Freitag, 7. Dezember 2007

Argentinien: Mendoza

Unser lang ersehnter erster Tag in Argentinien verlief leider nicht ganz optimal für uns. Im Busterminal von Mendoza angekommen, machten wir uns auf die Suche nach einem Taxi. Direkt vor dem Busterminal befindet sich nämlich eine Taxihaltestation, in welcher sich im Minutentakt neue Taxis einfinden. So standen wir verloren mit all unserem Gepäck in der Warteschlange für ein Taxi, doch kein einziger Chauffeur wollte uns und unser ganzes Gepäck transportieren. In ganz Südamerika hatten wir bisher k(l)eine Probleme mit unserem Gepäck (2 Backpacks, 2 kleinere Rucksäcke und Roberto's Surfbrett); und das war das Letzte, an was wir überhaupt hätten denken können. Argentinien, das Land mit vielen Surfern, da sollten doch die Taxichauffeure ein bisschen mehr Kulanz zeigen. Der eine Angestellte, der die Türen für die Gäste in die entsprechenden Taxis höflich öffnete, machte auch überhaupt keine Anstalten uns in irgendeiner Weise helfen zu wollen. So habe ich sogar noch mitbekommen, wie er einem Taxichauffeur zugesprochen hat, ob er uns wirklich mitnehmen wolle, wir hätten doch zu viel Gepäck dabei …

Wir wurden darauf hingewiesen dass wir doch einen Combi-Fahrer weiter vorne an der Strasse fragen sollen, ob er uns ins Hostel fahren würde. So trottelte Roberto dort hin und arrangierte einen Transport für uns und unser GepäckJ. Selbstverständlich wurden wir was den Fahrtpreis anbetrifft über den Tisch gehauen. Aber wir waren schlussendlich auf den Combi angewiesen. Hätten wir gewusst, dass das von uns im Voraus ausgesuchte Hostel in der Nähe des Busterminals liegt, wären wir von Anfang an zu Fuss gegangen und hätten uns die Unannehmlichkeiten und Schikanen ersparen können.

Ein toller erster Eindruck von Argentinien kann man wohl behauptenJ.

Da wir uns nicht im Voraus gross über Übernachtungsmöglichkeiten in Mendoza gekümmert hatten, sind wir einer Empfehlung des Lonley Planets gefolgt und sind spontan im Hostel Lao, Calle Rioja, vorbei mit dem Combi, um die aktuelle Preislage und Verfügbarkeit eines Zimmers anzufragen. Die Señorita, die in diesem Hostel arbeitet war bzw. ist sehr hilfsbereit und höflich. Leider gab es keine freien Doppelzimmer mehr; sie bot uns im Gegensatz je eine Schlafmöglichkeit in einem Dormitorio (6-Betten-Zimmer) für je $ 10.00 USD an. Da wir von der Reise ziemlich erschöpft waren und keine Lust hatten andere Hostels anzufragen, haben wir dem Angebot zugesagt. Wir mussten somit das erste Mal in einem 6-Betten-Zimmer übernachten, bzw. getrennt schlafen.

Nach dem unkomplizierten Einchecken gingen wir zu Fuss auf eine kurze Stadtbesichtung. Und das war zugleich unsere einzige Wanderung durch die Stadt Mendoza in den 2 ½ Tagen, welche wir dort verbracht haben. Wir wollten einfach ein bisschen relaxen und das Hostel hat dem sehr viel beigetragen. Das Hostel Lao wurde übrigens im Februar 2007 zu einem der besten Hostels von http://www.hostelworld.com/ gekürt. Es ist sehr sauber, bietet Internetzugang sowie Wifi-Verbindung, sehr nette Mitarbeiter, gratis Malbec Wein an bestimmten Wochentagen, ein nettes Gärtchen mit Hängematten, ein superkleines Swimmingpool im Garten, einen TV-Room und das bisher wahrscheinlich beste Frühstück (es wird von Brot, Süssgebäck bis hin zu Früchten alles aufgetischt und man kann sich frei bedienen).

Die erste Nacht im Dormitorio war ein bisschen gewöhnungsbedürftig. Man muss sich nämlich an die Geräusche anderer gewöhnen, wie zum Beispiel dem Schnarchen seines Nachbarns. Natürlich hatten wir das Glück einen Marathon-Schnarcher im Zimmer zu haben, dem ich am liebsten das Kissen ins Gesicht gedrückt hätte. Er hat mich auf jeden Fall die Nacht hinüber wach gehalten. Im Zimmer befanden sich ausser uns noch ein Pärchen aus England, Pia aus Chile und eben dem komischen Schnarcher aus den USA (welcher an jenem Tag an der Weintour teilgenommen hatte und es nicht mehr geschafft hatte, den Hahn abzudrehen). Pia ist wegen eines Konzertes nach Mendoza aus Santiago de Chile gekommen und gemäss Ihren Aussagen auch wegen den Buchhandelgeschäften in Argentinien. Sie ist aber am nächsten Tag leider schon in ein anderes Hotel verschwunden und ist extra nochmals ins Hostel zurückkehrt, um sich von uns zu verabschieden. Das war echt super nett von ihr.

Unseren 2. Tag und 3. Tag verbrachten wir mehr oder weniger im Hostel selbst und haben die Sonne im Gärtchen (Roberto den Swimmingpool) mit all den anderen Gästen genossen. Es waren unter anderem einige Backpacker-Partyleute aus Manchester und Neuseeland (sie waren gerade aus Brasilien gekommen und die Stories von den Parties, die sie erzählten, glichen in etwa den Szenen im Film Turistas) im Hostel, die sich ebenfalls an der Sonne bräunten und ein Bier nach dem anderen hinunterbecherten.

Ein komischer Kauz stoss dann am zweiten Tag auch noch zu uns ins Hostel. Sein Name ist mir dummerweise entfallen, aber seine Geschichte nicht: Der Typ, ein Engländer, ist mit seinem Yamaha Motorrad von Alaska bis nach Argentinien gefahren und plant noch bis nach Ushuaia, dem südlichsten Punkt der Panamericana und des amerikanischen Kontinents zu fahren. Er hat länger mit Roberto gesprochen, da er eine Route in Afrika suchte. Er will nämlich danach zurück nach Buenos Aires fahren, mit einem Frachtschiff nach Cape Town tuckern und dann quer durch Afrika zurück nach England fahren. Er hat sich zwei Jahre Zeit genommen, etwas mehr als ein Jahr quer durch Amerika und dann den Rest noch durch Afrika. Da Roberto schon sehr viel in Afrika gereist ist, besprachen sie eine Route durch Namibia, Botswana, Zambia, Tanzania, Kongo, Camerun, Nigeria, Togo, Ghana, Mali, Senegal, Mauretanien und dann hoch bis nach Marokko. Er hat jedoch ein Problem, seine Maschine verliert sehr viel Öl und obwohl er sie schon zwei Mal komplett zerlegt hat, findet er den Defekt nicht. Leider gibt es in Südamerika nicht so viele Yamaha Vertretungen aber in Santiago de Chile gibt's eine. Dummerweise hat er ein weiteres Problem. Er ist einfach von Chile nach Argentinien gebraust, ohne einen Austrittsstempel für Chile zu holen und somit kann er nicht mehr ohne heftige Busse nach Chile reisen. Roberto und er nahmen dann noch die Chile-Argentinien Karte hervor und versuchten einen Weg über die Anden zu finden, wo es möglichst keinen oder einen kleinen Grenzübergang hat.

Mittagessen kann man sehr günstig in Mendoza. Für ca. CHF 3.50 bekommt man bereits ein Menü mit Dessert inkl. Getränk und wir haben sogar ein super Restaurant entdeckt, welches genau unserem Gusto entsprach. Es befindet sich direkt an der Hauptstrasse vom Hostel aus ins Busterminal an der linken Seite an einer Strassenecke. Am Fenster des Restaurants ist zusätzlich in grossen Buchstaben "Delivery" angeschrieben. Also unbedingt Mal auschecken, wenn Ihr mal in der Nähe sein solltetJ.

Wie schon in Chile, mussten wir in Argentinien einen neuen Adapter kaufen. Chile und Argentinien haben eigene Steckersysteme für den Strom und nicht wie der Rest Zentral- und Südamerikas das amerikanische Zweistecker-Plattsystem. Natürlich fanden wir das erst heraus, als wir gegen Abend den Laptop in Betrieb nehmen wollten. Roberto lief rund ein Dutzend Blocks, um dann in einem Viertel eine Ferreteria ("Eisenwarenhändler") zu finden, welche a) noch geöffnet hatte und b) Steckerkonverter anbot. Die Leute in diesem Laden waren die ersten Argentinier, welche freundlich und offenherzig im Sinne vom restlichen Südamerika waren. Wir waren nämlich seit unserer Ankunft in Argentinien etwas überrascht von der Reserviertheit und dem kühl-kalkulierten Europa-ismus. Aber im Zuge unseres weiteren Argentinienaufenthaltes stossen wir vermehrt auf unglaublich lustige und angenehme argentinische Zeitgenossen. Roberto kam fast nicht mehr aus dem Geschäft heraus, denn die Inhaberin wollte ihm unbedingt ein Haus im Norden Argentiniens als Ferienwohnung anbieten und erzählte von der Schönheit ihres Landes. Stolz sind fast alle Argentinier auf die Schönheit ihres grossen Landes, inklusive der Strände, aus welche wir in einem separaten Artikel zurückkehren werden. Nach langem Erzählen und Familiengeschichte konnte Roberto die Stecker erwerben. Ungeschickterweise hatten die Leute keinen Adapter mehr vom argentinischen System aufs europäische System und so musste er drei verschiedene Adapter kaufen, welche wir dann wie Lego Bausteine zusammensetzten, um Zugang zum benötigten Strom zu gewährleisten. Da es mittlerweile dunkel geworden war, fand Roberto den Rückweg nicht mehr so direkt und irrte noch ein Weilchen in Mendoza herum, bis er dann wieder auf eine Strasse traf, die er dem Namen nach kannte. Ich war erleichtert, als Roberto heil und mit den Steckern wieder im Hostel Lao eintraf.

Wie gesagt, blieben wir drei Tage in Mendoza und vielleicht zur Entrüstung einiger Weinliebhaber unserer Leser haben wir keine der vielen Weintouren durch das Paradies des Malbec und des Chardonnay gemacht. Wir sind keine grossen Weintrinker und die teuren Touren wurden alle per Fahrrad durchgeführt, was oftmals etwas heikel enden könnte. Nach diesen drei Tagen hatten wir mehr als genug von Mendoza, einer Stadt, welche wir nicht zu unseren Favoriten zählen würden; sehr zur Enttäuschung vieler Argentinier und Europäer, welche Mendoza als das Nonplusultra sehen. Eigentlich wollten wir noch nach Salta im Norden und Cordoba fahren, aber Roberto hatte zu sehr Fernweh nach dem Meer und dem Surfen. Also kauften wir kurzerhand ein Busticket nach Buenos Aires mit der Flecha Busgesellschaft.

Die Fahrt würde 14 Stunden dauern und hey, der Lonely Planet und alle Südamerika Reisenden schwärmten ja so von den Busfahrten in Argentinien, welche in höchster Qualität und zur höchsten Zufriedenheit des Kunden durchgeführt werden. Irgendwie bewahrheitete sich dieser Mythos nicht wirklich: Wir standen also rechtzeitig parat im Busterminal von Mendoza und warteten und warteten, geduldig wie wir es uns gewohnt sind, auf den Bus. Knapp eine Stunde später wendete unser Bus in das Terminal und wir luden unser Gepäck ein. Was noch verwirrend sein kann, wenn man sich in Buenos Aires nicht auskennt und das erste Mal da hin fährt: das Busterminal in Buenos Aires heisst Retiro und so nennen es die Buschauffeure auch. Wir fuhren los, luden unterwegs an zwei/drei Stellen Leute auf (so viel zum Thema direkt, welches wir schon in früheren Artikeln über Busfahrten in Südamerika erwähnten), und nach gut drei Stunden blieb der Bus mit einem irreparablen Schaden auf einer Autostrasse stehen. Die Chauffeure telefonierten anderen Buskompanien, welche nach Buenos Aires fuhren und baten um Hilfe. Die bestand darin, dass wir ohne grössere Komplikationen in vorbeifahrende Busse einsteigen und mitfahren konnten. Das Unschöne an der ganzen Sache war aber, dass der Bus, in welchen wir mitfuhren um ein Vielfaches unbequemer (wir hatten ja den Preis für Semi-Cama bezahlt) war und erst noch an unterschiedlichsten Orten auf dem Weg nach Buenos Aires hielt und die Fahrt sich dadurch um drei bis vier Stunden verlängerte. Wir kamen nach 17 Stunden um 11 Uhr morgens in Buenos Aires müde und erschöpft an. Mit uns gefahren waren auch noch ein Vater mit seinem am Down-Syndrom erkrankten Sohn aus Mendoza, welche eine Pferdefarm besitzen und extra für ein Pferderennen nach Buenos Aires fuhren. Für den Sohn war dies das erste Mal an einem Pferderennen.

Für die ungeduldigen unter Euch sind hier die Bilder:

Samstag, 1. Dezember 2007

Chile: Santiago

Nach einem sehr angenehmen Flug von Calama nach Santiago, wobei Sebnem und ich das erste Mal nicht zusammensitzen konnten, versuchten wir von Flughafen aus Richtung dem von Sebnem ausgesuchten Hostal Americano zu gelangen. Die Adresse dieses sehr empfehlenswerten Hotels lautet:

Hostal Americano, Compañia N°1906, Tel: 56-2 698 1025, http://www.hostalamericano.cl/
Centro Brasil, in der Nähe der Metrostation Santa Ana

Wieder einmal hatten wir die Chilenen in unserer Naivität unterschätzt, indem wir dachten die Taxis nehmen uns mit. Und wieder einmal waren die vielen Gepäckstücke und das Surfbrett das Thema des Tages. Wir erkundigten uns über andere Fortbewegungsmittel und stossen bald schon auf die Metro, welche sich nicht weit vom Flughafen befindet. Um diese zu erreichen muss man zuerst einen Bus stadteinwärts nehmen und dann bei einer der Metrostationen umsteigen.

Wir hatten auch eine Stadtkarte (es gibt so ein paar Dinge, welche wir mittlerweilen beim Eintreffen in ein neues Land oder eine neue Stadt schon im Voraus organisieren) und die Metrostationen waren im Prinzip auch darauf eingezeichnet. Das Problem mit den meisten Stadtkarten dieser Welt ist, dass sie wohl viele oder sogar alle Strassen eingezeichnet haben, aber äusserst selten findet man auf solchen Karten Hausnummerintervalle (zum Beispiel: Strasse x kreuzt Strasse y und in westlicher Richtung sind die Hausnummern 1600 – 1700 und in nördlicher Richtung 300-350 oder so). Lobende Ausnahmen sind zum Beispiel die Stadtkarten von Buenos Aires oder Lima. Der Vorteil ist offensichtlich: Wenn wir im Beispiel an die Compañia N°1906 wollen und entlang/parallel/in näherer Umgebung dieser Strasse fünf Metrostationen im Abstand zwischen 300 Meter bis einem Kilometer liegen, wir mit knapp 60kg Gepäck beladen sind und es draussen Mittag ist mit 30° Celsius sind, dürfte es einleuchten, dass man sich wünscht, zu wissen, welche Metrostation am nächsten zum Zielort liegt. Wie oben erwähnt, hatten wir diesen Luxus nicht, dafür sahen wir einen nicht unbeträchtlichen Teil der Stadt mit unserem Gepäck schleppend. Was auch eine hilfreiche Information ist, ist ein Massstab, damit man die Distanzen abschätzen kann. Natürlich kommt jetzt sicher so ein lesender Schlaumeier auf die gloriose Idee uns vorzuschlagen, man solle doch jemanden fragen, am besten noch die Taxifahrer. Meine Antwort schlichtweg: Good luck, gringo!

Santiago hat meiner Meinung nach ein ausgezeichnetes bargeldloses Ticketsystem. Eine unpersönliche Magnetkarte namens BIP! genügt als Zahlungsmittel für alle öffentlichen Verkehrsmittel. Die Karte kostet initial 1100 chilenische Pesos (USD 2.20$) und kann so weit ich weiss fast beliebig aufgeladen werden. Leider hatte ich meinen Kartenleser nicht dabei, ansonsten hätte ich sie selber aufgeladen (dürfte höchstens ein simples CRC Design sein, um das Ding zu knacken; falls jemand Lust hat, das System zu hacken, kann er sich bei mir melden und ich stelle ihm/ihr die Karte zur Verfügung) J. Steigt man in einen Bus oder in die Metro ein, hält man das Ding kurz so oft an den Leser, wie Personen fahren wollen. Damit kann man dann maximal 2 Stunden (Metrolinienwechsel sind beliebig viele erlaubt während dieser Zeit) im gleichen Gefährt fahren. Eine Fahrt kostet unisono 380 Pesos (80 Rappen), egal ob man eine Station fährt oder sich zum Auskurieren eines Suffs in die bequeme Metro legt. Ich wünschte es gäbe dieses System in der Schweiz, ohne den idiotischen Tarifdschungel; GA hatte ich, aber das ist nicht das gleiche Prinzip.

Ein weiteres sehr gutes soziales System, welches mir an dieser Stelle gerade einfällt und ich kontextlos beschreiben möchte, ist das semi-automatische anonyme Spenden von Rundungsfehlern beim Einkauf an eine gemeinnützige Institution. In vielen Ländern und Städten Südamerikas, wo es etwas bessere Einkaufscenter gibt, wird man am Ende des Einkaufs bei einem Betrag, welcher nicht auf die kleinste oder zweitkleinste Einheit der landestypischen Währung passt, gefragt, ob man die Rundung auf die nächst höhere Einheit einer Organisation spenden will. Bejaht man dies, werden zum Beispiel x cents zur Rechnung hinzuaddiert. Vielleicht etwas kompliziert erklärt, aber wenn ich eine Tomate einkaufen gehe, welche 0.17 was auch immer für eine Währung kostet, dann werde ich gefragt, ob ich 0.03 der Währung spenden möchte und kriege dann bei 1.00 der Währung 0.80 der Währung zurück.

Das mag als wenig erscheinen, aber wenn das genügend Leute machen, dann sieht man zum Beispiel Ende Jahr in einer chilenischen Zeitung, dass Ripley dieses Jahr USD 16'780$ an eine gemeinnützige Institution in Chile zur direkten und schnellen Hilfe im Erdbebengebiet gespendet hat (fiktives Beispiel). In der Schweiz fände ich so ein System auch vorteilhaft. So hätten wir in gewissen Sparten bessere Preispolitik und Strahm käme bei der Endrechnung des Warenkorbes etwas mehr ins Schwitzen J. Ich bin herb abgeschweift … zurück zur wunderschönen Stadt Santiago.

Angefangen hat unsere Reise zum Hotel mit dem Auffinden des Busses. Es gibt eigentlich nur einen grünen Bus, den man nehmen will Richtung Stadtzentrum und der befindet sich am Kopf der Taxi- und Bushaltestationen. Eine weitere Möglichkeit wäre für uns gewesen, den Service einer privaten Shuttle Gesellschaft zu buchen. Nachdem wir die Preise (ich meine es war so im Bereich von USD 20$ pro Person; aber ich verdränge solche Undinge mittlerweilen sehr schnell) gesehen hatten und einer sogar noch gemeint hat, dass man das Surfbrett nicht transportieren kann, haben wir uns freundlich von diesen etwas Höhenluft schnuppernden Leuten verabschiedet.

Dem Buschauffeur und seinem überaus freundlichen Helfer war es hingegen egal, was wir alles mitschleppten, solange nichts in seinem Bus zurück bleiben würde und wir nicht den ganzen Bus in Beschlag nehmen würden. Hilfsbereit öffnete er die hintere Türe, welche nur zum Aussteigen gedacht ist, und wir luden unser Gepäck auf die hintersten Sitze. Die Fahrt war adäquat billig. Wir kamen unterwegs noch ins Gespräch mit einem "Pärchen", wobei er aus Spanien war (Sevilla glaub ich) und sie aus Santiago. Er war zu Besuch eines Mathematiksymposiums in Santiago und war sehr erstaunt, dass ich ziemlich genau wusste, um was es beim Symposium ging; aber schliesslich unterrichtete ich während meiner zweiten Studienzeit lineare und abstrakte Algebra und kryptographische Systeme an der Fachhochschule Zürich.

Wir stiegen an der falschen Metrostation aus, eine weiter hätte uns einen langen Fussmarsch erspart. So liefen wir los Richtung unserer Zieldestination. Und wir liefen und liefen und liefen und machten Pausen und liefen und liefen (durch das Künstlerviertel: Gruss an dieser Stelle an den Martin, der Freund meiner Schwester und beides talentierte Vollblutmusiker; Martin war vor rund zwei Wochen in Chile, wo er zwei Konzerte gab, aber wir verpassten ihn, da wir noch im Altiplano von Bolivien rumlungerten) und kamen dann endlich bei der Compañia Strasse an. Zu unserem Pech waren wir etwa 14 Blocks zu weit vorne. Sebnem, die vorher noch ziemlich motiviert und tapfer vor mir stapfte fand das gar nicht lustig und ich war auch schon ganz ausser Atem und verschwitzt. Wir entschieden uns für den Rest der Strecke ein Taxi zu nehmen oder ein Auto zu klauen. Zum Glück für den Camaro an der Ecke kam gleich ein Taxi, welches uns sogar mit dem Surfbrett mitnahm; aber nur weil er nur noch 14 Blocks einer Strasse entlang fahren musste. Wir kamen dann nach einer kurzen Fahrt beim Hostel Americano an und es machte uns gleich einen sehr guten Eindruck. So relaxed, klein und mit super freundlichem Empfang. Wir fühlten uns sogleich sehr wohl. Das Doppelzimmer war geräumig mit sehr schönem Bad. Im hinteren Teil des Hotels befindet sich ein grosszügiger Garten mit Sitzplatz und einem grossen Grill, den ich dann noch persönlich unter Probe stellte. Wir hatten gratis und offiziell WiFi Zugang (für einmal mussten wir es uns nicht erkämpfen) sogar vom Zimmer aus und Zugang zur Küche, falls wir selber kochen wollten; was wir auch mehrmals taten im Verlauf unseres Aufenthalts. Das Frühstück war inbegriffen und wir bezahlten mit USD 32$ etwas mehr, als wir uns mit USD 30$ als Ziel gesetzt hatten, aber das war es uns schon wert.

Da wir schon in Calama ziemlich gefaulenzt hatten, waren wir wieder mit etwas mehr Tatendrang unterwegs. Wir machten uns noch auf eine kleine Erkundungstour und assen im nahegeliegenen Park "Brasil" (einem der unzähligen Parks dieser supergrünen Stadt). Schon auf unserer kleinen Tour um die Häuserblocks sahen wir viele ältere und historische Gebäude. Dummerweise ist keiner von uns eine Historiker noch irgendwie speziell mit Kulturgeschichte bewandert, darum können wir Euch hier nicht näher beschreiben, was für Epochen da genau in diesen Gebäuden zum Vorschein kommen, aber imposant sind sie ohnehin auch für uns Laien.

Die weiteren Tage verbrachten wir mit Wanderungen in der Stadt und etwas ausserhalb der Stadt zwecks aussichtslosen Autokaufs. Jaja, man liest richtig, wir wollten uns ein Auto kaufen und damit den Rest unserer Zeit in Südamerika bis Februar rumsausen. Viele Leute, welche ein Auto in Südamerika gekauft haben zu diesem Zweck, und auch Lonely Planet haben uns empfohlen, den Autokauf möglichst in Chile zu erledigen. Die Angebote sind wirklich verlockend und es gibt überaus viele Autohändler in Santiago, aber schlussendlich fanden wir dann doch nichts in unserer Preisklasse (bis 2000 CHF inkl. Zollpapiere, Zulassung und RUT Gebühr) und es wurde uns zu blöd. Was wir aber hier loswerden möchten, sind zwei Hinweise: Wir dachten, als Schweizer sollte man sicherlich zum Automotriz Suiza fahren und dort werden sie geholfen. Denkste, recht unfreundlich und mit einem bitteren Nachgeschmack hinterlassend wurden wir belehrt. Dafür war die Garage gleich nebenan super freundlich und der Autoverkäufer rief sogar extra die Behörden (in Chile herrscht existenzielle Bürokratie und auch wenn wir ziemlich gut Spanisch sprechen, reicht es für die Landsbürokratie nicht mehr aus) für uns an, um heraus zu finden, wie der Ablauf zur Erlangung einer RUT (eine RUT benötigt man in Chile, sobald man sich zum Beispiel ein Auto oder ein Stück Land kaufen möchte) für Touristen wäre.

Wie gesagt, haben wir uns den Rest der Zeit mit Spaziergängen verbracht. Es gibt so vieles zu sehen in dieser Stadt, alleine alle Parks zu besuchen würde ein paar Tage dauern. Die Stadt ist super grün (ähnlich wie Canberra in Australien), modern und sauber. Im Zentrum der Stadt findet man um die Parlamentsgebäude und den vielen Gerichtsgebäuden noch eine Unzahl an weiteren historischen Gebäuden. Am Sonntag war zudem ein Teil der grossen Strasse im Stadtzentrum auf einem guten Stück gesperrt für die Motion "gesunde Stadt, gesunde Luft". Aktivitäten wie Folklore tanzen, Klettern und die Pfadfinder waren präsent. Zudem kamen wir gerade in den Tagen des wichtigsten Fests der Stadt, dem "Teleton '07". Ein Besuch des Cerro Santa Lucia und des Cerro San Cristobal (Metropolitano) gehört ins Pflichtenheft beim Besuch Santiagos. Vorallem der Cerro Santa Lucia in der Stadtmitte ist einfach nur eine Schönheit mit den wasserfallartigen Springbrunnen und den massiven Bauten darum herum. Antike breite Treppen führen vom Eingang unten in den oberen Teil des Parks auf dem Hügel, vorbei am Wasserfall auf den Aussichtspunkt. Überall liegen grosse Steine oder teile des unterliegenden Felsens wurden freigeschaufelt; schattenspendende Bäume dürfen natürlich nicht fehlen.

Der Cerro San Cristobal Park ist eigentlich ein Konglomerat aus Parkanlagen mit verschiedenen Themata und einem Wald und ist wohl einige Quadratkilometer gross. Auf dem Hügel befinden sich zwei prestigeträchtige alte Bäder. Der Zugang erfolgt über die Hochseilbahn oder mit Taxis zum fixen Preis oder zu Fuss. Wir entschieden uns, die weiter entfernte (6km vom Fuss des Hügels) Badeanstalt zu besuchen und stiegen zusammen mit zwei Lokalen in ein Taxi. Eigentlich wollten wir die Schwebebahn nehmen, aber die war gerade an diesem Tag nicht geöffnet, da sie einen Geburtstag feierten. Als wir oben ankamen war ich schon von der äusseren Architektur des Schwimmbades positiv überrascht. Alles ist aus schönen schwarzen Natursteinen (dummerweise bin ich auch kein Geologe, sonst würde ich schon hinschreiben, was für Steine das sind) gemauert, die Wiese in einem top Zustand, überall Wassersprinkler und im Allgemeinen machte die Anstalt den Anschein einer sehr prunkvollen Privatanlage. Gemäss den Eintrittspreisen und der Tatsache, dass sich vielleicht 7 Leute im Bad befanden, dürfte dies auch der Fall sein. Ein Eintritt pro Person kostet nämlich USD 12$. Das Bad befindet sich wirklich zu oberst auf dem Berg und man hat eine wunderschöne Aussicht auf Santiago. Das Badegelände ist relativ klein, viel mehr als 100 Personen dürften da keinen Platz finden. Es befindet sich ein einziges Becken in der Badeanstalt, welches jedoch sehr zum Baden einlädt. Baden wollte ich auch, aber wir Spassvögel hatten wieder einmal die Badehosen nicht eingepackt; vor allem das wunderschöne Bikini von Sebnem, in welchem sie auf den Galapagos Inseln alle weiblichen Tiere eifersüchtig machte. So entschieden wir uns nach der Besichtigung der Anlage, uns wieder zu Fuss auf den Rückweg zu machen und anstatt dessen die anderen Parkanlagen zu besuchen.

Es ist ein sehr schöner Weg den Hügel hinunter, meist waldig, dünn besiedelt, dafür mit den verschiedensten endemischen Pflanzenarten. Wir besuchten die Parkanlage Jardin Mapulemu, in welcher die Regierung von Santiago versucht gefährdete endemische Pflanzen gezielt wieder zu züchten. Wir staunten nicht schlecht, wie viele medizinische Bäume es alleine in Chile gibt und nahmen vom Molle Baum ein paar Blätter mit, da sie so gut rochen; der Plan war es einen Tee zu kochen. Angeheitert vom Blätterklau eines nicht mehr so gefährdeten Baumes spazierten wir die ganze Anlage hinunter, in der Hoffnung weiter unten auf den japanischen Garten zu treffen. Wir kamen noch bei einem Tümpel mit Gänsen an, wo vor allem eine weisse Gans mich sofort ins Herz geschlossen hatte. Wir rannten ein paar Runden um das Gehege und ich liess mich ein paar Male beissen vom lieben Tier und dann entschieden wir, dass wir die Tiere wieder in Ruhe lassen würden. Irgendwie kam dabei ein spezieller Hunger auf, aber wir wollten ja nicht alles mitnehmen, was im Park so herumschleicht oder wächst.

Was wir jedoch mitnahmen waren die so genannten Ciruelas Früchte (Pflaumen, wie es sich später herausstellte), welche ich per Zufall entdeckte. Wir suchten den japanischen Garten und entschieden uns bei der zentralen Nadelkurve, wo sich dieser befunden hätte, eine grosse Abkürzung über die Böschung auf den weiteren Verlauf der Strasse zu gelangen. Den japanischen Garten verpassten wir vorerst, dafür entschieden wir uns einfach querbeet durch das Gelände zu marschieren. Nicht weit weg von der Strasse im Gebüsch fanden wir nebst den vielen öffentlichen Freilufttoiletten ein paar strauchartige Bäume, welche grüne, leicht gelbliche und einige rote Früchte trugen, ein bisschen grösser als eine Kirsche und etwas kleiner als eine Mirabelle. In Afrika und Asien habe ich gelernt, dass wenn etwas nicht sonderlich grässlich schmeckt, wenn man es in den Mund steckt, dann kann man es höchstwahrscheinlich essen. Ich erweiterte diese Weisheit auf Südamerika und steckte mir so eine Frucht in den Mund. Und zu meinem Erstaunen war sie sehr schmackhaft, süsslich sauer und von hoher Konsistenz, sehr fruchtig und mit einem kleinen harten Kern in der Mitte. Noch bevor wir fertig diskutiert hatten, ob wir vielleicht nur ein paar wenige dieser Früchte essen (in der wirren Hoffnung, dass Magenverstimmungsdauer proportional zur Anzahl gegessener Früchte sei), hatte sich Sebnem schon 3-4 in den Mund geschaufelt J. So fingen wir an, den Baum abzugrasen und bei jeder Frucht schauten wir uns an, und fragten uns, ob sie vielleicht doch schädlich sei. Ich entschied mich, unseren Rucksack mit ein paar Kilo dieser Frucht zu füllen und dann jemanden zu fragen, was es denn wirklich sei. Das taten wir dann auch und liefen wieder zurück auf die Strasse, dieses Mal jedoch um die Nadelkurve herum und trafen alsbald auch auf den kleinen japanischen Garten. Wir schossen ein paar Fotos und machten uns auf den Weg weiter hinunter Richtung alternativen Ausgang. Unterwegs trafen wir einen Parkangestellten, welcher uns freundlicherweise aufklärte bezüglich der Frucht und sich freute, dass wir so viele davon gefunden haben. Er erklärte uns, dass alles im Park von der Regierung bezahlt allen zur Verfügung stehe und wir kein schlechtes Gewissen haben müssen, weil wir einen halben Rucksack voller Früchte mitnahmen; das hatte ich sowieso nicht.

Wir fuhren zurück ins Hotel und kochten uns etwas Feines. Wir kochten eigentlich jeden Tag im Hotel, da es uns um einiges günstiger kam und wir dann auch etwas hatten, das wir gerne assen. Die meisten Leser wissen das vielleicht nicht, aber wir sind hervorragende Küchenmeister J. Eines der Gerichte, welches auf dem folgenden Foto ersichtlich ist, ist an die Anlehnung meiner Kindheit im Sommer im Garten meiner Eltern entstanden. Meine Mutter ist eine hervorragende Köchin verschiedener Gerichte aus unterschiedlichen Ländern, vor allem aber Schweiz, Italien (Sizilien) und China. Mein Vater kocht nicht so oft, aber im Sommer feuert er den Grill an und dann gibt's köstliche Festmahle. Eine typische sizilianische Spezialität, welche wir Kinder oft im Sommer aufgetischt bekamen, ist eine Mischung aus Zucchetti und Kartoffeln, gedünstet mit viel Pfeffer und Zwiebeln in der Bratpfanne. Frisch aus dem Boden des Gartens geschaufelt kann man dieses sehr einfache Gericht an Geschmack nicht mehr überbieten. Dazu gab es meistens in Olivenöl und Knoblauch eingelegte auf dem Feuer "gebratene" und geschälte gelbe und rote Peperoni (Paprika, wie viele Leute auch fälschlicherweise, aus Sicht eines Sizilianers, zu sagen pflegen). Das gab's bei uns auch, denn ich schmiss den Grill an und grillierte zwei Steaks und die Peperoni und Sebnem bereitete einen schmackhaften Tomaten Gurken Salat zu. Die Peperoni benötigen sehr viel Zeit auf dem Feuer, gut eine halbe Stunde. Die äussere Haut der Peperoni muss schwärzlich und voll mit Blasen sein und die Konsistenz in sich zusammen sacken. Dann schält man die Dinger, solange sie noch heiss sind und wirft sie zusammen mit sehr viel in Scheiben geschnittenem Knoblauch und relativ viel Olivenöl in einen Topf. Etwas Salz hinzu und fertig ist die Beilage, welche man gut 2-3 Tage im Kühlschrank aufbewahren kann. Zusätzlich kochten wir uns am Vorabend noch Teigwaren und hatten ein paar gekochte Broccoli übrig. Wir entschieden uns, eine Rahmsauce ("crema de leche", für andere Reisende) mit frischen Champignons zu machen und am Schluss die Broccoli hinzuzufügen. Das gab einen weiteren schmackhaften Teller für uns beide. Und so kochten wir jeden Tag etwas, was auf unserer Wunschliste stand und wir im Restaurant nicht bekommen konnten; zumindest nicht in unserer Preisklasse. In Chile lohnte es sich für uns das erste Mal wirklich selbst zu kochen. Egal wie viel Resten man hat, auf den Preis eines Mahls im Restaurant kommt man nicht. In Bolivien selbst zu kochen, ausser vielleicht einen Salat, ist unserer Meinung nach nicht preisgünstiger.

Wieder einmal waren wir in Aufbruchstimmung und wir wollten eigentlich nach La Serena fahren, wo auch schon Martin war und ein Konzert gegeben hatte. Es gibt in La Serena und in der Umgebung von 30 Kilometer davon gute Surfspots. Nach dem Wellencheck und dem Schock der meteorologischen Verhältnisse und natürlich auch den unglaublich hohen Preisen, entschieden wir uns weiter Richtung Argentinien zu fahren. La Serena und der ganze Küstenabschnitt, welcher gut in einem Tag per Bus erreichbar war, hätte uns mit 15° - 20° Celsius erwartet. Das konnten wir uns beim besten Willen nicht mehr vorstellen, zumal es hier in Santiago de Chile, immer schön um die 30° Celsius war. Wir checkten kurz die Temperaturen und den Wetterbericht einiger Städte in Argentinien und fanden ein Hoch über Mendoza; wie passend, das liegt ja gerade auf dem Weg. Die Temperaturen waren mit 35° Celsius in diesem Gebiet angegeben. So langsam wird es wärmer. Das ist das schöne, wenn man in Zentralafrika reist oder allgemein in der Nähe des Äquators in Afrika, man kann monatelang mit 35°-45° schönem Wetter rechnen und muss nicht frieren.

Wir kauften uns ein Ticket bei der Tour Bus Gesellschaft, welche eigentlich wirklich zu empfehlen ist, und fuhren los Richtung Argentinien. Unser Aufenthalt in Chile war sehr kurz, nur zwei Wochen, aber bedingt durch die hohen Preise und dem suboptimalen Wetter entlang der Küste waren wir gezwungen weiter nach Argentinien zu fahren. Die Fahrt selbst war mit 6 Stunden nach Mendoza eher kurz und schon nach kurzer Zeit kamen wir ins Gespräch mit den sehr interessierten Argentiniern und Chilenen und erzählten ein bisschen von unserer Reise. Der Grenzübergang ist sehr gross und es gibt vermutlich zu keiner Zeit grössere Wartezeite an der Grenze. Was vielleicht erstaunen mag, wenn man diese Strecke einmal selbst fahren möchte, ist die Tatsache, dass der eigentliche Grenzübergang mit den Zöllnern und Polizeibeamten, wo man den Eintritts- und Austrittsstempel kriegt, sehr weit innerhalb argentinischen Territoriums ist. Man passiert die politische Grenze auf einem Pass in den Anden und fährt dann noch gut eine halbe Stunde, bis man beim eigentlichen Grenzübergang mit obligatorischem Stop(p) ankommt.

Die restlichen Bilder findet ihr hier:



Mittwoch, 28. November 2007

Calama und San Pedro

Endlich sind wir in Chile angekommen und zwar für ein paar Stunden in San Pedro, dem Grenzstädtchen zu Bolivien. Nach der sehr unterhaltsamen und wunderschönen Fahrt durch das Uyuni Gebiet und dem vulkanischen Altiplano Boliviens versuchten wir direkt weiter nach Calama zu kommen. Was uns natürlich sofort auffiel, waren die exorbitanten Preise in allem, was man gegen Entgelt bekommen konnte: Chile schien dem Ruf eines sehr teuren Landes gerecht zu werden. Dafür offeriert Chile einem auch die Qualität, welche man sich in Europa gewohnt ist; und dies in fast allen belangen, was wir bis jetzt erfahren haben.

Angefangen hat dies schon einmal beim Kauf des Bustickets nach Calama. Oh Schock, es gibt eine offizielle Verkaufsstelle mit Leuten, die sogar für die Busfirma arbeiten und so gekennzeichnet sind. Kreditkarten werden so nebenbei auch akzeptiert. Wir sind gleich ein wenig verwirrt und suchen noch etwas nach einer Falschinformation oder einer Abzockerei, doch irgendwie scheinen die Chilenen diese Phase der Evolution überwunden zu haben. San Pedro selbst mag für einige Touristen sehenswert sein, wir können es nicht beurteilen, aber bei unseren Gängen durch die Strassen des Dorfes ist uns nur aufgefallen, dass sich die Leute in San Pedro auf Tourismus spezialisiert haben. Wie wir auch später erfahren haben, muss der Norden Chiles noch um einiges teurer sein, als der Süden. Dies rührt daher, dass im nördlichen Chile zur Grenze Boliviens einige Minen zu finden sind (Kupfer, Silber und Nitrat). San Pedro, wie auch Calama, sind eigentlich schon fast Erzgräberstädtchen.

Die Fahrt nach Calama war sehr angenehm und obwohl wir einfach den erst besten Bus genommen hatten (bei der "Tur-Bus" Firma), hatten wir den weitaus höheren Komfort als denjenigen, welchen wir mit der besten Busgesellschaft je hatten in Bolivien. Die 90 Minuten Fahrt kostete uns zusammen etwa $6.50 USD. Wie gesagt, die Preise hier in Chile sind im Schnitt etwa 4 Mal so hoch wie in Bolivien. Der Busbegleiter war sehr kommunikativ und natürlich, wie auch der Fahrer, mit Hemd und Kravatte bekleidet.

Endlich kamen wir in Calama an: 27° Celsius Aussentemperatur und eine wunderschöne (im Vergleich zu anderen Ländern Südamerikas) Busendstation. Unser erster Gehversuch startete mit dem Auffinden eines Taxichauffeurs, welcher bereit war, uns mit unserem dreckigen Gepäck mitzunehmen. Man muss sich vorstellen, dass die Taxis (eigentlich alle Fahrzeuge) hier in Calama einfach im besten Zustand sind und förmlich vor Sauberkeit glänzen. Das letzte Mal haben wir so etwas in der Schweiz gesehen.

Die Taxichauffeure machten keine Anstalten für ihre Dienste zu werben, sie schauten uns nur verdutzt an und dachten wahrscheinlich, wo zum Kuckuck diese Verbrecher abgehauen sein müssen. Nach einer kurzen Verhandlung und der Versicherung, dass Robertos Surfbrett wirklich "chico" (klein) ist, luden wir alles ein und fuhren Richtung Stadtzentrum, um ein Hotel zu finden.

Die Suche nach einem Hotel gestaltete sich als etwas mühsam und zugleich demotivierend. Grund dafür war, dass es in Calama scheinbar keine wirklich günstigen Unterkünfte gibt. Unser Ziel ist es, im Prinzip zusammen nicht mehr als $30 USD pro Nacht auszugeben und wenn möglich immer ein Doppelzimmer mit eigenem Bad kriegen. In Chile ist dieses Unterfangen jedoch stark gefährdet. Wir fanden zwei Hostels, welche Zimmer in unserer Preisklasse anboten, das "El Loa" (Lonely Planet Hinweis), welches komplett ausgebucht war und das "Residencial Casa de Huespedes", welches uns für $16 USD zusammen pro Nacht ein Dreierzimmer anbot mit separatem Bad und Dusche. Es blieb uns nichts Weiteres übrig und so nahmen wir das Zimmer.
Auf den ersten Blick war das Zimmer mit den drei Betten unterer Standard, aber nachdem man es sich etwas gemütlich macht und die Matratzen auf den Boden schmeisst, kriegt man ein herrliches Doppelbett in einem tief angesiedelten Rotlichtmilieu erscheinendem Ambiente.

In Calama gibt es eigentlich nichts zu sehen, ausser der Silbermine. Die haben wir uns aber nicht angesehen, sondern haben die restlichen vier Tage vor dem Flug nach Santiago im leicht ausserhalb der Stadt gelegenen Einkaufszentrum verbracht. Der Tagesablauf war eigentlich sehr simpel: Ausschlafen, bis die Sonne uns im Gesicht kitzelte, ab zur "Panaderia Alemania" (Bäckerei) und uns ein superfettes Schinken-Käse Sandwich mit Kaffee und Tee bestellt. Dann machten wir uns so gegen 11 Uhr auf den Weg Richtung Mall, entweder per Taxi colectivo für 80 Rappen oder mit dem Bus für 60 Rappen. Die eine Busfahrt war für Roberto der Hit, da der Busfahrer ein ACDC Fan war und während der ganzen Fahrt ein Best-of Album laufen liess. Im Shopping Center angekommen, besuchten wir immer zuerst den "Maui and Sons" Surfladen und kauften etwas Neues und dann versuchten wir irgendwo gratis Wireless Internet zu kriegen. Der beste Ort, den wir empfehlen können, ist zweifelsohne die Bühne mit den Tischen beim Eingang zum Kinokomplex im zweiten Stock. Man hat gratis Wifi und Strom, kriegt um die Ecke günstig Eis und Getränke und die Leute stören einen nicht. Der zweitbeste Platz ist das sehr teure Gatsby Restaurant, welches einem kulinarisch zu verwöhnen weiss (vor allem der Schokolade-Nuss Cheesecake ist der Hammer). So haben wir wirklich drei volle Tage im Shopping Center verbracht, von morgens bis abends. Kein Witz!

Wer das jetzt gelesen hat, denkt wohl, dass wir nicht mehr alle Tassen im Schrank haben. Da sind die Leute auf einer Weltreise und vertreiben ihre Zeit in einem Shopping Mall. Ja, das mag wohl sein, aber wir hatten im Moment einfach wieder einmal den Drang nach geordneter Zivilisation und wollten uns auch mit neuen Kleidern und Surfutensilien eindecken. Roberto hat sich einen 3.2 Wetsuit und ein neue Badehose geleistet, Sebnem hat auch eine sexy Surfbadehose gekriegt, eine schöne Maui Mütze und einen Pullover. Zudem kaufte sich Roberto endlich einmal eine Sonnenbrille, die theoretisch zumindest länger als zwei Wochen halten sollte. Ausserdem gab es in Calama wirklich nichts zu sehen und wir konnten den Flug nicht mehr vorverschieben (die Geschichte ersparen wir Euch, sonst kocht Sebnem wieder vor Wut; sie kreiert definitiv neue Wortformationen zur Beschreibung weiblicher LAN Chile Angestellter, wobei Schlampe noch zum gesitteten Vokabular gehört). Wir wollten auch nicht mehr zurück nach Bolivien; die einzige Stadt, in welche wir hätten gehen wollen, wäre sowieso Santa Cruz gewesen und diese ist etwa 1500km von Calama entfernt.

Wir haben uns aber prächtig amüsiert im Mall und immer wieder neue Dinge entdeckt und neue Accesspoints gefunden. Bei einem konnten wir am Schluss sogar den Router direkt konfigurieren, ein Servicetechniker oder ähnlich kam dann am letzten Tag vorbei und versuchte uns vergeblich aus dem System auszuschliessen, in dem er den DNS abschaltete. Glücklicherweise gibt es in Südamerika nicht viele Leute, die fundiert etwas über Netzwerktechnologie verstehen J.

Montag, 26. November 2007

Bolivien: Salar de Uyuni Tour und San Pedro, Chile

Nun, ausschlafen konnten wir ja nicht richtig in Uyuni, da wir gleich am nächsten Morgen eine Tour durch den Salar de Uyuni und die "Wüste" starten wollten. Aber zuerst mussten wir noch einen Reiseveranstalter finden, der freie Plätze in einem der Jeeps hatte. Uns wurde von zwei Schweizern die Oasis Tour empfohlen und aus diesem Grund sind wir gleich ohne andere Angebote wahrzunehmen direkt zu der Oasis Tour (direkt im Zentrum). Wir hatten Glück und konnten die "bekannte" Tour für $100 USD/Person für 3 Tage und 2 Nächte inkl. Mahlzeiten buchen. Wie wir aber später festgestellt haben, haben wir eindeutig zu viel bezahlt für die Tour, auch wenn es in unseren Augen bereits günstig erscheint. Wir haben nämlich von einem Einheimischen gesagt bekommen, dass die "Uyuni-Tour" höchstens $90 USD kostet und von anderen Touristen erfahren, dass Einzelne sogar nur $ 70 USD bezahlt haben. Man stellt sich das Mal vor, $ 70USD für 3 Tage, 2 Übernachtungen, leckere Mahlzeiten (welche von unserer eigenen Köchin Nena zubereitet wurden) und den Chauffeur als Guide mit einberechnet. Dementsprechend verdienen die Mitarbeiter (Chauffeure, Köche, etc.) leider auch nicht viel (ca. $ 6-7 USD/ pro Tag).

Um 10.30 Uhr sollte die Tour starten, doch natürlich war niemand zu diesem Zeitpunkt vor Ort. Nach mehrmaligen Abklärungen wurde uns mitgeteilt, dass wir "umgebucht" wurden und mit der Desert Tours die Tour starten würden. Nun ja, im Prinzip war uns das sehr willkommen, da wir eine super Truppe bildeten: Wir, die zwei Australier Jonathan & Matthew und die zwei sich immer zankenden und neckenden Kanadier Julien (Französisch-Kanadier) & Joseph (aus BC).

Alle Gepäcke auf dem Dach des Jeeps aufgeladen, ging es gegen 11.15 Uhr endlich los. Auf Robertos Wunsch hin besuchten wir zuerst den "Cementerio de Trenes", den Zugfriedhof. Anscheinend war es geplant diese Sehenswürdigkeit erst am Schluss ins Programm einzubinden. Da wir aber die Tour nicht vollständig beenden würden (da wir am 3. Tag direkt mit dem Bus nach Chile transferiert werden und nicht nach Uyuni zurückkehren) haben alle dem Wunsch von Roberto zugestimmt. Beim Cementerio de Trenes hat sich Roberto in seine Kinderjahre versetzt gefühlt und ist zusammen mit den anderen Jungs auf den alten & rostigen Zügen herumgeklettert.
Nach viertelstündigem Herumtrollen ging es weiter Richtung Salar de Uyuni, der eigentlichen Salzwüste. Ich selbst konnte es kaum erwarten endlich in der Salzwüste anzukommen; wir haben schon so viele Fotos betrachtet und wussten, dass dies ebenfalls zu einem der einmaligen Erlebnisse unserer Reise gehören würde. Dem war wirklich so: wir waren absolut fasziniert von der Salzwüste und der Grösse des Salars de Uyuni. Sie ist mit über 10'000  km² die grösste Salzwüste der Welt. Während der Fahrt über die Salzwüste machten wir Halt im "Hotel de Sal" (Hotel aus Salz) und auf der Isla Pescado. Das Hotel hat seit Kurzem seine Pforten geschlossen und leider gab es keine Möglichkeit das Hotel von Innen her zu betrachten. Nach dem kurzem Stopp ging es wie oben erwähnt weiter nach Isla Pescado, wo wir einen längeren Halt machten, um unsere Mägen vollzuschlagen. Diese Gegend ist wirklich auch sehr beeindruckend: meterhohe Kaktusbäume (ein Kaktus wächst pro Jahr 1 cm) auf einem kleinen Hügel umgeben von weit und breit nur der Salzwüste. Nach einem kleinen Rundgang wurde uns von unserer Köchin Nena ein super Mahl hergerichtet: Steak, Reis (spezielle Art), Salat und Dessert. Wir hatten wirklich Glück, was das Essen betraf. Nena gab sich stets grosse Mühe und überraschte uns immer wieder auf der dreitägigen Tour. Gemäss diversen Aussagen von einigen Leuten, die wir getroffen haben, war die Qualität bezüglich des Essens zwischen: Scheisse (nur Sandwichs, Haare im Essen) und sehr gut. Ein Tipp also von unsererseits: Informiert Euch bezüglich des Essen vorab!

Danach machten wir noch einen kurzen Abstecher in die Galaxias (eine Höhle, welche erst vor ein paar Jahren von zwei Einheimischen entdeckt wurde und im Moment von italienischen Forschern bezüglich des Alters, etc. studiert wird). Es kann also gut sein, dass diese Sehenswürdigkeit in ein paar Jahren zum Boom wird. Neben der Galaxias Cristal befindet sich sogleich das "Cementerio de las Chullpas" und die "Cueva del Diablo", wo man auf diverse Knochenreste, etc. stösst. Dazu gibt es eine nette Anekdote, welche man sich am besten in der Höhle in Mitten der Skelette anhört. Wer abergläubisch ist, den wird es gruseln.

Später machten wir uns auf den Weg nach San Juan (ein kleines Dörfchen im Nirgendwo) und übernachteten im "Hospedaje Lipena". Hier hatten wir sogar den Luxus warmen Wassers (für knapp 1 CHF pro Person für die Gaskosten) und DoppelzimmernJ.

Hier die Fotos von unserem ersten Tag:

Am nächsten Morgen ging es dann weiter Richtung Süden. Unser erster Halt war auf einem steinigen nicht all zu sehenswertem Aussichtspunkt über die Landschaft. Unsere weitere Fahrt führte uns an vielen Lagunen vorbei, bewohnt von hunderten von Flamingos und ebenso passierten wir einige Llamas, Vicuñas und Alpacas, die leider immer verängstigt davonrannten, wenn wir uns ihnen näherten. Nach ein paar Zwischenstopps bei den verschiedenen Lagunen machten wir am Mittag Halt bei der Laguna Hedionda, wo alle anderen Touristen natürlich auch ihren Mittagsstopp einlegten. Leider führen – so wie wir es erlebt haben – die Tourveranstalter alle dieselbe Tour durch und haben dementsprechend dieselbe Route. Das ist das einzig Negative an der ganzen Sache. Man kann bestimmt auch individuelle Touren buchen aber dafür muss man tiefer ins Portemonnaie greifen.

Danach ging es weiter zum berühmten Arbol de Piedra. In diesem von Steingebilden überhäuften Gebiet fühlten sich die Jungs alle sehr wohl, allen voran Roberto. Hier konnte er die Steine hinaufklettern und waghalsige Sprünge vorzeigen, was natürlich allen imponierte
und ich mit einem Auge mitanguckte.
Unser Guide und Fahrer wollte ein bisschen vorwärts machen und rief uns nach ca. einer halben Stunde zusammen um weiterzufahren. Wir verstanden die ganze Hektik anfangs nicht. Wie sich aber später herausstellte, läuft es mit den Übernachtungsmöglichkeiten bei der Laguna Colorada so ab: First come first serve. Das erste Hostel war bereits ausgebucht, Glück hatten wir mit dem 2. Versuch. Hier muss man sich leider mit einem Zimmer zufrieden geben, welches von insgesamt 6 Personen behaust wird. Von den WC-Anlagen möchte ich lieber kein Wort verlieren. Duschen hat es keine.

Das Hostel befindet sich auf ca. 4'200 M.ü.M. und ca. 100 Meter nach dem Eintritt in den Nationalpark "Reserva Nacional de Fauna Andina Colorado Abaroa" (Eintrittspreis stolze 30 Bolivianos/Person), wo sich die berühmte und wunderschöne teilweise rot-gefärbte Laguna Colorada befindet. Zur Lagune direkt bzw. zum Aussichtspunkt muss man ca. 20 Minuten marschieren. Der Fussmarsch lohnt sich allemal; zudem schlendert man, wenn man Glück hat, an Vicuñas vorbei. Die Tiere sind wie ja bereits erwähnt sehr ängstlich und Roberto hatte sich in dem Moment gerade nach einem Rennen mit einem Vicuña gefühlt. Sie musste nämlich unseren Weg kreuzen, um der Truppe nachzukommen. Roberto wollte sie ein bisschen necken und versperrte ihr rennend den Weg. Die Vicuña ist natürlich viel schneller als Roberto und hat also das Rennen gewonnenJ.

Zurück zur Laguna Colorada: Am Aussichtspunkt angelangt, konnte man gar nicht mehr aufhören zu staunen. Die Landschaft ist herrlich und das Panorama mit der roten Lagune mit den tausenden von Flamingos ist einfach einmalig. Man kann von da oben aus dann einem Weg hinunter zur Lagune entlanglaufen und sich die Lagune näher anschauen. Roberto, Jonathan und Matthew haben es sogar gewagt sich ins Wasser zu begeben, jedoch nur bis zu den Knien (es war nicht tief genug zum Schwimmen). Sie haben sich im warmen Wasser (heisse Quellen aus dem vulkanischen Gebirge fliessen in die Lagune) herumgeschlichen und haben – aus meiner Perspektive – versucht, den Flamingos ein bisschen näher zu kommen, jedoch nicht mit all zu grossem Erfolg. Sie hatten auf jeden Fall eine menge Spass und konnten wenigsten die Füsse ein bisschen im Wasser aufwärmen, denn es war an jenem Tag wirklich kühl bzw. es herrschte eine frische Brise.

Der Fussmarsch zurück ins Hostel gestaltete sich ein bisschen schwieriger, da wir gegen den Wind laufen mussten, der mich wirklich fast einfrieren liess, auch wenn es auf den Fotos nicht so aussieht. Zum Glück haben wir uns in Peru & Bolivien mit Kappen, Handschuhen, etc. eingedeckt Diese waren nämlich während des Uyuni Trips sehr hilfreich. Man befindet sich nämlich stets auf 4000+ M.ü.M, da sind kalte Nächte nichts Aussergewöhnliches.

Im Hostel fix und fertig angekommen wurden mit Mate-Tee und verschiedenen Keksen sozusagen belohnt. Man kann sich also vorstellen, wie gut so ein Tee sich auf den Körper auswirken kannJ. Nach einer kleinen Teerunde hat Matthew den Vorschlag eines Kartenspiels vorgebracht. Da wir ja in dem Hostel und in der Kälte draussen sowieso nichts Besseres vorhatten, haben dem Kartenspiel alle sehr begeistert zugesagt. Wir spielten ein Kartenspiel namens Arschloch, das wir zuvor nicht kannten. Komischerweise hatte Roberto 90% der Spiele gewonnen und war somit mehrheitlich der "Präsident" der Runde, jaja was er wieder für Tricks angewendet hat …

Das Abendessen war eine nette Überraschung von Nena, denn sie hat sich die Mühe gemacht uns ein "Pique Macho" vorzubereiten. Ich & Roberto haben dieses Gericht sehr gerne, aber für den Rest unserer Truppe gehörte dieses Gericht nicht zu deren Favouriten. Besser für unsJ. Da es das letzte gemeinsame Abendessen war, wurde sogar Wein eingeschenkt.
Nach dem Essen spielten wir noch ein paar Runden desselben Kartenspiels und ich war leider eher das "Arschloch" am Schluss. Leider hatte ich kein Glück im Spiel, aber glücklicherweise Glück in der LiebeJ.

Hier noch die Fotos von unserem 2 abenteuerreichen Tag:

Am nächsten Morgen hiess es bereits um 4.00 Uhr morgens aufstehen, da wir uns am 4.30 Uhr auf den Weg Richtung "Hot Springs" machen wollten. Da ich mich im 6er Zimmer nicht ganz wohl fühlte und somit auch nicht richtig schlafen konnte, war ich die Erste nebst Matthew am Morgen, die sich die Mühe machte, pünktlich zu sein. Es hiess also sich kurz umziehen, sich die Zähne zu putzen, zu packen und weiterzuziehenJ. Wir waren nicht mal so schlecht im Timing, aber auch nicht die Besten. Die andere Truppe im Hostel machte sich in 0,0 Sek. vom Acker.

So früh aufzustehen bringt den grossen Vorteil mit sich, den Sonnenaufgang erleben zu dürfen während man durch die steinige, sandige Landschaft fährt, wo man das Gefühl hat, auf einem anderen Planeten zu sein. Müde kamen wir an der ersten Sehenswürdigkeit des Tages an und zwar war das eine Art Vulkangebiet (Michina Geysers), wo man sehr vorsichtig sein muss. An diversen Stellen schoss meterhoher Dampf aus dem Boden, an welchem man sich die Hände aufwärmen konnte.    

Nach dieser Erfahrung ging es weiter Richtung Hot Springs (Warme Quellen). Dort angekommen waren bereits – wie auch nicht anders erwartet – schon ein halbes Dutzend Autos vor uns angekommen und die Leute haben sich in ihren Badehosen in die Schlange gestellt, um sich in der einen künstlich gebauten warmen Quelle aufzuwärmen bzw. zu chillen. Ihr könnt Euch ja wahrscheinlich bestens vorstellen, dass wir uns nicht einfach der Warteschlange anschlossen sondern uns auf die Suche einer anderen Quelle machten. Gemäss unserem Guide nämlich hätte es weiter vorne entlang der Lagune weitere kleinere Quellen, wo man sich hineinlegen könne. Das liessen sich die Jungs nicht zwei Mal sagen und schon waren Matthew, Jonathan und Roberto weg die Lage auskunden. Es dauerte keine 10 Minuten bis sie auf eine kleine, stinkende Quelle stiessen, in welche ca. 4 Personen passten. So befreiten sich die drei von ihren Kleidern und begaben sich vorsichtig in die Quelle. Ich hätte sehr gerne an diesem Plausch im Wasser teilgehabt, für mich war die Aussentemparatur aber einfach zu niedrig. Sicherlich hätte man sich im Wasser aufwärmen können, das Problem ist dann aber, dass man sich den Arsch danach abfriertJ. So blieb ich an jenem Morgen zusammen mit Joseph nur Beobachterin.

Nach der Erfrischung frühmorgens wurden wir mit einem sehr leckeren Frühstück bedient. Danach ging es weiter zu einer weiteren Lagune und zwar war das die Laguna Verde, eine Arsen-haltige Lagune (baden ist aus gesundheitlichen Gründen nicht zu empfehlen). Je nach Windstärke ändert sich der Farbton der Lagune, von hellgrün/grau bis dunkelgrün. Der Ausblick hinab auf die Lagune war natürlich wie schon bei den anderen Lagunen wunderschön.

Das war auch unsere letzte Station, zumindest für uns beide. Wir haben die Tour nämlich nicht ganz fertig gemacht und wurden nach dem Halt bei der Lagune Verde an die Grenze zu Chile gefahren, wo wir dann abgeholt werden würden. Zuerst hiess es aber von der Truppe Abschied nehmen und E-Mail-Adressen austauschen. Drei Tage in diesem Jeep haben uns wirklich genügt. Den soviel Innenplatz bietet es im Prinzip nicht und man sitzt doch die ganze Zeit sehr eng zusammen und hat kaum Beinfreiheit, was eher für die Jungs ein Problem war.

So, nun hiess es eigentlich nur noch abzuwarten bis der Bus startbereit war, um uns und die restlichen Touristen nach San Pedro, Chile zu transportieren. Nur kam ein kleines Problem für uns dazwischen: Sie wollten uns wieder einmal nicht mitnehmen wegen des Surfboardes. Der Fahrer des Busses war sehr unfreundlich und meinte wir sollten auf den nächsten Bus warten. Schön und gut, aber wie wir erfahren haben, gab es keinen anderen Bus an jenem besagten Tag. Roberto und der echt ecklige Busfahrer konnten sich gegenseitig wirklich nicht riechen. Roberto wurde nämlich sehr unsanft vom Busfahrer auf die Seite gestossen, als dieser in den Bus einsteigen wollte. Auch wollte der Busfahrer uns partout kein Ticket geben, solange wir darauf bestünden unser Surfbrett mitzunehmen.

Ich habe dem Fahrer sodann nochmals klar gemacht, dass wir mit diesem Bus mitfahren müssten, da wir noch einen Flug in Calama zu erreichen hätten (was natürlich so nicht stimmte, aber wir haben in Südamerika gelernt, Geschichtchen zu unserem Vorteil zu erfinden). Der Busfahrer schmollte vor sich hin und für die nächsten 30 Minuten war keine weitere Aktion seinerseits zu sehen (alle im Bus bereits wartend). Roberto nahm sich die Zeit und ging beim Zoll zu einem bolivianischen Polizisten und erläuterte ihm die Geschichte, in der Hoffnung, dass er gute Verbündete mit der Polizei und dem Militär machte im Fall eines Falles. Nun, vielleicht hat der Busfahrer dies beobachtet, denn auf einmal konnten wir doch mitfahren, obwohl er sich wirklich sehr dagegen sträubte; er war auch Chilene auf bolivianischem Boden und ich nehme an, dass sich dieser nicht mit der bolivianischen Autorität anlegen wollte. Das war somit unsere erste Erfahrung mit einem Chilenen.

Die Fahrt auf üblen Strassen endete damit, dass wir auf der chilenischen Seite nach 20 Minuten Talfahrt auf eine perfekt geteerte Strasse stiessen. Hätte man versucht den umgekehrten Weg zu fahren, wäre man vermutlich niemals im Leben dort abgebogen. In San Pedro de Atacama in Chile angekommen, wurden wir alle ausgeladen, um unseren Einreisestempel für Chile einzuholen. Was uns schon auffiel war, dass alles sehr geordnet zu und her ging. Hier ist noch zu erwähnen, dass wir unseren Austrittsstempel von Bolivien bereits in Uyuni geholt haben, da dies uns so empfohlen wurde. In San Pedro wurden wir alle eingehend kontrolliert inkl. unserer Gepäcke. Es ist nämlich absolut verboten Früchte, Fleisch, etc. mitzunehmen.

Aus unerklärlichen Gründen tauchte jedoch im Bus eine etwas kaputte Tasche mit diversen Früchten auf, die aber niemandem zu gehören schienJ. Natürlich versuchten die Zollbeamten den Besitzer der Tasche ausfindig zu machen, aber leider waren sie nicht ganz so erfolgreich. Roberto erinnerte sich dann plötzlich daran, dass wir auch noch einen Apfel im Rucksack hatten und wollte ihn loswerden (auf die hohe Busse waren wir nicht scharf). So nahm er ihn heraus und lief schnurstracks zur bösen Zollbeamtin mit der vorhin erwähnten Tasche und händigte ihr den Apfel aus mit den Worten, dass er diesen auch noch zwischen den Sitzen gefunden hätte und er wohl auch von der Tasche sein musste. Nach ersten Unglauben ihrerseits und nachhaken von Roberto schien die Zollbeamtin diese Geschichte dann doch zu glauben und wir kamen mit einem blauen Auge davon; einen ähnlichen Spass erlaubten wir uns dann beim Überqueren der Grenze nach Chile.

Uns selbst gefiel San Pedro de Atacama nicht so sehr, zu touristisch und so entschieden wir uns möglichst schnell von diesem überteuerten Ort zu fliehen. Nach dem Geldwechsel (verhandeln kann sich lohnen, vor allem wenn man Bolivianos in chilenischen Peso wechseln möchte) kauften wir unsere Tickets nach Calama. Noch einmal machten wir unfreiwillig einen Rundgang mit unserem Gepäck durch San Pedro auf der Suche nach der Busstation, welche sich eigentlich gerade vor der Billetverkaufsstelle befand. Als der Bus vorfuhr, fielen uns fast die Augen aus dem Kopf. Nach einem Monat Bolivien und einigen Busfahrten, kam da aus dem Nichts ein super komfortabler Bus um die Ecke, moderner als der beste Bus in Bolivien. Natürlich darf eine Diskussionsrunde mit dem Chauffeur bezüglich des Surfbrettes nicht fehlen und da wir schon warm waren an diesem Tag mit argumentieren, hatte letzterer auch keine grosse Chance. Roberto bot ihm 1000 Pesos (2 CHF), welcher dieser sich in die persönliche Tasche steckte und das Surfbrett wurde anstandslos eingeladen; sogar in einen separaten Laderaum. Kurz bevor wir losfahren wollten, stiessen noch ein paar Radfahrer zum Bus und wollten samt den Rädern mitfahren. Das ging dem Busveranstalter etwas zu weit. Für Roberto war es klar, dass dies nur Schweizer sein konnten und das war auch der Fall. Nur Schweizern kommt es in den Sinn, wie die behinderten durch 30 Grad warme Sandwüsten mit dem Fahrrad zu radeln; man sieht diesen Wahnsinn jeden Sommer in der Schweiz. Man könnte den Schweizern vermutlich alles wegnehmen, nur das geliebte Fahrrad nicht; dabei gäbe es echt gesunde sportliche Alternativen, aber die Schweizer haben einfach eine masochistische Ader. Was für nicht so bereiste Schweizer auch typisch ist, ist die Tatsache, dass sie für den Transport der Räder rund USD 30$ pro Person bezahlten und sich noch glücklich dafür bedankten. Als wir in den Bus einstiegen konnten wir von vorne und hinten noch mehr schweizerdeutsch vernehmen; wo's richtig kostet trifft man sie wieder, die reichen Schweizer J.

Es ist generell unglaublich zu sehen, wie viele Schweizer und Deutsche in Südamerika herumreisen. Teilweise hat man das Gefühl, man könnte geradeso gut Deutsch sprechen. Gegen den Sommeranfang hier in Chile und Argentinien hin, wird's vermutlich noch extremer werden. Zeit, Reißaus zu nehmen und sich wieder an Orte begeben, wo's friedlich ist und man Kultur erleben kann.

Unsere ersten Eindrücke von Chile: geordnet, super teuer und sehr sehr europäisch orientiert. Das Land hat nicht mehr viel mit dem Rest Südamerikas zu tun.
Hier noch die Fotos vom dritten Tag:

Samstag, 24. November 2007

Bolivien: Potosi

Immer noch im Gedanken möglichst bald nach Uyuni und Chile zu gelangen, versuchten wir heute unser Glück, von Sucre via Potosi nach Uyuni zu fahren. Das Problem war natürlich immer noch die andauernden Proteste der Bevölkerung in Sucre, welche unter anderem die Strassen für einkommende und ausgehende Fahrzeuge sperrten.

Wir machten uns daher um 6.30 Uhr am 24. November (die Wahrscheinlichkeit, dass die Strassen so früh schon blockiert waren, schien klein zu sein) auf den Weg zum Busterminal. Wie immer wurden wir, kaum aus dem Taxi ausgestiegen, von Busticketverkäufern empfangen, welche um unsere Gunst buhlten. Nach kurzer Verhandlung konnten wir uns einen Platz auf dem nächsten Bus (6 de Octubre) ergattern und zudem noch zu einem Preis, der niedriger war, als die Lokalen bezahlten (1.60 CHF / Person für 3.5 Stunden Fahrt).

Die Busfahrt war alles andere als angenehm und Roberto würde sagen, dass es die schlimmste Busfahrt bis jetzt war. Die lokalen Hochländer, die auch mit dem Bus mitfuhren, stanken dermassen, dass Roberto fast kotzen musste. Er hat sich aber gut gehalten, da wir noch ein Flakon Parfüm griffbereit hatten und dies auf die Jacke sprühen konnten. Somit konnte Roberto die Fahrt an seiner Jacke schnüffelnd überleben. Man ist ja nicht zimperlich, aber der Gestank, der von diesen Leuten in diesem besagtem Bus ausging, sprengt alle Vorstellungen: die Hände stanken nach altem Ziegenkäse, der Mundgeruch nach Fäulnis (man stellt sich am besten vor, jemand kaut auf einer verwesenden Ratte rum, die sicher schon zwei Wochen im Mund gewesen sein muss), die Kleider je nach Anatomie nach Scheisse und Pisse (WC-Papier ist für die Hochländer gänzlich ein Fremdwort und dementsprechend bleibt halt immer was hängen; die älteren Herren müssen ihr Ding wohl vor dem Beenden des Urinierens versorgen, vermutlich wegen der Kälte im Hochland).

In Potosi angekommen wurde uns vermittelt, dass der Bus, den wir am Mittag Richtung Uyuni nehmen wollten, nicht fuhr. Die Gründe reichten von Blockade bis hin zu Defekt des Busses; der wahre Grund jedoch war vermutlich, dass sie einfach nicht fahren wollten, da es nicht genügend Passagiere hatte. Die nächste Fahrgelegenheit war gemäss der alternativen Anbieter erst um 19.00 Uhr abends. Das hiess für uns, 6 Stunden in der hässlichen Stadt zu verweilen. Nicht nur das war übel, nein, als Roberto 'mal kurz Früchte einkaufen ging, wurde Sebnem prompt auf die Probe gestellt: Es kam ein Typ vorbei, der fadenscheinig ein Busticket verkaufen wollte und Sebnem ein paar Fragen stellte. Unterdessen kam von hinten ein älterer Mann daher, der sich mit unserem wichtigsten Rucksack vom Acker machte. Dank Sebnems Instinkten und guter Reaktion befand sich der Mann jedoch alsbald in der Situation eines Verfolgten, denn Sebnem rannte ihm kurzerhand nach J. Der Mann musste wohl realisieren, dass mit Sebnem nicht zu spassen ist (sie spielt immerhin 2. Liga Basketball) und liess den Rucksack auf die Strasse fallen, um den Vorsprung nicht zu verlieren (auf 4000 M.ü.M muss man mit seinen Reserven haushalten bei Verfolgungsjagden). Mittlerweilen war Roberto auch alarmiert worden und überprüfte das Geschehen mit Verwunderung, da er dachte, Sebnem hätte nun doch einen Bus gefunden, der nach Uyuni fährt und wollte sich beeilen, diesen zu erwischen. Einerseits dank der Reaktion von Sebnem aber andererseits auch mit riesem Glück können wir den Rucksack wieder unser Eigen nennen; hätte Sebnem ein paar Sekunden mehr gezögert, wäre der Mann auf Nimmerwiedersehen weg gewesen. Kurz darauf erschien auch die Polizei, welche einen Amerikaner nach genau diesem Mann befragte, der anscheinend schon öfters in diesem Gebiet die Touristen um ihr Gepäck erleichtert hatte.

Wir taten uns kurzerhand mit dem freundlichen und vielgereisten Amerikaner zusammen und gingen ins einzig gute Kaffee in Potosi, am Hauptplatz von Potosi, wo wir auf alle anderen Touristen, welche sich in dieser Stadt befanden, traffen. Tip(p): Nehmt keinen der alkoholischen Kaffeegetränke, der Rum, den sie einem einschenken ist von der billigsten Sorte. Dafür ist die heisse Schokolade empfehlenswert. Ansonsten ist zu sagen, dass ausser dem Hauptplatz in Potosi, nichts wirklich sehenswert ist. In Potosi macht man nur Halt, um entweder nach Uyuni weiterzufahren oder die bekannte Silbermine zu besuchen. Wir entschieden uns so gegen 17.30 Uhr zurück an die Busstation (es gibt zwei Bussstationen, die schöne gelbe, wo die Busse aus Sucre und Cochabamba ankommen und dann diejenige, wo die Busse Richtung Uyuni fahren; die letztere ist keine Busstation im eigentlichen Sinne, mehr eine lebendige Strasse mit vielen Busgesellschaften) zu kehren und standen wieder vor einem neuen Problem: Anscheinend kamen wir zu spät an, denn die Busgesellschaften waren schon alle voll besetzt mit Passagieren Richtung Uyuni und keiner wollte mehr uns ein Ticket verkaufen. Der Amerikaner und Roberto fingen an die Busgesellschaften zu bearbeiten, dass sie doch einen grösseren Bus schicken sollten und sie für mehr Passagiere auf der Strasse werben würden. Nach langem Hin- und Her und fruchtlosen Flirtversuchen mit der hauptverantwortlichen Dame (welche ihren Säugling an der Brust hatte und es uns Männern nicht erleichterte, rational zu diskutieren) der einen Busgesellschaft schien es plötzlich doch noch zu klappen. Wir hatten vier Passagiere mehr gefunden, welche nach Uyuni wollten und bezahlten auch rund einen 1.50 CHF (soviel wie uns die Fahrt von Sucre nach Potosi gekostet hatte) mehr als es eigentlich kosten würde. So kam der Bus und er füllte sich und füllte sich und es nahm kein Ende mehr. Der Bus war komplett überfüllt und es mussten etwa 10 natürlich heftigst stinkende Passagiere im Mittelgang stehen; zum Glück hatten wir unsere Plätze, denn die Fahrt dauerte wieder einmal nicht wie ursprünglich gesagt 5 Stunden, sondern 6.5 Stunden. Somit kamen wir erst um 2 Uhr morgens in Uyuni an, ohne ein Hostel gebucht oder die leiseste Ahnung von einer Unterkunft überhaupt zu haben. Wir folgten zwei Schweizern, welche (wie könnte es anders sein) schon alles perfekt organisiert hatten und fanden prompt eine Bleibe im selben Hotel Avenida für $7 USD zusammen.

Gute Nacht und die wenigen Bilder könnt Ihr hier begutachten:

Donnerstag, 22. November 2007

Bolivien: Sucre

Wir sind am 22. November 2007 in Boliviens Hauptstadt Sucre, welche sich auf 2790 M.ü.M befindet, angekommen. Auf Robertos Wunsch hin haben wir den Flieger von Santa Cruz aus genommen und sparten uns so eine lange Busfahrt über die hügelige Landschaft. Zu unserem Glück schien die Sonne bei unserer Ankunft. Wieder einmal kamen wir am Flughafen an ohne irgendwelche Pläne gemacht zu haben; so nahmen wir ein Taxi ins Zentrum und fanden mit Hilfe des Taxichauffeurs ein familienbetriebenes Hostel ca. 4 Blöcke vom Hauptplatz entfernt. Das Hostel "Pachamama" ist absolut empfehlenswert (grosse Zimmer, eigenes Bad, warme Dusche, günstiges Frühstück, sehr nette Mitarbeiter) und kostet pro Nacht ca. 10.00 CHF für beide zusammen.

Nach dem Check-In sind wir noch in Sucre herumgelaufen und haben uns die historische "weisse" Stadt näher betrachtet.

Die Stadt ist nicht all zu gross und man findet sich schnell zurecht. Wir sind zudem auf einen Markt mitten in der Stadt gestossen mit riesigen Frucht- und Gemüseständen, Fleischangeboten, etc.

Überall findet man Internetcafés, Bars und Restaurants mit exotischen Menüs. Sucre ist die wichtigste historische Stadt Boliviens; hier wurde auch im Jahre 1825 die Unabhängigkeit Boliviens erklärt. Viele Museen haben in Sucre ihren Standort; wir aber müssen zugeben, dass wir kein einziges davon besucht haben. Vielleicht ergibt sich das irgendwann mal mit dem Alter, dass man "Museumsgänger" wird J. Wir geniessen es mehr durch die Strassen zu schlendern, uns im Park zu erholen und die Leute zu beobachten und zu kritisieren.

Die Stadt selbst ist wiederum ganz anders als La Paz, die Leute, deren Kleidung, die Strassen, die Häuser. Bis anhin waren wir immer der Meinung, dass La Paz die Hauptstadt Boliviens sei, doch wurden wir diesbezüglich eines Besseres belehrt. In La Paz finden sich lediglich die Regierung und die Behörde wider, in Sucre allerdings befindet sich das Obergericht. (Nachlesen in Wikipedia). Sucre ist die konstitutionelle Hauptstadt mit der kompletten Legislative, die Exekutive liegt in La Paz. Dieser Umstand ist logischerweise auch ein Grund für die immer wieder aufkommenden Unruhen in Sucre, welche an diesem Wochenende mit einer heftigen Auseinandersetzung zwischen der Bevölkerung und der Polizei begann.

Wir Wundernassen haben uns natürlich für die Demonstration interessiert und sind deshalb frühmorgens losgewandert Richtung Hauptplatz, wo sich schon einige Hundert lautstarke Demonstranten befanden und mit Parolen gegen Evo Morales (gegenwärtiger umstrittener Präsident von Bolivien, auch weniger liebevoll "Ego Morales" genannt) um sich warfen.

Was anfangs sehr friedlich aussah, endete schlussendlich in einer bitteren Strassenschlacht zwischen hauptsächlich jungen Studenten und der Polizei, welche alsbald nicht mehr zögerte und die jungen steinwerfenden und Dynamit-sprengenden Studenten mit Tränengas bewarf. Wir Unschuldigen, natürlich durch unsere Neugierde selbst schuld, sind da irgendwie hineingeraten (wir wurden auf einmal mit einer Horde sich zurückrennender Demonstranten überrascht, die mit Tränengas angegriffen wurden). Roberto kannte sich mit dem Tränengas bereits aus, ich jedoch wurde das erste Mal mit Tränengas konfrontiert und war doch schockiert, wie sich das im Rachen und in den Augen (zum Glück hatte ich eine Sonnenbrille an) auswirkte. Natürlich machten wir uns sofort davon und machten einen grossen Umweg um die Demonstranten. Auf dem Rückweg zu unserem Hotel wurden wieder Opfer dieser Tränengas-Attacke. Dieses Mal wurden wir richtig damit eingedeckt und natürlich unfreiwillig. Die Leute spuckten nur noch herum und husteten wie wild, die Augen tränten aufs Heftigste. Schlussendlich machten wir einen "riesen-Umweg" um das Zentrum und kamen doch noch heil im Hotel an. Den Leuten schien die ganze Sache sehr Ernst zu sein. Die Schlacht dauerte noch bis spät in die Nacht an. Die Stadt wurde im Zentrum zum Kriegsfeld: brennende Autoreifen (um die Wirkung des Tränengases zu vermindern), wüst zugerichtete junge Leute und wütende und weinende Frauen J, welche aber keine Sekunde zögerten die jungen Leute anzuspornen und gratis mit den nötigen Kampfutensilien (Essig gegen das Tränengas, Mundschutz und Steinschleudern) zu versorgen.

Am Tag danach waren die Zeitungen des Landes voll mit Artikeln wie diesem (Ausschnitte):

Calles de Sucre se convirten en un gran campo de batalla

"Sucre vivio ayer un 'viernes negro' por la represion de la Policia, que no midio nada a lanzar gases lacrimogenos y balines contra cientos y hasta miles de ciudadanos"

"Pero mientras se leian las ultimas conclusiones del cabildo, a las 12:45, la Policia comenzo a reprimir a un grupo de jovenes que se habia dirigido en marcha al Teatro Gran Mariscal. Desde temprano, el control en esa zona era inexplicablemente estricto y con el choque, los efectivos ocuparon momentaneamente el sector. Con gases y golpes echaron del lugar a los manifestantes, pese a la respuesta incresante de estos con piedras. En medio del enfrentamiento, varias granadas fueron dirigidas contra viviendas particulares, provocando temor e indignacion entre sus habitantes. En pocos minutos, la gasificacion se expandio a todas las calles proximas al teatro, donde ciculaba gente de toda edad, lo que llevo a los vecinos a sumarse a la 'batalla', sacando agua en baldes y mangueras para apagar las granadas de gas, mientras los manifestantes encendian fogatas con llantas y todo lo que podian encontrar."

"Jovenes y hombres y mujeres adultos entraban por turno a la 'batalla' con los policias, que estaban bien armados con gases y balines. Mientras el cielo se ennegrecia por los gases y el hollin de las llantas quemadas, la pelea continuaba; la lluvia tambien se sumo y se convirtio en la casual aliada de los manifestantes, apagando los gases de la Policia."

"La noche no trajo la calma. El casco viejo de la ciudad parecia un campo de batalla con piedras, palos y vidrios regados por sus calles, y varios graffitis en contra del Gobierno pintados en edificios."

"Hay mas de 150 heridos. Algunos de ellos recibieron atencion medica por traumatismo encefalo craneano (TEC), otros por politraumatismos y contusiones en el rostro y proximidades de los ojos, y la mayoria por intoxicacion con gas lacrimogeno."

Was ich jedoch fast am Schlimmsten fand, war die Tatsache, dass sich die Zeitungen sehr politisch gaben und sich 100% hinter die jugendlichen Studenten stellten, welche den Hauptanteil der Unruhen verursachten (angefeuert und unterstützt vom Rest der Bevölkerung). Die Zeitungen im Lande liessen es aussehen, als ob die Polizei die Übeltäter waren, obwohl sich diese ganz augenscheinlich (wir waren dabei) ab einem gewissen Punkte wehren musste. Ob die drastische Massnahme mit Tränengas notwendig war, bleibt dahin gestellt (die Diskussion führen wir in der Schweiz am 2. Mai auch ad absurdum), aber wieder einmal haben es die Medien in Bolivien geschafft, die minder Bemittelten und Leute der unteren sozialen Schicht mit gering fundierter Schulausbildung mit ihrer Propaganda zu täuschen. Kein Wunder, die Exekutive sitzt in La Paz und dieser Umstand scheint offensichtlich sogar den meisten Zeitungsverlegern ein Dorn im Auge zu sein. Wieder einmal bin ich froh in einem Land aufgewachsen zu sein, wo die Neutralität und offene Meinungsfreiheit zum obersten Gebot gehört. Den Vorteil mehrere Sprachen ausreichend gut zu beherrschen, erlaubt es mir im Notfall auch Zeitungen aus anderen Ländern als das gerade betroffene zu lesen, um mir eine zweite Meinung zu bilden. In Südamerika wird generell wenig Zeitung gelesen, der Bildungsstand ist wie in Nordamerika in der breiten Masse eher im unteren Segment anzusiedeln (das heisst nicht, dass es nicht einen signifikanten Teil an brillianten Leuten gäbe) und daraus ergeben sich natürlich auch leicht zu steuernde Generationen.

Den Rest der Bilder wie immer hier: