Posts mit dem Label Chile werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Chile werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Mittwoch, 20. Februar 2008

Chile: Osterinsel

Te parauti'a 'ina he aŋarahi.

"In Wahrheit ist es nicht so schwierig"; eine Weisheit welche arme Schulkinder beim Erlernen der relativ einfachen polynesischen Sprache Rapa Nui einverleibt bekommen. Diese stammt aus dem ersten Buch einer linguistischen Analyse über die Pragmatik der Sprache Rapa Nui mit dem Titel "Te ti'ara'a tano mo pāpa'i i te re'o rapa nui", welches mir zum Studium derselben Sprache von einer Rapa Nui Naturheilärztin geschenkt wurde.

Die mystische Osterinsel oder Rapa Nui (in der einen offiziellen Sprache Rapa Nui) oder Isla de Pascua (in der anderen offiziellen Sprache Spanisch) benannt nach dem holländischen Seefahrer Jacob Roggeveen, welcher die Insel an Ostern 1722 entdeckte und ihr den Namen verlieh, liegt wohl am weitesten von der nächsten Zivilisation entfernt. Die nächste Landmasse Richtung Norden sind die Galapagos Inseln mit 3800km Entfernung, Richtung Westen sind 2000km entfernt die Pitcairn Inseln (dazu gab es einen sehr beeindruckenden und zugleich traurigen Artikel im Januar 2008 erschienenen Vanity Fair Magazin über die Misshandlung der jungen Frauen im zarten Kindesalter als Normalität und Kultur) und 4000km entfernt liegt Tahiti. Im Süden träfe man nach rund 5000km Fahrt übers Meer auf die Antarktis und schlussendlich nach Osten blickend Richtung Heimatstaat könnte man nach 3700km die Küste Chiles erkennen.

Entstanden ist die Insel durch unzählige Vulkane und heute noch zeugen drei grosse Vulkane von der Geburt der geheimnisvollen Insel. Gemäss Sagen waren die ersten Bewohner der Osterinsel umherirrende Seefahrer von der versunkenen Insel Hiva, die nach langer Seefahrt auf diese Insel trafen. Die heutigen Bewohner sind neben unzähligen Schweizern und Franzosen (natürlich als Touristen) hauptsächlich Mestizen (aus Chile) und einige direkte Abkömmlinge der letzten 118 Rapa Nui Ureinwohner. Die Osterinsel ist die am Östlichsten gelegene Insel Polynesiens.

Dieser Artikel wird unter Umständen genauer unter die Lupe genommen, da so viele Schweizer diese Insel für ein paar Tage besuchten und vermutlich absolut genau überprüfen werden, ob alle Angaben stimmen oder nicht J. Leute, die mehrere Tage auf dieser Insel waren, haben so die Tendenz für sich den Anspruch des alten Hasen zu erheben und kennen jeden Moai (die witzigen Steinfiguren, welche Gesichter verkörpern) und haben jeden Stein umgedreht. Vor allem trifft man in der Unterkunft Kuna Tau, welches auch unsere Unterkunft während unseres 12-tägigen Aufenthalts war, fast ausschliesslich äusserst viel bereiste Charakteren; und zumindest einige, dies meinen es zu sein. Es ist wirklich sehr interessant sich die vielen Gespräche der Backpacker zu Gemühte zu führen.

Man findet auf dieser Seite ein kleines Glossar der Sprache Rapa Nui, damit die Leute sich von den allfällig genannten Namen in diesem Beitrag ein Bild machen können. Zusätzlich füge ich hier eine Mappe (aus dem Wikipedia geklaute und unter creative commons gestellte SVG Datei) ein.


Die meisten Leute bleiben nach unserer Erfahrung ungefähr vier Tage auf der Insel und im Prinzip würde ich sagen, dass diese Zeit ausreichend ist, um 80% - 90% der Dinge auf der Insel zu sehen und sich ein wenig mit der Geschichte von Rapa Nui auseinander zu setzen. Es erlaubt einem auch, sich etwas unter die lokale Bevölkerung zu mischen und näheres über die faszinierende Insel zu erfahren. Geschrieben wurde schon sehr oft und sehr vieles über die Insel, so dass ich mich nicht mit falschen Erläuterungen in die Nesseln setzen möchte. Stattdessen erzähle ich etwas von unserem traumhaften Aufenthalt auf der Insel.

Wenn man auf der Insel landet, möchte man sofort zur ersten Moai Statue sprinten und diese für die Ewigkeit auf Bild einfangen. Man läuft über das Ende des Rollfeldes zum sehr kleinen  Flughaufenausgang und erblickt kurz bevor man hinaus schlendert den ersten Moai; oder doch nicht? Es gibt auf der Osterinsel eben nicht nur berühmte Moai sondern auch gut erhaltene oder restaurierte Petroglyphen (Steinfiguren und in Stein gemeisselte Figuren). Die ganze Insel dreht sich in erster Linie um verschiedene Lavasteine und was man alles damit machen kann. Man zückt also die Kamera hervor, wie das fast alle Touristen machen, die das erste Mal auf der Osterinsel landen und schiesst unzählige Fotos von Steinen und dem Flughafen und alle Gesichter ziert ein in den Bann gezogenes Lächeln. So magisch ist die Insel nur schon am Flughafen J. Fliegt man von der Osterinsel weg, beachtet kaum jemand mehr die schönen Steinfiguren rund um den Flughafen, die Kameras sind übervoll mit Bilder in allen Formen und Farben und Stellungen der Moai und der Petroglyphen.

Ein typischer Service vermutlich jeder Unterkunft in Hanga Roa (der Ort, wo die Rapa Nui Einwohner und die Touristen hausen) ist das persönliche Abholen am Flughafen und bei einigen inkludiert es noch ein Begrüssungsgeschenk in Form einer typisch polynesischen Blumenkette um den Hals. Unser Vertreter des Kuna Tau Hostels war Gonzalo, ein Chilene, der 10 Jahre lang für LAN Chile gearbeitet hatte, aus persönlichen Gründen nach dem Führungswechsel bei LAN Chile kündigte und sich in eine halbe Eremitenposition auf Rapa Nui begeben hatte. Sein Ziel ist es möglichst viele weibliche Touristen zu treffen, den Sinn des Lebens zu erkennen, ein guter Gastgeber zu sein (der Besitzer des Hostels ist ein Mathematikprofessor, den wir nur kurz kennen gelernt hatten) während der Absenz der Besitzer und seine Aufgaben so in die Länge zu ziehen und kompliziert zu erledigen, so dass es aussieht, als ob er den ganzen Tag mit Schwerstarbeit beschäftigt sei; bei einigen stösst sein Arbeitspensum auf Staunen, ob man so jedoch die Frau seiner Träume findet, bleibt dahin gestellt. Jedenfalls war Gonzalo, nebst einem wirklich sehr netten und hilfreichen Gesellen, ein zwiespältiger Genosse für mich, den man nur schwer durchschauen konnte.

Die immer besser werdende Beziehung zwischen mir (wenigstens) und Gonzalo begann mit einem Lapsus auf seiner Seite, welchen er scheinbar öfters bei Neuankömmlingen probiert. Wir haben gut zwei Monate im Voraus ein Doppelzimmer für 15 Tage gebucht und eine Bestätigung von Gonzalo bekommen, dass wir das Zimmer kriegen würden und alles paletti wäre. Nachdem alle Neuankömmlinge am Flughafen aufgegriffen waren, wurden Sebnem und ich nicht mit dem Kuna Tau Bus ins Hostel gefahren, sondern in letzter Minute wurde uns von Gonzalo mitgeteilt, dass wir bei seiner Kollegin oder Geschäftspartnerin logieren würden, da alles belegt war. Der Grund dafür war, dass sich die meisten Leute entschieden hatten, länger zu bleiben und somit immer noch alle Zimmer gebucht waren. Wir würden das gleiche Angebot zum gleichen Preis kriegen und nach einer Woche könnten wir dann ins Hostel Kuna Tau wechseln. Auf den ersten Blick erschien uns dies eine plausible jedoch wenig zufrieden stellende Erklärung zu sein und gegeben durch die sehr kleine Bedenkzeit stimmten wir der Sache zu. Unsere Gastgeberin fuhr uns etwas im Städtchen herum und erwähnte immer wieder, dass wenn uns die Unterkunft nicht gefallen würde, wir nichts bezahlen müssten und dass ihr oberstes Ziel sei, den Leuten einen möglichst unbeschwerlichen Aufenthalt zu offerieren.

Indem sie diese Sätze jede Minute wiederholte, stiess bei mir ein erstes Unbehagen auf und auch ihre unsichere Stimme läutete bei mir die Alarmglocken, dass wir einem Schwindel zum Opfer gefallen waren. Das Zimmer war eigentlich ganz in Ordnung, aber trotzdem nicht so zufrieden stellend, wie es im Hostelbookers beschrieben war. Wir beschlossen uns am Abend auf die Suche nach dem Hostel Kuna Tau zu machen, um wenigstens Klarheit in der Angelegenheit zu schaffen. Wir trafen den äusserst relaxten Besitzer (der erste langhaarige Mathematikprofessor, den ich kenne, nebst meiner Wenigkeit vor einigen Jahren), der gerade im Begriff war, neue, noch schönere Doppelzimmer zu meistern. Als wir ihm unser Leid klagten und die Geschichte erzählten, war er ziemlich erstaunt darüber, dass in seiner Unterkunft kein Doppelzimmer mehr zur Verfügung stünde und Leute, die zwei Monate im Voraus gebucht haben, nicht das Recht auf ihr Zimmer hätten. Er offerierte uns das am nächsten Tag frei werdende Doppelzimmer und entschuldigte sich für den Lapsus indem er uns versicherte, dass er Gonzalo schicken werde, um uns persönlich punkt 10 Uhr morgens abzuholen. Ob er wirklich nichts davon wusste, oder die beiden dieses Spiel so treiben und hoffen, dass einige der Touristen darauf hinein fallen, wussten wir bis am Ende nicht, aber wenigstens waren wir sehr glücklich, dass wir am nächsten Tag in die von uns gebuchte Behausung wechseln durften. Sebnem war sichtlich erleichtert und freute sich sehr die nächste Zeit im wirklich schönen Kuna Tau Hostel zu übernachten.

Am nächsten Morgen verkündeten wir der Tochter der Besitzerin die Hiobsbotschaft und diese wollte uns nicht einmal mehr sehen und kommunizierte fortan bis kurz vor unserem Wechsel über ihre Tochter. Uns war es recht und somit fuhren wir punkt 10 Uhr mit Gonzalo in das gut 200 Meter weiter oben gelegene Kuna Tau Hostel und richteten uns zufrieden ein.

Leider kam schon der nächste Ärger (Brasilienliebhaber sollten diesen Abschnitt überspringen) nachdem ich mein Boardbag öffnete und das zwischen zusätzlich zur Schaumstoffdecke zwei dicken Schaumstoff-Trennungen eingepackte Surfbrett in meinen Armen hielt: Irgendwie hatten es die Grobiane von LAN geschafft, mein Surfbrett so herum zu schmeissen und zu misshandeln, dass es wieder in den Reparaturzustand gefallen war. Was mich zusätzlich äusserst wütend machte, war die Tatsache, dass ich das erste Mal so viel für den Transport bezahlen musste, weil die Brasilianer immer denken, dass sie etwas Besseres sind. Ein Land, das sich unter anderem Surfnation Südamerikas nennt; so ein Witz! Ich habe fast USD 80$ für den Transport bezahlt (ein Snowboard kann man übrigens gratis transportieren, egal ob es schwerer oder länger ist als ein Surfbrett) und nun durfte ich nochmals gut USD 20$ hinblättern, um es reparieren zu lassen, vorausgesetzt es gibt jemanden auf der Insel, der Surfbretter repariert. Im Drittweltland Bolivien, einem der zwei Länder Südamerikas, welche nirgends an einen Ozean grenzen, fragten mich die Flugangestellten äusserst nett, ob ich nicht einen "fragil" Sticker auf mein Boardbag kleben möchte und behandelten das Surfobjekt mit liebevollen Handgriffen. Ich verstehe es nicht! Brasilien ist definitiv ein Land für reiche Touristen und das geben die einem auch zu spüren; ich jedenfalls werde es meiden, bis ich genügend Kleingeld habe, um mir nach jedem Transport ein Surfbrett und dessen Exzessgewicht leisten zu können J. So, fertig gemeckert, die Leute wissen jetzt, dass ich vermutlich zu Unrecht nicht ein Anhänger Brasiliens bin.

An diesem Tag nach dem ersten Frust sind wir etwas umhergelaufen und haben einige Moai (ich kenne den Plural schlichtweg nicht) fotografiert und uns versucht Infos zu holen beim Infohäuschen hinter dem "Hauptbadestrand" mit 20 Zentimeter breitem Sandstrand und Surfspot für Anfänger und in der Nähe der beiden Tauchzentren. Wir schlenderten der Küste entlang dem Informationspfad von Hanga Roa bis nach Hanga Kio'e. Wir haben unter anderem den Ahu Tahai gesehen, welches eines der bekannten Lokalitäten für den Sonnenuntergang ist. Hanga Roa ist übrigens so am Rande erwähnt die einzige Stadt und gleichzeitig logischerweise die Hauptstadt der Insel, weshalb fast alle Einwohner hier zu finden sind (vereinzelt gibt es einige Häuser mit Bewohner im Zentrum der Insel und dem Strand entlang zwischen Anakena und Hanga Roa).

Die Informationsstelle ist nicht wirklich informativ genug für Leute, die nicht im gewöhnlichen Touristenstrom leben. Nebst vielen Backpackern gibt es nämlich eine grosse Anzahl meist älterer Leute, die vielleicht einen Monat unterwegs sind und Chile und die Osterinsel besuchen oder ein Arrangement Tahiti und die Osterinsel haben. Diese Leute können ganz offensichtlich signifikant mehr Geld ausgeben, als wir armen Backpacker und dementsprechend ist der Tourismus auch so angelegt. Der Durchschnittstourist bleibt kaum eine Woche und daher sieht auch das Marketing komplett anders aus und wie vorhin erwähnt, bleiben dann die wirklich interessanten Informationen aussen vor. Ein Beispiel, damit die Leser hier nicht dauernd nur meinen Behauptungen ausgesetzt sind: Ich marschiere also da in das Informationszentrum hinein und erkundige mich über verschiedene Aktivitäten, die meinem Aktivitätenprofil entsprechen (zum Beispiel halt nicht Golf spielen oder mit einem überfüllten Altersheimbus einen 500 Meter hohen Vulkan hochfahren) und brauche sicherlich 15 Minuten, bis die Dame langsam versteht, dass ich mich für die Machbarkeit einiger Touren auf der Insel interessiere. Sebnem und ich haben uns nämlich fest vorgenommen, einen grossen Teil der Insel, welcher nicht befahrbar ist, zu Fuss zu erkunden; ein Vorhaben, das uns im Nachhinein gesehen erstaunlich viel unserer Fitness abverlangte. Ich fingerte also auf der sehr guten gratis abgelieferten Landkarte herum und frage die Dame, ob man halt dem Strand entlang laufen kann von Anakena bis nach Hanga Roa. Sie schildert mir das ganze dann in etwa so: Man könne es schon laufen, aber es sei äusserst schwierig, da es keinen Weg gäbe und man eventuell einen Guide benötige. Es gäbe aber immer wieder Europäer, welche diesen Weg alleine marschieren. Sie hat mir dann von einer Spanierin erzählt, welche diesen Weg in zwei Tagen (sie schlief über Nacht in einer der zahlreichen Höhlen) erst kürzlich hinter sich gebracht hatte. Auch die Angaben bezüglich der Anzahl Kilometer variierten stark. Völlig nutzlos meiner Meinung nach! Punkt eins: wenn man gemütlich marschiert, dann ist die Strecke gut in 5-6 Stunden machbar. Punkt zwei: man wird es kaum glauben, aber ausser kurz nach Anakena und kurz nach dem höchsten Punkt der Klippenformation, wo man schon wieder auf die Strasse Richtung Hanga Roa sieht, gibt es unzählige Trampelpfade von Kühen, Menschen und den Pferdetouren, welche im Allgemeinen die einzigen Besucher dieses Inselabschnittes sind. Nach ein paar guten Lachern über die horrenden Preise der Reittouren ins Inland der Insel, hatten wir dann die Sache mit der lokalen Information auch abgehakt.

Nächster Tag oder zweiter Tag; ich weiss es nicht mehr so genau
J. Jedenfalls haben wir um 12.00 Uhr eine Tour gestartet an der Küste entlang zum Krater Rano Kau im Südwesten der Insel. Und zwar gibt es hier bereits eine "vorgeschriebene" Trekkingmöglichkeit auf dem Weg "Te ara o rapa nui" mit 23 tuki (points of interest) entlang, dessen wir jedoch nur bedingt gefolgt sind. Genauer gesagt gibt es zwei Wege mit insgesamt 23 tuki, welche total eine Strecke von rund 8km aufweisen und die Geschichte und Bräuche der ehemaligen Stämme von Rapa Nui aufzeigen. Der eine Wegabschnitt führt von der Stadt Hanga Roa über 4.4 km bis hin zu … und nennt sich "Hanga Roa Urbano" und der zweite Wegabschnitt führt über 3.6km den Berg hinauf zum Orongo, nennt sich "Te ara o te ao" und beschreibt das Tangata-Manu Ritual der Vogelmänner auf dem Krater Rano Kau. Die überlieferte Geschichte der Vogelmänner wird im Film "Rapa Nui" von Kevin Costner in einen packenden Plot verpackt und im lokalen Heimkino in Hanga Roa auf Englisch und Französisch (freitags) gezeigt. Kurz gefasst, lebten zur damaligen Zeit verschiedene Clans auf der Insel, die sich nicht besonders gut mochten. Aufgeteilt wurden die Bewohner von Rapa Nui in zwei Gruppen, den Langohren und den Kurzohren. Jedes Jahr (im Film nach 12 Monden, obwohl ich eher glaube, dass es 13 Monde waren, denn zu dieser Zeit kannten die Leute den heutigen dämlichen gregorianischen Kalender mit 12 Monaten nicht) wurde ein Oberhäuptling gewählt aus allen Clans und dieser bestimmte dann, was so auf der Insel lief. Im Film ist der Jefe ein Langohr und dementsprechend müssen die Kurzohren-Clans die Moai aus dem Stein hauen und aufstellen, um die Götter zu besänftigen. Dabei müssen sie immer grössere Moai "schnitzen" und nach einem kleinen Zwischenfall wird der Vorarbeiter oder Masterschnitzer sogar gebeten, den Figuren Hüte zu versetzen. Deshalb sieht man heute einige Moai mit Hut und einige ohne J. Um die grossen und sehr schweren Steinfiguren an den Ort zu transportieren, wo sie scheinbar hin müssen, werden sie wie schon bei den Griechen und Römer üblich auf Baumstämmen transportiert, bzw, gerollt. Da das Gewicht die Palmenstämme mit der Zeit zerdrückt, müssen immer mehr Palmen gefällt werden und das ist der Hauptgrund, weshalb man auf der ganzen Insel nur noch eine Handvoll Palmen sieht und im Gebiet rund um den Vulkan und in einem Gebiet kurz vor Anakena ein Wiederaufforstungsprojekt im Gange ist.

Die Wahl dieser tragischen Figur des Häuptlings wird durch einen Wettstreit der Vogelmänner, dem so genannten Tangata-Manu Ritual durchgeführt, was bedeutet, dass ein auserwählter fitter Junggeselle den bescheuerten Vulkan an einer sehr steilen Stelle hinunterklettern, mit einem aus Palmenblättern gebauten Surfbrett als Schwimmhilfe gegen die herbe Strömung zur vorliegenden Insel schwimmen und dort einem Vogel ein Ei klauen, dann zurück schwimmen und den blöden Vulkan wieder hochklettern und schlussendlich das Ei dem zukünftigen Oberhäuptling unversehrt in die Hand legen muss. Wenn man oben am Krater die Strecke zum Meer hinunterguckt, kann man Darwins Theorie wieder vollen Glauben schenken. Zurück zu unserem ersten Marsch.

Zuerst stiessen wir auf den Ahu Riata beim Hafen (ja ja, den gibt es auch, obwohl es einige Einwohner von Hanga Roa bestreiten). Die diesbezügliche Broschüre erhält man bei Sernatur im Zentrum. Nach dem Hafengelände sind wir an einer Lavasteinküste entlang gelaufen und auf den Steinen herumgeklettert und haben dadurch wunderschöne natürliche "Pools" entdeckt. Warnung an dieser Stelle an weniger erfahrene Wellen- und Gezeitenleser: Das Baden in diesen Pools kann sehr schön und interessant sein, ist aber unter Umständen lebensgefährlich. Die Wellen, welche auf die Osterinsel treffen, sind teilweise ungebremst mehrere 100km bis einige 1000km weit gereist und tragen dementsprechend viel Wasser mit sich. Die Springflut und einige Gezeitenwellen können einen arg überraschen und wenn man einmal davon erfasst wurde, kann man nur noch beten, dass man im Labyrinth schroffer und nadelspitzer Lavasteinformationen optimal durchgespült wird. Im guten Fall wird man mit herben Schnittwunden am ganzen Körper und bei Bewusstsein über eine Fangklippenformation gespült, im wahrscheinlicheren schlechten Fall ins tosende Bad der auf die Lavasteinformation preschenden Wogen gezogen und ertrinkt schlichtweg nachdem man sich an den ausgehöhlten Brandungswänden den Schädel gespalten hat J. Ich übertreibe hier bewusst ein wenig, denn wir wurden mehr als einmal etwas unerwartet von einer grossen Welle und ihrer Kraft überrascht. Es existieren ein Film und etwas Bildmaterial, wo ich mich bewusst und kalkuliert in eine moderate Gefahrenzone begebe, um die Wucht der Brandung eindrücklich zu demonstrieren (wir werden den Filmausschnitt bei Gelegenheit ins Internet stellen). Ich bitte an dieser Stelle alle Leser, welche diesen Schmarren nachmachen wollen, sich das genaustens zu überlegen; ich habe mir trotz Kontrolle einige Verletzungen in Form von kleinen Schnittwunden und einer heftigen Beule am Kopf zugezogen.

Wie vor einigen Abschnitten erwähnt waren wir also unterwegs den Vulkan hinauf, nahmen jedoch eine etwas unkonventionelle Route, welche wir uns selbst ausgedacht hatten und sich wieder einmal als äusserst kräfteraubend herausstellte. Vorallem meine arme Sebnem findet es gar nicht lustig in der prallen Sonne einen Vulkan zu besteigen, wo die erste mathematische Ableitung gegen unendlich geht. Wir kamen nach tuki 14 bei der Höhle Anakai Tangata Manu an und besuchten diese. Vorsicht bei Flut, da kann es einem passieren, dass man vom ansteigenden Wasser überrascht wird.

Irgendwann kamen wir dann am Krater an und trafen auf die Altersheimbusse, welche in Strömen gebrechliche Menschen an den Krater entlaufen liessen. Ganz oben angelangt bezahlt man den Eintritt in den Nationalpark, welcher symbolisch für alle Nationalpärke auf Rapa Nui gilt und mit rund USD 10$ pro Person zu buche schlägt. Viele Leute meiden es dort hoch zu gehen und das Ticket zu kaufen, da sie entweder wissen, dass man nirgends sonst auf der Insel nach diesem gefragt wird oder es einfach nicht wissen. Ich empfehle es jedem, so ein Ticket zu kaufen, dann die Parkwächter auf Rapa Nui sind ausgebildete Leute und lieben es einem alle Details der Geschichte ihrer Insel zu erzählen. Mit dem Coupon kann man auch alle archäologischen Sites auf der Insel besuchen (wir wurden jedoch nie nach dem Ticket gefragt). Ein Vorteil des Tickets ist der Besuch von Orongo, einem Zeremoniedorf, welches unter permanenten Schutz der CONAF steht. Kleiner Tip(p): Falls man sich etwas unterschätzt hat mit dem Marsch auf den Vulkan kriegt man, sofern man ganz höflich fragt, auch Wasser bei der Bergstation von den Parkwächtern.

Am darauf folgenden Tag haben wir nicht viel unternommen, da er sehr im Zeichen eines unermüdlichen Regens stand. In dieser Sache möchte ich es nicht unterlassen ein paar Worte über die faszinierenden Mikroklimas (ich dachte immer der Plural sei Klimata, aber Microsoft Word hat mich eines Besseren belehrt) auf dieser Insel zu sprechen. Wenn man sich zum Beispiel in den Rano Raraku Vulkan begibt, kann es sein, dass es innerhalb des Vulkans regnet und man sieht von innen her einen Regenbogen, da ausserhalb des Vulkans Richtung Landesinnere zum Beispiel eitler Sonnenschein herrscht. Fährt man von Anakena nach Hanga Roa oder umgekehrt, kann es sein, dass man für einige Kilometer in einer Regenwand fährt und man sich danach plötzlich wieder bei 30° und wolkenlos auf der Strasse befindet. Manch ein Tourist, welcher sich ein Fahrrad oder Moped ausgeliehen hat, um die Insel zu erkunden wurde herb vom Regen überrascht.

Wie eingangs des Abschnittes erwähnt, blieben wir zu Hause an diesem Tag und schrieben Postkarten. Etwas, was wir ansonsten nie machen. Einige Leute, die sich Richtung Strand gewagt hatten erzählten uns, dass es dort einigermassen warm und sonnig war; da wären wir wieder beim Mikroklima. Wir haben uns auch überlegt, ein Auto oder Scooter zu mieten, da wir einmal die Runde auf der Insel machen wollten, die die Touristen auch bei der Tagestour absolvieren. Man kann die Sehenswürdigkeiten dem Strand entlang sehr gut per gemieteten Fahrobjekt erkunden, erfährt aber äusserst wenig über die Geschichte der Relikte, geschweige denn über einige der Errungenschaften und Ingenieurskünste der einstigen Bewohner der Insel. Die Fahrobjekte können entweder für 8 Stunden, einen Tag oder für mehrere Tage gemietet werden. Preise für die Autos bewegen sich im Normalfall so zwischen $70 USD bis $90 USD pro Tag; die 8 Stunden sind nicht wesentlich günstiger. An die Preise der Fahrräder möchte ich mich nicht mehr erinnern, aber ich weiss noch, dass uns zwei Fahrräder das gleiche gekostet hätten, wie ein Scooter. Dreimal darf der aufmerksame Leser raten, für was sich so ein waschechter Durchschnittsschweizer entscheidet; Hinweise darauf gibt es in einem unserer Beiträge über Chile.

Der nächste Tag stand im Zeichen einer neuen Bekanntschaft und zwar mit der fröhlichen und jungen Yanina, welche für LAN Chile arbeitet und sich so die Reise auf die Osterinsel leisten konnte. Leider hat sich LAN Chile während ihres Aufenthaltes bezüglich der Mitarbeiterkonditionen umentschieden und bescherte Yanina ein übles Problem, doch mehr dazu weiter unten. Nebst Yanina haben wir noch die sehr interessante Australierin Justine und zugleich Yaninas Zimmergenossin kennen gelernt, die bis zu ihrem einmonatigen Sabbatical über 10 Jahre lang für Kanal 7 in Sydney geschuftet hatte. Justine hatte sich ein Auto gemietet und Yanina, welche alles zum ersten Mal sah und erlebte, eingeladen mit ihr die Insel zu erkunden. Da die zwei Mädels das Auto noch einen halben Tag zur Verfügung hatten, fragten wir sie, ob wir nicht mitfahren könnten und so die Kosten teilen würden. Alle waren von der Idee begeistert, zumal sich unsere Ziele mit deren von den Ladies überdeckten. Wir erkundeten mit ihnen zuerst die Südküste der Insel. Wobei dort nicht sehr viel zu sehen war, ausser ein paar Überresten einiger Moai.

Danach fuhren wir zum Vulkan Rano Raraku und bewunderten die vielen Moai rundherum. Dies ist die Geburtsstätte der Moai resp. der Steinkolosse. Hier meisselten die Rapa Nui die gigantischen Moai aus dem vulkanischen Gestein, um sie später auf rollenden Baumstämmen an ihren Zielort zu ziehen. Das Gebiet bietet einem eine atemberaubende Aussicht über die Ahu von Tongariki. Man kann sogar in den natürlich nicht mehr aktiven Vulkan hinspazieren. Anscheinend sei das erlaubt, aber man darf nicht überall hingehen, was wir natürlich grosszügig übersahen. Es existieren bei den Touristentrecks rund um den Vulkan auch einige Hausdrachen mit massiven Megaphonen, welche nicht parierende Touristen mit einem massiven lautstarken Gebrüll durch das Megaphon zur Raison bringen. Witzigerweise sind die Parkwächter an dieser Stelle Frauen und diese sehen ziemlich furcht erregend aus. Der Trick für den bewussten Wanderer ist natürlich die Sache ganz früh morgens anzugehen, wenn der Hausdrache mit dem Megaphon noch friedlich in seiner Höhle schläft. Sobald man im Krater ist, kann man sich in einen der Tierpfade begeben und im Schutz der höheren Sträucher in der Nähe des Kratersees herumlaufen. Es gibt einen sehr imposanten Aussichtspunkt auf dem Kraterrand, welcher nur von innen her zu erklimmen ist. Es befinden sich dort eine Art natürlicher Unterstand und ein umgekippter Moai. Als wir oben ankamen überraschte uns das Mikroklima und wir wurden Zeugen eines heftigen Regens, während man von der Anhöhe hinter dem liegenden Moai wunderschön die Sonne über dem Meer erblicken konnte. Auf dem Rückweg passierten wir einen Parkranger, welcher es nicht unterlassen konnte uns darauf hinzuweisen, dass es nicht erlaubt sei, dort hinauf zu marschieren. Ich fand es etwas übertrieben.

Danch ging es zurück nach Hanga Roa. Sie mussten leider bereits um 13.00 Uhr das Auto abliefern bei einer gewissen Monica. Zu Monica möchte ich nicht allzu viele Worte verlieren, ausser dass sie mich schon nach 5 Minuten sehr gut mochte. Monica ist eine umoperierte Frau, die/der sehr auf Männer aus der Schweiz oder Deutschland steht. Dummerweise bin ich weder original Schweizer noch stehe ich auf umfunktionierte Männer (wer weiss, was da noch alles nicht fertig umoperiert ist). Ausserdem war Monica nebst ihrer äusserst sensiblen und extrovertierten Art (erste Offerten bezüglich einer Übernachtung mit persönlicher Massage kam nachdem ich sie 5 Minuten kannte und etwa 20 Meter von Sebnem entfernt war) keine Schönheit und auch nicht mit viel Intelligenz gesegnet. Monica war der Mittelmann einer Autovermietung mit genau einem Auto und mehr wollten wir eigentlich nicht wissen. Sie besitzt den Beautysalon am Pier unten und er ist eigentlich trivial zu entdecken. An der einen Wand hat jemand "la perra" (aus minimalem Respekt erspare ich ihr die Übersetzung ins Deutsche) hingeschmiert.

Sebnem und ich entschieden uns das Auto nochmals zu mieten ab 16.00 Uhr bis zum nächsten Tag und nach ein paar Telefongesprächen von unserer neuen Freundin Monica war alles geregelt. So gingen wir vorher noch kurz was Essen in einem Hamburgerladen. Danach erklärte sich Yanina bereit, mit uns kurz ins LAN Büro zu kommen. Sie wollte uns mit der Umbuchung unserer Flüge behilflich sein, da sie ja für LAN Chile arbeitet. Die Angestellten bei LAN auf der Osterinsel sind überaus nett und hilfreich und haben uns die Flüge von Auckland – Nadi und Nadi - Sydney zeitlich umgebucht und dies ohne Entgelt. Leider jedoch hatte Yanina ein paar Probleme mit ihrem Rückflug. Da sie bei LAN Chile angestellt ist, konnte sie fast gratis auf die Osterinsel reisen und eigentlich auch zurück. Aber der Rückflug gestaltete sich ein bisschen komplizierter als ihr ursprünglich versprochen wurde. Mit ihrem im Voraus gekauften Ticket konnte sie leider nicht mehr zurückfliegen, da es genau an diesem Tag eine Änderung der internen Regelung gab. Anscheinend machen zu viele LAN Angestellte Urlaub auf der Osterinsel und sie wollen das anscheinend auf eine absurde Art unter Kontrolle bringen. Somit hat der neue CEO von LAN Chile entschieden, dass neu Mitarbeiter nicht mehr zu vergünstigten Konditionen oder nur noch wenn es wirklich freie Plätze hat, zurück ans Festland fliegen können. Das alleine ist schon ziemlich übel, aber jetzt kommt der Hammer. Die Regelung wurde rückwirkend festgelegt, so dass die sich auf der Osterinsel befindenden Mitarbeiter entweder nochmals ein Ticket kaufen mussten oder aber darauf warten mussten, bis wirklich ein Platz frei wurde auf einem Retourflug; bei der konstanten Überbuchung dieser Linie ein etwas schwieriges Unterfangen. Zusätzlich musste Yanina noch ein paar Batzen draufzahlen, was wir sehr ungerecht fanden, aber schlussendlich halt doch wieder in die Geschäftsmentalität der Südamerikaner passt. Sie nahm es erstaunlich gelassen und hoffte einfach, dass sie vor dem Arbeitsantritt am folgenden Montag wieder in Santiago de Chile sein würde. Das Hostel musste sie auch wechseln, denn sie hatte ja nicht vor, so lange zu bleiben. Zurück zum Auto, welches wir ja für einen Tag gemietet hatten.

Als Justine das Auto abholen ging, sagte ihr Monica, dass wir es nicht wie abgemacht für 24h sondern für nur 5h haben können. Die liebe Monica hatte uns Falschinformationen gegeben. So fuhren wir am späteren Nachmittag noch zum Ahu Akivi, den sieben Moai, deren Gesichter zum Ozean zeigen; das sind übrigens die einzigen Moai, welche Richtung Meer blicken. Danach fuhren wir Richtung Westküste. Unterdessen gingen wir auf Höhlensuche und entdeckten drei Höhlen.

Auf dem Rückweg haben wir Yanina noch Autofahren beigebracht. Sie hat das ganz gut gemacht und fuhr dann fast bis in Zentrum zurück. Dies war übrigens ihre erste Reise und zudem unternahm sie sie alleine. Wir machten Halt beim Ahu Tahai und warteten auf den so berühmten Sonnenuntergang.

Danach begaben wir uns nach einem kleinen Einkauf ins Hostel zurück und kochten uns Vieren was leckeres, bzw. ich & Sebnem kochten. Monica wurde inzwischen bereits wütend, weil wir ihr den Wagen nicht rechtzeitig zurückgebracht hatten; da kam nur noch eine Person in Frage, um ihr den Wagen zurück zu bringen J. Viel Lust hatte ich nicht wirklich und schleppte Sebnem mit. Als mich Monica erblickte, war sie schon wieder ganz beruhigt und alles war weniger schlimm als es noch am Telefon klang. Wir haben uns dann nett verabschiedet und ihr gesagt, dass wir dann eventuell noch bei ihr vorbeischauen würden auf einen Drink.

An dieser Stelle bin ich mir bewusst geworden, dass es noch rund ein Dutzend Anekdoten zu beschreiben gäbe, der Bericht aber schon eine unangenehme Länge angenommen hat und alle anderen Berichte blockiert. So beschränke ich mich auf ein paar Sehenswürdigkeiten und Dinge, die uns aufgefallen sind und ein paar Worte über Surfen auf der Osterinsel und die kleine aber eingeschworene Surfcommunity von professionellen Big Wave Riders.

Wenn wir zu den weiteren Sehenswürdigkeiten im Generellen auf der Insel kommen, dann gibt es meiner Meinung nach noch folgendes zu erwähnen: Die "Stehenden Moai" findet man überall verstreut auf der Insel. Die Moai, die uns am meisten beeindruckt haben sind der Ahu Nau Nau in der Nordküste bei Anakena und diejenigen bei Tongariki, welche bei Sonnenaufgang am besten anzusehen sind. Der Ahu Nau Nau aus dem Grund, weil dieser an einer wunderschönen Lage am Strand neben Palmenbäumen steht und einer der am besten erhaltene ist. Tongariki ist wegen seiner 15 Moais sehr speziell und wurde Ende der 90er Jahre komplett restauriert, da ein Tsunami im Jahre 1960 den Ahu zerstörte. Man sollte auf keinen Fall einen Sonnenuntergang beim Ahu Tahai verpassen während eines Aufenthaltes auf der Insel. Speziell ist auch der Ahu Akivi, auf welchem sieben Moai stehen, die auf das Meer blicken und welcher sich im inneren des Landes befindet. Auch dieser Ahu wurde in den 60-er Jahren restauriert. Die restlichen Moai sind mehrheitlich direkt an der Küste anzutreffen. Anderseits kann man auch viele zerstörte Moai entdecken, wie z. B. der Südküste entlang. Natürlich lohnt es sich die Südküste ausgiebig zu erkunden, jedoch ist es in diesem Fall wohl intelligenter einen Guide dabei zu haben, der einem über die zerstörten Moai aufklären kann. Ansonsten wurde man wahrscheinlich einfach an einem solchen vorbeifahren, ohne zu realisieren, dass es sich bei den Steinbrocken um zerstörte Moai handelt.

Petroglyphen findet man auch auf der Insel. Diese widerspiegeln teilweise die Schriftsprache Rongo Rongo, welche leider schon sehr lange ausgestorben ist. Dummerweise wurde sie nicht übertragen und es fehlen zu viele Semantik und Pragmatik Hinweise, als dass jemand die Zeichen komplett entziffern könnte.

Zum Thema Strände. Die gibt's natürlich auf jeder Insel zuhauf, jedoch Sandstrände sind auf der Osterinsel rar. Es gibt zwei ganz bekannte Strände im Norden, den grossen Anakena und den kleinen Ovahe Sandstrand. Andere gibt es auch der Ostküste entlang, jedoch sind diese nicht so imposant und auch nicht für jedermann erreichbar. Der Anakena Strand, da grösser und mit Moai Kulisse, ist an schönen Tagen und Wochenenden sehr voll. Wir haben natürlich auch je einen Tagesausflug an die Strände Anakena und Ovahe im Norden gemacht. Beide Strände sind sehr schön und es lohnt sich eine kleine Auszeit zu nehmen und eine Runde im Wasser zu schwimmen. Die kleinere Bucht bei Ovahe jedoch bietet bessere Schnorchelmöglichkeiten. Wir gingen zwei Mal länger hier schnorcheln und konnten das wunderschöne Korallenriff und Unterwasservulkane (befindet sich ausserhalb des Riffes und ist nur für geübte Schnorchler oder Schwimmer machbar) bewundern. Fische gibt es leider nicht sehr viele, aber dafür sind die Korallenriffe wirklich sehr schön. Zudem findet man östlich der Strände den grössten jemals transportierten Moai namens Ahu Te Pito Kura; leider wurde dieser auch umgestürzt.

Ebenfalls haben wir eine "kleine" Wandertour durch den Norden der Insel gemacht, um einmal zu sehen, wie viele Steine noch nicht weggeräumt wurden. Der Vorteil ist, dass es praktisch garantiert keine Touristen mehr hat oder nur noch solche, die wirklich etwas fitter sind. Der Marsch vom Anakena Strand bis Tepeu (danach kann man wieder Autostop machen) dauert im gemütlichen Tempo mit ein paar kurzen und einem längerem Stop garantiert 4-5 Stunden. Da es ausser Höhlen praktisch keinen natürlichen Sonnenschutz gibt, muss man sehr viel Wasser mitschleppen, die Sonnencreme als Infusion parat halten und sich bewusst sein, dass die Sonne von hinten her auf den Körper scheint. Das ist perfekt, um fortlaufend gute Fotos zu schiessen, ohne sich umdrehen zu müssen, wirkt sich aber fatal auf alle Körperteile aus, die man in Unachtsamkeit vergessen hat einzucremen. Sebnem hat dies leider bitterböse bezahlt, als ihr nach gut 4 Stunden die Wadenbeine abgebrannt waren. Dummerweise merkt man dies nicht so schnell, da die Wanderschuhe mit den Socken eng am Bein anliegen und den Blutzufluss etwas mindern und daher das Schmerzempfinden etwas gelindert ist. Der Spaziergang ist wirklich sehr interessant, man kommt an vielen Höhlen vorbei, welche man auch zum Übernachten benutzen kann, sollte man es nicht mehr rechtzeitig zurück nach Hanga Roa schaffen. Gut zur Hälfte des Weges trifft man auf eine grosse Vieh- und Pferdeherde und danach auf eine Art (unbewohnter) Bauernhof. Kurz danach kommt der stetige Anstieg immer an den Klippen entlang bis man von ganz oben herab in weiter Ferne die Strasse des Rundwegs erkennen kann. Von dort aus sind es gut nochmals 90 Minuten Marsch. Des Weiteren kommt man vereinzelt an einer Palme vorbei und fragt sich, wie und wieso gerade die dort überlebt hat. Es gibt einige Bananenstauden, Avocadobäume und ich habe noch so einen Fruchtstrauch gefunden, dessen Früchte ich genossen habe, Sebnem jedoch keine essen wollte J; ich lebe immer noch. Immer wieder schlendert man an umgestürzten Moai auf ziemlich zerstörten Ahus vorbei, meist teilt man sich die Sehenswürdigkeit mit irgendwelchen Hühnern. Da Sebnem am Schluss wirklich leiden musste und fast nicht mehr gehen konnte, haben wir uns entschieden auf der Strasse von Tepeu nach Hanga Roa eine Rapa Nui zu fragen, ob sie uns mitnimmt. Die erste Person war auch gleich so nett und hat uns freundlicherweise bis zurück in das Dorf mitgenommen. Sie baut gerade ein Ecohotel in Hanga Roa und scheint die lokale Geschäftsfrau zu sein. Jedenfalls ist sie sehr viel herumgereist in der Welt und kommt immer wieder zurück auf die Osterinsel. Ihren Namen habe ich leider vergessen.

Wie schon öfters in diesem Bericht erwähnt, gibt es unzählige Höhlen auf dieser Insel. Gasblattern in erkaltenden Lavaströmen haben dazu geführt. Die meisten findet man relativ schnell, einige weniger. Es gibt im Internet von einer deutschen Person eine Abhandlung über die rund ein Dutzend Höhlen, welche man besuchen sollte, inklusive Beschreibung des Auffindungsortes. Die für uns am beeindruckenste Höhle ist die Ane Te Kohe. In der Mitte ist ein Avocadobaum herausgewachsen und man kann nur mit einem Seil und Taschenlampe hinunterklettern. Diese ist unweit von Ane The Pahu gelegen, die auch als Banana Cave bekannt ist, weil dort Bananenstauden aus einem Ende der Höhle wachsen. Sehr interessant ist auch die Höhle Ana Kakenga mit ihren zwei Höhlenfenstern; auf Spanisch wird diese aus diesem Grund "dos ventanas" genannt.

Dazu gibt es noch eine kleine Anekdote: Wir suchen also diese "dos ventana" Höhle, zusammen mit zwei Schweizern und zuvor schon einmal mit Yanina und Justine, aber können die nicht finden, obwohl sie eine der meist besuchten Höhlen der Insel sein soll. Wir fahren nun denn an den Ort, wo es viele Radspuren anderer Besucher der Höhle hat und halten gut 20 Meter vor einem kleinen Loch mit Treppe nach unten an: eine Höhle und ich steige ein paar Stufen hinunter und sehe, dass es stockfinster ist und entscheide, dass dies sicherlich nicht die berühmte Höhle sein kann. Also gehen wir auf Entdeckungstour. Mindestens eine halbe Stunde lang irren vier Schweizer umher und entdecken alles andere, nur nicht diese Höhle. Schlussendlich entschieden wir uns zu sehen, wie weit man denn in dieser dunklen Höhle kommt, wenn man sich einfach weitertastet. Ich voran mit dem zweiten Kollegen, der mit dem Blitz seiner Kamera Lichtfunken erzeugt und uns so den Weg um zwei Ecken in die eigentliche Höhle bahnt. Wir hatten sie endlich gefunden, diese blöde Höhle. Ich haschte zurück, um Sebnem zu holen und vertrampte mir meinen Fuss. Was für ein Idiot, nun konnte ich nicht mehr Surfen! Zugegeben, mein Surfbrett war ja auch noch kaputt vom Transport, aber die Wellen waren wirklich unglaublich gut. Als wir alle wieder draussen waren, entschied ich, dass wir den Ort im Rapa Nui Style beschriften müssen, damit andere Suchende die Höhle schneller finden würden. Wir haben dann kurzerhand eine 2 und ein fensterähnliches Gebilde mit einem Richtungspfeil aus herumliegenden Lavasteinen gebaut. Ich habe mittlerweile schon ein Email gekriegt von jemandem der auch im gleichen Hostel war und so die Höhle gefunden hatte. In der Zwischenzeit hat schon jemand einen Totenschädel auf den Pfeil postiert. Ich bin jedoch stolz darauf, der Osterinsel etwas beigetragen zu haben und wer weiss, vielleicht rätselt man in 1000 Jahren über diese Skulptur nach.

Was bleiben sind noch ein paar Stichwörter, wie zum Beispiel Wind of Change. Da das lokale Radio nicht über die Ressourcen verfügt, über welche andere Stationen verfügen, werden die Musikstücke alle paar Stunden repetiert; oder zumindest scheint das der Fall zu sein, denn das vorhin genannte Lied wurde sicher einmal pro Tag gespielt.

Zu guter Letzt gibt es noch die tragikomische Geschichte mit meinem Surfbrett und der lokalen Surfcommunity. Wenn es ums richtige Surfen geht, dann gibt es auf Rapa Nui einen zentralen Ansprechspartner: Oscar. Oscar ist alles, Surfer, Maler, Philosoph, Händler und Regisseur. Was aber am Wichtigsten ist, Oscar ist die einzige Person auf der Osterinsel, die Surfbretter repariert. Bis zum Zeitpunkt, als ich mit meinem kaputten Surfbrett auftauchte, konnte man noch Spezialpreise aushandeln. Jetzt kostet jedes kleine Ding mindestens USD 20$. Der Grund: Er ist der einzige, der repariert und kann das halt so bestimmen. Zudem warteten zum Zeitpunkt meiner Reparatur rund 20 andere Surfbretter auch auf deren Reparatur. Oscar liebt es zu philosophieren und zwar stundenlang. Er ist ein sehr intelligenter Zeitgenosse, aber leider auch etwas ein langweiliger, wenn es um Abmachungen geht; vermutlich so ein typisches Merkmal von Künstlern (ohne, dass ich hier meiner Schwester zu Nahe treten möchte oder sie sogar diffamieren wollte). Ich brachte also mein Surfbrett am Freitagabend und wollte wissen, bis wann ich es denn haben könnte. Tja, mein Junge, das ist nicht so einfach. Weißt Du, ich arbeite Samstag meistens nicht so oft und gerne und widme mich lieber der Malerei. Gut, wie steht es mit Sonntag? Eigentlich schon, aber an diesem Sonntag kommt gerade ein Riesenswell angebraust und dann muss ich natürlich raus aufs Meer surfen. Ok, verstehe ich, wie steht es mit Montag? Ja Montag könnte ich es machen, und dann hast Du es am Dienstag. Gut, ich bezahl dem guten Mann das Geld und zische ab. Am Sonntag kommt tatsächlich ein Monsterswell rein und beschert uns auf der Südostseite (wo die richtigen Surfer die Wellen bekämpfen) 5 bis teilweise 7 Meter hohe Wellen. Sebnem und ich fahren so von Vinapu nach Vaihu und entdecken diesen Surfspot, wo genau ein Surfer drinsitzt und die fettesten Wellen absahnt. Diese alleine mussten schon 4 Meter gross gewesen sein. Am Dienstag fahre ich zu Oscar und er labert mir die Ohren voll, dass es am Montag immer noch einen guten Swell gab und die Jungs raus mussten, um den Dokumentarfilm fertig zu drehen. Mein Surfbrett wäre am Mittwoch gegen Mittag bereit. Ich frage ihn natürlich nach dem Film und so sitzen wir Minuten später mit zwei weiteren Jungs in seiner Wohnung und gucken uns an, wie die 5 lokalen Jungs (darunter ist ein brasilianischer gesponsorter Profisurfer dabei) per tow-in (das bedeutet, dass man den Surfer per Jetski in die Wellen zieht, da diese so gross sind, als dass man sie mit Muskelkraft alleine anpaddeln könnte) massive Wände surfen. Definitiv zu gross für mich und somit bin ich überzeugt, dass es ruhig noch ein Weilchen dauern kann, bis mein Surfbrett fertig ist. Ein weiterer lokaler Surfer kommt hinzu und erzählt mir von einem Projekt, das er mit der chilenischen Regierung durchführt, wobei sie einen Ecosportfilm drehen, der den Tourismus auf der Osterinsel mehr auch Richtung Extremsport treiben möchte. Dabei muss er möglichst viele Arten von Extremsportarten aufzeigen, die man auf der Osterinsel betreiben kann und was er so macht, ist sehr beeindruckend. Das ganze soll im 2009 herauskommen.

Was haben wir nicht gesehen: Die Poike Halbinsel haben wir leider nicht besucht. Dort befindet sich die so genannte Jungfrauenhöhle. Sie spielte früher eine wichtige Rolle. Auserwählte Jungfrauen wurden dort über Wochen eingesperrt um ihre Haut zu bleichen.

Die Energie, um so langsam zu Schluss zu kommen, ist auf der Osterinsel sehr kostbar und die chilenische Regierung sucht noch Sponsoren, die Windkraftwerke errichten können. Es gab diese früher einmal, aber die waren nicht so gut und waren der Bevölkerung zu laut. Energie scheint eine der treibenden Kostenfaktoren zu sein auf der Insel und wer in seinem Garten vielleicht noch ein paar Turbinen übrig hat, soll die doch dort installieren. Da ist ein enormes Potential vorhanden als Energielieferant. Ein weiteres Potential ist mit dem Internet vorhanden. Ich habe den lokalen Internetprovider kennen gelernt und Zugang zu nicht öffentlichen Skizzen über Vernetzungen des Drahtlosen Internets auf der Insel gehabt, als ich zusammen mit dem Sohn des Geschäftführers auf ein paar WLAN Sniffingtouren ging. Ziel war es, zu einem Fixtarif Wireless Internet zu unserem Hostel zu liefern. Der schematische Aufbau der Internetzufuhr ist äusserst interessant. Die Osterinsel wird per Satellit mit Internet beliefert und dann verteilen im Moment 12 aktive Wireless-Antennen gut pla(t)ziert ums Dorf das Internet unter die Haushaltungen. Der Jüngling mit seinem Laptop verwaltet alles, der Vater handhabt das Geschäftliche. Die Standorte und Ausrichtungen der Antennen war besondere Ingenieurskunst, da es auf der Osterinsel einen erhöhten Umfeldmagnetismus gibt und die starken Felder die Wireless-Funkstrahlen biegen. Alles in allem verbrachte ich mit dem netten Kerl gut einen halben Tag und habe einiges gelernt über Internet auf der Osterinsel. Die Familie selbst betreibt auch ein unscheinbares Internetkaffe, welches sie aber in Begriff sind, stark auszuweiten. An den Namen kann ich mich nicht mehr erinnern, aber es steht an der Hauptstrasse fast gegen Ende der Strasse, wo die Hauptstrasse in die Strasse mündet, welche an Oscar's Laden zur Kirche führt ein mit Atanet gekennzeichnetes Schild an der Strasse. Hier vielleicht noch ein Hinweis, an alle Reisenden mit Laptop, welche versuchen, den WEP Schlüssel zu knacken: Spart Euch die Mühe, der Sohnemann der Familie hat MAC-Filter eingerichtet und IP whitelists konfiguriert. Wer das nicht versteht, soll sowieso einfach ins Internetkaffe und bezahlen J.

Während des Erfassens dieses Berichts habe ich einmal per Zufall CNN geschaut und meinen Augen fast nicht getraut. Scheinbar hat sich so ein finnischer Trottel erlaubt ein Stück Ohr eines gut 500 jährigen Moai abzureissen. Nicht einmal wenn ich komplett besoffen wäre, käme ich auf so eine bescheuerte Idee und ich glaube auch kaum, dass es jemand wirklich witzig fand. Gemäss CNN kann er mit bis zu 7 Jahren Haft und $19'000 USD Busse bestraft werden. Das ist meiner Meinung nach noch zu wenig, aber so wie ich die Bürokratie in Chile vermute, wird das Bürschchen mit einer kleinen Geldstrafe davonkommen. Ich bin einfach fasziniert von dieser Insel und generell von antiken Kulturen und kann es nicht verstehen, wie blind und bescheuert einige Leute durch die Welt stampfen. Solche Leute sind vielerorts der Hauptgrund, dass man fast nichts mehr machen kann oder sich frei bewegen kann. Früher konnte man auf der Osterinsel überall frei campen, ausser auf historischen Stätten. Man konnte jeden Berg besteigen und um jeden Vulkan herumlaufen. Heute ist das ganz anders: Campieren ist nur noch mit Spezialbewilligung erlaubt oder auf einem der wenigen designierten Campingplätze der Insel. Generell wird das Übernachten im Freien von den Verantwortlichen so gehandhabt, dass man bei einer Nacht ein Auge zudrückt. Ein Grund dafür ist, dass es einige Touren gibt, bei welchen man im Freien übernachtet, ein weiterer Grund ist, dass es immer wieder Touristen gibt, welche den Rückweg zu Fuss nicht mehr vor Einbruch der Dunkelheit schaffen und sich dann entscheiden in einer der zahlreichen Höhlen entlang der Küste zu übernachten. Einige der Höhlen haben sogar Stroh ausgelegt, was vermutlich eher für die Tiere gedacht wäre, jedoch im Ausnahmefall sehr bequem sein kann. Die Restriktion kam irgendwann einmal vor wenigen Jahren, als immer mehr Abfall von im Freien übernachtenden Touristen liegen blieb. Solche Geschichten höre ich immer wieder, wenn ich so herumreise und vergleiche mit früher. Vor rund 10 Jahren habe ich einmal das Operahouse in Sydney beklettert. Ich habe zwar einen heftigen Zusammenschiss gekriegt, aber trotzdem nahmen es alle Polizisten ziemlich locker (die Idee dazu kam von meinem 60-jährigen australischen Freund Joseph Mack, der gleiches ein paar Jahre zuvor gemacht hatte). Irgendwann wurde es zu einem kleinen Trend und andere Idioten wollten das Operahouse hochklettern. Dabei hatte auch einen besonderen Idioten, welcher nicht nur einfach zum Spass und ohne gross Spuren zu hinterlassen da hinaufkletterte, sondern politisches Material oben anbrachte. Sobald Leute anfangen dummes Zeugs zu machen und grobe Spuren hinterlassen oder Aufmerksamkeit suchen werden diejenigen bestraft, welche es einfach zum Spass machen.

Die restlichen Bilder kann der aufmerksame Leser in folgenden Alben finden:

Samstag, 1. Dezember 2007

Chile: Santiago

Nach einem sehr angenehmen Flug von Calama nach Santiago, wobei Sebnem und ich das erste Mal nicht zusammensitzen konnten, versuchten wir von Flughafen aus Richtung dem von Sebnem ausgesuchten Hostal Americano zu gelangen. Die Adresse dieses sehr empfehlenswerten Hotels lautet:

Hostal Americano, Compañia N°1906, Tel: 56-2 698 1025, http://www.hostalamericano.cl/
Centro Brasil, in der Nähe der Metrostation Santa Ana

Wieder einmal hatten wir die Chilenen in unserer Naivität unterschätzt, indem wir dachten die Taxis nehmen uns mit. Und wieder einmal waren die vielen Gepäckstücke und das Surfbrett das Thema des Tages. Wir erkundigten uns über andere Fortbewegungsmittel und stossen bald schon auf die Metro, welche sich nicht weit vom Flughafen befindet. Um diese zu erreichen muss man zuerst einen Bus stadteinwärts nehmen und dann bei einer der Metrostationen umsteigen.

Wir hatten auch eine Stadtkarte (es gibt so ein paar Dinge, welche wir mittlerweilen beim Eintreffen in ein neues Land oder eine neue Stadt schon im Voraus organisieren) und die Metrostationen waren im Prinzip auch darauf eingezeichnet. Das Problem mit den meisten Stadtkarten dieser Welt ist, dass sie wohl viele oder sogar alle Strassen eingezeichnet haben, aber äusserst selten findet man auf solchen Karten Hausnummerintervalle (zum Beispiel: Strasse x kreuzt Strasse y und in westlicher Richtung sind die Hausnummern 1600 – 1700 und in nördlicher Richtung 300-350 oder so). Lobende Ausnahmen sind zum Beispiel die Stadtkarten von Buenos Aires oder Lima. Der Vorteil ist offensichtlich: Wenn wir im Beispiel an die Compañia N°1906 wollen und entlang/parallel/in näherer Umgebung dieser Strasse fünf Metrostationen im Abstand zwischen 300 Meter bis einem Kilometer liegen, wir mit knapp 60kg Gepäck beladen sind und es draussen Mittag ist mit 30° Celsius sind, dürfte es einleuchten, dass man sich wünscht, zu wissen, welche Metrostation am nächsten zum Zielort liegt. Wie oben erwähnt, hatten wir diesen Luxus nicht, dafür sahen wir einen nicht unbeträchtlichen Teil der Stadt mit unserem Gepäck schleppend. Was auch eine hilfreiche Information ist, ist ein Massstab, damit man die Distanzen abschätzen kann. Natürlich kommt jetzt sicher so ein lesender Schlaumeier auf die gloriose Idee uns vorzuschlagen, man solle doch jemanden fragen, am besten noch die Taxifahrer. Meine Antwort schlichtweg: Good luck, gringo!

Santiago hat meiner Meinung nach ein ausgezeichnetes bargeldloses Ticketsystem. Eine unpersönliche Magnetkarte namens BIP! genügt als Zahlungsmittel für alle öffentlichen Verkehrsmittel. Die Karte kostet initial 1100 chilenische Pesos (USD 2.20$) und kann so weit ich weiss fast beliebig aufgeladen werden. Leider hatte ich meinen Kartenleser nicht dabei, ansonsten hätte ich sie selber aufgeladen (dürfte höchstens ein simples CRC Design sein, um das Ding zu knacken; falls jemand Lust hat, das System zu hacken, kann er sich bei mir melden und ich stelle ihm/ihr die Karte zur Verfügung) J. Steigt man in einen Bus oder in die Metro ein, hält man das Ding kurz so oft an den Leser, wie Personen fahren wollen. Damit kann man dann maximal 2 Stunden (Metrolinienwechsel sind beliebig viele erlaubt während dieser Zeit) im gleichen Gefährt fahren. Eine Fahrt kostet unisono 380 Pesos (80 Rappen), egal ob man eine Station fährt oder sich zum Auskurieren eines Suffs in die bequeme Metro legt. Ich wünschte es gäbe dieses System in der Schweiz, ohne den idiotischen Tarifdschungel; GA hatte ich, aber das ist nicht das gleiche Prinzip.

Ein weiteres sehr gutes soziales System, welches mir an dieser Stelle gerade einfällt und ich kontextlos beschreiben möchte, ist das semi-automatische anonyme Spenden von Rundungsfehlern beim Einkauf an eine gemeinnützige Institution. In vielen Ländern und Städten Südamerikas, wo es etwas bessere Einkaufscenter gibt, wird man am Ende des Einkaufs bei einem Betrag, welcher nicht auf die kleinste oder zweitkleinste Einheit der landestypischen Währung passt, gefragt, ob man die Rundung auf die nächst höhere Einheit einer Organisation spenden will. Bejaht man dies, werden zum Beispiel x cents zur Rechnung hinzuaddiert. Vielleicht etwas kompliziert erklärt, aber wenn ich eine Tomate einkaufen gehe, welche 0.17 was auch immer für eine Währung kostet, dann werde ich gefragt, ob ich 0.03 der Währung spenden möchte und kriege dann bei 1.00 der Währung 0.80 der Währung zurück.

Das mag als wenig erscheinen, aber wenn das genügend Leute machen, dann sieht man zum Beispiel Ende Jahr in einer chilenischen Zeitung, dass Ripley dieses Jahr USD 16'780$ an eine gemeinnützige Institution in Chile zur direkten und schnellen Hilfe im Erdbebengebiet gespendet hat (fiktives Beispiel). In der Schweiz fände ich so ein System auch vorteilhaft. So hätten wir in gewissen Sparten bessere Preispolitik und Strahm käme bei der Endrechnung des Warenkorbes etwas mehr ins Schwitzen J. Ich bin herb abgeschweift … zurück zur wunderschönen Stadt Santiago.

Angefangen hat unsere Reise zum Hotel mit dem Auffinden des Busses. Es gibt eigentlich nur einen grünen Bus, den man nehmen will Richtung Stadtzentrum und der befindet sich am Kopf der Taxi- und Bushaltestationen. Eine weitere Möglichkeit wäre für uns gewesen, den Service einer privaten Shuttle Gesellschaft zu buchen. Nachdem wir die Preise (ich meine es war so im Bereich von USD 20$ pro Person; aber ich verdränge solche Undinge mittlerweilen sehr schnell) gesehen hatten und einer sogar noch gemeint hat, dass man das Surfbrett nicht transportieren kann, haben wir uns freundlich von diesen etwas Höhenluft schnuppernden Leuten verabschiedet.

Dem Buschauffeur und seinem überaus freundlichen Helfer war es hingegen egal, was wir alles mitschleppten, solange nichts in seinem Bus zurück bleiben würde und wir nicht den ganzen Bus in Beschlag nehmen würden. Hilfsbereit öffnete er die hintere Türe, welche nur zum Aussteigen gedacht ist, und wir luden unser Gepäck auf die hintersten Sitze. Die Fahrt war adäquat billig. Wir kamen unterwegs noch ins Gespräch mit einem "Pärchen", wobei er aus Spanien war (Sevilla glaub ich) und sie aus Santiago. Er war zu Besuch eines Mathematiksymposiums in Santiago und war sehr erstaunt, dass ich ziemlich genau wusste, um was es beim Symposium ging; aber schliesslich unterrichtete ich während meiner zweiten Studienzeit lineare und abstrakte Algebra und kryptographische Systeme an der Fachhochschule Zürich.

Wir stiegen an der falschen Metrostation aus, eine weiter hätte uns einen langen Fussmarsch erspart. So liefen wir los Richtung unserer Zieldestination. Und wir liefen und liefen und liefen und machten Pausen und liefen und liefen (durch das Künstlerviertel: Gruss an dieser Stelle an den Martin, der Freund meiner Schwester und beides talentierte Vollblutmusiker; Martin war vor rund zwei Wochen in Chile, wo er zwei Konzerte gab, aber wir verpassten ihn, da wir noch im Altiplano von Bolivien rumlungerten) und kamen dann endlich bei der Compañia Strasse an. Zu unserem Pech waren wir etwa 14 Blocks zu weit vorne. Sebnem, die vorher noch ziemlich motiviert und tapfer vor mir stapfte fand das gar nicht lustig und ich war auch schon ganz ausser Atem und verschwitzt. Wir entschieden uns für den Rest der Strecke ein Taxi zu nehmen oder ein Auto zu klauen. Zum Glück für den Camaro an der Ecke kam gleich ein Taxi, welches uns sogar mit dem Surfbrett mitnahm; aber nur weil er nur noch 14 Blocks einer Strasse entlang fahren musste. Wir kamen dann nach einer kurzen Fahrt beim Hostel Americano an und es machte uns gleich einen sehr guten Eindruck. So relaxed, klein und mit super freundlichem Empfang. Wir fühlten uns sogleich sehr wohl. Das Doppelzimmer war geräumig mit sehr schönem Bad. Im hinteren Teil des Hotels befindet sich ein grosszügiger Garten mit Sitzplatz und einem grossen Grill, den ich dann noch persönlich unter Probe stellte. Wir hatten gratis und offiziell WiFi Zugang (für einmal mussten wir es uns nicht erkämpfen) sogar vom Zimmer aus und Zugang zur Küche, falls wir selber kochen wollten; was wir auch mehrmals taten im Verlauf unseres Aufenthalts. Das Frühstück war inbegriffen und wir bezahlten mit USD 32$ etwas mehr, als wir uns mit USD 30$ als Ziel gesetzt hatten, aber das war es uns schon wert.

Da wir schon in Calama ziemlich gefaulenzt hatten, waren wir wieder mit etwas mehr Tatendrang unterwegs. Wir machten uns noch auf eine kleine Erkundungstour und assen im nahegeliegenen Park "Brasil" (einem der unzähligen Parks dieser supergrünen Stadt). Schon auf unserer kleinen Tour um die Häuserblocks sahen wir viele ältere und historische Gebäude. Dummerweise ist keiner von uns eine Historiker noch irgendwie speziell mit Kulturgeschichte bewandert, darum können wir Euch hier nicht näher beschreiben, was für Epochen da genau in diesen Gebäuden zum Vorschein kommen, aber imposant sind sie ohnehin auch für uns Laien.

Die weiteren Tage verbrachten wir mit Wanderungen in der Stadt und etwas ausserhalb der Stadt zwecks aussichtslosen Autokaufs. Jaja, man liest richtig, wir wollten uns ein Auto kaufen und damit den Rest unserer Zeit in Südamerika bis Februar rumsausen. Viele Leute, welche ein Auto in Südamerika gekauft haben zu diesem Zweck, und auch Lonely Planet haben uns empfohlen, den Autokauf möglichst in Chile zu erledigen. Die Angebote sind wirklich verlockend und es gibt überaus viele Autohändler in Santiago, aber schlussendlich fanden wir dann doch nichts in unserer Preisklasse (bis 2000 CHF inkl. Zollpapiere, Zulassung und RUT Gebühr) und es wurde uns zu blöd. Was wir aber hier loswerden möchten, sind zwei Hinweise: Wir dachten, als Schweizer sollte man sicherlich zum Automotriz Suiza fahren und dort werden sie geholfen. Denkste, recht unfreundlich und mit einem bitteren Nachgeschmack hinterlassend wurden wir belehrt. Dafür war die Garage gleich nebenan super freundlich und der Autoverkäufer rief sogar extra die Behörden (in Chile herrscht existenzielle Bürokratie und auch wenn wir ziemlich gut Spanisch sprechen, reicht es für die Landsbürokratie nicht mehr aus) für uns an, um heraus zu finden, wie der Ablauf zur Erlangung einer RUT (eine RUT benötigt man in Chile, sobald man sich zum Beispiel ein Auto oder ein Stück Land kaufen möchte) für Touristen wäre.

Wie gesagt, haben wir uns den Rest der Zeit mit Spaziergängen verbracht. Es gibt so vieles zu sehen in dieser Stadt, alleine alle Parks zu besuchen würde ein paar Tage dauern. Die Stadt ist super grün (ähnlich wie Canberra in Australien), modern und sauber. Im Zentrum der Stadt findet man um die Parlamentsgebäude und den vielen Gerichtsgebäuden noch eine Unzahl an weiteren historischen Gebäuden. Am Sonntag war zudem ein Teil der grossen Strasse im Stadtzentrum auf einem guten Stück gesperrt für die Motion "gesunde Stadt, gesunde Luft". Aktivitäten wie Folklore tanzen, Klettern und die Pfadfinder waren präsent. Zudem kamen wir gerade in den Tagen des wichtigsten Fests der Stadt, dem "Teleton '07". Ein Besuch des Cerro Santa Lucia und des Cerro San Cristobal (Metropolitano) gehört ins Pflichtenheft beim Besuch Santiagos. Vorallem der Cerro Santa Lucia in der Stadtmitte ist einfach nur eine Schönheit mit den wasserfallartigen Springbrunnen und den massiven Bauten darum herum. Antike breite Treppen führen vom Eingang unten in den oberen Teil des Parks auf dem Hügel, vorbei am Wasserfall auf den Aussichtspunkt. Überall liegen grosse Steine oder teile des unterliegenden Felsens wurden freigeschaufelt; schattenspendende Bäume dürfen natürlich nicht fehlen.

Der Cerro San Cristobal Park ist eigentlich ein Konglomerat aus Parkanlagen mit verschiedenen Themata und einem Wald und ist wohl einige Quadratkilometer gross. Auf dem Hügel befinden sich zwei prestigeträchtige alte Bäder. Der Zugang erfolgt über die Hochseilbahn oder mit Taxis zum fixen Preis oder zu Fuss. Wir entschieden uns, die weiter entfernte (6km vom Fuss des Hügels) Badeanstalt zu besuchen und stiegen zusammen mit zwei Lokalen in ein Taxi. Eigentlich wollten wir die Schwebebahn nehmen, aber die war gerade an diesem Tag nicht geöffnet, da sie einen Geburtstag feierten. Als wir oben ankamen war ich schon von der äusseren Architektur des Schwimmbades positiv überrascht. Alles ist aus schönen schwarzen Natursteinen (dummerweise bin ich auch kein Geologe, sonst würde ich schon hinschreiben, was für Steine das sind) gemauert, die Wiese in einem top Zustand, überall Wassersprinkler und im Allgemeinen machte die Anstalt den Anschein einer sehr prunkvollen Privatanlage. Gemäss den Eintrittspreisen und der Tatsache, dass sich vielleicht 7 Leute im Bad befanden, dürfte dies auch der Fall sein. Ein Eintritt pro Person kostet nämlich USD 12$. Das Bad befindet sich wirklich zu oberst auf dem Berg und man hat eine wunderschöne Aussicht auf Santiago. Das Badegelände ist relativ klein, viel mehr als 100 Personen dürften da keinen Platz finden. Es befindet sich ein einziges Becken in der Badeanstalt, welches jedoch sehr zum Baden einlädt. Baden wollte ich auch, aber wir Spassvögel hatten wieder einmal die Badehosen nicht eingepackt; vor allem das wunderschöne Bikini von Sebnem, in welchem sie auf den Galapagos Inseln alle weiblichen Tiere eifersüchtig machte. So entschieden wir uns nach der Besichtigung der Anlage, uns wieder zu Fuss auf den Rückweg zu machen und anstatt dessen die anderen Parkanlagen zu besuchen.

Es ist ein sehr schöner Weg den Hügel hinunter, meist waldig, dünn besiedelt, dafür mit den verschiedensten endemischen Pflanzenarten. Wir besuchten die Parkanlage Jardin Mapulemu, in welcher die Regierung von Santiago versucht gefährdete endemische Pflanzen gezielt wieder zu züchten. Wir staunten nicht schlecht, wie viele medizinische Bäume es alleine in Chile gibt und nahmen vom Molle Baum ein paar Blätter mit, da sie so gut rochen; der Plan war es einen Tee zu kochen. Angeheitert vom Blätterklau eines nicht mehr so gefährdeten Baumes spazierten wir die ganze Anlage hinunter, in der Hoffnung weiter unten auf den japanischen Garten zu treffen. Wir kamen noch bei einem Tümpel mit Gänsen an, wo vor allem eine weisse Gans mich sofort ins Herz geschlossen hatte. Wir rannten ein paar Runden um das Gehege und ich liess mich ein paar Male beissen vom lieben Tier und dann entschieden wir, dass wir die Tiere wieder in Ruhe lassen würden. Irgendwie kam dabei ein spezieller Hunger auf, aber wir wollten ja nicht alles mitnehmen, was im Park so herumschleicht oder wächst.

Was wir jedoch mitnahmen waren die so genannten Ciruelas Früchte (Pflaumen, wie es sich später herausstellte), welche ich per Zufall entdeckte. Wir suchten den japanischen Garten und entschieden uns bei der zentralen Nadelkurve, wo sich dieser befunden hätte, eine grosse Abkürzung über die Böschung auf den weiteren Verlauf der Strasse zu gelangen. Den japanischen Garten verpassten wir vorerst, dafür entschieden wir uns einfach querbeet durch das Gelände zu marschieren. Nicht weit weg von der Strasse im Gebüsch fanden wir nebst den vielen öffentlichen Freilufttoiletten ein paar strauchartige Bäume, welche grüne, leicht gelbliche und einige rote Früchte trugen, ein bisschen grösser als eine Kirsche und etwas kleiner als eine Mirabelle. In Afrika und Asien habe ich gelernt, dass wenn etwas nicht sonderlich grässlich schmeckt, wenn man es in den Mund steckt, dann kann man es höchstwahrscheinlich essen. Ich erweiterte diese Weisheit auf Südamerika und steckte mir so eine Frucht in den Mund. Und zu meinem Erstaunen war sie sehr schmackhaft, süsslich sauer und von hoher Konsistenz, sehr fruchtig und mit einem kleinen harten Kern in der Mitte. Noch bevor wir fertig diskutiert hatten, ob wir vielleicht nur ein paar wenige dieser Früchte essen (in der wirren Hoffnung, dass Magenverstimmungsdauer proportional zur Anzahl gegessener Früchte sei), hatte sich Sebnem schon 3-4 in den Mund geschaufelt J. So fingen wir an, den Baum abzugrasen und bei jeder Frucht schauten wir uns an, und fragten uns, ob sie vielleicht doch schädlich sei. Ich entschied mich, unseren Rucksack mit ein paar Kilo dieser Frucht zu füllen und dann jemanden zu fragen, was es denn wirklich sei. Das taten wir dann auch und liefen wieder zurück auf die Strasse, dieses Mal jedoch um die Nadelkurve herum und trafen alsbald auch auf den kleinen japanischen Garten. Wir schossen ein paar Fotos und machten uns auf den Weg weiter hinunter Richtung alternativen Ausgang. Unterwegs trafen wir einen Parkangestellten, welcher uns freundlicherweise aufklärte bezüglich der Frucht und sich freute, dass wir so viele davon gefunden haben. Er erklärte uns, dass alles im Park von der Regierung bezahlt allen zur Verfügung stehe und wir kein schlechtes Gewissen haben müssen, weil wir einen halben Rucksack voller Früchte mitnahmen; das hatte ich sowieso nicht.

Wir fuhren zurück ins Hotel und kochten uns etwas Feines. Wir kochten eigentlich jeden Tag im Hotel, da es uns um einiges günstiger kam und wir dann auch etwas hatten, das wir gerne assen. Die meisten Leser wissen das vielleicht nicht, aber wir sind hervorragende Küchenmeister J. Eines der Gerichte, welches auf dem folgenden Foto ersichtlich ist, ist an die Anlehnung meiner Kindheit im Sommer im Garten meiner Eltern entstanden. Meine Mutter ist eine hervorragende Köchin verschiedener Gerichte aus unterschiedlichen Ländern, vor allem aber Schweiz, Italien (Sizilien) und China. Mein Vater kocht nicht so oft, aber im Sommer feuert er den Grill an und dann gibt's köstliche Festmahle. Eine typische sizilianische Spezialität, welche wir Kinder oft im Sommer aufgetischt bekamen, ist eine Mischung aus Zucchetti und Kartoffeln, gedünstet mit viel Pfeffer und Zwiebeln in der Bratpfanne. Frisch aus dem Boden des Gartens geschaufelt kann man dieses sehr einfache Gericht an Geschmack nicht mehr überbieten. Dazu gab es meistens in Olivenöl und Knoblauch eingelegte auf dem Feuer "gebratene" und geschälte gelbe und rote Peperoni (Paprika, wie viele Leute auch fälschlicherweise, aus Sicht eines Sizilianers, zu sagen pflegen). Das gab's bei uns auch, denn ich schmiss den Grill an und grillierte zwei Steaks und die Peperoni und Sebnem bereitete einen schmackhaften Tomaten Gurken Salat zu. Die Peperoni benötigen sehr viel Zeit auf dem Feuer, gut eine halbe Stunde. Die äussere Haut der Peperoni muss schwärzlich und voll mit Blasen sein und die Konsistenz in sich zusammen sacken. Dann schält man die Dinger, solange sie noch heiss sind und wirft sie zusammen mit sehr viel in Scheiben geschnittenem Knoblauch und relativ viel Olivenöl in einen Topf. Etwas Salz hinzu und fertig ist die Beilage, welche man gut 2-3 Tage im Kühlschrank aufbewahren kann. Zusätzlich kochten wir uns am Vorabend noch Teigwaren und hatten ein paar gekochte Broccoli übrig. Wir entschieden uns, eine Rahmsauce ("crema de leche", für andere Reisende) mit frischen Champignons zu machen und am Schluss die Broccoli hinzuzufügen. Das gab einen weiteren schmackhaften Teller für uns beide. Und so kochten wir jeden Tag etwas, was auf unserer Wunschliste stand und wir im Restaurant nicht bekommen konnten; zumindest nicht in unserer Preisklasse. In Chile lohnte es sich für uns das erste Mal wirklich selbst zu kochen. Egal wie viel Resten man hat, auf den Preis eines Mahls im Restaurant kommt man nicht. In Bolivien selbst zu kochen, ausser vielleicht einen Salat, ist unserer Meinung nach nicht preisgünstiger.

Wieder einmal waren wir in Aufbruchstimmung und wir wollten eigentlich nach La Serena fahren, wo auch schon Martin war und ein Konzert gegeben hatte. Es gibt in La Serena und in der Umgebung von 30 Kilometer davon gute Surfspots. Nach dem Wellencheck und dem Schock der meteorologischen Verhältnisse und natürlich auch den unglaublich hohen Preisen, entschieden wir uns weiter Richtung Argentinien zu fahren. La Serena und der ganze Küstenabschnitt, welcher gut in einem Tag per Bus erreichbar war, hätte uns mit 15° - 20° Celsius erwartet. Das konnten wir uns beim besten Willen nicht mehr vorstellen, zumal es hier in Santiago de Chile, immer schön um die 30° Celsius war. Wir checkten kurz die Temperaturen und den Wetterbericht einiger Städte in Argentinien und fanden ein Hoch über Mendoza; wie passend, das liegt ja gerade auf dem Weg. Die Temperaturen waren mit 35° Celsius in diesem Gebiet angegeben. So langsam wird es wärmer. Das ist das schöne, wenn man in Zentralafrika reist oder allgemein in der Nähe des Äquators in Afrika, man kann monatelang mit 35°-45° schönem Wetter rechnen und muss nicht frieren.

Wir kauften uns ein Ticket bei der Tour Bus Gesellschaft, welche eigentlich wirklich zu empfehlen ist, und fuhren los Richtung Argentinien. Unser Aufenthalt in Chile war sehr kurz, nur zwei Wochen, aber bedingt durch die hohen Preise und dem suboptimalen Wetter entlang der Küste waren wir gezwungen weiter nach Argentinien zu fahren. Die Fahrt selbst war mit 6 Stunden nach Mendoza eher kurz und schon nach kurzer Zeit kamen wir ins Gespräch mit den sehr interessierten Argentiniern und Chilenen und erzählten ein bisschen von unserer Reise. Der Grenzübergang ist sehr gross und es gibt vermutlich zu keiner Zeit grössere Wartezeite an der Grenze. Was vielleicht erstaunen mag, wenn man diese Strecke einmal selbst fahren möchte, ist die Tatsache, dass der eigentliche Grenzübergang mit den Zöllnern und Polizeibeamten, wo man den Eintritts- und Austrittsstempel kriegt, sehr weit innerhalb argentinischen Territoriums ist. Man passiert die politische Grenze auf einem Pass in den Anden und fährt dann noch gut eine halbe Stunde, bis man beim eigentlichen Grenzübergang mit obligatorischem Stop(p) ankommt.

Die restlichen Bilder findet ihr hier:



Mittwoch, 28. November 2007

Calama und San Pedro

Endlich sind wir in Chile angekommen und zwar für ein paar Stunden in San Pedro, dem Grenzstädtchen zu Bolivien. Nach der sehr unterhaltsamen und wunderschönen Fahrt durch das Uyuni Gebiet und dem vulkanischen Altiplano Boliviens versuchten wir direkt weiter nach Calama zu kommen. Was uns natürlich sofort auffiel, waren die exorbitanten Preise in allem, was man gegen Entgelt bekommen konnte: Chile schien dem Ruf eines sehr teuren Landes gerecht zu werden. Dafür offeriert Chile einem auch die Qualität, welche man sich in Europa gewohnt ist; und dies in fast allen belangen, was wir bis jetzt erfahren haben.

Angefangen hat dies schon einmal beim Kauf des Bustickets nach Calama. Oh Schock, es gibt eine offizielle Verkaufsstelle mit Leuten, die sogar für die Busfirma arbeiten und so gekennzeichnet sind. Kreditkarten werden so nebenbei auch akzeptiert. Wir sind gleich ein wenig verwirrt und suchen noch etwas nach einer Falschinformation oder einer Abzockerei, doch irgendwie scheinen die Chilenen diese Phase der Evolution überwunden zu haben. San Pedro selbst mag für einige Touristen sehenswert sein, wir können es nicht beurteilen, aber bei unseren Gängen durch die Strassen des Dorfes ist uns nur aufgefallen, dass sich die Leute in San Pedro auf Tourismus spezialisiert haben. Wie wir auch später erfahren haben, muss der Norden Chiles noch um einiges teurer sein, als der Süden. Dies rührt daher, dass im nördlichen Chile zur Grenze Boliviens einige Minen zu finden sind (Kupfer, Silber und Nitrat). San Pedro, wie auch Calama, sind eigentlich schon fast Erzgräberstädtchen.

Die Fahrt nach Calama war sehr angenehm und obwohl wir einfach den erst besten Bus genommen hatten (bei der "Tur-Bus" Firma), hatten wir den weitaus höheren Komfort als denjenigen, welchen wir mit der besten Busgesellschaft je hatten in Bolivien. Die 90 Minuten Fahrt kostete uns zusammen etwa $6.50 USD. Wie gesagt, die Preise hier in Chile sind im Schnitt etwa 4 Mal so hoch wie in Bolivien. Der Busbegleiter war sehr kommunikativ und natürlich, wie auch der Fahrer, mit Hemd und Kravatte bekleidet.

Endlich kamen wir in Calama an: 27° Celsius Aussentemperatur und eine wunderschöne (im Vergleich zu anderen Ländern Südamerikas) Busendstation. Unser erster Gehversuch startete mit dem Auffinden eines Taxichauffeurs, welcher bereit war, uns mit unserem dreckigen Gepäck mitzunehmen. Man muss sich vorstellen, dass die Taxis (eigentlich alle Fahrzeuge) hier in Calama einfach im besten Zustand sind und förmlich vor Sauberkeit glänzen. Das letzte Mal haben wir so etwas in der Schweiz gesehen.

Die Taxichauffeure machten keine Anstalten für ihre Dienste zu werben, sie schauten uns nur verdutzt an und dachten wahrscheinlich, wo zum Kuckuck diese Verbrecher abgehauen sein müssen. Nach einer kurzen Verhandlung und der Versicherung, dass Robertos Surfbrett wirklich "chico" (klein) ist, luden wir alles ein und fuhren Richtung Stadtzentrum, um ein Hotel zu finden.

Die Suche nach einem Hotel gestaltete sich als etwas mühsam und zugleich demotivierend. Grund dafür war, dass es in Calama scheinbar keine wirklich günstigen Unterkünfte gibt. Unser Ziel ist es, im Prinzip zusammen nicht mehr als $30 USD pro Nacht auszugeben und wenn möglich immer ein Doppelzimmer mit eigenem Bad kriegen. In Chile ist dieses Unterfangen jedoch stark gefährdet. Wir fanden zwei Hostels, welche Zimmer in unserer Preisklasse anboten, das "El Loa" (Lonely Planet Hinweis), welches komplett ausgebucht war und das "Residencial Casa de Huespedes", welches uns für $16 USD zusammen pro Nacht ein Dreierzimmer anbot mit separatem Bad und Dusche. Es blieb uns nichts Weiteres übrig und so nahmen wir das Zimmer.
Auf den ersten Blick war das Zimmer mit den drei Betten unterer Standard, aber nachdem man es sich etwas gemütlich macht und die Matratzen auf den Boden schmeisst, kriegt man ein herrliches Doppelbett in einem tief angesiedelten Rotlichtmilieu erscheinendem Ambiente.

In Calama gibt es eigentlich nichts zu sehen, ausser der Silbermine. Die haben wir uns aber nicht angesehen, sondern haben die restlichen vier Tage vor dem Flug nach Santiago im leicht ausserhalb der Stadt gelegenen Einkaufszentrum verbracht. Der Tagesablauf war eigentlich sehr simpel: Ausschlafen, bis die Sonne uns im Gesicht kitzelte, ab zur "Panaderia Alemania" (Bäckerei) und uns ein superfettes Schinken-Käse Sandwich mit Kaffee und Tee bestellt. Dann machten wir uns so gegen 11 Uhr auf den Weg Richtung Mall, entweder per Taxi colectivo für 80 Rappen oder mit dem Bus für 60 Rappen. Die eine Busfahrt war für Roberto der Hit, da der Busfahrer ein ACDC Fan war und während der ganzen Fahrt ein Best-of Album laufen liess. Im Shopping Center angekommen, besuchten wir immer zuerst den "Maui and Sons" Surfladen und kauften etwas Neues und dann versuchten wir irgendwo gratis Wireless Internet zu kriegen. Der beste Ort, den wir empfehlen können, ist zweifelsohne die Bühne mit den Tischen beim Eingang zum Kinokomplex im zweiten Stock. Man hat gratis Wifi und Strom, kriegt um die Ecke günstig Eis und Getränke und die Leute stören einen nicht. Der zweitbeste Platz ist das sehr teure Gatsby Restaurant, welches einem kulinarisch zu verwöhnen weiss (vor allem der Schokolade-Nuss Cheesecake ist der Hammer). So haben wir wirklich drei volle Tage im Shopping Center verbracht, von morgens bis abends. Kein Witz!

Wer das jetzt gelesen hat, denkt wohl, dass wir nicht mehr alle Tassen im Schrank haben. Da sind die Leute auf einer Weltreise und vertreiben ihre Zeit in einem Shopping Mall. Ja, das mag wohl sein, aber wir hatten im Moment einfach wieder einmal den Drang nach geordneter Zivilisation und wollten uns auch mit neuen Kleidern und Surfutensilien eindecken. Roberto hat sich einen 3.2 Wetsuit und ein neue Badehose geleistet, Sebnem hat auch eine sexy Surfbadehose gekriegt, eine schöne Maui Mütze und einen Pullover. Zudem kaufte sich Roberto endlich einmal eine Sonnenbrille, die theoretisch zumindest länger als zwei Wochen halten sollte. Ausserdem gab es in Calama wirklich nichts zu sehen und wir konnten den Flug nicht mehr vorverschieben (die Geschichte ersparen wir Euch, sonst kocht Sebnem wieder vor Wut; sie kreiert definitiv neue Wortformationen zur Beschreibung weiblicher LAN Chile Angestellter, wobei Schlampe noch zum gesitteten Vokabular gehört). Wir wollten auch nicht mehr zurück nach Bolivien; die einzige Stadt, in welche wir hätten gehen wollen, wäre sowieso Santa Cruz gewesen und diese ist etwa 1500km von Calama entfernt.

Wir haben uns aber prächtig amüsiert im Mall und immer wieder neue Dinge entdeckt und neue Accesspoints gefunden. Bei einem konnten wir am Schluss sogar den Router direkt konfigurieren, ein Servicetechniker oder ähnlich kam dann am letzten Tag vorbei und versuchte uns vergeblich aus dem System auszuschliessen, in dem er den DNS abschaltete. Glücklicherweise gibt es in Südamerika nicht viele Leute, die fundiert etwas über Netzwerktechnologie verstehen J.

Montag, 26. November 2007

Bolivien: Salar de Uyuni Tour und San Pedro, Chile

Nun, ausschlafen konnten wir ja nicht richtig in Uyuni, da wir gleich am nächsten Morgen eine Tour durch den Salar de Uyuni und die "Wüste" starten wollten. Aber zuerst mussten wir noch einen Reiseveranstalter finden, der freie Plätze in einem der Jeeps hatte. Uns wurde von zwei Schweizern die Oasis Tour empfohlen und aus diesem Grund sind wir gleich ohne andere Angebote wahrzunehmen direkt zu der Oasis Tour (direkt im Zentrum). Wir hatten Glück und konnten die "bekannte" Tour für $100 USD/Person für 3 Tage und 2 Nächte inkl. Mahlzeiten buchen. Wie wir aber später festgestellt haben, haben wir eindeutig zu viel bezahlt für die Tour, auch wenn es in unseren Augen bereits günstig erscheint. Wir haben nämlich von einem Einheimischen gesagt bekommen, dass die "Uyuni-Tour" höchstens $90 USD kostet und von anderen Touristen erfahren, dass Einzelne sogar nur $ 70 USD bezahlt haben. Man stellt sich das Mal vor, $ 70USD für 3 Tage, 2 Übernachtungen, leckere Mahlzeiten (welche von unserer eigenen Köchin Nena zubereitet wurden) und den Chauffeur als Guide mit einberechnet. Dementsprechend verdienen die Mitarbeiter (Chauffeure, Köche, etc.) leider auch nicht viel (ca. $ 6-7 USD/ pro Tag).

Um 10.30 Uhr sollte die Tour starten, doch natürlich war niemand zu diesem Zeitpunkt vor Ort. Nach mehrmaligen Abklärungen wurde uns mitgeteilt, dass wir "umgebucht" wurden und mit der Desert Tours die Tour starten würden. Nun ja, im Prinzip war uns das sehr willkommen, da wir eine super Truppe bildeten: Wir, die zwei Australier Jonathan & Matthew und die zwei sich immer zankenden und neckenden Kanadier Julien (Französisch-Kanadier) & Joseph (aus BC).

Alle Gepäcke auf dem Dach des Jeeps aufgeladen, ging es gegen 11.15 Uhr endlich los. Auf Robertos Wunsch hin besuchten wir zuerst den "Cementerio de Trenes", den Zugfriedhof. Anscheinend war es geplant diese Sehenswürdigkeit erst am Schluss ins Programm einzubinden. Da wir aber die Tour nicht vollständig beenden würden (da wir am 3. Tag direkt mit dem Bus nach Chile transferiert werden und nicht nach Uyuni zurückkehren) haben alle dem Wunsch von Roberto zugestimmt. Beim Cementerio de Trenes hat sich Roberto in seine Kinderjahre versetzt gefühlt und ist zusammen mit den anderen Jungs auf den alten & rostigen Zügen herumgeklettert.
Nach viertelstündigem Herumtrollen ging es weiter Richtung Salar de Uyuni, der eigentlichen Salzwüste. Ich selbst konnte es kaum erwarten endlich in der Salzwüste anzukommen; wir haben schon so viele Fotos betrachtet und wussten, dass dies ebenfalls zu einem der einmaligen Erlebnisse unserer Reise gehören würde. Dem war wirklich so: wir waren absolut fasziniert von der Salzwüste und der Grösse des Salars de Uyuni. Sie ist mit über 10'000  km² die grösste Salzwüste der Welt. Während der Fahrt über die Salzwüste machten wir Halt im "Hotel de Sal" (Hotel aus Salz) und auf der Isla Pescado. Das Hotel hat seit Kurzem seine Pforten geschlossen und leider gab es keine Möglichkeit das Hotel von Innen her zu betrachten. Nach dem kurzem Stopp ging es wie oben erwähnt weiter nach Isla Pescado, wo wir einen längeren Halt machten, um unsere Mägen vollzuschlagen. Diese Gegend ist wirklich auch sehr beeindruckend: meterhohe Kaktusbäume (ein Kaktus wächst pro Jahr 1 cm) auf einem kleinen Hügel umgeben von weit und breit nur der Salzwüste. Nach einem kleinen Rundgang wurde uns von unserer Köchin Nena ein super Mahl hergerichtet: Steak, Reis (spezielle Art), Salat und Dessert. Wir hatten wirklich Glück, was das Essen betraf. Nena gab sich stets grosse Mühe und überraschte uns immer wieder auf der dreitägigen Tour. Gemäss diversen Aussagen von einigen Leuten, die wir getroffen haben, war die Qualität bezüglich des Essens zwischen: Scheisse (nur Sandwichs, Haare im Essen) und sehr gut. Ein Tipp also von unsererseits: Informiert Euch bezüglich des Essen vorab!

Danach machten wir noch einen kurzen Abstecher in die Galaxias (eine Höhle, welche erst vor ein paar Jahren von zwei Einheimischen entdeckt wurde und im Moment von italienischen Forschern bezüglich des Alters, etc. studiert wird). Es kann also gut sein, dass diese Sehenswürdigkeit in ein paar Jahren zum Boom wird. Neben der Galaxias Cristal befindet sich sogleich das "Cementerio de las Chullpas" und die "Cueva del Diablo", wo man auf diverse Knochenreste, etc. stösst. Dazu gibt es eine nette Anekdote, welche man sich am besten in der Höhle in Mitten der Skelette anhört. Wer abergläubisch ist, den wird es gruseln.

Später machten wir uns auf den Weg nach San Juan (ein kleines Dörfchen im Nirgendwo) und übernachteten im "Hospedaje Lipena". Hier hatten wir sogar den Luxus warmen Wassers (für knapp 1 CHF pro Person für die Gaskosten) und DoppelzimmernJ.

Hier die Fotos von unserem ersten Tag:

Am nächsten Morgen ging es dann weiter Richtung Süden. Unser erster Halt war auf einem steinigen nicht all zu sehenswertem Aussichtspunkt über die Landschaft. Unsere weitere Fahrt führte uns an vielen Lagunen vorbei, bewohnt von hunderten von Flamingos und ebenso passierten wir einige Llamas, Vicuñas und Alpacas, die leider immer verängstigt davonrannten, wenn wir uns ihnen näherten. Nach ein paar Zwischenstopps bei den verschiedenen Lagunen machten wir am Mittag Halt bei der Laguna Hedionda, wo alle anderen Touristen natürlich auch ihren Mittagsstopp einlegten. Leider führen – so wie wir es erlebt haben – die Tourveranstalter alle dieselbe Tour durch und haben dementsprechend dieselbe Route. Das ist das einzig Negative an der ganzen Sache. Man kann bestimmt auch individuelle Touren buchen aber dafür muss man tiefer ins Portemonnaie greifen.

Danach ging es weiter zum berühmten Arbol de Piedra. In diesem von Steingebilden überhäuften Gebiet fühlten sich die Jungs alle sehr wohl, allen voran Roberto. Hier konnte er die Steine hinaufklettern und waghalsige Sprünge vorzeigen, was natürlich allen imponierte
und ich mit einem Auge mitanguckte.
Unser Guide und Fahrer wollte ein bisschen vorwärts machen und rief uns nach ca. einer halben Stunde zusammen um weiterzufahren. Wir verstanden die ganze Hektik anfangs nicht. Wie sich aber später herausstellte, läuft es mit den Übernachtungsmöglichkeiten bei der Laguna Colorada so ab: First come first serve. Das erste Hostel war bereits ausgebucht, Glück hatten wir mit dem 2. Versuch. Hier muss man sich leider mit einem Zimmer zufrieden geben, welches von insgesamt 6 Personen behaust wird. Von den WC-Anlagen möchte ich lieber kein Wort verlieren. Duschen hat es keine.

Das Hostel befindet sich auf ca. 4'200 M.ü.M. und ca. 100 Meter nach dem Eintritt in den Nationalpark "Reserva Nacional de Fauna Andina Colorado Abaroa" (Eintrittspreis stolze 30 Bolivianos/Person), wo sich die berühmte und wunderschöne teilweise rot-gefärbte Laguna Colorada befindet. Zur Lagune direkt bzw. zum Aussichtspunkt muss man ca. 20 Minuten marschieren. Der Fussmarsch lohnt sich allemal; zudem schlendert man, wenn man Glück hat, an Vicuñas vorbei. Die Tiere sind wie ja bereits erwähnt sehr ängstlich und Roberto hatte sich in dem Moment gerade nach einem Rennen mit einem Vicuña gefühlt. Sie musste nämlich unseren Weg kreuzen, um der Truppe nachzukommen. Roberto wollte sie ein bisschen necken und versperrte ihr rennend den Weg. Die Vicuña ist natürlich viel schneller als Roberto und hat also das Rennen gewonnenJ.

Zurück zur Laguna Colorada: Am Aussichtspunkt angelangt, konnte man gar nicht mehr aufhören zu staunen. Die Landschaft ist herrlich und das Panorama mit der roten Lagune mit den tausenden von Flamingos ist einfach einmalig. Man kann von da oben aus dann einem Weg hinunter zur Lagune entlanglaufen und sich die Lagune näher anschauen. Roberto, Jonathan und Matthew haben es sogar gewagt sich ins Wasser zu begeben, jedoch nur bis zu den Knien (es war nicht tief genug zum Schwimmen). Sie haben sich im warmen Wasser (heisse Quellen aus dem vulkanischen Gebirge fliessen in die Lagune) herumgeschlichen und haben – aus meiner Perspektive – versucht, den Flamingos ein bisschen näher zu kommen, jedoch nicht mit all zu grossem Erfolg. Sie hatten auf jeden Fall eine menge Spass und konnten wenigsten die Füsse ein bisschen im Wasser aufwärmen, denn es war an jenem Tag wirklich kühl bzw. es herrschte eine frische Brise.

Der Fussmarsch zurück ins Hostel gestaltete sich ein bisschen schwieriger, da wir gegen den Wind laufen mussten, der mich wirklich fast einfrieren liess, auch wenn es auf den Fotos nicht so aussieht. Zum Glück haben wir uns in Peru & Bolivien mit Kappen, Handschuhen, etc. eingedeckt Diese waren nämlich während des Uyuni Trips sehr hilfreich. Man befindet sich nämlich stets auf 4000+ M.ü.M, da sind kalte Nächte nichts Aussergewöhnliches.

Im Hostel fix und fertig angekommen wurden mit Mate-Tee und verschiedenen Keksen sozusagen belohnt. Man kann sich also vorstellen, wie gut so ein Tee sich auf den Körper auswirken kannJ. Nach einer kleinen Teerunde hat Matthew den Vorschlag eines Kartenspiels vorgebracht. Da wir ja in dem Hostel und in der Kälte draussen sowieso nichts Besseres vorhatten, haben dem Kartenspiel alle sehr begeistert zugesagt. Wir spielten ein Kartenspiel namens Arschloch, das wir zuvor nicht kannten. Komischerweise hatte Roberto 90% der Spiele gewonnen und war somit mehrheitlich der "Präsident" der Runde, jaja was er wieder für Tricks angewendet hat …

Das Abendessen war eine nette Überraschung von Nena, denn sie hat sich die Mühe gemacht uns ein "Pique Macho" vorzubereiten. Ich & Roberto haben dieses Gericht sehr gerne, aber für den Rest unserer Truppe gehörte dieses Gericht nicht zu deren Favouriten. Besser für unsJ. Da es das letzte gemeinsame Abendessen war, wurde sogar Wein eingeschenkt.
Nach dem Essen spielten wir noch ein paar Runden desselben Kartenspiels und ich war leider eher das "Arschloch" am Schluss. Leider hatte ich kein Glück im Spiel, aber glücklicherweise Glück in der LiebeJ.

Hier noch die Fotos von unserem 2 abenteuerreichen Tag:

Am nächsten Morgen hiess es bereits um 4.00 Uhr morgens aufstehen, da wir uns am 4.30 Uhr auf den Weg Richtung "Hot Springs" machen wollten. Da ich mich im 6er Zimmer nicht ganz wohl fühlte und somit auch nicht richtig schlafen konnte, war ich die Erste nebst Matthew am Morgen, die sich die Mühe machte, pünktlich zu sein. Es hiess also sich kurz umziehen, sich die Zähne zu putzen, zu packen und weiterzuziehenJ. Wir waren nicht mal so schlecht im Timing, aber auch nicht die Besten. Die andere Truppe im Hostel machte sich in 0,0 Sek. vom Acker.

So früh aufzustehen bringt den grossen Vorteil mit sich, den Sonnenaufgang erleben zu dürfen während man durch die steinige, sandige Landschaft fährt, wo man das Gefühl hat, auf einem anderen Planeten zu sein. Müde kamen wir an der ersten Sehenswürdigkeit des Tages an und zwar war das eine Art Vulkangebiet (Michina Geysers), wo man sehr vorsichtig sein muss. An diversen Stellen schoss meterhoher Dampf aus dem Boden, an welchem man sich die Hände aufwärmen konnte.    

Nach dieser Erfahrung ging es weiter Richtung Hot Springs (Warme Quellen). Dort angekommen waren bereits – wie auch nicht anders erwartet – schon ein halbes Dutzend Autos vor uns angekommen und die Leute haben sich in ihren Badehosen in die Schlange gestellt, um sich in der einen künstlich gebauten warmen Quelle aufzuwärmen bzw. zu chillen. Ihr könnt Euch ja wahrscheinlich bestens vorstellen, dass wir uns nicht einfach der Warteschlange anschlossen sondern uns auf die Suche einer anderen Quelle machten. Gemäss unserem Guide nämlich hätte es weiter vorne entlang der Lagune weitere kleinere Quellen, wo man sich hineinlegen könne. Das liessen sich die Jungs nicht zwei Mal sagen und schon waren Matthew, Jonathan und Roberto weg die Lage auskunden. Es dauerte keine 10 Minuten bis sie auf eine kleine, stinkende Quelle stiessen, in welche ca. 4 Personen passten. So befreiten sich die drei von ihren Kleidern und begaben sich vorsichtig in die Quelle. Ich hätte sehr gerne an diesem Plausch im Wasser teilgehabt, für mich war die Aussentemparatur aber einfach zu niedrig. Sicherlich hätte man sich im Wasser aufwärmen können, das Problem ist dann aber, dass man sich den Arsch danach abfriertJ. So blieb ich an jenem Morgen zusammen mit Joseph nur Beobachterin.

Nach der Erfrischung frühmorgens wurden wir mit einem sehr leckeren Frühstück bedient. Danach ging es weiter zu einer weiteren Lagune und zwar war das die Laguna Verde, eine Arsen-haltige Lagune (baden ist aus gesundheitlichen Gründen nicht zu empfehlen). Je nach Windstärke ändert sich der Farbton der Lagune, von hellgrün/grau bis dunkelgrün. Der Ausblick hinab auf die Lagune war natürlich wie schon bei den anderen Lagunen wunderschön.

Das war auch unsere letzte Station, zumindest für uns beide. Wir haben die Tour nämlich nicht ganz fertig gemacht und wurden nach dem Halt bei der Lagune Verde an die Grenze zu Chile gefahren, wo wir dann abgeholt werden würden. Zuerst hiess es aber von der Truppe Abschied nehmen und E-Mail-Adressen austauschen. Drei Tage in diesem Jeep haben uns wirklich genügt. Den soviel Innenplatz bietet es im Prinzip nicht und man sitzt doch die ganze Zeit sehr eng zusammen und hat kaum Beinfreiheit, was eher für die Jungs ein Problem war.

So, nun hiess es eigentlich nur noch abzuwarten bis der Bus startbereit war, um uns und die restlichen Touristen nach San Pedro, Chile zu transportieren. Nur kam ein kleines Problem für uns dazwischen: Sie wollten uns wieder einmal nicht mitnehmen wegen des Surfboardes. Der Fahrer des Busses war sehr unfreundlich und meinte wir sollten auf den nächsten Bus warten. Schön und gut, aber wie wir erfahren haben, gab es keinen anderen Bus an jenem besagten Tag. Roberto und der echt ecklige Busfahrer konnten sich gegenseitig wirklich nicht riechen. Roberto wurde nämlich sehr unsanft vom Busfahrer auf die Seite gestossen, als dieser in den Bus einsteigen wollte. Auch wollte der Busfahrer uns partout kein Ticket geben, solange wir darauf bestünden unser Surfbrett mitzunehmen.

Ich habe dem Fahrer sodann nochmals klar gemacht, dass wir mit diesem Bus mitfahren müssten, da wir noch einen Flug in Calama zu erreichen hätten (was natürlich so nicht stimmte, aber wir haben in Südamerika gelernt, Geschichtchen zu unserem Vorteil zu erfinden). Der Busfahrer schmollte vor sich hin und für die nächsten 30 Minuten war keine weitere Aktion seinerseits zu sehen (alle im Bus bereits wartend). Roberto nahm sich die Zeit und ging beim Zoll zu einem bolivianischen Polizisten und erläuterte ihm die Geschichte, in der Hoffnung, dass er gute Verbündete mit der Polizei und dem Militär machte im Fall eines Falles. Nun, vielleicht hat der Busfahrer dies beobachtet, denn auf einmal konnten wir doch mitfahren, obwohl er sich wirklich sehr dagegen sträubte; er war auch Chilene auf bolivianischem Boden und ich nehme an, dass sich dieser nicht mit der bolivianischen Autorität anlegen wollte. Das war somit unsere erste Erfahrung mit einem Chilenen.

Die Fahrt auf üblen Strassen endete damit, dass wir auf der chilenischen Seite nach 20 Minuten Talfahrt auf eine perfekt geteerte Strasse stiessen. Hätte man versucht den umgekehrten Weg zu fahren, wäre man vermutlich niemals im Leben dort abgebogen. In San Pedro de Atacama in Chile angekommen, wurden wir alle ausgeladen, um unseren Einreisestempel für Chile einzuholen. Was uns schon auffiel war, dass alles sehr geordnet zu und her ging. Hier ist noch zu erwähnen, dass wir unseren Austrittsstempel von Bolivien bereits in Uyuni geholt haben, da dies uns so empfohlen wurde. In San Pedro wurden wir alle eingehend kontrolliert inkl. unserer Gepäcke. Es ist nämlich absolut verboten Früchte, Fleisch, etc. mitzunehmen.

Aus unerklärlichen Gründen tauchte jedoch im Bus eine etwas kaputte Tasche mit diversen Früchten auf, die aber niemandem zu gehören schienJ. Natürlich versuchten die Zollbeamten den Besitzer der Tasche ausfindig zu machen, aber leider waren sie nicht ganz so erfolgreich. Roberto erinnerte sich dann plötzlich daran, dass wir auch noch einen Apfel im Rucksack hatten und wollte ihn loswerden (auf die hohe Busse waren wir nicht scharf). So nahm er ihn heraus und lief schnurstracks zur bösen Zollbeamtin mit der vorhin erwähnten Tasche und händigte ihr den Apfel aus mit den Worten, dass er diesen auch noch zwischen den Sitzen gefunden hätte und er wohl auch von der Tasche sein musste. Nach ersten Unglauben ihrerseits und nachhaken von Roberto schien die Zollbeamtin diese Geschichte dann doch zu glauben und wir kamen mit einem blauen Auge davon; einen ähnlichen Spass erlaubten wir uns dann beim Überqueren der Grenze nach Chile.

Uns selbst gefiel San Pedro de Atacama nicht so sehr, zu touristisch und so entschieden wir uns möglichst schnell von diesem überteuerten Ort zu fliehen. Nach dem Geldwechsel (verhandeln kann sich lohnen, vor allem wenn man Bolivianos in chilenischen Peso wechseln möchte) kauften wir unsere Tickets nach Calama. Noch einmal machten wir unfreiwillig einen Rundgang mit unserem Gepäck durch San Pedro auf der Suche nach der Busstation, welche sich eigentlich gerade vor der Billetverkaufsstelle befand. Als der Bus vorfuhr, fielen uns fast die Augen aus dem Kopf. Nach einem Monat Bolivien und einigen Busfahrten, kam da aus dem Nichts ein super komfortabler Bus um die Ecke, moderner als der beste Bus in Bolivien. Natürlich darf eine Diskussionsrunde mit dem Chauffeur bezüglich des Surfbrettes nicht fehlen und da wir schon warm waren an diesem Tag mit argumentieren, hatte letzterer auch keine grosse Chance. Roberto bot ihm 1000 Pesos (2 CHF), welcher dieser sich in die persönliche Tasche steckte und das Surfbrett wurde anstandslos eingeladen; sogar in einen separaten Laderaum. Kurz bevor wir losfahren wollten, stiessen noch ein paar Radfahrer zum Bus und wollten samt den Rädern mitfahren. Das ging dem Busveranstalter etwas zu weit. Für Roberto war es klar, dass dies nur Schweizer sein konnten und das war auch der Fall. Nur Schweizern kommt es in den Sinn, wie die behinderten durch 30 Grad warme Sandwüsten mit dem Fahrrad zu radeln; man sieht diesen Wahnsinn jeden Sommer in der Schweiz. Man könnte den Schweizern vermutlich alles wegnehmen, nur das geliebte Fahrrad nicht; dabei gäbe es echt gesunde sportliche Alternativen, aber die Schweizer haben einfach eine masochistische Ader. Was für nicht so bereiste Schweizer auch typisch ist, ist die Tatsache, dass sie für den Transport der Räder rund USD 30$ pro Person bezahlten und sich noch glücklich dafür bedankten. Als wir in den Bus einstiegen konnten wir von vorne und hinten noch mehr schweizerdeutsch vernehmen; wo's richtig kostet trifft man sie wieder, die reichen Schweizer J.

Es ist generell unglaublich zu sehen, wie viele Schweizer und Deutsche in Südamerika herumreisen. Teilweise hat man das Gefühl, man könnte geradeso gut Deutsch sprechen. Gegen den Sommeranfang hier in Chile und Argentinien hin, wird's vermutlich noch extremer werden. Zeit, Reißaus zu nehmen und sich wieder an Orte begeben, wo's friedlich ist und man Kultur erleben kann.

Unsere ersten Eindrücke von Chile: geordnet, super teuer und sehr sehr europäisch orientiert. Das Land hat nicht mehr viel mit dem Rest Südamerikas zu tun.
Hier noch die Fotos vom dritten Tag: