Freitag, 15. August 2008

Indonesien: Nusa Tenggara, Gili Meno Insel der Lombok Provinz

Nach vier wunderschönen Tagen in Bali statteten wir der ca. 25 km entfernten Insel und Provinz Indonesiens Lombok ein Besuch ab. Unsere erste Destination war die Gili Meno Insel (eine der drei bekannten "Gili Islands"). Die Gili Inseln befinden sich nordwestlich von Lombok und sind in einem Motorboot innert wenigen Minuten von Lombok aus erreichbar. Die der Küste am nächsten liegende Insel ist Gili Air, die mittlere Insel, welche wir besucht haben, nennt sich Gili Meno und die äusserste als Partyinsel bekannte Insel ist Gili Trawangan. Unser Guidebook sowie der Branch Manager, wo wir unsere Überfahrttickets gekauft haben, versicherten uns, dass Gili Meno die ruhigste Insel sei und die schönsten Strände habe. Ohne uns gross Gedanken darüber zu machen, buchten wir bei Rodetha Tours & Travel unsere Reise bis auf die Gili Meno Insel (Minibus, Fähre, Motorboot). Auf allen drei Gili Inseln sind keine Autos vorhanden und bei vielen Touristen steht wohl das Tauchen im Vordergrund. Zwei Tauchgänge kann man bereits für CHF 60.00 absolvieren.

Am Tag unserer Abreise wurden wir am Morgen um Uhr in Bali vor unserem Hotel abgeholt. Mit im Minibus waren zwei Franzosen und ein Amerikaner. Wir wurden bis zum Hafen von Padangbai gefahren, wo wir dann auf die Uhr Fähre nach Lembar in Lombok umgestiegen sind. Wir kamen jedoch viel zu früh am Hafen an, so dass wir bis zur Abfahrt noch über 1 Stunde herum sassen und mit Schrecken feststellten, wie viele Touristen sich hier tagtäglich einfinden, um nach Lombok zu gelangen. Der Hafen war voll mit wartenden Touristen und dementsprechend liefen auch überall Strassenverkäufer herum, welche versuchten den Touristen Sonnenbrillen, teuere Getränke, etc. unterzujubeln. Als wir im Restaurant auf die Abfahrt der Fähre warteten, trafen wir prompt zwei Gruppen von Schweizern an. Die eine war eine Familie die andere Gruppe von Schweizern machte sich auf den weg in den Süden von Kuta, wegen den Wellen. Wir liessen uns von dem ganzen Touristenstrom nicht abschrecken und hofften immer noch auf ein bisschen Abstand von allem auf der Gili Meno Insel. Die Überfahrt von Bali nach Lembar (Lombok) dauerte sage und schreibe 5 Stunden (für 25km) und am Hafen in Lombok angelangt, warteten wir eine weitere Stunde, bis die Passagiere das Schiff definitiv verlassen durften. Die Leute auf der Fähre wurden ziemlich nervös und wirkten bereits überanstrengt vom ewigen Warten. Ein kleiner Hunger mache sich während des Wartens bemerkbar und so machte sich Roberto auf den Weg in die 1. Etage, um an der Bar etwas zu Knabbern zu organisieren. Hier jedoch wollte der Angestellte den doppelten Preis für einen Pack "Guetzli". Neben Roberto kaufte sich eine Einheimische die "Guetzli", mit welchen Roberto geliebäugelt hat, für IDR 5000. Von Roberto wollte der liebe Herr hinter der Bar IDR 10000. Natürlich liess Roberto sich das nicht auf sich sitzen und beharrte auf denselben Preis. Jedoch wollte der unverschämte Herr nichts mit Roberto zu tun haben und meinte, er mache nur Probleme, er solle doch wieder verschwinden. Während diesem Szenario gesellte sich ein Israeli, der das ganze Geschehen beobachtet hat, zu Roberto und machte ein Riesenradau. Auch der Israeli, wie all die anderen Touristen, wurde übers Ohr gehauen. Es geht hierbei nicht um viel Geld, RUP 10000 sind gerade einmal CHF 1.30. Aber wissend den doppelten Preis zu bezahlen ist einfach nicht fair und nicht korrekt. Der Durchschnittslohn von Hotelangestellten oder Shop-Angestellten ist hier in Bali zwischen CHF 3.00 – 5.00 pro Tag. Wie kann man es dann rechtfertigen, einen Preis von CHF 1.30 für ein Pack "Guetzli" zu verlangen? Das gibt einem wahrhaftig zu denken.

Während der Überfahrt lernten wir zudem zwei witzige Italienerinnen (die von einem Franzosen heftigst umworben wurden) aus Mailand kennen, welche am Vortag in Bali landeten und am nächsten Tag sich auf den Weg nach Gili Trawangen begaben. Was sich die beiden nicht bewusst waren, war die Tatsache, dass die Reise bis auf die Gili Inseln sich so in die Länge ziehen würde. Ihnen wurde bei der Buchung erläutert, dass der ganze Transfer wenige Stunden dauern würde und nun waren sie bereits 8 Stunden unterwegs, wie all die anderen Passagiere. Auf typische italienische Art hörte man sie gegen das Ende hin nur noch fluchen :). Nun kann man sich fragen, ob es sich überhaupt lohnt solch eine lange Reise anzutreten, wenn man nur eine bedingte Anzahl von Tagen Ferien hat. Die Überquerung mit der Fähre ist definitiv die günstige Variante um auf Lombok bzw. die Gili Inseln zu gelangen, jedoch verliert man auf diesem Weg einen wertvollen ganzen Tag mit Herumsitzen und Busfahren; und dabei ist Lombok nur 25 km von Bali entfernt. Andere Varianten auf die meist besuchten Inseln in Lombok zu gelangen sind ein Transfer mit einem Speedboot zu buchen (dauert gemäss Auskunft ca. 3 Stunden und kostet ca CHF 65.00/Person) oder auf Lombok zu fliegen (ca. CHF 35.00 / Person), und von dort aus die Weiterreise antreten. Wir haben uns während der Hinreise für die günstigste Variante entschieden und kamen nach gut 14 Stunden in Gili Meno - entgegen der Aussage des Branch Managers von Rodetha Tours & Travel, dass der ganze Transfer maximal 9 Stunden dauern würde - an. Was wir aus diesem Tag lernten? Auf dem Rückweg nach Bali werden wir zu 100% den Flieger nehmen :).

In Lembar, wo die Fähre angedockt ist, herrschte ein Riesenchaos. Tourorganisatoren waren auf der Suche nach zu transferierenden Touristen, zu denen wir auch zählten. Zum Glück fanden wir auf Anhieb im ganzen Getümmel den Minibus, welcher uns bis nach Bangsal transportieren würde. So stiegen wir wieder in einen Minitransporter ein und wurden in das üble Städtchen Bangsal gefahren, wo wir dann mittels eines Motorboots auf die Gili Meno transportiert werden würden. Der Fahrer machte während der Fahrt noch Halt im Büro des Reiseorganisators in Mataram (die Hauptstadt von Lombok). Hier verschwendeten wir eine weitere halbe Stunde, wobei wir nicht genau wussten, weshalb. Uns wurden neue Tickets für die Überfahrt mit dem Motorboot ausgehändigt, that's it. Wir kauften bei dieser Gelegenheit noch die Retourtickets bzw. Weitertickets von der Gili Meno Insel nach Kuta Beach. Die Tickets kann man an einem beliebigen Tag gebrauchen und man muss den Tourorganisator nicht im Vorhinein benachrichtigen. Jeden Tag wartet um Uhr Morgens ein Motorboot auf jeder der drei Inseln, welches einen auf die Hauptinsel transportiert. 

Wir wurden während unseres halbstündigen Aufenthaltes in Mataram noch vor dem Städtchen namens Bangsal, wo wir als nächstes hingefahren wurden, gewarnt. Lokale versuchen hier anscheinend Touristen über das Ohr zu hauen, indem sie ihnen erzählen, sie bräuchten noch ein Zulassungsticket, um überhaupt auf eine der Gili Insel zu gelangen. Anscheinend funktionierte dieser Trick bei manchen Touristen, sonst hätten uns die Tourorganisatoren nicht davor gewarnt. Die Fahrt nach Bangsal bietet einem eine wunderschöne Sicht auf den Regenwald und an den Strassenseiten sind an vielen Orten Äffchen anzutreffen. Eine willkommende Sicht in Bezug auf die Kängurus in Australien :). In Bangsal angekommen und aus dem Auto gestiegen, wurden wir gleich von einer Dutzend Leuten umrundet, welche einem irgendetwas verkaufen wollten und immer noch dem Herkunftsland fragten. Wirklich übel. Wir waren bereits kaputt, müde und hungrig und wollten nur noch Ruhe. Nachdem wir – nach Vorbild einer Schulklasse – uns in die richtige Reihe begeben hatten, fuhren wir endlich los Richtung Gili Meno.

Eine Unterkunft hatten wir auf der Gili Meno Insel noch nicht. Wir gingen ja nicht davon aus, so spät nach Dunkelheitseinbruch dort anzukommen und dass die Insel voll bepackt mit Touristen sein würde. Genau diese Faktoren spielten uns bei der Auswahl unserer nächsten Destination eine grosse Rolle. Und wurde immer wieder bestätigt, dass wir auf Gili Meno eine schöne und ruhige Zeit haben würden und hier nicht viele Touristen antreffen würden. Denkste!
Wir müssen zugeben, dass wir hier doch ein bisschen selber Schuld sind. Es ist im Moment Hochsaison in Indonesien und den hiesigen Tourorganisatoren kann man schlichtweg keinen Glauben schenken. Wir waren nun auf der Insel mit unserer grösster Befürchtung: Finden wir jetzt am Abend noch eine freie und bezahlbare Unterkunft? Die Hotels und sonstigen Unterkünfte waren alle voll und wir spielten schon mit dem Gedanken am Strand schlafen zu müssen (wir klapperten ein Hotel nach dem anderen ab mit unserem ganzen Gepäck und dem Surfbrett). Die ganze Sache war ziemlich ärgerlich und wir gaben die Hoffnung nicht auf, doch noch eine akzeptable Unterkunft zu finden. Mittels Hilfe eines lokalen Ansässigen stand die Option auf ein schlichtes Bungalow, jedoch zu einem dreifach überteuerten Preis! Der Besitzer wollte gut CHF 40.00 für die Übernachtung (für diesen Preis erhält man normalerweise bereits Hotelzimmer mit TV, Klimaanlage, modernen Toilette, warme Dusche, etc.). Der Bungalow war sehr schlicht und war schlussendlich unsere letzte Option und einer Übernachtung am Strand mit dem ganzen Gepäck vorzuziehen. Wir gaben uns mit dem horrenden Preis einverstanden, da der arrogante Besitzer überhaupt nicht mit sich reden liess. Unser erster Eindruck von Gili Meno? Übersäht mit Touristen, unfreundlichen Leuten und einem durchschnittlich schönen Beach. Die Unfreundlichkeit machte sich kontinuierlich bemerkbar. Wir versuchten in der Touristeninformationsstelle auf der Insel herauszufinden, wo es eventuell noch einen Platz zu schlafen gäbe. Die Dame jedoch erwiderte, dass sie keine Ahnung habe. Wir fragten sie höflich an, ob sie nicht ein paar Hotels übers Telefon für uns anfragen könne, da sie ja ein Touristeninformationsbüro führt. Die Dame hatte überhaupt keine Lust uns zu helfen und meinte nur, wir sollen doch am Strand entlang laufen und die Hotels direkt selber anfragen. Wahrscheinlich kann die Dame nur nett sein, wenn für sie "was" drin liegt.

Wie oben erwähnt, fanden wir doch noch auf eigene Initiative mittels Hilfe eines Einheimischen ein Bungalow und zwar bei der "Kontiki Meno Bungalow". Diese Anlage ist ebenfalls in unserem Guidebook mit einem dreifach tieferen Preis aufgelistet. Uns hat es hier nicht im Geringsten aus den Socken gehauen und wir wollten nur noch die Nacht überstehen und den morgigen Tag mit voller Elan und Energie starten. Am nächsten Morgen machten wir uns früh aus den Federn und schauten uns den Strand bei Tageslicht an. Roberto und ich waren uns sofort einig, dass wir uns hier nicht wohl fühlen würden. Zu viele Touristen und überteuerte Preise auf der ganzen Insel! Aber bevor einer definitiven Entscheidung erkundigten wir uns beim nächsten Hotel "Biru Meno" über Unterkunftspreise. Wir konnten nur über den ausgesprochen Betrag von über CHF 65.00 lachen (die Unterkünfte waren also nicht speziell). Als ich den Angestellten fragte, wieso er das Vierfache von dem im Guidebook angegebenen Preis verlange, meinte er nur, dass der Preis fix sei. Ich meinte nur, dass der Preis viel zu hoch sei. Respektlos und unbeeindruckt meinte der Angestellte, dass er nun zu arbeiten habe und drehte uns den Rücken zu und lief davon. Soviel zur Gastfreundschaft. Die Gastfreundschaft ist wohl nur bei Touristen da, welche sich damit einverstanden geben solche absurden Beträge zu bezahlen. Hier haben einfach schon zu viele Touristen vorbeigeschaut, so dass die Leute nur noch Geld in einem Touristen sehen.

Somit haben wir uns an diesem Morgen entschieden, die Insel nach nur 12 Stunden wieder zu verlassen. Es ist sicherlich möglich, hier eine schöne Zeit zu verbringen, aber was Inseln, Strände, Gastfreundschaft anbetrifft, braucht es für uns einfach mehr. Die Entscheidung die Gili Meno Insel zu besuchen war ein absoluter Fehltritt :). Wahrscheinlich hätte das anders ausgesehen, wären wir hier zu Niedersaison gewesen. Dennoch, die Stände sind nichts Besonderes und überall findet man Müll am Weg oder Strand entlang. Würden wir ein Guidebook schreiben, stünde hier: Auslassen, es gibt wahrhaft schönere und ruhigere Gegenden in der Provinz Lombok.

Wieder einmal packten wir unsere Rucksäcke und beeilten uns an die Abfahrtstelle des täglichen Bootes auf die Hauptinsel. Wir waren just on time so gegen Uhr. Das Motorboot war bereits gestartet und kam, als es uns sichtete, zurück und holte uns ab. Das einzig positive Erlebnis auf der Insel :). Wenigstens haben Roberto und ich uns gemeinsam, können uns gegenseitig aufmuntern und verbringen auch bei Zeiten wie diesen schöne Momente. Erleichtert sassen wir mit weiteren Touristen im Motorboot und hatten als nächste Destination Kuta Lombok im Visier. 

Der Transfer verlief ziemlich reibungslos. Wieder machten wir vorerst Halt in Mataram, wechselten den Minitransporter und wurden zusammen mit einem Deutschen namens Chris nach Kuta Lombok gefahren. Mit Chris ist Roberto während der nächsten beiden Tage surfen gegangen und mehr dazu findet ihr im nächsten Bericht zu Kuta Lombok.

Verständlicherweise haben wir von den Gili Inseln keine Fotos geschossen und können hier zum ersten Mal kein Album zur Ansicht offerieren, denn zu 90% der Zeit, welche wir auf diese Insel verbrachten, war es dunkel :).

Dienstag, 12. August 2008

Bali: Kuta, Surfen und ein Ausflug in den Norden

Nach einem sehr kurzen Flug von Darwin her kamen wir in Asien, oder genauer in Indonesien, oder noch genauer in Bali, oder wirklich genau in Kuta an. Erst einmal traf uns wieder der Kulturschock, aber es ist ja nicht unser erstes Mal im südasiatischen Gebiet. Jedoch ist es für uns beide das erste Mal in Bali und wir wussten eigentlich nicht, was uns hier erwarten würde. Da wir am späteren Abend ankamen und es auch schon dunkel war, organisierten wir vom Hotel aus einen Abholservice. Die Fahrer vom Bamboo Bed & Breakfast standen dann auch mit einem Schild am Ausgang und begrüssten uns freundlich. Wie wir bald gemerkt haben, sprechen die meisten Leute hier extrem schlechtes Englisch und im Moment haben wir zuwenig Energie und Willen, um Indonesisch zu lernen. Es scheint auf den ersten Blick nicht die komplizierteste Sprache zu sein, aber wir werden ja auch nur drei Wochen in Indonesien verbringen.

Wenn man nach Indonesien einreist, kann man schon im Voraus ein verlängertes Visum beantragen. Wie das geht, wissen wir nicht so genau, denn obwohl wir 35 Tage auf den Einreisezettel geschrieben hatten (funktioniert zumindest in Südamerika meistens) wurde uns das Visum nur für einen Monat gewährt. Im Nachhinein haben wir jedoch einige Reisende getroffen, die ein 60 Tage Visum gekriegt hatten. Es fiel uns jedoch auf, dass schon bei der Immigration gross eine Tafel stand, wo man für eine Verlängerung nochmals USD 25.00$ bezahlen müsse. Diesen Betrag bezahlt man auch zu Beginn. Ich nehme einmal an, dass sie es bewusst so machen, damit die länger Reisenden für teures Geld ein zweites Visum beantragen müssen; und wieder einmal haben wir realisiert, dass wir wieder in einem Teil der Erde sind, wo man als Tourist immer abgezockt wird. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis wir uns erneut in den Anti-Verarschungs-Modus versetzt haben und unser Hirn sofort Alarm schlägt, wenn etwas nicht mit rechten Dingen zu und her geht. Der Nachteil gegenüber Südamerika ist natürlich, dass wir hier die Sprache weder sprechen noch verstehen. Was einem aber auch sofort auffällt ist die relativ hohe Freundlichkeit der Leute in Bali; und das obwohl schon so viele Millionen Touristen sich hier breit gemacht hatten. Es muss wohl an der Einstellung liegen, welche zumindest in Bali vorwiegend aus der hinduistischen Lehre entspringt. Die anderen Landteile der Republik Indonesien sind verwiegend islamisch, womit wir wohl bemerkt nicht indizieren möchten, dass Leute aus dem Islam weniger freundlich sind. Wohl bemerkt muss hier auch erwähnt werden, dass alle Religionen, welche in Indonesien vorherrschend sind, vor allem aber der Islam und der Hinduismus, freundlich (mit ein paar kleinen Aussetzern) nebeneinander und miteinander leben. Leider kann man dies von anderen Erdteilen nicht behaupten. Doch zurück zu unserem Aufenthalt in Bali.

Wir wurden als am Flughafen abgeholt und ins Ressort gefahren. Bei Ankunft konnten wir kaum glauben, dass wir hier eine Unterkunft gebucht hätten. Am Empfang gab es sogar gratis Wireless Internet. Jedoch mussten wir bald feststellen, dass wir zur Administration der Villa de Daun Anlage gefahren wurden, welche nebst ihren sehr teuren und luxuriösen Villen (die Nacht ab USD 250.00$) noch das Bed & Breakfast administrieren. Aber auch dieses war sehr ansehnlich und wir waren positiv überrascht von der Sauberkeit und dem Stil der Anlage. Wir wurden fast schon überfreundlich begrüsst und es wurde uns ein Upgrade von einem Doppelzimmer in ein Dreierzimmer mit Doppelbett angeboten, da die anderen Zimmer schon besetzt waren. Wir nahmen an und marschierten zum gut 300 Meter weiter vorne liegendem B&B. Das Zimmer wir wirklich sehr schön und wir fühlten uns sehr wohl. Wie es sich im Nachhinein herausstellt, ist Indonesien noch einmal um ein Weiteres billiger als Südamerika grob geschätzt, was uns finanziell sehr entgegen kommt (soweit wir wissen, ist unser Auto immer noch nicht verkauft). Der einzige negative Punkt war der unglaubliche Lärmpegel, den man fortan wohl erdulden musste hier im total überlaufenen Kuta in Bali.

Ich glaube nicht, dass man in Bali für mehr als eine Sekunde irgendwo alleine sein könnte, unabhängig davon, wo man hingeht. Überall ist es voll von Touristen, vor allem aus Europa und Asien, wobei hier wiederum die typischen Reisenden aus der Schweiz, Deutschland, Frankreich und Japan vermutlich den Grossanteil ausmachen.

Schon während auf der Fahrt ins Hotel fingen Sebnems Augen an zu leuchten, denn Kuta scheint zumindest für Frauen ein Shoppingparadies zu sein. Ein Laden schmiegt sich an den anderen und buhlt mit Tiefpreisen um die Kundschaft. Um die Leute noch etwas zu animieren, sich in den Laden zu begeben, zieren viele Läden Marken Leuchttafeln mit Aufschriften von Dolce & Gabbana, Gucci oder anderen. Natürlich hat der Inhalt des Ladens wenig mit der Originalware der Markenikonen gemeinsam, aber es scheint die Leute schon anzuziehen. Ich meine, als die Leute vor ein paar Jahren herausgefunden haben, dass man die ach so berühmte braune Louis Vuitton Handtasche in allen Formen in der sehr billig und ziemlich professionell nachgemachten Version in Thailand erwerben konnte, wurde jeder Asienreisende von unzähligen Frauen zu Hause in Europa angefragt, ob er nicht noch Platz hätte, um so eine Handtasche mitzunehmen; Sebnem hat glaub' ich auch eine :). Das Resultat ist heute, dass man im Ausgang in Zürich bei gut 20% der weiblichen Partygänger die braune oder weisse LV Handtasche erblicken kann. Sebnem hatte mich während der Fahrt schon fast erpresst, dass ich dann mit ihr shoppen gehen werde :). Nun, ganz so schlimm war es nicht, aber sie hat sich natürlich eine überaus geschickte Taktik überlegt, wie sie mich dann ohne grosse Überredungskunst auf die gähnend interessante Ladenbesichtigungstour mitnehmen könnte.

Irgendwann konnten wir dann auch einschlafen. Am Morgen wurden wir dann von kreischenden Hähnen, Gehupe der Motorräder und Autos und dem Lauten Diskutieren aus der Nebenstrasse friedlich aus dem Tiefschlaf gerissen. Nachdem wir schon seit langem kein Frühstück mehr im Zimmerpreis inkludiert hatten, genossen wir das eher spärliche Morgenessen im Restaurant beim Bamboo Bed & Breakfast umso mehr. Wie es sich später herausstellte, scheinen die Essportionen im Allgemeinen in Bali eher klein bemessen zu sein; so kann es sein, dass man manchmal zwei Portionen bestellen muss. Wir gingen dann auf unsere erste Shoppingtour und inspizierten ein paar Surfshops, um eventuell ein paar Leibchen billig zu ergattern. Leider Fehlanzeige, jedoch fand Sebnem ein sehr durchdachtes und mit Rollen versehenes Surfbag für zwei Surfbretter, welches nur CHF 120.00 kosten würde. Ich realisierte zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass dies Teil des Plans zu mehr Shopping war :). Obwohl wir noch das blaue hatten, war es doch ziemlich mitgenommen von der langen Reise, seit wir es in Ecuador im letzten Jahr erworben hatten. Ich diskutierte ein wenig mit dem Verantwortlichen des Shops und veranlasste ihn, uns ein neues zu ordern, welches farblich (wir wollen es in schwarz) und funktionell auf unseren Geschmack treffen würde. Es meinte, dass es in zwei Tagen abholfertig sein würde und mit einer 10% Kaution war der Deal abgeschlossen. Danach schlenderten wir in ein paar der Dutzenden von Surfshops, um uns nach den Preisen für Secondhand Surfbretter zu erkunden; ich wollte noch ein oder zwei Bretter kaufen. Aber die Preise sind einfach zu horrend oder die Bretter zu kaputt. Kurz darauf schnappte ich mein Brett und Sebnem und ich steuerten durch die masslos überfüllten Gassen an den Kuta Strand. Wer auch immer jemals geschrieben hat, dass dies ein ansehnlicher Strand sei, muss wohl extrem auf Drogen gewesen sein, denn mit Schönheit hat dieser Strand genau überhaupt nichts zu tun. Dafür gibt's reichlich Wellen und das in kleiner Entfernung. Ich schmiss mich sogleich ins Getümmel (ein paar Hundert Surfer sind schon im Wasser, aber der Strand ist ja auch sehr lange). Die Wellen waren so moderat zu Beginn jedoch bei Gezeitenwechsel gab es ein paar Sets mit gut 2 Meter hohen Wellen, wo dann einige Surfer zurück an den Strand gespült wurden, und nur noch wenige erfahrene Surfer draussen die sehr schönen Wellen reiten konnten. Es hat extrem viele Anfänger im Wasser und es hat Sebnem sehr angespornt, in den nächsten Tagen auch wieder zu surfen. Wir brachten das Surfbrett zurück ins Hostel und gingen in eines der zahlreichen Restaurants. Am Abend wird man typischerweise überall auf den Strassen angesprochen, jedoch wiederholen sich die Gegenstände in jedem zweiten Laden. Die Leute sind im Prinzip super freundlich, fast schon zu überfreundlich. Die Tiere werden auch nett behandelt. Nach dem Essen schlenderten wir noch ein wenig in den Strassen herum und checkten ein paar Surfshops aus. Ich suche immer noch ein paar günstige Bretter, die kaufen könnte. Ein Surfshop mit etwas schrägen Typen hat uns dann ein 6'3'' für CHF 100.- angeboten. Aber es war zu übel verarbeitet und schon einmal gebrochen. Die fast schon herzzerreissende Story über die Notwendigkeit der Jungs im Laden unbedingt ein bisschen Geld zu verdienen, damit sie am Wochenende zu ihren Verwandten fahren können, nahm ich ihnen nicht ab. Wie so oft decken wir uns in einem neuen Land mit DVD Filmen ein und hier in Bali war es nicht anders. Wir haben uns etwas zurück gehalten und 20 DVD für CHF gekauft. Wir sind dann nur noch todmüde aufs Bett gelegen und haben uns einen Film angeschaut. Hier muss man noch erwähnen, dass vor allem Sebnem öfters unerklärliche Schmerzen in ihren Knien und Beinen hat; vor allem wenn es etwas kälter wird. Jedoch haltet sie dies nicht davon ab, noch etwas shoppen zu gehen. Sie verlangt oft nach ihrer sehr guten Freundin Moni, denn dann müsste sie mich nicht immer stundenlang überreden, um in die Shops zu gehen. Auch wenn es billig ist, reizt es mich überhaupt nicht in überfüllte Shops zu gehen. Während Sebnem schon fast am Träumen war, entschloss ich mich nochmals hinaus zu gehen, um zu sehen, ob man eine kleine Kulturreise in Bali organisieren könnte, ohne einen der abgedroschenen Angebote annehmen zu müssen. Ich kam dann ins Gespräch mit den zwei ganz jungen Angestellten Sanling und Eric des Villa de Daun Hotels. Ich erklärte ihnen unser Dilemma und fragte sie, ob sie einmal Lust und Zeit hätten, mit uns mit dem Töffli eine Rundreise in Bali zu unternehmen. Die beiden waren ganz enthusiastisch und erklärten mir, dass morgen ihr freier Tag sei und sie uns sehr gerne mehr von Bali zeigen würden. Sie versprachen mir, dass sie am Morgen für uns ein Moped organisieren würden und sich Gedanken machen würden über einen möglichen Tagesausflug. Irgendwie fiel es mir, nach alledem was wir in Südamerika erlebt hatten, sehr schwer, ihnen Glauben zu schenken, aber ich wollte es trotzdem versuchen. Nachdem sie mir erzählten, dass die Angestellten im Touristenloch Kuta Bali nur gerade 25'000 – 30'000 IDR (rund 3.50 CHF) pro Tag verdienen, erklärte ich ihnen, dass ich bereit wäre, beiden den doppelten Tageslohn als Entschädigung zu bezahlen und alle sonstigen Unkosten, wie Benzin und Essen übernehmen würde. Hier möchte ich noch erwähnen, dass das Hotel, in welchem die beiden Jungs arbeiten Villas anbietet, welche ab rund CHF 300.00 pro Nacht zu haben sind. Wir hatten einen Deal und wir trennten uns glücklich, um die kurze Nacht noch optimal zu nutzen. Ich war glücklich, dass wir nun eine private Tour mit zwei Lokalen machen und diese noch sinnvoll finanziell unterstützen konnten.

Am frühen Morgen um gut Uhr standen wir wie abgemacht auf der Matte und wurden prompt von den zwei Jungs freundlich grinsend und sichtlich glücklich begrüsst. Sie hatten sich unter dessen den Kopf zerbrochen, was man an einem Tag so machen könnte, um möglichst viel von Balis Kultur zu sehen und trotzdem nicht von einem Ort zum andern zu stressen.

Nachdem ich noch kurz unkompliziert ein Moped gemietet hatte (den Automat kriegt man für rund 10 CHF, einen geschalteten kriegt man, sofern man ihn für mehrere Tage mietet für 5 CHF) fuhren wir sodann Richtung Norden durch das Getümmel der engen Strassen in Kuta. Es braucht ein paar Tage, bis man sich einigermassen an den Verkehr auf Balis Strassen gewöhnt hat. Es gibt eigentlich keine fixe Regel, nicht einmal wirklich eine Richtungsweisung für kleine motorisierte Fahrzeuge; der Trick ist einfach, dass man sehr defensiv fährt und wach bleiben muss.

Nachdem wir Kuta verlassen hatten, fuhren ins wunderschöne Herz von Bali. Die Landschaften sind absolut bezaubernd, man fährt weite Strecken an Reisfeldern vorbei und immer wieder fährt man durch kleine Dörfer, welche den typischen balinesischen Baustil der Häuser zeigt und meistens voll von kleinen Hindutempeln sind. Die Leute hier sind überfreundlich und haben immer ein Lächeln bereit.

Wir hätten auf dem Weg zum "Lake Bratan" jede Minute einen Fotostop(p) einlegen können, so schön war die Umgebung. Wir besuchten den Purusada (wenn ich mich richtig erinnere) Tempel, dessen Eintritt uns gut CHF kostete. Diese Tempelanlage beherbergte verschiedene Götterobjekte und wir wurden über die verschiedenen Götter der Hindus, den Gebetsablauf und andere Geschichten informiert. Die Jungs gaben sich ausserordentlich viel Mühe und wir genossen die Lektionen in Hinduismus. Um den Tempel betreten zu können, muss man eine Art Sarong um den Bauch binden und die Frauen dürfen nicht in der Menstruation sein. Am Schluss des Rundganges haben wir noch zusammen traditionell gebetet.

Wir haben danach einen kurzen halt in Sembung gemacht, um wieder voll aufzutanken und um ein paar typische balinesische Süsswaren einzukaufen. Das Gebäck im grünen Blatt eingewickelt hat uns am Besten geschmeckt. Danach erreichten wir nach einer ziemlich steilen Fahrt den Hügel hinauf nach gut zwei Stunden den wunderschönen Lake Bratan mit der Tempelanlage Pura Ulun Danu; der Eintritt wurde uns für CHF gewährt. In unmittelbarer Nähe befindet zudem eine etwas heruntergekommene Mosche. Die Hindus und die Moslems leben in Bali ohne Konflikte miteinander und respektieren sich gegenseitig. Jedenfalls ist das meistens der Fall. Die Geschichte lehrt uns hier eines Besseren und nicht selten gerieten die verschiedenen Religionsgruppen arg aneinander. Aber meistens leben die zwei stark verbreiteten Religionen der Hindus und der Moslems friedlich Seite an Seite.

Wir genossen den sichtlichen Touristenmagneten dieses Sees mit der Tempelanlage, assen unsere Süssigkeiten und machten uns dann wieder von dannen. Fährt man etwas südlich, erreicht man nach kurzer Zeit den „Bali Botanic Garden“, welches eine wunderschöne Anlage ist. Gegründet wurde sie im Jahre 1959. Es gibt eine Hauptstrasse durch den Park und einige Nebenstrassen. Der Hauptstrasse entlang laufend, kommt man an den beiden imposanten Rahwana Jatayu und Kumbarkarna Laga Statuen vorbei (von der antiken Hindu Ramayana Legende). Wir schossen ein paar Fotos mit den sehr detailreichen Kriegerstatuen und liefen weiter zum einzigartigen Kaktus Glasshaus. Das Kaktus Glasshaus war sehr interessant und beinhaltet Dutzende von Spezien, unter anderem aus Afrika, Amerika, Deutschland, der Schweiz und Indonesien. Auf dem Rückweg sind wir durch den Bambuswald gelaufen. Bambus hat hier in Bali verschiedene Gebrauchszwecke: Er wird für Gerichte gebraucht, im Häuserbau dient er zur Stabilisierung, die Leute erstellen damit Haushaltutensilien, es werden auf ausgefeilter Art Fischfallen gebastelt und er dient auch in Form von Musikinstrumenten für religiöse Zeremonien. Im Park ist auch ein perfekt situiertes und nicht gerade preiswertes Guesthouse vorhanden, wenn man wünscht, hier in der Oase der Ruhe und in unmittelbarer Natur bequem zu übernachten.

Der nächste Halt führte uns nach Jatiluwith. Von hier aus hat man eine herausragende Aussicht auf die sehr gepflegten Reisfelder. Leider war das Wetter bei unserer Ankunft nicht optimal, um Fotos schiessen, da es bewölkt warm. Jedoch haben wir unterwegs noch andere Reisfelder fotografiert und so einige präsentierbare Bilder geschossen.
Die Zeit verging wie im Fluge und wir befanden uns schon wieder auf dem Rückweg Richtung Kuta Bali. Obwohl wir distanzmässig nur relativ kurze Strecken zu überwinden hatten, brauchten wir mit unserem Moped über die hügelige Landschaft und mit den unzähligen Fotohalts sehr viel Zeit, aber wir genossen den Ausflug total. Nach den Reisfeldern ging's vorbei an Bilderbuch Landschaften und Dörfer zu einem der Monkey Forests. Gemäss den Jungs gibt es drei Monkey Forests in Bali. Wir gingen in einen weniger besuchten und waren total überrascht, dass es tatsächlich so viele Affen im Wald hat. Normalerweise müsste man Eintritt bezahlen, aber die Jungs kannten einen Hintereingang über eine sehr üble Strasse. Die Affen halten sich hier zu Hunderten auf und haben sogar ihren eigenen Tempel. Achtung: Die cleveren Vierbeiner versuchen alles an sich zu reisen. Wenn man sein Fotoapparat nicht fest in den Händen hält, dann kann man sich davon verabschieden. Sebnem hatte noch ein wenig Süssigkeiten in einer der Taschen übrig. Als sie die Videokamera herausholen wollte, kam die Süssigkeit sichtlich für die neugierigen Viecher zum Vorschein und zwei der Affen hängten an Sebnem und versuchten das Päckchen mit der Süssigkeit wegzuschnappen. Eric kam ihr zur Hilfe und Sebnem lies das Päckchen los; total überrascht und erschrocken. Die Äffchen sind sehr aggressiv, wenn es ums Essen geht.

Da es langsam gegen Sonnuntergang ging, machten wir uns auf den Weg nach Tanah Lot. Hier soll der schönste Sonnenuntergang von ganz Bali stattfinden und schon bei unserer Ankunft, waren wir nicht überrascht, dass sich jeder Tourist dort einfinden würde. Nachdem uns gesagt wurde, dass man CHF für das Parkieren bezahlen müsste für die Motorräder, machten wir uns weiter auf den Weg Richtung Kuta. Wie kann man es rechtfertigen, soviel für Parkgebühren zu verlangen, wenn auf der anderen Seite die Lokalen teilweise nur CHF pro Tag verdienen. Das macht einfach keinen Sinn, aber wir werden in Zukunft nicht mehr so viel darüber schreiben, denn den meisten Leuten ist es sowieso egal, da die Einsicht uniform die ist, dass wir (da offensichtlich reich) immer jeden Preis bezahlen. Auf dem Heimweg machten wir noch Halt um zusammen Abend zu essen. Roberto hatte Mie Goreng und Sebnem hatte eine Gemüsesuppe. Roberto hatte zwei Portionen :). Die beiden Jungs haben ebenfalls Mie Goreng bestellt. Das Essen war super lecker und kostete weniger als CHF für alle zusammen. Der Unterschied zwischen den Preisen auf dem Lande und der Stadt sind extrem.

Die Strassenverhältnisse und der Verkehr in Bali sind schon ziemlich anstrengend und bei Einbruch der Dunkelheit wird’s ziemlich mühsam. Wir kamen jedoch heil an und Eric machte sich dann bei der Ankunft in Kuta direkt auf den Weg nach Hause zu seiner Frau und dreijährigen Tochter. Wir hingegen verlängerten unseren Aufenthalt um einen Tag und waren kaputt und todmüde!!!

Wir würden dann am nächsten Tag schon Richtung Lombok ziehen, auf der Suche nach schönen Stränden, etwas mehr Ruhe und guten Wellen. Dabei entschlossen wir uns über die Gili Inseln nach Lombok zu gelangen. Leider war die Idee mit den Gili Inseln eher ein Fehltritt, aber dazu mehr im nächsten Bericht.

Es folgt auch noch ein zweiter kleiner Bericht über unsere Ferien in Bali nach dem Aufenthalt in Lombok. Aber hier zuerst einmal die Bilder unseres kleinen ersten Aufenthalts in Bali:

Dienstag, 5. August 2008

Australien: Roadtrip Kakadu Nationalpark to Darwin

Wir noch kurz erwähnt im vorhergehenden Bericht, dachten wir, dass wir locker eine Unterkunft finden werden. Jetzt reisen wir schon über ein Jahr herum und trotzdem rasseln wir immer wieder zu den ungünstigsten Zeitpunkten in ein Gebiet hinein. In Darwin ist im Moment gerade Höchstsaison und zudem ist dieses Wochenende noch das Darwin Derby. Letztes Wochenende war auch schon ein sehr wichtiger Event. Jedenfalls resultierte dieser Umstand darin, dass sämtliche Hostels und Motels in einem grossen Umkreis komplett ausgebucht waren. Kein Problem, wir sind ja self-sufficient und können einfach in einen Caravanpark fahren und uns irgendwo an einem kleinen Platz verkriechen. Denkste, auch die Caravanparks waren voll, und damit meine ich nicht, alle powered sites eines Caravanparks, nein, sogar die schlichtesten Zeltplätze ohne Strom waren komplett ausgebucht. Dies führte einerseits dazu, dass die Preise fast ins Unermässliche stiegen und viele Leute immer noch unterwegs auf der Strasse waren, um eine Unterkunft zu finden.

Gute 15 Minuten von Darwin entfernt fanden wir dann noch durch einen Tip(p) den Free Spirit Resort Caravanpark, welcher genau noch eine powered site für AUD 38.00$ frei hatte. Das ist der höchste Preis, den wir bisher je für eine Übernachtung in einem Caravanpark bezahlt hatten und für das Internet hätten die Besitzer noch zusätzlich horrende Preise verlangt. Der Platz war übel, gerade vor der Dusche, zur Schau gestellt für alle vorbeiziehenden Leute, auf dem Weg zur Toilette. Ärgerlicherweise schien neben uns noch so eine Halogenlampe, die den Leuten die ganze Nacht hindurch den Weg zum Toilettenblock erleuchtete und unser Wagen in ein Sportstadium verwandelte. Da wir bis jetzt meistens ziemlich alleine mit genügend Abstand zu den Nachbarn übernachten konnten, hatten wir nie darüber nachgedacht, wie wir so etwas wie einen Vorhang basteln wollten. Diese erste Nacht in Darwin gab uns genügend Zeit, um mit einigen Prototypen eines Vorhangs zu experimentieren. Irgendwann hatten wir dann eine Art Dunkelraum kreiert und konnten vermindert belästigt einschlafen.

Da wir am späteren Samstagnachmittag in Darwin angekommen sind, gab es nicht mehr viel zu tun über das Wochenende, zumal der Montag auch noch ein Festtag war. Unsere grösste Priorität ist es, das Auto zu verkaufen; sofern möglich. Falls dies nicht klappt, müssen wir um einen Einstellplatz Umschau halten. Jedenfalls fuhren wir fast schon ziellos umher auf der Suche nach einigen Autohändlern und einer besseren Übernachtungsmöglichkeit. Bei den einzelnen Autohändlern, welche man am Weg zwischen Palmerston und Darwin antrifft, bekamen wir die ernüchternde Wahrheit zu spüren: Obwohl man hier in den Northern Territories besser mit einem Diesel Motor fährt (wegen den Problemen des Benzinschnüffelns der Aborigines), gelten hier die gleichen raffgierigen Gesetze der Autohändler. Es wird höchstens der red book Wert eines Autos bezahlt, unabhängig davon, ob man einen praktisch neuen Motor drin hat oder eine Blockwinde oder ein roof rack oder brandneue Batterien. Alle zusätzlichen Features erhöhen den Preis nicht, es kommt auch praktisch nicht darauf an, ob man jetzt irgendwo Rost hat oder nicht. Solange der Motor startet und das Auto von fünf Meter aus visuell einigermassen als Gefährt erkennbar ist, wird es gekauft und dann für mindestens den doppelten Preis wieder verkauft. Das Maximumgebot welches wir kriegten waren dann etwa AUD $5000 – $6000. Im Notfall würden wir es unter Umständen für diesen Preis verkaufen, aber wir wollten zuerst versuchen, ein paar Flugblätter in der Stadt in Hostels und anderen designierten Orten aufzuhängen. Für heute jedoch war Schluss und unsere Moral war ziemlich auf ihrem Tiefpunkt, da niemand den wirklichen Wert unseres Autos wertschätzte. Wir machten uns auf den Weg, um nach einer neuen Unterkunft zu suchen.

Nun, beim folgenden Abschnitt haben wir uns lange überlegt, ob wir ihn überhaupt schreiben sollen, denn was folgt, würde ich als den schwärzesten Moment unserer Reise bezeichnen. Nichtsdestotrotz ist er Teil unserer Reise und durch das Beschreiben dieses horriblen Unfalles für mich eine Art therapeutische Erleichterung. Kurz gesagt: Wir hatten einen üblen Zusammenstoss mit einem Motorradfahrer, wobei wir nichts falsch gemacht hatten, sich jedoch unser Gefährt durch seine Ausstattung und Gewicht als sehr übel für den sich nicht korrekt verhaltenden und auch nicht strassengerecht gekleidet und geschützten Motorradfahrer auswirkte; er lebt noch, aber leider dürfen wir nicht wissen, wie es ihm geht oder wie er heisst. Die einzigen Dinge, um die wir uns zu kümmern haben gemäss der Polizei sind, dass wir unschuldig sind und nichts dafür konnten und uns vom Schock erholen versuchen. Aus Sicherheitsgründen wird uns weder der Name noch der Zustand des Verunfallten ausgehändigt.

Wir waren auf einer doppelspurigen Strasse für unsere Richtung auf rechten Strassenseite (welche normalerweise zum Überholen benutzt wird) und wollten links in eine Einfahrt fahren. Ich habe kurz nach Hinten geblickt und weit weg einen schwarzen Wagen gesehen und sonst nichts und habe begonnen, langsam zur linken Spur zu wechseln, um dann links einzubiegen. Also ich nochmals einen Blick zurück werfen wollte, hörten wir einen massiven Knall auf Sebnem's Seite und sahen (zumindest für mich so vorgekommen) im Zeitraffer einen Motorradfahrer neben uns das Gleichgewicht zu verlieren, da er in unseren Wagen geprallt war. Der Motorradfahrer wurde aus dem Gefährt geschleudert und traf, da er mit einer solch hohen Geschwindigkeit unterwegs war, unserem Auto entlang taumelnd auf den Strassenrand auf und rollte zusammen mit dem nach fliegenden Motorrad dem Strassenrand entlang und stiess frontal in die gut 15 Meter weiter entfernte Geschwindigkeitstafel hinein. Er blieb liegen und das war für uns der schlimmste Moment, denn wir wussten nicht einmal recht, was genau passiert war. Wie bogen links ein und ich stoppte den Motor, stieg aus dem Auto und rannte zum verletzten Körper, der regungslos am Boden liegen blieb. Sofort stiegen neben mir noch die Insassen des schwarzen Autos aus, welche alles beobachtet hatten und ihrerseits schon fast mit dem an ihnen vorbeirasendem Motorradfahrer zusammen gestossen waren und die Frau kam zu mir und sagte mir sofort, dass ich nichts dafür konnte, weil er auf der falschen Strassenseite viel zu schnell an mir vorbeifahren wollte. Der Fall sei klar und ich solle mir keine Sorgen machen. Aber wie konnte ich mir keine Sorgen machen; da lag ein Mann regungslos am Boden und reagierte überhaupt nicht auf meine Fragen, atmete nicht! Glücklicherweise folgten uns auch noch eine Ärztin und ein Krankenwagen und diese waren somit innerhalb einer Minute an Ort und Stelle. Der Fahrer des schwarzen Autos rief die Polizei an, währenddem die Notärzte versuchten den Zustand des Verunfallten zu eruieren und stabilisieren. Sebnem war mittlerweile verständlicherweise im Schockzustand. Wir beide waren noch nie direkt in einen Autounfall verwickelt, wo jemand verletzt oder eventuell sogar getötet wurde. Wir sahen uns an und wussten einfach, dass wir es uns niemals verzeihen könnten, wenn wir diesen Menschen, schuldig oder nicht, auf dem Gewissen hätten. Der Gedanke daran verlieh mir weiche Knie und es wurde mir übel. Der Körper bewegte sich immer noch nicht und unterdessen traf die zweite Ambulanzeinheit ein, gefolgt von der Feuerwehr. Langsam konnte ich das Ausmass des Übels sehen: der Helm des Fahrers, welcher nicht korrekt angemacht war, lag auf der anderen Strassenseite, der Mann flog aus beiden Schuhen heraus direkt in die Stange hinein. Die Notfallhelfer der Ambulanz befanden nach kurzer Zeit, dass der Mann noch am Leben sei und zum Glück nicht gelähmt, denn sie drehten ihn ziemlich abrupt auf den Rücken, um ihn mit dem Gerät zu beatmen. Die Ansicht des arg zugerichteten Mannes war ein Bild, das wir nie wieder vergessen werden: Eine klaffende Wunde am Kopf, vermutlich komatös, sicherlich eine offen gebrochene Rippe und vermutlich beide Beine und die Arme gebrochen. Ich sorgte mich um Sebnem, welche dummerweise alles mit ansehen musste und in einem sehr emotionalen Schockzustand war. Als die Ärzte die Beatmung ansetzten und die vitalen Signale auf dem Monitor lautstark und regelmässig ertönten, war ich zumindest hinsichtlich des Zustands des Verletzten sehr erleichtert. Er würde es sicherlich schaffen, auch wenn die Verletzungen aus meiner Sicht vermutlich länger dauern würden, um zu heilen. Ich fragte die Helfer mehrere Male nach dem Zustand des Mannes und wohin sie ihn bringen würden, bekam aber keine Antwort. Mittlerweile hatte sich auch die Polizei eingefunden und sich um eine Erklärung des Hergangs bemüht. Nachdem ich ihnen alles erzählte, die Leute des schwarzen Wagens einen ausführlichen Bericht gaben und sie sich die Situation anschauten, war es auch für die Polizei ein klarer Fall: Officer Wolfe kam direkt auf mich zu und versicherte mir, dass ich nichts dafür könne und mich nicht schuldig fühlen solle. Das ist einfacher gesagt als getan; Sebnem war unterdessen in Betreuung einiger Feuerwehrmänner, welche tagtäglich solche Szenen miterleben müssen und sehr feinfühlig und verständnisvoll versuchten mir ihr zu sprechen. Die Feuerwehleute waren wirklich sehr sehr professionell und verständnisvoll und haben massiv dazu beigetragen, dass wir uns schneller vom Schock erholt haben. Ich musste währenddessen einen Alkoholtest abliefern, welchen ich logischerweise mit 0.0 Promille bestand. Ich fragte nach dem Namen des Verunfallten, aber niemand wollte diesen mir geben; aus Sicherheitsgründen, wie es hiess. Da Sebnem verständlicherweise immer noch im Schockzustand war und auch ich noch nicht wirklich alles verdauen konnte, riefen die Feuerwehrleute den psychiatrischen Dienst des nahe liegenden Spitals an, damit wir professionelle emotionale Unterstützung bekommen können. Der Verletzte war schon auf dem Weg ins Spital, als wir auch Richtung Spital fuhren. Dort angekommen wurden wir von zwei Psychologen empfangen und die sprachen kurz mit uns über unser Erlebnis. Wir versuchten abermals den Namen des Verletzten zu erfahren, damit wir uns über seinen Zustand erkunden konnten, aber auch hier keine Chance. Wie es sich im Nachhinein herausstellte, werden wir wohl nie erfahren, wie es dem armen Mann ergangen ist und wie sein Zustand ist. Das hat uns schon sehr mitgenommen, wir verstehen jedoch auch diese Schutzmassnahme für beide Seiten. Die beiden Frauen gaben uns dann noch einen Hinweis bezüglich der Unterkunft, da wir ja ursprünglich auf dem Weg waren eine Unterkunft zu finden. Sie meinten, dass wir der Lee Point Strasse entlang zum Strand fahren und dort sicherlich gratis übernachten können; wir sollten uns dann etwas Zeit nehmen und am Strand entlang spazieren, um auf andere Gedanken zu kommen. Etwas mulmig war es mir schon, wieder auf der Strasse zu sein und an diesen Ort zu fahren. Aber wenigstens wusste ich, dass obwohl vermutlich schwer verletzt, der Verunfallte noch lebt. Die Erleichterung kann man nicht mit Worten beschreiben.

Auf dem Weg Richtung Strand fuhren wir dann am Lee Point Caravan Park vorbei, bei welchem wir dann prompt noch einen Platz fanden. Es ist der grösste Caravan Park und einer, der immer als letztes gefüllt ist. Wir entschieden uns daher, hier zu bleiben, was im Nachhinein dann auch das Zuhause bis zum Ende unseres Australienaufenthaltes sein würde. Wir bekamen eine powered site und nachdem ich dem Portier unser Erlebnis erzählte, brachte er uns an einen sehr ruhigen Ort. Die Leute hier hatten sehr viel Verständnis für unsere Lage und waren wirklich sehr nett und einfühlsam zu uns; etwas, was bei den Australiern meistens eher selten zu finden ist.

Sebnem ging es immer noch nicht so wahnsinnig gut und das Schlafen im engen Auto ohne Privatsphäre oder einen Ort, wo man sich hätte zurückziehen können war nicht gegeben. Also entschieden wir uns wenigstens für die nächsten drei Tage uns eine Cabin für AUD 80.00$ zu leisten. Es sind basic Unterkünfte in einem moderat grossen Raum, mit Fernseher, Air Conditioning, Kühlschrank, Toaster, Sofa, ein Queen-size Bett und eine Mikrowelle. Wir entschieden uns also ab dem nächsten Tag in so eine Cabin zu ziehen und bekamen prompt die letzte solcher Unterkunft mit der Nummer 10, direkt vor dem Toiletten- und Duschenblock. Wir bauten vor der Tür unsere Campingküche auf und fühlten uns alsbald sehr viel wohler. Schon beim Bezug der Cabin 10 lernte ich Marie und die kleine Kirrilee kennen, welche die lokalen Cabins reinigten. Es stellte sich heraus, dass aus dieser kleinen Bekanntschaft eine ziemlich enge Freundschaft zu einer ungewöhnlichen Familie entstand, welche dort im Caravanpark lebte und arbeitete. Die wirklich sehr nette und hilfsreiche Familie May, eine Mischung aus schottischem und australischem Blut, besteht aus dem Hausherren und Workaholic Peter, der ebenfalls hart arbeitenden Marie aus Schottland und den witzigen und aufgestellten Kindern Lorn (10 Jahre alt), Kirrilee (gerade 7 Jahre alt geworden) und Timor (5 Jahre alt und das grösste Schlitzohr). Nachdem Peter und ich ein paar Sätze ausgewechselt hatten und uns gleich auf der gleichen Wellenlänge befanden, – ich würde sagen Peter ist noch sarkastischer veranlagt als ich – erzählte ich Peter das kleine Dilemma welches wir mit unserem Auto hatten. Wir hatten schon Flyers gebastelt und diese in den Hostels aufgehängt und ein "For Sale" A4 Blatt an unsere Rückscheibe gehängt, hatten aber kleine Hoffnung, das Auto noch über eine Privatperson loszuwerden innerhalb einer knappen Woche. Wir hätten es einfach für AUD $5000 an einen Dealer verhökert oder noch versucht es im Caravanpark abzustellen. Peter hörte mir aufmerksam zu und meinte dann so nebenbei und locker: "Leave it with me, I'll sell the car for you!". Nicht sicher, ob er jetzt wieder einen seiner sarkastischen Bemerkungen offenbarte, fragte ich ihn halb verwundert halb witzelnd nach. Peter jedoch war es sehr ernst und er meinte, nachdem wir uns gut 15 Minuten gekannt hatten, dass er uns sehr gerne helfen würde den Wagen zu verkaufen, nur schon aus dem Grund, weil es ein gesuchtes und sehr sehr gutes 4x4 Auto ist. Mir blieb der Kinnladen verdutzt hängen und ich fragte abermals, ob er einen Witz mache. Peter war es ernst. Er offerierte mir den Wagen dem Minimum entsprechend zu pflegen, ihn immer wieder zu starten und damit herumzufahren und das Wichtigste, ihn für einen guten Preis zu verkaufen. Hier oben in Darwin sind die Leute auf Diesel betriebene Motoren angewiesen, vor allem in den Aborigine Communities, da sie oft Probleme mit Benzin schnüffelnden Eingeborenen hatten. In gewisse Gebiete kann man nur mit Dieselmotoren fahren und somit treibt dies den Preis unseres Wagens in die Höhe. Peter nannte uns eine Zahl, für welche er gedenkt unseren Wagen zu verkaufen, aber solange es nicht passiert ist, werden wir nichts verraten. Eigentlich wären auch AUD $ 5000 in Ordnung, denn dann wären wir immer noch sehr billig gereist in den drei Monaten in Australien und für was wir gesehen und erlebt hatten. Hinzu kommt, dass ich eine alte Steuerrechnung bekommen habe, welche unser momentanes Budget übersteigt :). Aber wir sind ja schon bald wieder in der Schweiz und dann sehen wir weiter. Wir haben ja brav unsere Steuern bezahlt, die Krankenkasse und alle Versicherungen. Das sind bei vielen Reisenden, die wir getroffen hatten, oft stark unterschätzte Kostenfaktoren. Bei uns summiert sich dies auf sicher 700-800 Franken im Monat extra, die wir dazu rechnen müssen. Der langen Rede kurzer Sinn: ich nahm das Angebot an und musste natürlich sofort Sebnem davon erzählen, die mir zuerst auch nicht so recht Glauben schenken wollte.

Nun, wir waren auf jeden Fall sehr erleichtert, denn ein grosses Problem hatte sich schon fast von selbst gelöst. Was noch blieb in den restlichen Tagen, war unser Gepäck von sicherlich 80kg herunter zu kriegen auf 40kg. Verbrennen wollten wir unsere Kleider, Schuhe und den auf eine halbe Bibliothek angewachsenen Bücherstapel nicht und somit entschieden wir uns, alles etwas zu sortieren und per Seefracht nach Hause zu schicken. Wir schmissen alle Winterkleider, die Wanderschuhe, Kletterschuhe, Bücher, CDs und andere Utensilien in unser Auto und fuhren abermals nach Darwin, um einer der door-2-door Frachtfirmen nach dem Preis anzufragen. Ehrlich gesagt bin ich mir bis heute noch nicht sicher, wie diese überhaupt überleben können, denn nachdem wir uns nach dem Preis für 40 kg Fracht erkundigt hatten, mussten wir zuerst einmal herzhaft lachen: zwischen AUD $1600 und AUD $1900 per Flugfracht, Seefracht sei unmöglich. Die eine Firma wollte sogar noch AUD $400 extra, weil wir das Gepäck zur Inspektion nach Brisbane hätten verschicken sollen. Ich fragte dann die lokale Frachtexpertenfirma gegenüber der lokalen Post noch, wie der Service denn zu vergleichen wäre zwischen ihnen und der australischen Post? Sichtlich angegriffen von meiner sehr unhöflichen Frage und meiner Frechheit überhaupt den Versuch zu starten, die beiden Kuriere zu vergleichen, meinte die Dame nur: Da gibt es keinen Vergleich, die Post versendet Briefe und wir professionell Pakete. Wir versuchten uns Glück sodann motiviert bei der hiesigen Post und durften nicht so sehr zu unserem Erstaunen erfahren, dass die Post nicht nur Briefe verschickt, nein, man wird es kaum glauben, sie versendet auch Pakete mit maximal 20kg Gewicht pro Paket. Der Preis: ungefähr AUD $160.00 bis AUD $180.00 per Paket und auch nicht weniger erstaunlich war, dass Seefracht natürlich möglich wäre. Es dauert halt einfach zwei bis drei Monate, aber das macht uns nichts aus. Wir entschieden uns offensichtlich für die Post, kauften jedoch die viel robusteren Boxen bei der "Konkurrenz" ein. Der Post war dies völlig egal und die Damen dort reagierten auch völlig gelassen und unkompliziert. Als wir das erste Paket fertig verschnürt hatten, wog es auf der Waage 18.35 kg; optimal. Wir machten uns an das zweite und wogen es: 19.68 kg. Was für ein Glück :). Leider mussten wir das zweite nochmals öffnen, da Sebnem ihre Parfümflakons eingepackt hatte und wir nicht wussten, dass dies nicht möglich ist. Gut 10 Minuten später waren wir dann fertig, um gut AUD $ 400.00 und der Hälfte unseres Gut und Habens erleichtert.

Die folgenden Tage verbrachten wir hauptsächlich mit einigen Fahrten in der Gegend herum, dem Sonnen am kleinen Swimmingpool in der Caravanpark Anlage, dem Spielen und Unterrichten der Kinder und dem Besuch des wichtigsten Markts, dem Mindil Beach Market. In Darwin herrschen eigentlich immer etwa 30° C und somit sehr angenehmes Wetter. Man muss sich überhaupt keine Gedanken über die Kleidung machen. Einfach aufstehen, Badehose anziehen und raus in den Sonnenschein.

Am 5. August hatten Marie und die kleine Kirrilee beide Geburtstag und Peter lud uns spontan ein, mit ihnen beim Wharf essen zu gehen, da die Kinder uns schon sehr in ihre Herzen geschlossen hatten. Wir sagten zu und folgten der Familie und zwei weiteren älteren Besuchern des Caravanparks, die die Familie kannte, zum Hafengelände in Darwin. Wir assen Fisch (jaja, Sebnem ist immer noch fischsüchtig; sie hat Fisch schon fast vor die Bratwurst mit Zwiebelsosse auf der Liste der Lieblingsessen gesetzt) und genossen einen lustigen und relaxten Abend in einer illustren Runde. Zurück wollten die Kinder unbedingt mit unserem Wagen fahren und so füllte sich unser Wagen mit den Kindern, bevor überhaupt irgendjemand intervenieren konnte. Uns war es wegen dem erst kürzlich geschehenen Unfall etwas mulmig zu Mute, in der Nacht mit fremden Kindern in Darwin herumzukurven, aber wenn etwas passieren muss, passiert es natürlich. Wir kamen erwartungsgemäss heil an luden die Familie noch zu uns ein, um Kirrilee mit einem Schokoladenkuchen und einer lustigen Geburtstagskarte zu überraschen. Sie freuten sich sehr und wir verputzten die halbe Torte. Danach fielen wir todmüde ins Bett, denn wir hatten uns fast den ganzen Tag um die Rasselbande gekümmert; und diese Kinder sind überaus aktiv :).

Am nächsten Tag entschieden wir uns, unser Air Conditioning System zu reparieren und bekamen von Peter den Tip(p) in die Winnellie Gegend zu fahren. Per Zufall fanden wir dann einen kleinen A/C Reparaturshop mit unglaublich netten Mechanikern, welche das Problem mit ihren professionellen Geräten sofort fanden. Die Gasleitungen für das flüssige Gas im Rotor des A/C Systems waren durch das 4WD Fahren beschädigt und es floss alles Gas aus. Somit musste das Ventil repariert werden und wir mussten die Trommel mit neuem Gas auffüllen. Kein billiger Spass. Gut AUD $150.00 wurde uns verrechnet, dafür war es jetzt aber ein für alle Male gefixt. Bezüglich des Luftschlauches konnte mir der gute Mann auch nicht weiterhelfen und so bleibt dieses Problem erhalten. Falls sich jemand für das Auto interessiert und das bemängelt, dann kann er ja einfach AUD $150.00 vom Verkaufspreis abziehen. Wir fuhren wieder zurück und kochten uns etwas Feines. Danach fuhren wir noch unter die Bedachung beim Eingang, wo man gratis den Wireless Internetzugang benutzen kann. Praktisch jeden Abend finden sich dort die jungen Leute mit ihren Autos und Laptops ein und benutzen den Zugang. Witzigerweise sind es ausschliesslich Deutsche und wir, die das Angebot zu nutzen wissen. Das zeigt auch wieder einmal, dass wir in Europa einfach schon gewohnt sind, Wardriving zu benutzen; jeder normale Mensch macht das heutzutage in Europa. In Australien sind die Leute über diese hier neue Form des "Internetmissbrauchs" empört und man spricht in der Politik und den Medien von möglichen Lösungen dieser unverschämten Missbräuche; anstatt, dass man gegen die Oligopolstellungen der Internetanbieter gehen würde, um dem Konsumenten faire Preise zu garantieren. Das gleiche Dilemma widerspiegelt sich im Bereich GPS. Für die Australier eine relativ neue Technologie (im Bereich Unterhaltungselektronik kann man im Grundsatz davon ausgehen, dass Australien gut 1-2 Jahre hinter Europa und Asien ist), gibt's hier von einem Tochterarm der Telstra Kommunikationsfirma eine Monopolstellung was das Anbieten von topologischem und rein geographischem Kartenmaterial betrifft. Die Firma bestimmt im Markt, auf welchen Geräten ihre Australienkarte läuft. Man kriegt lausige Navman GPS Empfänger (zumindest suggerieren das die unzähligen negativen Beiträge im Internet hinsichtlich dieser Marke) oder bei den bekannten Tomtom oder Garmin kriegt man Vorkriegsmodelle, bei welchen man in Europa schon gar keinen Support mehr kriegt. Wir haben uns ja auch ein GPS Gerät gekauft aus zwei Gründen: Einerseits spart man sich in den grossen Städten auf der Suche nach einer bestimmten Adresse unter Umständen sehr viel Zeit und vor allem Geld in Form von gespartem Benzin, andererseits kann man mit GPS Koordinaten versehene Topokarten gut ausmessen und Fixpunkte anfahren, wenn halt wieder einmal eine Strasse nicht genau nach Landkarte verläuft. Drittens kann man halt so Fragen wie, wo ist der nächste ANZ Bankomat oder die nächste Caltex Woolworth Tankstelle meistens akkurat beantworten. Leider wirkt sich hier die Monopolstellung der Firma, welche dieses elektronische Kartenmaterial zur Verfügung stellt, ziemlich negativ auf die Qualität der Dienstleistung aus. In ACT und NSW und dem Süden von QLD waren die Angaben sehr genau, jedoch wenn man mehr in den Norden fährt (ausgenommen Cairns oder Rockhampton) wird das System oftmals aus dem Konzept geworfen. Beim Kauf versuchte ich bei den verschieden Anbietern von GPS zu erklären, dass es für mich wichtig wäre, wenn ich eine Bluetooth-Anbindung hätte, damit ich die WGS84 Daten direkt über eine Pipe in den OziExplorer oder Google Earth speisen könnte. Solche Funktionalität wurde kürzlich erst mit dem Tomtom 720 (soweit ich mich erinnere) und den erst kürzlich in Australien erhältlichen Garmin Geräten zur Verfügung gestellt. Die Leute schauten mich meistens nur verdutzt an und meinten, dass ich so eine Funktionalität überhaupt nicht gebrauchen könne. Die Australier glauben nicht an Kartenlesen und verirren sich lieber einmal mehr, weil sie es unterschätzt haben, dass seit ihrer Kindheit vermutlich rund 1'000'000 Kilometer mehr Strassen hinzugekommen sind. Mit dem OziExplorer und einer 600MB grossen 1:250000 gerasterten Mappe von ganz Australien hätte ich die einzige Albinoameise irgendwo im Ghetto draussen gefunden. Aber für eine banal Funktionalität mehr als AUD $600 zu bezahlen lag uns einfach nicht, zumal wir die gleichen alten Geräte in der Schweiz schon für mindestens die Hälfte weniger gekriegt hätten. Leider liess sich unser simpler Tomtom nicht ohne Weiteres modifizieren, um die Datenpunkte über eine Schnittstelle herausdumpen zu lassen. Ich habe es jedoch geschafft, eine Linux console zu installieren und einen Event-Treiber, welcher bei USB-Schnittstellenverbindung über das sysfs den SIRF-III Empfänger Memory Bereich ausspuckt. Wenn ich noch mehr Zeit gehabt hätte, hätte ich vermutlich die Speicheraufschlüsselung knacken können und mit einem gezielten Ausschneiden gewisser Hexwerte aus dem Zahlenstrom des SIRF-III Chips die GPS Koordinaten Realtime auf unseren Laptop übertragen können. Somit wäre das Geräte extrem nutzbar gewesen. Umgekehr war es auch nicht so einfach, wie wir es uns dachten. Wir wollten nämlich alle von uns mühsam eingetippten "points of interests" im Google Earth über den Routen Exportmechanismus ins hauseigene Tomtom Format konvertieren und dann als Route oder Waypoints oder POIs speichern. So einfach war dies aber nicht, denn zuerst muss man das KML Format mit GPSbabel in ein von Tomtom erkennbares Format umwandeln. Leider funktioniert GPSbabel in dieser Hinsicht etwas ungeschickt und produziert zwar lesbare Dateien, füllt jedoch die einzelnen Felder falsch oder schlecht aus. Irgendwann haben wir es dann über ziemlich komplizierte Konvertierungsstufen geschafft, unsere POIs auf unseren Tomtom zu übertragen. Nun kommt aber das Problem mit der Software des Navigators, welche in meinen Augen schlichtweg nur Scheisse ist. Ich weiss ja nicht, ob die Software, welche im Übrigen zumindest bei den Tomtom Geräten unter Linux läuft, von Studenten geschrieben worden ist, oder ob man den Programmieren ungenügend Geld bezahlt hat, aber ich bin mir sicher, dass keiner der Entwickler ihre Software im praktischen Umgang über ein paar Tausend Kilometer hinweg in Australien getestet haben. Back-tracking an einen zuvor gesetzten beliebigen POI funktioniert überhaupt nicht. Strassen, welche beidseitig "stopping bays" auf gleicher Höhe besitzen, werden als Nebenstrassen erkannt und die gesamte noch zu fahrende Strecke bis Ziel abgehakt und man wir angewiesen sich leicht links oder rechts zu halten, obwohl die Strasse nicht noch mehr geradeaus gehen könnte. Möchte man die Software dazu benutzen rückwärts die schon gefahrene Strecke zu messen, weil man über zwei von drei Punkten weiss, wie gross die Distanz ist, aber nicht über alle Punkte, dann ist das Gerät extrem verwirrt und hüpft mit der Anzahl Kilometer vom Ursprungsort bis zur momentanen Position wie wild herum. Der Kompass funktioniert nicht mehr, wenn man für eine Zeit die Verbindung zu den Satelliten verliert. Ich könnte beliebig weiterfahren mit den Defekten dieser Software, aber den Leuten hier scheint dies egal zu sein oder sie verstehen es schlichtweg nicht. Glücklicherweise haben wir ja noch den Kompass, den mir Marco Demarmels damals kurz vor meiner Abreise zu meinem Geburtstag geschenkt hatte. So, ich bin wieder einmal abgeschweift. Na, jedenfalls haben wir und andere ziemlich schnell herausgefunden, wo man gratis ins Internet gelangen konnte und wussten das auch zu nutzen mit der Aktualisierung unserer Bilder und den Berichten; so dass wir jetzt fast aktuell sind und viele fehlende Berichte auch noch hoch laden konnten.

An Donnerstagabend wurden wir von Peter und seiner Familie eingeladen, sie an den Mindil Beach Market zu begleiten. Für viele Leute ist man nicht in Darwin gewesen, wenn man nicht diesen Markt gesehen hat. Für uns so eine Art Jahrmarkt, war es schon ein interessantes Spektakel, zumal es viele indonesische und asiatische Küchen zur Auswahl gab und einige Streetperformer ihr Bestes gaben, und um die Gunst der Zuschauer zu buhlen. Einer dieser Performer ist die Gruppe EmDee, welche das traditionelle Didgeridoo Instrument mit digitalen Sounderzeugern, Synthesizern und einen ziemlich einfach ausgestattetem Schlagzeug zu einem Drum'n'Bass Ensemble mixen. Vermutlich, an den Namen der Perfomer an, sind es ursprünglich Deutsche, welche aber schon sehr lange in Australien leben müssen. Der Didgeridoo-Spieler hat sogar die lokalen Aborigines in den Bann gezogen, denn er beherrscht das Instrument unglaublich gut. Der Schlagzeuger ist nicht schlecht, aber meiner Meinung nach noch etwas zu wenig einfallsreich und hat wenig Interpretationserfahrung im Drum'n'Bass Umfeld. Ich bin in den 90er Jahren nebst anderen Stilrichtungen mit Jungle, Drum'n'Bass und Downtempo in ihrer Blütezeit aufgewachsen und sehr anspruchsvoll, wenn es um diese meist vom Bossanova abgeleiteten Beats kommt. Ich habe mir aber dennoch eine CD gekauft, denn ich fand die Jungs echt Klasse und wollte sie absolut unterstützen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich sie schon einmal gesehen hatte vor ein paar Jahren, entweder in Melbourne oder in Ottawa an einem Musikfestival. Wir genossen den Abend sehr und kamen natürlich auch in den Genuss des Sonnenuntergangspektakels am Strand, wo sich jeden Tag in dieser Hochsaison vermutlich Hunderte von Leuten treffen und die Sonne im Meer versinkend beobachten und fotografieren. Genau das haben wir auch getan und haben uns dann einen Happen gegönnt. Die May Familie verabschiedete sich alsbald und wir gingen nochmals den zweiten Promo Auftritt der EmDee Band zuhören. Dieses Mal ergatterten wir uns den vordersten Platz und genossen die fünf Stücke, welche das Duo (manchmal ist noch eine Stimme mit dabei) absolut perfekt performten. Den meisten Leuten unabhängig des Alters schien es zu gefallen und die Eingeborenen zeigten ihre Tanzkunst; wenn auch etwas betrunken :). Wir fuhren nach der Vorstellung auch nach Hause ins Bett.

Wir mussten am nächsten Tag wieder einmal unsere Behausung wechseln, da wir uns ja schon am ersten Tag in der Cabin entschieden hatten, die restlichen Tage in dieser Behausung zu verbringen. So mussten wir von Cabin 10 in Cabin 3 zügeln, wo wir prompt auf sehr lustige aber auch ziemlich rassistische Nachbarn trafen. Da wir sowieso die nächsten zwei Tage praktisch nur am Pool verbrachten, liess uns das kalt. Wir genossen die Sonne und bereiteten uns langsam für unsere Weitereise nach Bali vor. Praktisch alles war erledigt, wir hatten jemanden gefunden, der uns um das Problem des Autoverkaufs erleichtert hatte und wir hatten unser Gepäckgewicht um die Hälfte reduziert.

An einem Tag kamen dann die Kinder schon am Vormittag bei uns vorbei und wir wunderten uns, weshalb sie denn nicht in der Schule waren. Streik, war die kurze aber prägnante Antwort. Nach ein paar weiteren Nachforschungen fanden wir heraus, dass die Lehrer für mehr Lohn streiken. Da wir es nicht durchgehen lassen konnten, dass die Kinder einfach keinen Unterricht geniessen, haben wir kurzerhand eine Schulstunde für alle drei Levels organisiert und ich habe mit ihnen ihre Hausaufgaben gemacht, welche sie in Paketen zu je einer Woche Hausarbeit bekommen. Da sie in Darwin immer noch relativ kleine Klassen haben, hatten alle ähnliche Hausaufgaben, aber unserer Meinung nach absolute nicht dem Alter entsprechend. Der 10 Jahre alte Lorn zum Beispiel musste bis zur Fünferreihe alle Reihen aufschreiben und auswendig lernen, wobei eine Reihe bis 12x der respektiven Reihe geht; also in seinem Falls bis 12x5. Ich mag mich da ja etwas weit aus dem Fenster hinaus lehnen, aber soweit ich mich erinnere, konnten wir im Alter von 10 Jahren sicherlich schon bis 1000 rechnen und hatten die Division von Hand durchgenommen. Die Hausaufgaben generell waren von lausigster Qualität und hatten meiner Meinung nach weder erzieherischen Wert noch irgendwelchen Bildungswert. Es hat mich schon etwas schockiert und ich konnte den Streik nicht so ganz nachvollziehen. Ich habe dann die Aufgaben etwas erweitert und alle drei so lange sitzen lassen, bis sie die Aufgaben erledigt hatten. Erst dann erlaubten wir es ihnen, wieder im Swimmingpool zusammen den Nachmittag zu verbringen und zu spielen. Am Abend kam Peter zu mir und meinte bloss, dass die Kinder von jetzt an bei mir die Hausaufgaben machen wollen :).

Am Sonntagmorgen bekam ich noch ein Telefon der Polizei, welche von mir noch ein Statement benötigte und Sebnem und ich fuhren deshalb noch einmal nach Darwin zur Polizeistation. Dort wurde ich schon von Andrew Wolfe erwartet und wir schrieben den Polizeibericht hinsichtlich des Unfalls. Er versicherte mir nochmals, dass mich wirklich keine Schuld trifft und die Sache damit gegessen sei. Mich jedoch interessierte das Schicksal des Verunfallten und so versuchte ich ihn solange zu bearbeiten, bis er mit den Informationen herausrückte. Der Mann habe keine Familie oder Nachkommen, ist in den 40er Jahren und hatte in den letzten zwei Jahren mehrere Motorradunfälle wegen zu schnellen Fahrens. Die Schwester des Verunfallten war erst vor kurzem in Darwin, denn die Angehörigen wohnen in QLD und NSW. Sie verstand die Situation anscheinend und ist sehr wütend auf ihren Bruder. Als ich mich über den Zustand des Mannes erkundigte, stockte Andrew ein wenig. Er sagte mir, dass der Mann solch schwere Verletzungen davon getragen hatte, dass sie ihn nicht mehr im Spital in Darwin behandeln konnten und ihn vor drei Tagen nach Brisbane geflogen hatten. Es ist bei Bewusstsein, jedoch hat er sich erhebliche Knochenbrüche (ich möchte hier nicht ins Detail gehen) zugezogen und dummerweise das Genick gebrochen. Es besteht die Chance, dass er für immer gelähmt sein könnte. Man kann es im Moment nicht sagen. Etwas betrübt über den Ausgang der Sache verabschiedete ich mich und Sebnem und ich fuhren wieder zurück in den Caravanpark. Es nahte der Moment des Abschieds und wir erledigten am Sonntagnachmittag noch alle Formalitäten mit Peter und tauschten unsere Adressen aus. Das war es dann auch schon: ich drückte ihm die Autoschlüssel in die Hand und er fuhr uns zum Flughafen mit unserem Auto. Wir sind sehr gespannt zu hören ob und für wie viel er den Wagen loswerden kann. Wir waren drei Stunden zu früh am Flughafen, weil wir ja wieder einmal die Sache mit dem Surfbrett richten mussten. Zu unserem Erstaunen interessierte sich der Angestellte überhaupt nicht für unsere Fracht uns somit waren wir in 5 Minuten durch die Abfertigung. Jetzt hiess es Abwarten auf den Flieger Richtung Bali. Zum Glück fanden wir auf dem Flughafen noch gratis Internetzugang und konnten unsere letzten Problemchen per Email lösen und die Bilder von Darwin noch hoch laden.

Ich vermisse Australien schon jetzt, denn irgendwie ist es für mich immer noch ein magisches Land von ungeahnter Schönheit. Ich bin dieses Mal jedoch sehr enttäuscht worden von der Politik und der Art vieler Australier und frage mich schon, ob ich mich wirklich ins System einpassen könnte. Wir werden die Immigrationsmöglichkeit nach Australien nicht aufgeben, aber legen die Idee für den Moment auf Eis. Uns reizt nach der ganzen Reiserei viel mehr ein Arbeitsangebot in Südamerika, der Schweiz mit firmenbedingten Auslandsaufenthalten oder in Asien. Leider habe ich es wieder nicht geschafft, meine weiteren Verwandten in Perth zu besuchen. Hätten wir das Auto verkaufen können, wären wir kurz nach Perth geflogen, um meinen Onkel zu besuchen, den ich noch nie in meinem Leben (soweit ich mich erinnere) getroffen habe. Aber jetzt geht es zuerst nach Asien und den Start machen wir mit Indonesien oder genauer gesagt mit Bali. Wir haben noch überhaupt keinen Plan, ausser, dass wir wieder mehr surfen wollen und möglichst weg vom Touristenstrom :).

Die Bilder unseres Aufenthaltes in Darwin möchten wir natürlich niemandem vorenthalten:

Freitag, 1. August 2008

Australien: Roadtrip Nitmiluk & Kakadu Nationalpark

Heute hat die Schweiz Geburtstag und so hoffen wir, dass es in der Schweiz auch so schön ist wir bei uns seit gut zwei Wochen. Wir haben immer Sonnenschein und mindestens 25°, strahlend blauer Himmel und genügend Kälte in der Nacht, um unsere Esswaren vor dem vorzeitigen Verderben zu retten. Natürlich war es auch heute wieder ein wunderschöner Tag und wir haben uns schon darauf eingestellt, die nächsten 2 Monate wieder in tropischen Gebieten zu reisen. Wir hatten im letzten Jahr zum Glück nur einen Monat in Canberra so eine Art Winteranfang mit bis 10° Kälte zu überstehen und freuten uns nach dem dortigen Aufenthalt wieder auf gesunderes Klima.

Ziemlich früh am Morgen sind wir los gefahren Richtung Katherine, da wir uns dort im Informationszentrum uns über den Kakadu Nationalpark informieren wollten und es dort vermutlich auch das billigste Benzin in grosser Umgebung geben würde. Zudem mussten wir wieder einmal ein paar kleine Reparaturen an unserem Landcruiser erledigen, welche nur mit den richtigen Hilfsmitteln zu bewerkstelligen waren. Ein Problem war, dass das von mir angeschweisste Abgasrohr mit einer lausigen dünnen Metallplatte am Chassis nicht wirklich halten konnte. Somit hatten wir ein lästiges Klappern des Auspuffs und die Chance darauf ihn sogar zu verlieren, sofern die Eigenschwingung erreicht werden würde. Wir entschieden uns in Katherine auch bei ein paar Wreckers (Autoschrotthalden) vorbei zu gehen, in der Hoffnung ein paar kleine Ersatzteile wie Schrauben und einen Deckel für den Scheibenwischertank zu erhaschen. Der erste Wrecker war sehr unfreundlich und ich war froh, dass er mir nicht noch seine Bulldogge hinterher jagte. Ein weiterer war nicht aufzufinden und klauen wollten wir nicht. Irgendwann kamen wir dann nach langen Irrfahrten und ziemlich unfreundlichen Hinweisen zu einer Garage, welche sich auf das Schweissen spezialisierte. Der Besitzer war auch sehr freundlich, erklärte mir aber, dass er den Laden nicht mehr führt sondern entschieden hatte, nur noch das Zubehör zum Schweissen zu verkaufen. Kein Problem, meinte ich, dann nehmen wir doch eins der Geräte und reparieren den kleinen Schaden, was vermutlich etwa 3-4 Minuten gedauert hätte. Leider hatte er aber kein Kabel mehr, da er gerade vor einer Stunde das letzte verkauft hatte und somit standen wir wieder mit weniger Benzin im Tank und dem gleichen Problem auf der Strasse. Er meinte jedoch, wir sollen ein paar Blocks weiter vorne zum Elektriker gehen; mit etwas Glück würde dieser den Job erledigen können. Also fuhren wir zum Autoelektriker und wurden auch sehr freundlich begrüsst. Der Boss inspizierte den Defekt kurz und gab dann dem Lehrling einen unmissverständlichen Auftrag, mit einem metallenen D-Ring das Rohr an das Chassis zu bohren. Er fing an … bastelte … werkelte … hämmerte … bohr … fluchte … und die Arbeit schien kein Ende zu nehmen. Ein 4 Minuten Job artete in gut 3/4 Stunden aus und dann berechneten sie uns noch AUD 30.00$ für die Arbeit. Nicht sehr begeistert von diesem Umstand bedankten wir uns und machten uns auf Nimmerwiedersehen auf, um endlich in den nächsten Nationalpark zu gelangen.

Das Pech schien kein Ende zu nehmen: Irgendwie hatte sich dass R.A.A.F (Royal Australian Air Force) entschieden, so eine Miniparade durch die Hauptstrasse von Katherine zu organisieren und blockierte für gut eine halbe Stunde jeglichen Verkehr durch die Stadt; und das wohl bemerkt auf dem Stuart Highway, der wichtigsten Verbindungsstrasse zwischen Darwin und Alice Springs. Wir blieben zwangsläufig stehen und Sebnem schoss ein paar Fotos von den uniformierten Herren und Damen der Air Force. Das ganze Prozedere schien den meisten Leuten ziemlich auf den Wecker zu gehen, da niemand verstand, weshalb um Uhr auf der Hauptstrasse sich so ein Zug von rund 120 uniformierten Leuten präsentieren musste. Da wir viele militärische Umzüge gesehen hatten in Südamerika, waren wir froh, dass der Spuk gut 15 Minuten später schon wieder vorüber war. Wir kämpften uns den Weg nach vorne an den unzähligen Wohnmobilen und Mietautos vorbei über die Brücke aus der Stadt hinaus Richtung Darwin. Auf der Brücke fiel und noch so ein Schmierspruch auf der linken Seite bei der Eisenbahnbrücke auf, der zumindest mir sehr einfallsreich erschien: "Jesus loves Nachos". Eine sehr simple aber durchaus fundierte Aussage, welche viele Interpretationsmöglichkeiten lässt. Ich denke da an die vielen Trinkabende mit Freunden in meiner Jugendzeit die wir hätten füllen können mit einer solch durchdachten Aussage.

Auf dem Weg in den riesigen Kakadu Nationalpark kommt man 42 km nördlich von Katherine unweigerlich am Nitmiluk Nationalpark vorbei und man hat die Möglichkeit ein paar ziemlich ansehnliche Wasserfälle und Teiche zu besuchen. Wir entschieden uns abzubiegen und die Edith Falls zu besuchen. Nur schon aus diesem Grunde, lohnt es sich während der Trockenzeit um Darwin herum, ein Informationszentrum zu besuchen und nach dem Stand der Gewässer zu fragen. Viele Flüsse sind nämlich jetzt schon furztrocken und da kann man noch lange zu einem Wasserfall fahren, tosende Bäche wird man dann nicht finden; dafür ist die Chance höher wieder einmal einen verstopften Luftfilter zu haben. Der Edith Falls Wasserfall jedoch wurde bestätigt, Wasser zu führen. Wenn auch nicht viel, war er sehr imposant anzuschauen und der relativ grosse See, welchen der Wasserfall nährt lädt unweigerlich zum Baden ein. Die Farben reichen bei Sonnenschein von hellbraun am Ufer über ein leichtes gelblich, hellgrün ab etwa einem Meter Tiefe über ein dunkles sattes Grün bis hin zu einem fast Schwarz. Der See hat uns sehr gefallen und wir haben uns etwas darin gebadet. Falls man Lust hat, kann man einem 2.6 km langen Wanderweg entlang laufen, der hinauf zur Spitze des Wasserfalls führt und dann wieder zurück. Hierbei sollte man speziell auf die verschiedenen Arten von Schlange aufpassen, welche sich besonders an warmen Tagen in der Nähe des Wassers und dann im Gebüsch bei Steinen zeigen. Es verging nicht so viel Zeit, bis auch wir eine zu Gesicht bekamen. Da ich sie nicht eindeutig zuordnen konnten, beliessen wir es beim Fotografieren aus der Ferne. Es könnte entweder eine sehr harmlose Wasserschlange (deren Biss trotzdem heftig schmerzt) sein oder eine der giftigsten Schlangen überhaupt diese Erde.

Danach haben wir uns auf den Weg in den Kakadu Nationalpark gemacht. Bei Pine Creek auf dem Stuart Highway muss man in den Kakadu Highway einbiegen und dann führen die nächsten gut 250km in den Nationalpark hinein. Wir haben dann zur Sicherheit in Pine Creek nochmals unseren Tank aufgefüllt. Pine Creek war vor ca. 150 Jahren eine lebendige kleine Minenstadt (Dank des Goldrush). Heute ist es ein kleines, eher unfreundliches Dörfchen, wo man Benzin, Essen und wenn nötig ein Zimmer bekommt. Theoretisch gäbe es auch einen Mechaniker, aber der war nicht auffindbar. Wir waren nämlich auf der Suche nach einem Luftschlauch aus zweiter Hand, welcher den Turboeinlauf des Motors mit dem Luftfilterausgang verbindet. Das Problem bei Toyota ist nämlich, dass das das Teil ist, das einer der höchsten Verschlisse aufweisst und des Weiteren ist Original Toyotazubehör sündhaft teuer und sehr schwierig zu bekommen. Wir haben auf den letzten paar Tausend Kilometer immer wieder mit Leuten gesprochen, welche das Problem kannten und bekamen unterschiedliche Tip(p)s. Einer war, dass wir von einem Holden (australische Automarke) einen Luftschlauch kriegen würden, der passt. Was ich so langsam lernte war, dass dieses Teil sehr teuer war (gut AUD 120.00 $ neu) für so ein lausiges Plastikding, es aber auch eine relativ komplizierte Formstruktur besitzt, welche ihren Zweck erfüllen muss. Erstens, muss der Luftschlauch biegsam sein, weil der Motor durch die verschiedenen Kräfte, welche er ausübt beim Laufen und Fahren sich aus Sicht des Luftfilters heftig in alle Richtungen bewegt. Dafür hat man eine Rillenstruktur gewählt, welche wie eine Art Harmonika funktionieren. Da ein Turbolader in Betrieb sehr viel Luft ansaugt, muss das Teil robuster sein, als die kommoden Luftschläuche. Dies wiederum macht es kompliziert, die Harmonikastruktur flexibel genügend zu gestalten, dass die Wände nicht reissen bei den Vertiefungen; dies ist nämlich bei unserem Luftschlauch passiert durch Abnutzung über die Jahr hinweg. Wenn man auf Autofriedhöfen rumstöbert, wird man bei den Toyota Landcruiser Turbo Modellen immer wieder diesen Defekt sehen. Ein Loch wäre eigentlich ja kein Problem, wenn man sich nicht die halbe Zeit auf Dreckstrassen befinden würde, wo die Luft einen hohen Gehalt an Staub enthält. Das dreckige Luftgemisch, welches ungefiltert in den Turbolader gelangt, wird mit einem unschönen Ton und einem langsam kaputt gehenden Motor quittiert. Wir schon ein paar Male erwähnt in unseren vorhergehenden Berichten, haben wir das ganze immer mit einer Rolle Elektrotape umwickelt und so das Loch zwangsläufig für ein paar Hundert Kilometer geflickt. Das Problem mit dem Elektrotape und einem Motor der bei 30° Aussentemperatur gut 70° heisse Luft generiert ist ganz simpel, dass es die Konsistenz nicht behält. Zudem wird es durch das Loch andauernd auf die Probe gestellt und Richtung Verbrennung gesogen und meistens war es nur eine Frage der Zeit, bis das Tape dann durch den Riss in den Motor gelang und mit einer kleinen zurück speienden Flamme verschwand :). Imposant, wenn das Ziel ist, den Motor etwas zu testen oder viel schwarzen Rauch zu generieren, weniger imposant, wenn man vorwärts kommen will.

Zusätzlich mussten wir eine Pause einlegen, da der Motor sehr überhitzt wirkte. Die Klimaanlage stieg auch noch aus, und obwohl ich ein paar Seiten darüber im Haynes Manual gelesen hatte, wurde ich nicht schlau daraus, wie ich das Problem beheben konnte. Was ich zu dieser Zeit noch nicht wusste, war, dass sich das eine Einlaufventil für das Gas des Rotors der Kühlmaschine durch die heftige Ruckelfahrten unsere 4WD Tracks gelöst hatte und somit Gas entwich und durch den Zusammenprall mit dem Känguru auch Kühlmittel des Motors auslief. Doch dazu später; in diesem Moment war die Lösung einfach die Fenster herunter zu rollen und den Überlauftank des Kühlmittelsystems mit Wasser zu füllen. Ich habe mich spendierfreudig gegeben und dem Motor ein möglichst gesundes Quellwasser spendiert :).

Ohne Klimaanlage brausten wir als in den Kakadu Nationalpark. Man kann nämlich entlang der geteerten Hauptstrasse im Nationalpark 110km/h fahren. Das war für uns eine neue Erfahrung, denn normalerweise fährt man im Nationalpark maximal mit 50km/h. Von der Hauptstrasse weg kommt man dann über meist ungeteerte Strassen zu den Sightseeing Plätzen. Der Nationalpark ist riesig und bietet, sofern man die Zeit hat und den Willen dazu, gut für ein paar Wochen interessante Aufenthalte. Die Aktivitäten beinhalten unter anderem: Bush walking, Wildlife Fotografie, 4WD-Driving, etc. Das anliegende noch grössere Arnhem Gebiet gehört den Aborigine Stämmen und ist wohl eines der am wenigsten besuchten Orte in Australien, da man eine spezielle Bewilligung einholen muss, um dort hinein zu fahren. An diesem Wochenende hätte man relativ gut solche Bewilligungen einholen können bei Jabiru, da in diesem Gebiet gerade ein wichtiges interkulturelles Fest gefeiert wurde. Wenn man sich die weiten Strecken durch den Nationalpark nicht antun möchte, gibt es die Möglichkeit über den Kakadu Nationalpark zu fliegen; diese Touren werden unter "Scenic Flights" von diversen Touragenturen angeboten. Eine Stunde "Kakadu Arnheim Land Explorer" kostet AUD $ 195.00 pro Person. Jedoch trifft das auf einen Flieger zu, wo man das ganze Geschehen nur aus einem geschlossenen Fenster hinaus beobachten kann. Möchte man einen Helikopterausflug über das Arnhem Gebiet machen, muss man mindestens AUD 300.00 hinblättern für Dreiviertelstunden Abenteuer.

Da es schon etwas spät war, haben wir uns entschieden am Gunlom Pool für eine Nacht nieder zu lassen. Wir dachten, dass wenn der Campingplatz etwas weiter weg von der Hauptstrasse weg sei, es sicherlich fast keine Leute mehr haben würde: Weit gefehlt! Wir haben hier im Kakadu Nationalpark das erste Mal zu spüren bekommen, was aus den abenteuerreichen Umgebungen rund um Darwin passiert ist. Die Gegenden sind begehrter denn je und es sammeln sich Tausende von australischen und europäischen Touristen nördlich des 15° Breitengrades auf der südlichen Hemisphäre an. Da hat es auf den Strassen Richtung Darwin und darum herum vor 10 Jahren ganz anders ausgesehen. Der ganze Nationalpark ist voll von Britz, Apollo, Kea, Backpacker, Wicked Camper, Around Australia Motorhomes und all den anderen hässlichen Mietautos und jeder Dritte hat ein Victoria Nummernschild. Man kann wirklich keine Minute alleine für sich sein und die Natur geniessen, ohne dass nicht ein Auto vorbeikommt. Trotzdem ist der Gunlom Pool ein wunderschöner Ort, um seine Zelte für die Nacht oder für mehrere Nächte aufzuschlagen; die Tagestouristen verschwinden nach und nach und man hat den See praktisch für sich alleine. Zu Spitzenzeiten übernachten hier 37 Kilometer von der Hauptstrasse entfernt bis zu 300 Campervans. Der designierte Ort für die Karawanen und Zelte ist gut mit Bäumen besäht und im Umkreis von 30-50 Meter gibt es gemauerte Feuerstellen mit einer Art groben Grill.

Sebnem wollte natürlich gleich unsere frisch gekauften Knoblauch-Petersilie Würstchen auf dem Feuer machen, aber irgendwie sah ich nirgendwo Feuerholz, abgesehen von ein paar kleinen Ästchen in der niedergemähten Wiese. Ich entschied mich, einmal die Gegend zu erkunden und marschierte mit Sebnem los Richtung Outback, intelligenterweise barfuss und mit kurzen Hosen, wie der Obertourist, der noch nie im Outback war. Ein paar Dornenstiche im Fuss und glücklicherweise ohne Schlangenbiss weiter vorne trafen wir auf einen toten Baum, der so aussah, also ob er verbrannt werden wollte. Da der Abstand zum Campingplatz den Lärm, welchen ich gleich verursachte nicht ausreichte, um andere Leute auf das Geschehen aufmerksam machen zu lassen, marschierte ich los Richtung Opfer und begutachtete den gut 20 Zentimeter dicken und rund 5-6 Meter hohen Baum. Es gingen mir einige Gedanken durch den Kopf, welche sich alle um das gleiche Problem drehten, nämlich, wie fällt und zerkleinert man einen Baum dieser Grösse in handliche Stücke für ein gemütliches Lagerfeuer. Und wieder einmal gewann die Physik! Beim Abtasten fiel mir auf, dass der Baum teilweise schon von Termiten durchhöhlt war und etwas hohl klang und vor allem leicht biegsam war. Hebelwirkung wird's schon richten und ich begann mit aller Kraft den Stamm in eine Richtung zu verbiegen. Zu Beginn hörte man nur ein leises Kracken, dann jedoch durch kontinuierliches Schütteln kam der Baum in eine Schwingung, die immer heftiger wurde und gab dann nach gut 5 Minuten mit einem lauten Knacks nach. Dummerweise fiel der Baum nicht zu Boden, sondern verhängte sich mit dem Geäst im benachbarten Baum; vielleicht auch zu meinem Glück, denn ich befand mich ziemlich genau unter dem Baum :). Mit ein paar gezielten Fusstritten knallte ich alle Äste frei und der Baum krachte tosend zu Boden und zersplitterte in drei Teile. Diese waren handlich genug, um sie anzuheben über einen Stein prasseln zu lassen, um sie weiter zu zerkleinern. Nach weiteren 15 Minuten hatten wir einen kleinen Haufen qualitativ sehr gutes Brennholz, welches nur noch zurück transportiert werden musste. Umkämpft von Hunderten von Fliegen (die ganze Prozedur drückte ein paar Schweisstropfen aus meinen Poren) stampften wir zwei Supertouristen bepackt mit ziemlich schwerem Kauriholz barfuss, Sebnem mit Flipflops, durch das Outback zurück zu unserem Zeltplatz. Dämlicher wäre es vermutlich nicht mehr gegangen, aber wenigstens hatten wir jetzt genügend Holz für ein nobles Feuer und unsere 12 Würstchen. Und wie das Feuer loderte! Ich bin mir sicher, dass alle anderen Gäste neidisch auf unseren Brandherd guckten. Das Problem war nur, dass das Kauriholz so extrem heiss verbrennt und ich so viel aufgestapelt hatte, dass sich ein Annähern an die Feuerstelle für eine Zeit als gänzlich unmöglich gestaltete. Die resultierende Kohlenschicht hätte gereicht, um ein Lamm oder eine Kuhhüfte zu braten. Sebnem hatte unter dessen Kartoffeln, Zucchini und Zwiebeln in Alufolie gepackt und wir warfen das Gemüse in die Glut. Die Würstchen folgten und fingen instand an zu brutzeln. Es war just um diese Zeit, als sich ein Aborigine und sein Sohn sehr freundlich auf uns zu bewegten und uns fragten, ob wir hier übernachten wollen. Das bejahten wir und bezahlten für zwei Personen AUD $10.80; ein sehr fairer Preis, was wir im Nachhinein dachten, wenn man bedenkt, dass sie einem sehr gute Duschen zur Verfügung stellen und ausreichend Mülleimer herumstehen, wo man seinen Abfall loswerden kann. Nicht wenige Male, mussten wir unseren Abfall mehrere Dutzend Kilometer in der brütenden Hitze hinten im Auto mitfahren, bis wir einen Ort gefunden hatten, wo wir den Abfall korrekt beseitigen konnten. Die sehr freundlichen Einkassierer zogen von Dannen und wir genossen kurze Zeit später unser Essen und schliefen friedlich unter einem bezaubernden Sternenhimmel ein.

Viel hatten wir noch nicht gesehen bis anhin und so entschieden wir uns am zweiten Tag zu den berühmten Nourlangie Rocks zu fahren. Hier kann man einige der best erhaltenen Steinzeichnungen sehen. Man kann einem vorgefertigten Weg entlang spazieren und die unglaublichen Zeichnungen auf den grossen Felswänden von Nahem betrachten. Es würde sich vermutlich sehr lohnen diese Tour mit einem Guide zu machen, welche dies zu gegebenen Zeiten vermutlich gratis anbieten. Wir trafen unterwegs auf zwei Gruppen mit Tourguides, eine australische und eine italienische, und beide Erzähler wussten unglaublich viel über die Zeichnungen und die Geschichte der damals hier lebenden Aborigines zu erzählen. Es war sehr interessant den Ausführungen zuzuhören. Die italienische Gruppenleiterin erzählte, dass wenn man alle Zeichnungen betrachten wollte, man gut einen zweiwöchigen Marsch vor sich hätte. Es existieren über 5000 katalogisierte Felsenzeichnungen in dieser Gegend und sie zählt damit zu der meist bemalten Gegend der Welt. Am Ende des Weges kann man dann entweder einen 20 Kilometer Bushwalk anhängen oder über den Lookout Punkt zum Autoparkplatz zurück gelangen. Da wir noch andere Dinge vorhatten am heutigen Tag und auch nicht genügend ausgerüstet waren, liefen wir auf den Lookout Point hinauf, von welchem man einen wahnsinnigen Ausblick über das ganze Gebiet hat. Wir genossen den Ausblick und kehrten zurück zum Landcruiser, welcher uns in die am weitest im Nationalpark entfernte Stadt Jabiru brachte.

Jabiru ist das Grenzdorf zum Arnhem Land, zu welchem man nur mit Bewilligung eingelassen wird. In Jabiru gibt es eigentlich nichts Interessantes, jedoch kann man Benzin tanken. Es gäbe theoretisch einen Mechaniker, welchen wir jedoch auch nach zweimaligem Vorbeifahren nicht aus seinem Häuschen locken konnten. Die einzige Überraschung offeriert sich in Form einer Bäckerei namens Kakadu Bakery. Wir hielten dort an und gönnten und eine Erfrischung mit Coca Cola und einer überraschend schmackhaften Pizza und besprachen den weiteren Aufenthalt im Nationalpark. Da wir die Felsenmalereien schon gesehen hatten und die meisten Wasserfälle kein Wasser führten, uns die Landschaft auch nicht so sehr aus den Socken haute, nachdem wir von den Nationalparks auf der Cape York Halbinsel verwöhnt wurden, entschieden wir uns, diesen Tag noch nach Darwin zu fahren, welches nur noch 280 Kilometer entfernt lag. So hielten wir nicht mehr beim Ubirr Rock an, da der Besuch der Nourlangie Rocks vollkommend ausreichend war für uns. Nach einer unbeschwerlichen Fahrt kamen wir dann endlich in der Vorstadt von Darwin, Palmerston, an und fuhren gleich zum Flughafen, um unsere Flüge bestätigen zu lassen. Ich war schon gut 10 Jahre lang nicht mehr in Darwin und die Grösse der verbauten Gegend hat mich umgehauen. Nichts sitzt mehr, wo es früher war, der Bush wurde abgehakt und es sind Wohnsiedlungen entstanden und man muss sogar bezahlen, um sein Auto beim Flughafen abzustellen, AUD $3.50 für die erste halbe Stunde. Das sind ja schon fast Flughafen Kloten Preise. Dummerweise waren wir dann auch noch 17 Sekunden zu spät bei der Ticketmaschine, und mussten somit AUD $5.00 bezahlen. Eigentlich kamen wir rechtzeitig, wählten aber die falsche Ticketmaschine, welche keine Münzen akzeptierte und bis wir realisierten, dass es zwei Meter weiter weg noch eine hat, die funktionierte, waren wir zu spät. Eine Unterkunft hatten wir auch noch nicht, aber das sollte ja kein Problem sein in Darwin. Wenigstens dachten wir das in unserer Naivität.

Unsere Nationalparkbesuche haben wir mit ein paar Fotos untermalt, welche hier zu finden sind: