkt auf den Weg, den ganzen Spass nochmals zu versuchen. So eine Rutsche hinunter zu rutschen kann doch nicht so schwierig sein; immerhin meisterten es dies in der Zwischenzeit einige der sich am Unfallort versammelten kichernden Kindern mit Bravour. Wer die Jackass Serien oder die aus den Serien entstandenen Filme kennt, kennt natürlich auch den Ausgang des weiteren Versuch Robertos diese Rutschbahn physikalisch zu seinen Gunsten zu meistern. Das Hirn musste wohl gänzlich abgeschaltet haben, denn irgendwie fand er Gefallen an der Tatsache, mit überhöhter Geschwindigkeit über die erste Erhöhung und mit vollem Gewicht direkt auf die zweite zu klatschen. Es war ja auch nur eine massive Betonkonstruktion. Nachdem sich Sebnem genug gelangweilt hatte, konnten wir auch noch den Rest des Parks erkunden, welcher einem einen schönen Rundblick innerhalb der Stadt auf die Stadt selbst erlaubt.

Die zweite kleine Geschichte betrifft Sebnem's unermüdliche Planernatur. Wir dachten, es wäre sicher wieder einmal lustig und interessant, unsere Flüge zu verschieben. An diesem Tag hatten wir nichts Besseres vor und transportierten uns also zur American Airlines Filiale. Wenigstens versuchten wir es, landeten aber bei der LAN Chile Filiale (zugegeben, wir waren zuerst bei American Airlines, aber die wollten keinen Finger rühren und behaupteten immer, dass sie keinen Zugriff auf unsere Flugsegmente hätten, ohne jedoch einmal die Finger auf die Tastatur zu legen), bei welcher sich jedoch die Mitarbeiter ein Mittagsschläfchen gönnten. So gingen wir wohl den schlechtesten Hamburger der Stadt essen und kamen mit leichter Magenverstimmung zurück an den Ursprung der Verzweiflung: Reisedatum verschieben. Wer unsere Reise etwas mitverfolgt und eine Hirnleistung etwas über Robertos hat, kann sich vielleicht an die Leichtigkeit unseres ähnlichen Unterfangens in Lima erinnern. Doch aufgepasst, wir sind hier in einem neuen Land. Dass es die gleiche Fluggesellschaft ist, spielt überhaupt keine Rolle. Eigentlich wollten wir ja nur den ersten Flug um ein paar Tage verschieben, doch das endete in einem kleinen Desaster.

Die repräsentative Dame fing an irgendetwas in den Computer zu haken, obwohl wir eigentlich nur den ersten Flug verschieben wollten und schwafelte immer etwas von Diskrepanz zwischen dem, was wir in Lima geändert bestätigt hatten, und dessen, was sie vor ihrer Glotze hatte. Auch wirbelte sie furchtlos mit Wörtern umher, die nach Flugplanänderung und schon verpasster Flüge tönten. Kurzum, Sebnems kühler Kopf kontrollierte den uns neu ausgestellten Flugplan und sie kriegte schier die Krätze. Viele Flugdaten waren wieder so, wie sie vor den Änderungen in Lima waren. Nach dem ersten Herzinfarktsanfall (Dank Robertos reduzierter Hirnleistung und seinem allgemeinem Desinteresse an der Sache selbst war sein Herz weniger belastet) von Sebnem, fingen wir an die Dame zu behandeln und ihr zu erklären, dass entweder sie keine Ahnung von System hatte oder halt umgekehrt. Wir gaben ihr alle unsere Tickets und die elektronische Flugagenda und baten sie, die Ursache des Problems zu finden.

Wir schleppten uns zurück zur American Airlines Filiale, deren Mitarbeiter schon ganz gierig auf uns warteten. Nachdem Sebnem sich mit Nachdruck (drohend könnte hier als Synonym gesetzt werden) Ton verschaffte, sahen wir, dass die hübsch verschmierte Persönlichkeit hinter der sauberen American Airlines Theke doch noch Hände hatte. Sie bewegte sie sogar und erst recht noch Richtung Tastatur. Welch ein Wunder, es musste das Eis gewesen sein, dass Roberto am Tag zuvor so liebevoll gespendet hatte. Jemand hatte Erbarmen mit uns (Sebnem und ich gehören zwei verschiedenen Religionen an, darum ist das "jemand" hier adäquat genug). Vermutlich haben sie die 30 Sekunden Mehrarbeit den American Airlines Reservationscode einzutippen gänzlich aus dem Konzept gebracht und sie konnte vielleicht daher das erste Mal ihre Hände nicht bewegen, doch dieses Mal kriegten wir innerhalb 3 Minuten zwei schwarz auf weiss auf endlosem Druckpapier mit Nadeldrucker bestätigte Flugreservationen mit allen Flugsegmenten, korrekt wie nach der Änderung in Lima. Da staunten wir nicht schlecht und die nun sehr freundlich wirkende Dame von American Airlines gleich mit.

Sofort hasteten wir aus dem auf Eiszeit angepasst runter gekühlten Büro, eilten zurück zum etwas wärmeren (erhöht vermutlich die Hirnleistung einiger LAN Chile Mitarbeiter und deren von Roberto ungemein) LAN Chile Büro, welches unterdessen sehr beschäftigt aussah: 4 Repräsentanten von LAN Chile in weiblicher Form, von welcher ganz besonders und genau eine Kunden betreute; wir haben bis heute noch nicht herausgefunden, was die andern 3 Damen für eine Rolle inne hatten in diesem Büro. Eine der zufällig freien Damen dieses Trios erbarmte sich unser und bot uns aufmerksam zu ihrem Pult, wo das Chaos nicht bestätigter Flugtickets Endzeitstadium angenommen hatte. So sassen wir hin und versuchten das ganze mit kühlem Kopf (nur schon deswegen lohnt es sich kurz bei American Airlines vorbei zu schauen oder den Kopf durch die Tür zu zwängen) und mit dem frischen Flugsegment Ausdruck noch einmal von hinten her aufzuräumen.

Es verging ein Weilchen bis die zweite Dame des Trios bemerkte, dass sie eigentlich auch nichts am Erledigen war und sie klinkte sich prompt zu unser aller Erstaunen in die Problematik ein. Das Spezielle dabei war nun, dass auf ihrem Bildschirm auf wiederum magische Weise das gleiche zum Vorschein kam, wie das wir auf unserm Endlospapier schwenkten. So, das Problem war also in-house (für einmal war nicht Microsoft daran schuld). Nach heiterem Rätselraten, welches die Aufmerksamkeit der dritten Puppe im Raum weckte, bemerkte die zweite vielbeschäftigte Landsfrau, dass bei unseren Änderungen der Flugdaten in Lima eine zweite neue LAN Chile Buchungsnummer emittiert wurde und die neuen Flugdaten unter dieser gespeichert wurden. Unter der alten Nummer waren immer noch die alten Flugdaten (es ist uns an dieser Stelle lieber, wenn die Leute, vor allem Mitarbeiter von LAN Chile und American Airlines, das ganze nicht so richtig verstehen, denn dieser kleine Trick ermöglicht es uns, unser "Around-The-World" Ticket auf mehr als ein Jahr hinaus zu verlängern). Ganz geschafft von dieser Strapaze nutzten wir die Gunst der Stunde und buchten heiter unseren ersten Flug von Calama nach Santiago weiter nach hinten auf den 1. Dezember. Dies würde es uns erlauben, mehr Zeit in Bolivien zu verbringen, was wir ja dann auch taten.

Das Ende unseres unterhaltsamen Aufenthaltes bot dann die Busfahrt nach Santa Cruz, welche wir mit der "Trans Copacabana MEM I" Busgesellschaft bestritten. Für Leute, die auch mit der qualitativ besten (besten ist hier nicht das richtige Wort, aber wir wollen an dieser Stelle nicht alle Touristen verscheuchen) Busgesellschaft fahren wollen, empfehlen wir, das oben in Anführungs- und Schlusszeichen gesetzte Mahnmal exakt zu kopieren und nicht vorher die überteuerte Busstation zu verlassen, ehe sie nicht ein Ticket bei dieser Gesellschaft erworben haben. Ihr werdet es uns im Nachhinein danken!

Zynismus aussen vor, die Bilder findet ihr natürlich hier:

Freitag, 9. November 2007

Bolivien: Lake Titicaca (Copacabana, Isla del Sol)

Nach unserer letzten Übernachtung in Puno in Peru ging es weiter nach Bolivien. Unsere erste Anlaufstation war das kleine touristische Städtchen Copacabana (3800 m.ü.M.), gelegen zwischen den beiden Hügeln "Cerro Calvario" und "Niño Calvario". Nicht weil wir unbedingt die Stadt sehen wollten, mehr aus dem Grund, weil wir die Insel "Isla del Sol" auf dem Titicaca See (höchster navigierbarer See der Welt!) besuchen wollten. Gemäss der Inka Mythologie war dies die Geburtstätte der Sonne.

Aber, um überhaupt in das Städtchen Copacabana zu gelangen, musste jedermann im Bus zuerst 1 Boliviano (Bol im Weiteren) bezahlen. Daher ist es wichtig, dass man kurz nach der Grenze bereits Geld in bolivianischer Währung zur Verfügung hat. In Copacabana angekommen, haben wir gleich ein Hotel organisiert und haben uns auf den Weg gemacht, die Stadt am wunderschönen Titicaca See ein bisschen näher kennenzulernen. Das Städtchen machte für uns einen sehr friedlichen Eindruck und die Einheimischen waren freundlich, bis auf die Angestellten unseren Hotels. Wir haben nämlich im Hotel Center logiert (für US$7/beide zusammen) und hatten das Gefühl im unhöflichst geführten Hotel gelandet zu sein. Roberto hat sich sehr über den einen Angestellten aufgeregt, der uns gegenüber sehr herablassend wirkte und uns mit dem Zeigefinger drohte, wenn wir bis nicht bis um Punkt 10.00 Uhr auschecken würden, wir eine weitere Nacht bezahlen müssten. Hätte der Angestellte noch einen Ton mehr rausgelassen, hätten wir die halbe Portion mal richtig durchgeschüttelt. Aber wir wollten ja nicht schon am ersten Tag in Bolivien negativ auffallen und schon gar nicht mit der Bolivianischen Armee oder Polizei zu tun haben.

Aber zurück zu Copacabana. Um eine bessere Übersicht des Städtchens zu haben, entschieden wir den Hügel "Cerro Calvario" hinaufzuklettern. Von dort oben aus hat man eine fantastische Sicht über Copacabana. Wie wir feststellten befindet sich oben am Hügel eine Art christliche Gebets- und Heiligenstätte, wohin sich die einheimischen Pilger und Alkoholiker begeben. Was wir aber absolut nicht verstehen konnten war die Tatsache, dass der Hügel auch für die lokale Abfallentsorgung benutzt wird. Das ist wirklich ein trauriger Anblick, überall Scherben auf dem Boden, Abfall und Sonstiges. Teilweise mussten wir sogar über Abfallhaufen laufen, um weiter zu kommen (siehe auf den Fotos!). Wir machten nur kurz ein paar Fotos auf dem Hügel und liefen dann auf der anderen Seite des Hügels (ein viel einfacher Weg) hinunter. Die Landschaft um Copacabana (Richtung Yampupata) ist weltklasse. Wären wir an jenem Tag nicht so müde gewesen wären wir die Strasse Richtung Yampupata entlang gelaufen. Dort ist man zudem frei von anderen Touristen.

Am zweiten Tag haben wir uns entschlossen, die Insel "Isla del Sol" zu besuchen. Die Bootsfahrt dauert ca. 2 h (hin; retour nur 1,5 h). Wir wurden im Norden der Insel in Cha'llapampa abgeladen und hatten die Möglichkeit in den Süden zu laufen, wo wir dann abgeholt werden würden, oder den Norden kurz zu entdecken und später mit dem Boot in den südlichen Teil zu fahren. Wir haben uns natürlich dazu entschieden den dreistündigen Trekking-Trip in den Süden zu machen. Aber vorher wollten wir uns noch die labyrinthartigen Chincana Ruinen (Eintrittskarten sind bei der Ankunft zu kaufen, direkt neben dem Museum; 10 Bol. / pro Person) ansehen und haben die Dienstleistung eines 11-jährigen "Reiseführers" in Anspruch genommen. Roberto hat ihm 3 Bol. angeboten, wenn er uns zu den Ruinen führt (natürlich hätten wir den Weg selbst zu den Ruinen gefunden, es war mehr aus Goodwill unsererseits). Zu unserer Überraschung wusste der Junge, also unser Reiseführer, sehr viel über die Geschichte der Insel. Er führte uns ehrenvoll durch das Labyrinth mit immer wieder einkehrenden Stopps zur genaueren Erläuterung der Funktionen der einzelnen Ruinen.


Nun nach diesem Vorfall machten wir uns auf den Weg in den Süden. Die kleine Wanderung hat sich auf jeden Fall gelohnt, da die Umgebung und die Sicht auf den Titicaca See wirklich herrlich waren.


Nach der Kontrolle war es dann noch ein einstündiger Marsch bis wir am kleinen Hafen ankamen, wo unser Boot bereits wartete. Wir hatten noch ca. 1h Zeit bis wir definitiv abfuhren und haben uns dort auf die Wiese gelegt und uns bis zur Abfahrt ausgeruht. Während der Rückfahrt sind wir wieder auf zwei Schweizer gestossen und haben Tipps und unsere bisherigen Erlebnisse ausgetauscht. Die beiden (leider können wir uns nicht mehr an deren Namen erinnern; sie hiess Pascale, aber seinen Namen wissen wir nicht mehr) reisen während fünf Monaten hinauf nach Peru, Ecuador, Costa Rica, Nicaragua, etc. bis nach Kuba.

Am Abend haben wir uns dann noch auf die Suche nach einem guten Restaurant begeben und sind auf das "Puerto oder Porto del Sol" gestossen. Das gehört sicher zu einem der besseren Restaurants in Copacabana und ist sehr empfehlenswert (zumindest unser Nachtessen war gut zubereitet). Das Morgenessen jedoch wird einem praktisch kalt serviert; zumindest für den kleinen Motzi Roberto ist das ein grosser negativer Aspekt an diesem Restaurant.

Am dritten Tag in Bolivien machten wir uns auf den Weg nach La Paz. Wir hatten unsere Tickets bereits in Puno organisiert und erwarteten eigentlich keine Komplikationen, da wir am Vortag eine Reservation gemacht haben. Kurz gesagt: Sie wollten uns wegen Roberto's Surfbrett nicht mitnehmen. Das hörten wir bis anhin während unserer Südamerikareise das erste Mal und konnten den Typen gar nicht ernst nehmen. Nach einigen eingehenden & heftigen Diskussionen haben sie das Brett doch noch missmutig auf das Dach geladen und uns mitgenommen.

So haben wir in den ersten Tagen in Bolivien nicht gerade die schönsten und besten Erfahrungen mit einigen Leuten gemacht. Aber in La Paz sieht die Sache schon ganz anders aus; mehr dazu in unserem nächsten Bericht.

Mehr Fotos über die Umgebung bei Lake Titicaca:

Nach ca. zwei Stunden Marsch sind wir auf eine Kontrollperson geraten, die unsere Tickets sehen wollte. Natürlich zeigten wir ihr unsere Tickets und haben uns natürlich nichts dabei gedacht. So wurde uns dann mitgeteilt, dass unsere Tickets nur für den nördlichen Teil der Insel gültig seien. Wenn wir hier passieren wollen, müssten wir separate Tickets für nochmals 10 Bol. / pro Person kaufen, um in den Süden zu gelangen. Natürlich hatten wir keine andere Möglichkeit (theoretisch kann man um den Hügel rum laufen und sich die Ausgabe so sparen, aber das dürfte ein ziemlich mühsamer Weg sein) als diese Tickets zu kaufen, aber man hätte uns das auch vorher mitteilen können. Auf diese Weise kommt man sich leider ziemlich verarscht wohl. Für was das Geld schlussendlich gebraucht wird, bleibt für uns wohl ein Geheimnis.
Nachdem wir die Ruinen besichtigt haben, machten wir uns auf unsere kleine Trekkingtour über die hügelige Landschaft der Insel (man kann den Weg nicht verfehlen). Unser Reiseführer bot uns an uns noch ein Stückchen zu begleiten, da er denselben Heimweg hatte. Da wir wirklich begeistert waren vom kleinen Sprössling, wollten wir ihm 7 Bol. (= fast 1 CHF) anstatt den 3 Bol. geben. Aber leider nahm die ganze Angelegenheit eine andere unerfreuliche Form an. Der Junge wollte sage und schreibe 30 Bol. von uns, da er meinte, dass seine Freunde auch so viel kriegen würden. Roberto hat mit dem Kleinen sodann ein Wörtchen gesprochen und ihm klar gemacht, dass er das mit den Touristen nicht machen könne. Wenn er 30 Bol. wolle, solle er den Leuten das von Anfang an klar machen. Nun schlussendlich gaben wir ihm 10 Bol. aber leider zeigte er sich überhaupt nicht dankbar. Für einen kleinen Jungen sollten 10 Bol. mehr als genug sein, aber er hat das nicht zu schätzen gewusst. Die Kinder in Bolivien (man darf nicht vergessen, dass Bolivien noch als Drittweltland gilt) werden teilweise ganz anders erzogen und wachsen damit auf, bei den Touristen Geld zu erbetteln. Natürlich beziehe ich mich hier auf die unterste Schicht der bolivianischen Bevölkerung. Was hier auch oft anzutreffen ist, sind Kinder, die uns ansprechen und Fotos machen wollen und später Geld dafür verlangen. Natürlich gehen wir nicht darauf ein und geben einem Kind lieber einmal Süssigkeiten. Die einen freuen sich die anderen weniger. Leider gibt es halt immer wieder Touristen, die den Kindern bzw. den Bettelnden mehr als genug an Geld geben. So haben die Leute das Gefühl, dass jeder Tourist gleich sei. Auf jeden Fall fanden wir es wirklich sehr schade, dass eben unser kleiner junger und intelligenter Reiseführer sich überhaupt nicht zufrieden gab und keine Dankbarkeit zeigte.

Donnerstag, 8. November 2007

Peru: Cusco nach Puno

Wir haben uns am 8. November 2007 definitiv entschieden Richtung Bolivien zu fahren mit vorherigem Halt in Puno (Stadt am Titicaca See). Von Cusco aus hat man eine grosse Auswahl an Bussen, die Fahrtgelegenheiten bis Puno bieten (ca. US$ 5.00 – 7.00 / Person; Fahrt ca. 6-7 h). So sind wir an jenem Morgen spontan mit dem Taxi zum Busterminal Terreste in Cusco gefahren und haben uns da Tickets für die Fahrt organisiert. Natürlich fuhr der Bus mit 1 h Verspätung ab. Das ist der Preis den man zahlen muss, wenn man "günstig" reisen möchte. Nun ja, wir sind uns das ja bereits gewohnt, dass die Busse meistens erst dann abfahren, wenn genügend Leute an Bord sind.

Die Busfahrt an sich war in Ordnung, aber nicht direkt wie uns beim Ticketverkauf bestätigt wurde. Wir machten in jedem kleinen Dörfchen Halt um irgendwelche Passagiere aufzuladen. Eine siebenstündige Busfahrt ist für uns bereits ein "Piece of Cake". Interessant zu wissen ist auch, dass man als Autofahrer einiges an "Strassengebühren" (für die Benutzung der Panamericana) bezahlen muss. Das haben wir am eigenen Leib erlebt, als wir in Lima für eine Woche ein Auto gemietet haben.

In Puno angekommen wurden wir mit Taxi- und Hotelangeboten überhäuft. Wie immer haben wir alle Angebote ignoriert und haben es uns erstmal im Busterminal bequem gemacht und die Leute beobachtet. Kurz daraufhin kam eine nette Dame auf uns zu und unterbreitete uns ein Angebot, welches wir – nach Besichtigung des Hotelzimmers –  angenommen haben: Eine Übernachtung im Hotel Kantuta (E-Mail: hkantutapuno@hotmail.com) für US$ 6.00 für beide zusammen. Kaum zu glauben, aber wir hatten sogar Wifi-Connection im Zimmer (es scheint so zu sein, dass die Telefonica Gesellschaft an gewissen Orten Perus Wireless Zugang offen hält, eventuell für Servicetechniker oder dergleichen; dies hält uns jedoch nicht davon ab, dieses Netz auch zu gebrauchen). Wenn man also nicht gerade in der Hochsaison in Peru herumreist, ist es sehr empfehlenswert nicht im Voraus ein Hotelzimmer zu buchen. Ich habe nämlich am Vorabend noch im Internet die Hotelpreise in Puno ausgecheckt und war ziemlich erstaunt darüber, dass alle so im US$ 20.00 Bereich lagen. Momentan herrscht Niedersaison und die Hotels konkurrieren ziemlich um die Touristen, was sich natürlich positiv für uns auswirkt.

In Puno sind wir nur einen Tag geblieben, da wir schnell nach Bolivien gelangen wollten. Natürlich dürfen der Plaza de Armas und eine Kathedrale auch in Puno nicht fehlen. Die Stadt selbst bietet viele Übernachtungs-, Ess- und Ausgehmöglichkeiten. Sie ist schon ziemlich für den Tourismus ausgerichtet und zudem wurde anscheinend – gemäss Auskunft des Taxi-Chaffeurs – eine Petition eingereicht, in welcher gefordert wird, dass der Lake Titicaca in die Liste der Weltwunder aufgenommen wird. Wie bereits erwähnt ist Puno eine weitere kleine Touristenstadt und dient unserer Meinung nach nur als Notfallübernachtung, wenn man auf der Durchfahrt ist oder die Inseln auf dem Lake Titicaca in Peru besuchen möchte.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich natürlich noch erwähnen, dass mit diesem Trip ein Traum für Roberto in Erfüllung gegangen ist. Seit über 20 Jahren war es ein grosser Traum von ihm den Lake Titicaca zu besuchen. Als kleiner Bube hat er immer die "Guinness World Record" Bücher gewälzt und darin natürlich auch den Titicaca See entdeckt, der ihn schon damals faszinierte. Zudem spielten er und seine Familie zu Hause immer Wortspiele, wie Scrabble, und da kam ein so interessantes Word wie Titicaca öfter vor.

Hier noch ein paar wenige Fotos von Puno:

Samstag, 3. November 2007

Cuzco

Wer Richtung Machu Picchu geht, wird unweigerlich an der Stadt Cusco vorbeikommen. Für die meisten Leute dürfte dies eine interessante Erfahrung sein und vor allem junge Reisende werden sich dem Partyleben nicht entziehen können. Cusco und seine Umgebung haben sehr vieles zu bieten und sind absolut einen Besuch wert. Jedoch muss man sich auf die Abzockerei gefasst machen. Peru scheint unserer Meinung nach die beste Unterstützung und das beste Marketing im Bereich Tourismus zu betreiben, jedoch ist es den Leuten in und um Cusco herum in den Kopf gestiegen und man beginnt europäische Preise zu verlangen. Was uns sehr verärgert hatte, war die Tatsache, dass man einfach als Prinzip als reicher Tourist angeschaut wurde und keine Klassendifferenzierung mehr stattgefunden hat, hinsichtlich der touristischen Angebote.

Wenn man in Südamerika herumreist, kann man im Normalfall die Ausgaben sehr gut  steuern; es gibt meistens Preise für Einheimische, dann Preise für Israelis, dann Preise für gut Spanisch sprechende Leute, dann Preise für English sprechende Leute und dann Preise für Leute, denen es einfach egal ist, wie viel es kostet.

In Cusco scheint es diese Preisdifferenzierung einfach nicht für alle Angebote zu geben und was sich für uns sehr negativ ausgewirkt hat, ist die Tatsache, dass die Leute auch nicht mit sich verhandeln lassen; im Gegenteil, sie werden noch wütend oder frech, wenn man ihnen erklärt, dass man halt nicht einfach beliebig Geld bezahlen kann. Ein Beispiel ist das sogenannte "boleto turistico", welches 70 Soles kostest und einem erlaubt verschiedene archeologische Sites zu besuchen, die man natürlich auch fast nur mit einer kostenspieligen Tour erreichen kann (die Alternative mit Bussen dahin zu kommen ist äusserst zeitintensiv und nervenraubend). Für 40 Soles kann man sich das halbe Ticket kaufen, welches einem Zutritt zu vier verschiedenen Sites gewährt aber nur ein Tag gültig ist. Da wir nur eine Site oberhalb Cusco besuchen wollten, hatten wir überhaupt keine Lust so ein Ticket zu kaufen. Interessanterweise wurde uns gesagt, dass man vor Ort für 5 Soles so ein Eintrittsticket bekommt, also sind wir halt an einem Tag da hinauf gelaufen. Leider war dies wieder so eine Falschinformation und sie wollten und partout kein Eintrittsticket verkaufen, nur das "boleto turistico", welches wir uns partout weigerten zu kaufen. IPeru, die unabhängige Anlaufsstelle für Touristeninformationen, hatte ein Gehör für unsere Anliegen und die Leute erzählten uns, dass sie schon öfters Reklamationen von Rucksacktouristen bekommen hätten, welche auch nicht bereit gewesen wären diesen Betrag hinzublättern, nur damit man Inkaruinen oder ähnliches aus der Geschichte sehen konnte. Die Regierung um Machu Picchu herum hat da aber andere Pläne; und seien wir einmal ehrlich, wieso sollten die auch anders denken. 99% der Leute, die nach Cusco oder Machu Picchu kommen, ist es so lang wie breit, wie viel sie bezahlen müssen … zumindest erscheint es einem so.

Es ist ja eigentlich unsere Schuld, dass wir uns so verarschen lassen, aber irgendwie hat das ganze Desaster schon beim Flughafen begonnen. Anstatt, dass wir einfach in die Stadt gefahren wären und uns eines der Hunderten von billigeren Hotels (in Cusco scheint jedes Haus ein Hotel oder ein Restaurant zu sein) genommen hätten, organisierte Roberto am Flughafen bei einer nett lächelnden Dame einen Transfer inklusive Hotelunterkunft; für $30 USD im Hotel Monarca im San Blas Viertel. Angefangen hatte der Preis bei 70 Dollar und ging dann runter, nachdem Roberto ihr gesagt hatte, dass $30 USD das Maximum sei, was wir bezahlen können. Wir fuhren sodann mit dem Taxi, dessen Chauffeur ein Kollege von der Dame war, zum besagten Hotel Monarca. Unterwegs laberte uns die nette Dame voll mit den möglichen Optionen Geld für Touristenattraktionen loszuwerden. Das "boleto turistico" wurde auch immer wieder erwähnt und gegen Ende der Fahrt, war es für sie schon klar, dass wir je ein solches "boleto turistico" kaufen und natürlich auch 2-3 ihrer Offerten für Tagestouren buchen. Nach dem Einchecken wurden wir mit Mate (Tee aus Kokablättern) begrüsst, damit wir uns besser an die Höhe gewöhnen können. Während dem Teeschlürfen in der Hotellobby erzählte sie uns nochmals von ihren Optionen bezüglich der Tagesausflüge. Je länger wir ihr jedoch zuhörten, desto weniger fanden wir ihre Angebote toll. Um das Gespräch nicht all zu sehr in die Länge zu sehen haben wir uns entschieden selbst die Stadt ein bisschen zu erkunden und sie bei Bedarf zu kontaktieren. Ehrlich gesagt, wurde die Dame gegen das Ende hin sehr aufdringlich, wogegen wir beide ziemlich "allergisch" sind. Wir haben sie während unseres Aufenthaltes in Cusco auch nicht mehr kontaktiert.

Natürlich haben wir dann auch bald erfahren, dass wir viel zu viel bezahlt haben für eine Unterkunft, aber wir genossen den kleinen "Luxus" eines Hotelzimmers inklusive Frühstück. Zudem hatten wir die Möglichkeit unsere Sachen während dem Besuch des Machu Picchu's sicher zu lagern. Und gegen Ende bezahlten wir sogar nur noch 25 Dollar für die Nacht. Wir hatten zudem sporadisch Internetanschluss via Wifi; in einer Ecke des Zimmers musste es frei von Stahlträgern gewesen sein, denn wir konnten uns mit dem ominösen Telefonica Accesspoint verbinden.

Da wir im San Blas Viertel logierten, statteten wir diesen natürlich auch einen Besuch ab. Es ist das Arbeiterviertel, in welchem man klassische Manufakturen findet und sich auch ein mittelgrosser Lebensmittelmarkt inklusive Restaurantnischen befinden.

 Vom San Blas Viertel ins Zentrum benötigt man ungefähr 10 Minuten zu Fuss. Die Stadt hat architektonischeiniges zu bieten und die Plaza de Armas ist wohl der Höhepunkt der Baukunst.
Verbunden sind die einzelnen Bauwerke durch enge labyrinth-artige Gassen; für uns jedoch unverständlich, dass die zentrale Zone in Cusco nicht autofrei ist. Die Taxis rasen teilweise dermassen schnell und gefährlich durch die engen Gassen, dass es ein Wunder ist, dass nicht mehr passiert. Der Tourismus ist in Cusco so fortgeschritten wie nirgends sonst in Peru, jedoch offensichtlich sehr einseitig. Auf der Strecke bleiben meistens die Natur, die Einheimischen und Kontinuität. Die Tourismusentwicklung in Südamerika beschränkt sich generell nur auf möglichst schnelle und effiziente Bereicherung einiger Individuen, selten fliesst Geld in die nachhaltige Entwicklung gesunder Prozesse oder in die Unterstützung minderbemittelter Menschen und Agrikultur. Das bedeutet unweigerlich, dass die Tourismusbranche sehr inflexibel ist bezüglich Kompromisshandel; man schröpft den Touristen nur einmal dafür jedoch so heftig wie möglich. Zurück bleibt für uns jedoch der bitter Nachgeschmack der Abzockerei (für Machu Picchu verstärkt sich das Problem noch) gepaart mit wunderschönen Momenten der einzigartigen Landschaft aus Geschichte und Kultur.

Genug gemotzt, wie schon eben angetönt, genossen wir die kulturellen Angebote der Stadt und ihrer Umgebung. Dazu gehörte unter anderem eine Manifestation der Unabhängigkeit Peru's mit militärischer Zeremonie und lautstarkter Proklamation der Freiheit unter der Flagge Peru. Auf dem Plaza de Armas stand alles was Rang und Namen hatte in der Region, zusammen mit einigen Kompanien aus Polizeischule und Militär.
   
Was man in Cusco reichlich finden kann, sind Pizzerias. Es gibt zwei Gründe, dies hier zu erwähnen. Der erste ist wohl, dass wir auf der Reise bis nach Cusco das erste Mal wieder auf italienisches Essen trafen und der zweite Grund ist, dass wir zudem eine ausgezeichnete Trattoria fanden: die Nonna Trattoria, geführt von G. Orieta Valdivia de Sota in San Augustin 298, die das Restaurant nach Tradition ihrer italienischen Grossmutter weiterführt. Fast jedes Mahl auf der reichhaltigen Menükarte wird im Holzofen mit Eukalyptusholz zubereitet. Roberto hat hier eine der besten Lasagne in seinem Leben gegessen (geschlagen nur noch von der Lasagne seiner Freundin Sebnem, seiner Mutter, derjenigen von Moni und einer ganz speziellen Lasagne, welche man in einem kleinen Lokal in Cefalu in Sizilien bekommt ;)).

So nun geht es Richtung Machu Picchu, welches Roberto schon länger ein Dorn im Auge ist. Aber wir freuen uns trotzdem unglaublich auf diese Erfahrung. Alles Weitere liest ihr am besten im

Samstag, 27. Oktober 2007

Peru: Nazca Linien, Pampa Galeras und die Sierra

Bewaffnet mit einer 1:2'200'000 Strassenkarte von Peru (das beste, was wir kriegen konnten in Lima) machten wir uns also frühmorgens los vom Nationalpark Paracas (Pisco) Richtung Nazca (220km) auf dem Panamericana Highway, welcher sich von Nazca über 1000km weiter südlich durch eine bizarre Wüstenlandschaft nach Chile erstreckt. In Nazca angekommen, wollten wir natürlich die berühmten Nazca Linien betrachten, welche auch ausgiebig von Maria Reiche studiert wurden. Wir haben uns entschieden keinen 30 Minuten Flug über diese Landschaft zu buchen (Kostenpunkt, je nach Tourist und Saison $30 – 70 USD pro Person). Also haben wir beim stählernen Aussichtsturm an der Panamericana (Km 421) Halt gemacht, um uns die Figuren anzugucken. Zugegeben, es hat uns nicht gerade den Atem geraubt. Wir hätten uns die Figuren um einiges grösser erwartet. Man kann vom Aussichtsturm aus zwei Figuren erkennen. Weiter vorne kann man dann noch so einen kleinen Hügel besteigen, von welchem aus man sprichwörtlich Linien quer durch die Landschaft gezogen sieht. Alles in allem finden wir diese Sehenswürdigkeit nicht notwendigerweise „a must“. Wir können uns vorstellen, dass es mit dem Flieger um einiges imposanter sein muss. Das Problem mit dem Flieger ist jedoch, dass man erstens einen guten Tag erwischen muss ohne Dunst und zweitens muss man im Flieger durch die Scheiben fotografieren.

Wir sind dann in die Stadt Nazca gefahren, um etwas zu essen und eventuell eine Unterkunft zu finden. Gegessen haben wir in der Gosse, aber da uns die Stadt nicht sonderbar gut gefallen hatte, entschieden wir uns weiter Richtung Puquio (155km entfernt) durch die Pampas Galeras die Sierra hoch zu fahren. Auf dem Weg dorthin wollten wir uns noch eine der grössten Sanddünen der Welt, Cerro Blanco, angucken. Die Idee war vom Prinzip her gut, die Ausführung, sprich, mit dem Auto da hin zu fahren, selten dämlich. Roberto dachte, dass der Fiat auf magische Weise vielleicht seine bis anhin unbekannte 4WD Fähigkeit entfalten könnte und uns sicher zum Fuss der Sanddüne bringen könnte. Weit gefehlt: das einzige, was wir stolz entfalteten, waren Sandwolken die von allen vier Rädern unseres Automobils hervorsprühten und das arme Ding vollends in Feinstaub (Staub daher, da der Sand auf der Sandstrasse so fein war, dass man in der Schweiz vermutlich schon Feinstaubalarm geschlagen hätte) einwickelten. Zudem sind wir dann noch kurz stecken geblieben, da sich die Räder tief in den Sand gegraben hatten und den weiteren Dienst verweigerten. Das Resultat sieht dann in etwa so aus:
                                      
Die Pampa Galeras beinhaltet die Vicuña Reservation, in welcher man offensichtlich Vicuñas antreffen kann. Gemäss dem „The rough Guide to Peru“ Buch sind diese jedoch schwierig zu finden, da sie sehr scheue Tiere sind. Wir hatten jedoch Glück, sehr viel Glück, wenn man dem Buch Glauben schenken will, denn wir haben auf dem Weg nach Puquio Dutzende von Vicuñas gesehen. Diese Llama-ähnlichen Tiere leben hier schon seit Jahrhunderten, und die Sierra ist ihr natürliches Habitat.

Puquio ist ein auf rund 3000 Metern über Meer liegendes kleines Dörfchen, in welches sich nur äusserst selten Touristen verirren. Dementsprechend sind wir natürlich sofort aufgefallen. Wir haben uns entschieden dort zu übernachten und haben dann auch bald eines der wenigen Hostals gefunden. Wie schon vorher erwähnt, sind sich die Leute hier oben in der Sierra keine Touristen gewöhnt, daher sind wir auf eher prüde Art behandelt worden. Nichtsdestotrotz haben wir eine weitere Nacht in einem stinkenden Bett mit kalter Dusche und was sonst so zum Backpackerleben gehörende Ambiente verbracht. Vor dem Einschlafen guckten wir uns noch den Hostel 2 Film an; da Sebnem nach solchen Filmen meistens nicht so gut schlafen kann, haben wir uns dann noch den „The Simpsons“ Film nachgeschoben. So nebenbei, das schönste an diesem Ort Puquio war, wie so oft, der „Plaza de Armas“ Platz.

Am folgenden Tag kauften wir uns bei der „Ferreteria“ einen 5 Gallonen Plastikkanister und beim Trödelladen gegenüber einen übergrossen Trichter. Der Grundgedanke dahinter war, dass wir vermutlich auf der uns bevorstehenden Reise tiefer in die Berggegend hinein keine Tankstelle mehr finden würden und auch nicht genau wussten, wie viele Kilometer wir schlussendlich fahren würden, bevor wir die Schleife über die Sierra zum Meer und zurück zu Nazca schliessen konnten. Also sind wir schnell zur Tankstelle zurückgefahren und haben uns mit reichlich Benzin (Gasolina 90) eingedeckt. Im gleichen Zug haben wir versucht unser Auto ein wenig zu reinigen, damit man auch wieder durch die Fensterscheiben gucken konnte.

Die Fahrt durch das Hochgebirge bis hin zur Laguna Parinacochas führte durch eine unglaublich schöne und abwechslungsreiche Landschaft. Gesäumt von Pflanzen in allen Formen und Farben, getränkt in gelblichen, rötlichen, bräunlichen, grünlichen Steinformationen durch Täler und Höhen, kleinen Gebirgsbächen, einigen fast verlassenen Weiler, deren Häuser aus Lehm (Adobe) gefertigt sind, Äcker und Weiden mit Schafen, Ziegen, Pferden, Kühen und Eseln.

Hier bei den Hochlandleuten (Bauern, welche direkte Verwandte der Inkas sind) ist man immer willkommen. Es sind überaus hart arbeitende, freundliche, wissensbegierige und lustige Leute. Wir waren am Sonntag unterwegs und wie es so Brauch ist in Südamerika, wird am Sonntag (oder meist auch an jedem anderen Tag) Fussball gespielt. Dabei kommt es nicht draufan, ob man über 3000 Meter über Meer ist und nicht einmal Grass wächst. Das einzige was man braucht ist ein Ball und einen Haufen enthusiastischer Leute und schon gibt’s ein halbes Volksfest. Was erstaunt, ist die Tatsache, dass die Leute eine herbe Kondition an den Tag legen, denn wenn wir nur schon 100 Meter den Berg hinauflaufen, atmen wir wie kurz vor dem Erstickungstod; die spielen Fussball auf dieser Höhe!

Etwa 60 Kilometer nach Coracora eröffnet sich eine Sicht auf den See Parinacochas, welcher nach den vielen Flamingos, die dort leben, benannt ist. Die Strasse führt nicht direkt an den See. Man trifft weiter oben auf eine Verzweigung, bei welcher man links (praktisch gerade aus, gesehen aus Coracora) Richtung Incuyo fährt und rechts Richtung Pullo, bei welcher man am besten links fährt, um ein paar Kilometer weiter unten auf einen kleinen Weiler (der Name dieses Ortes fängt mit Ul… an) direkt am See zu gelangen. Dort angekommen trafen wir auf einen netten alten Einheimischen bei der Arbeit, bei welchem wir uns bezüglich des Weges Richtung See erkundigten. Er war sehr freundlich und erlaubte uns über sein Land bis hin zum See Parinacochas zu laufen. Er bot uns zusätzlich an, auf seinem Land zu campen. Für Flamingo-Begeisterte ist dies ein Paradies auf Erden. Hunderte von Flamingos, wohin man auch schaut. Leider sind die Tiere sehr scheu, weshalb wir sie nur von weitem beobachten und mit unserer limitierten Kamera auch keine guten Bilder schiessen konnten. Macht Euch selbst ein Bild von der Schönheit dieses Sees und der umgebenden Landschaft:
Weiter ging es nach Pullo, einem kleinen Dorf, bei welchem wir unerwartet übernachteten. Die Unterkunft war ein Loch mit drei Betten und die schlimmste Bleibe, in welcher Sebnem in ihrem Leben je übernachtet hatte. Sie kroch sofort in ihren Schlafsack und kam bis am nächsten Morgen nicht mehr hervor J. Es gab ein provisorisches Bad und keine Dusche, dafür war es billig ($5 USD für beide zusammen). Die Leute waren ausserordentlich nett dort und Roberto unterhielt sich noch eine Weile mit den Dorfleuten. Es war sehr lustig, vor allem weil sie ihm die ganze Zeit eine Frau andrehen wollten (una paysana). Sebnem war ihnen für ihre Verhältnisse viel zu dünn. Als unsere Gastgeberin Sebnem das erste Mal sah, fragte sie ganz erschreckt, ob sie denn krank sei J. Roberto hat ihr dann erklärt, dass wir nur einmal pro Woche essen.

Am nächsten Tag standen wir um 5.15 Uhr auf, um möglichst früh auf der Piste zu sein. Nach einem warmen Kaffe mit Brot und Ziegenkäse machten wir uns auf den Weg Richtung Chala, welches sich am Meer befindet. Leider hatten wir an diesem Tag etwas Pech. Nur fünf Minuten nach der Abfahrt kam uns auf der schmalen Bergstrasse ein kleiner Bus mit hohem Tempo entgegen und Roberto konnte nur noch Richtung Felsen ausweichen, welcher sich schmiegsam in der seitlichen Autotür verewigte. Auf der anderen Seite wäre es ein paar Hundert Meter den Berg hinunter gegangen. Wir waren sonst eigentlich immer alleine unterwegs, begleitet von Sonnenschein und einer wunderschönen Landschaft. Manchmal traf man Einheimische bei der Arbeit; Freuen, die Kleider im Bach wuschen oder auf dem Feld arbeiteten, Männer, die die härtere Ackerarbeit verrichteten. Aber morgens um 6.00 Uhr trafen wir auf diesen blöden Bus. Nun, ausser ein paar Kratzer im Blech war ja nichts geschehen. Das Glück blieb uns diesen Tag aber etwas ferner als sonst. Irgendwie hatten wir es geschafft, irgendwo falsch abzuzweigen und landeten so auf einer Strasse, die zwar auch nach Chala führte, aber viel länger war und vor allem viel steiniger. Das Auto litt stark und der Auspuff wurde ziemlich zerwurstelt. Wir hoffen auf Kulanz und unsere zusätzliche Versicherung die wir vertraglich abgeschlossen haben.

Nach einer langen und eher mühsamen Fahrt sind wir dann dennoch in Chala angelangt und wurden sogleich wieder enttäuscht. Die Stadt ist potthässlich und dient eigentlich nur der Bleibe der Mineros (Leute, die in den verschiedenen Minen hier arbeiten und Gold, Silber, Zink und Kupfer befördern). Wir haben uns entschieden weiter nach Puerto Inca zu fahren. Dieser Ort wurde schlichtwegs für den Tourismus errichtet. Es gibt ein überteuertes Hotel direkt am sehr schönen Strand und hinter dem Hotel den Berg hinauf liegen die Überbleibsel und Ruinen eines Inkadorfes. Das perfide am Ganzen ist, dass man an diesem archeologischen Ort überall hintrampeln kann, oder so zumindest suggerieren es die unzähligen Fussabdrücke, welche sich überall wieder finden. Da wir kein Geld mehr hatten (wir hatten nicht damit gerechnet, dass es keine ATMs gibt oder diejenigen, die es gibt, kein Geld hatten) entschieden wir uns, weiter nach Nazca zu fahren. Dort angekommen, kurz Geld abgehoben, fuhren wir weiter zurück zur Oase Huacachina. Der Grund dafür war, dass wir wussten, dass man da billig und gut übernachten kann, wir nochmals Sandboarden und mit den Tieren spielen können. So sind wir dann so gegen fünf Uhr abends bei der Oase angekommen und haben prompt das gleiche Zimmer bekommen. Hier noch die Bildergalerie dieser unvergesslichen Fahrt:


Donnerstag, 25. Oktober 2007

Peru: Paracas Nationalpark & Huacachina (Ica)

Während unseres Aufenthaltes in Lima haben wir uns entschlossen ein Auto für eine Woche zu mieten, um in den Süden des Landes zu fahren. So haben wir die Preise bei Hertz und Budget Car verglichen und haben uns schlussendlich für einen Fiat (billigste Variante) bei Budget Car entschieden. Endlich wieder ein Roadtrip!!! Die Automiete hier in Peru ist etwas speziell hinsichtlich der Anzahl Kilometer, welche man franko kriegt und hinsichtlich des Abgabeortes, wenn dieser nicht gleich dem Ursprungsort ist. Unlimited milage gibt es nur gegen einen heftigen Aufpreis pro Tag, sonst gilt die 200km/Tag Limite. Den Grund dafür konnte mir keiner nennen, der Repräsentant von Budget jedoch erzählte uns, dass es früher nicht so war; einmal hätten sie ein Auto einem Peruaner für einen Monat ausgeliehen und der hatte sich entschieden eine Südamerika Rundreise über fast alle Länder zu machen. Als das Auto und der nette Mann zurückkehrten, war das Auto zumindest nicht mehr erkennbar als Fahrzeug. Eventuell ein Hinweis dafür, dass die Anzahl Kilometer beschränkt wurden. Bezüglich des Abgabeortes gilt folgendes: Wenn der Ursprungsort nicht gleich dem Ababeort ist, kann einem dies mit mindestens $300 USD zu buche schlagen; mehr als unsere Miete für eine Woche kostete.

So fuhren wir am 25. Oktober 2007 am frühen Nachmittag mit dem gemieteten Auto los Richtung Pisco. Bereits nach ca. 15. Min. hatten wir unsere erste Panne mit dem Auto und ein Techniker der Budget Car Agency musste die kaputte Autobatterie auswechseln. Die Fahrt nach Pisco dauerte ca. drei Stunden. Wir waren uns nicht mehr ganz so bewusst, wie schwerwiegend das Erdbeben vor zwei Monaten rund um dieses Gebiet war. Als wir in Pisco ankamen sahen wir erst, was das Erdbeben für viele Einheimische auslöste. Die Stadt ist fast im Erdboden gleich gemacht und die Leute leben vorübergehend in „gesponsorten“ Zelten. So änderte sich auch unsere Planung bezüglich Übernachtung in Pisco. Wir fuhren weiter bis nach Paracas (kurz vor dem Nationalpark) und machten hier Halt für eine Nacht. Auch in Paracas zeigten sich Spuren des Erdbebens, jedoch glücklicherweise nicht auf die gleiche tragische Art wie in Pisco.

Am nächsten Morgen stand der Nationalpark Paracas auf unserem Plan. Ich habe mich riesig auf den Nationalpark und die sich im Nationalpark befindenden Tiere und Strände gefreut. Am Eingang zum Park wurde uns jedoch mitgeteilt, dass der Nationalpark mehrheitlich wegen des Erdbebens gesperrt sei und man nur diverse Strassen entlang fahren durfte (dafür war der Eintritt gratis). Nächsten Monat (ab Mitte November 2007) soll der Park wieder offen für alle sein. Natürlich war ich anfangs enttäuscht darüber, aber schlussendlich befindet sich der Park im Wiederaufbau und man kann solche Sachen nicht im Voraus erahnen. Natürlich haben wir die Gelegenheit genutzt und sind ein bisschen im Nationalpark von Paracas herumgefahren und waren sehr von der Landschaft begeistert.

Auch gäbe es hier die Möglichkeit eine Bootsfahrt um die Ballestas Inseln zu machen, wo man Seelöwen, Pinguine, etc. beobachten kann. Wir haben uns jedoch dagegen entschieden, weil wir ja kurz vorher auf den Galapagos Inseln waren und das ganze viel intensiver erleben durften.

So machten wir uns nach dem Museumsbesuch vom Paracas Nationalpark auf den Weg weiter in den Süden und zwar zur Oase Huacachina bei Ica. Auf der Fahrt wurden wir mit weiteren Resultaten des Erdbebens konfrontiert: Zerstörte Häuser & kaputte Strassen. Das waren nicht gerade Bilder, die man hätte sehen wollen …

In Huacachina angekommen haben wir auch gleich ein nettes Hostel namens „Rocha“ (Familienbetrieb) gefunden. Im Hinterhof befinden sich zusätzlich ein Swimmingpool und ein kleines Paradies mit einem Äffchen, 6 Papageien und 2 Kätzchen. Da wir Tiere sehr gerne haben, war das natürlich eine grosse Freude und wir haben sicherlich ein paar Stunden spielend mit den Tieren verbracht. Der Affe ist einfach der Hit und sehr sehr sehr hinterlistig. Man fragt sich eventuell wieso man einen Affen in einem Hinterhof hält … der Grund dafür ist gemäss Aussagen eines italienisch-abstämmigen Peruaner, welcher das vermeindlich beste Italo-Restaurant führt, folgender: Es ist leider Tatsache, dass Affen und Papageien en masse gefangen werden und für was für Zwecke auch immer äusserst billig an Käufer abgetreten werden. Die Tiere werden unter schlimmsten Bedingungen gehalten und sterben meistens in den ersten Wochen der Gefangenschaft. Die besagte Familie hat sich also entschieden, ein Paar Papageien (werden als Babies in Schuhschachteln eingequetscht am Markt angeboten) und einen Affen zu kaufen und diese im Garten unter weit besseren Bedingungen zu halten. Leider müssen sie den Affen anbinden und die Papageien über die Nacht in Käfigen im Haus halten, da es scheinbar Leute gibt, die diese Tiere klauen. Traurig aber so ist die Welt hier in Südamerika; die Armut führt augenscheinlich zur Kleptomanie.

Huacachina wurde glücklicherweise „fast“ vom Erdbeben verschont. Hie und Da sieht man ein paar Arbeiter die kleinere Schäden des Erdbebens beheben. Huacachina hat uns jedoch vom ersten Moment an sehr gut gefallen. Inmitten des Dörfchens liegt eine Lagune, welche von Palmen und Sanddünen umgeben ist; sozusagen eine kleine, wunderschöne Oase, die einem sofort in ihren Bann zieht.  

Nach einer kleinen Tour durch das Dörfchen haben wir zwei Sandboards vom Hostel ausgeliehen und haben uns auf die benachbarte Sanddüne begeben. Auf dem Sand den Hang hinauf zu laufen ist nicht gerade einfach und es hat eine Weile gedauert bis wir oben angelangt sind und den Ausblick geniessen konnten. Aber nun ging es ran an die Sache: Sandboarding!!! Ich hatte total Panik den Hang mit dem Board hinunter zu gleiten, doch die Angst löste sich, als ich die ersten Meter hinter mir hatte (es dauerte eine Weile, bis ich mich dazu überwunden habe). Das war einfach geil! Das Gefühl auf dem Board zu stehen und die Düne hinunter zu fahren war für mich eine fesselnde Erfahrung. Ab dem Moment wollte ich natürlich mehr … Für Roberto hingegen war die Fahrt viel zu langsam und wir haben für ihn für die weiteren „Abgänge“ auf den Sanddünen einen Snowboard gemietet, damit er ein bisschen schneller unterwegs sein konnte. Snowboards werden an diversen Ständen direkt neben der Lagune für Abenteuersuchende vermietet; Sandboards hingegen bekommt man gratis vom Hotel (in unserem Fall) zur Verfügung gestellt.
Um die Gegend noch besser zu erkunden haben wir uns entschieden, am späteren Nachmittag eine Buggy-Tour durch die Dünen zu machen, bei welcher auch Sandboarding-Tours integriert waren. Solche Touren kann man überall im Dörfchen buchen; wir haben ein spezielles Angebot von unserem Hostel in welchem wir übernachteten erhalten und somit eine Tour mit Kike (Fahrer des Buggy’s) und fünf weiteren Touristen gebucht. Die Buggy-Tour war einfach herrlich und ist absolut für jedermann empfehlenswert. Die Strecke führt über unendlich weite Sanddünen und beinhaltet ca. 6-7 „Sandboarding-Fahrten“. Diese waren für uns natürlich das Highlight der ganzen Tour.
 
Zurück im Hostel angelangt konnten wir uns sodann endlich von unseren Kleidern befreien; man ist nach so einer Tour überall mit Sand bis unter die Unterhosen eingedeckt. Sogar nach dem Duschen hat man teilweise noch das Gefühl, Sand am Körper zu spüren. Aber die ganze Sache hat sich definitiv gelohnt (Kostenpunkt: $12-15 USD pro Person für rund 2 Stunden).

Hier noch mehr Fotos von unserem Trip nach Paracas & Huacachina: