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Dienstag, 8. Januar 2008

Uruguay: Punta del Diablo und La Coronilla

Wir sind am 7. Januar 2008 anfangs Nachmittag in Punta del Diablo, einem kleinen mit Touristen überfüllten Dörfchen im Norden von Uruguay, angekommen. Wir haben uns für dieses Dörfchen entschieden, weil die Angaben unseres Lonely Planets Guides sehr verlockend klangen: ein ruhiges Fischerstädtchen an der Atlantikküste, wo man seine Ruhe finden kann und praktisch ungestört sei. Gleichzeitig hat Roberto herausgefunden, dass man in Punta del Diablo surfen kann. Von dem Moment an war es für uns beide klar, dass unsere nächste Destination in Uruguay Punta del Diablo sein würde. Zudem wollten wir ein wenig weg von der Masse höher in den Norden Uruguays und auch besser an der Atlantikküste positioniert sein. Nun hiess es nur noch schnell eine Unterkunft zu finden (da wir uns im Moment in der Hochsaison befinden, ist eine Reservation vor allem an den Küstengebieten unabdingbar). Die Geschichte dazu könnt Ihr weiter unten in unserem Reisebericht Montevideo nachlesen.

Zurück zu unserer Ankunft in Punta del Diablo. Leider zeichnete sich keine grosse Freude bei uns beiden ab, als wir aus dem Bus hinausgestiegen sind. Unser erster Gedanke war: Oh mein Gott, wo sind wir hier gelandet und wo ist das kleine ruhige Fischerstädtchen, von dem uns der Lonely Planet vorgeschwärmt hat. Das Dörfchen hat wohl seit der Ausgabe unseres Guides eine massive Änderung durchgemacht. Punta del Diablo ist nämlich während den Monaten Januar und Februar komplett überfüllt und es gibt nur eine Strasse, der man entlang fahren kann und von wo aus man in die entsprechenden Einstellplätze der Hotels oder Cabañas hineinfahren kann. Es sind überall vorüberwiegend hässliche Cabañas erbaut worden, um dem Touristenstrom gerecht zu werden. Punta del Diablo hat uns also von erster Sekunde an nicht zugesagt und für uns war klar, dass wir uns nach etwas anderem umschauen würden. Das ist natürlich nur unsere Meinung. Diejenigen, denen ein Überlauf von Touristen nichts ausmacht und das Partyleben gefällt, werden sich höchstwahrscheinlich in Punta Del Diablo sehr wohl fühlen.

Anmerkung von Roberto: Es fahren mehrere Busse pro Tag nach und von Mar de Plata (dem Reich der Schönen und Reichen) und Montevideo und transportieren Touristen, wir uns, nach Punta del Diablo. Somit steht man nach dem Aussteigen in diesem einst Fischerdorf in einer Masse von Hunderten von Leuten, die entweder gerade von einer Party zurück kommen, an den Strand wollen oder ihre Heimreise antreten; ein Basar in Marrakech wäre im Vergleich eine Oase der Ruhe. Mar de Plata ist dann noch um einige Grössenordnungen hektischer, aber dafür wurden in Mar de Plata wenigstens ein Umgebungsplaner und staatlich regulierte Bauvorschriften eingesetzt. Mar de Plata ist gemäss Aussagen unterschiedlicher Personen die sommerliche Residenz des südamerikanischen Who-is-who. Antonio Banderas, Giselle Bündchen, Shakira und zahlreiche Politiker, die ansonsten seitenweise negativ und fragwürdig die Politiksparten in Zeitungen füllen, sonnen sich zusammen mit Persönlichkeiten aus aller Welt, wie zum Beispiel der angolanische Präsident Jose Eduardo Dos Santos und Robert de Niro. Sebnem wäre sicher gerne mit Shakira zusammen gesessen und ich hätte mich ganz gerne einmal mit dem brillianten Robert de Niro unterhalten. Aber man darf natürlich nicht vergessen, dass die Promoters solcher Orte manchmal auch etwas übertreiben mit den internationalen Stars und vermutlich nur die Hälfte der oben genannten Berühmtheiten wirklich in Mar de Plata waren. Was jedenfalls erstaunt ist, dass wir bis anhin noch nichts von diesem Ort gehört hatten. Zurück zu Sebnems Ausführungen:

So sassen wir mit unserem Gepäck im Zentrum von Punta del Diablo bis wir von einem Mitarbeiter des Hostels International (wie und ob das Hostel dieses Qualitätszertifikat wirklich verdient hat, bleibt uns ein Rätsel) abgeholt wurden. Wir staunten nicht schlecht darüber, dass das Hostel ziemlich weit vom Zentrum und vom Strand entfernt war und gaben unser bestens unsere Zeit zusammen zu geniessen. Das Mädchenzimmer, wo ich hingewiesen wurde, war zum Glück in Ordnung. Roberto musste da leider eher unten durch, da er ein Zimmer mit 19 weiteren Jungs teilen musste, die ausschliesslich nur Party im Kopf hatten.

Nicht 5 Minuten sind vergangen, wo ein Zimmergenosse das Gepäck von Roberto wortwörtlich begutachtet hat. Das Hostel International in Punta del Diablo war in einer sehr schlechten Kondition: es war hoffnungslos überfüllt und zudem haben viele ihre Zelte im Garten des Hostels aufgeschlagen (so konnte der Inhaber natürlich mehr Einnahmen erzielen), die Küche und die Bäder waren dreckig, die Fahrräder nicht mehr funktionstüchtig, sie hatten genau nur einen Ventilator in einem Zimmer für mehr als 12 Leute, die Leute waren uns teilweise ziemlich suspekt, usw. So schlossen wir unseren Wertsachen in einem Schliessfach im Hostel ab und machten uns auf den Weg ins Zentrum mit den kaputten Fahrrädern, deren Bremsen überhaupt nicht mehr funktionierten.

Wir haben uns über andere Orte unweit von Punta del Diablo informiert. Uns wurde gesagt, wir sollen uns Mal im nächstgelegenen Dörfchen "La Coronilla" umschauen, da es dort ziemlich ruhig sein solle. Wir schenkten dieser Aussage glauben und kauften uns Bustickets nach La Coronilla (etwa 25 Minuten von Punta del Diablo entfernt). Natürlich, wie im ganzen Resten Südamerikas, hatte der Bus 1h Verspätung und die wartenden Leute wurden ziemlich ungeduldig. An Geldzurückgabe ist schon gar nicht zu denken und somit war Warten angesagt. Währenddessen hat Roberto einen Uruguayer gleichen Alters namens Dario kennengelernt, der sich ebenfalls auf den Weg nach La Coronilla machte; der Beginn einer weiteren guten Freundschaft in Südamerika wie es sich später herausstellte. Auch er bestätigte uns, dass La Coronilla das Gegenteil von Punta del Diablo sei. Dario war sehr hilfsbereit und hatte absolutes Verständnis für unsere Lage und versuchte sogar uns über ein paar Anrufe eine Unterkunft in La Coronilla zu organisieren.

Dort angekommen, wurde Dario von seiner Ehefrau Fernanda abgeholt und sie boten uns an, uns im Dörfchen ein bisschen herumzufahren und ein paar Cabañas anzuschauen, was wir natürlich sehr zu schätzen wussten und das Angebot gerne annahmen. Die ersten zwei Versuche etwas zu finden scheiterten, beim dritten jedoch hatten wir Glück. Die Dame der Mancora Pension hatte eine Cabaña (oben befand sich das Schlafzimmer, unten die Küche, das Bad und das Wohnzimmer) frei und wir hätten per sofort in das Häuschen umziehen können. Dank Dario und Fernanda haben wir zudem einen Speziellpreis offeriert bekommen von CHF 30 / pro Nacht. Wir waren überglücklich mit diesem Angebot und mit der Tatsache, dass wir am drauffolgenden Tag bereits unser eigenes Häuschen für die nächsten 9 Tage haben würden. Wir waren Dario und Fernanda überaus dankbar für ihre Hilfsbereitschaft. So machten wir uns nach dem Deal auf den Weg nach Punta del Diablo und harrten den Abend im Hostel bis zum kommenden Morgen, welcher übrigens mein Geburtstag war, aus.

Am darauf folgenden Tag machten wir uns früh startbereit um den Bus nach La Coronilla rechtzeitig zu erwischen. Wir waren pünktlich an der Haltestation, mussten jedoch ca. 1 h auf den Bus warten und wir hatten bereits den Verdacht den Bus verpasst zu haben, da dieser eventuell früher losfuhr. Wie üblich, ist der Bus doch noch angefahren gekommenJ. Die Fahrt an sich dauerte ca. 20 Minuten und wir wurden in La Coronilla von Fernanda mit dem Auto erwartet. Sie hat uns am Vortag freundlicherweise angeboten uns an der Haltestation abzuholen und uns mit unserem schweren Gepäck in die Cabaña zu fahren. Während der Fahrt machten wir noch kurz Halt im Supermarkt und deckten uns mit dem Nötigsten ein. Leider hatte Fernanda an diesem Tag noch anderes vor, so lud sie uns in unserer Cabaña aus und ging ihren Tagesablauf weiter. Wir richteten uns erst Mal gemütlich ein und machten uns später schnellstens auf den Weg zum Strand, welcher zu Fuss in ca. 10 Minuten zu erreichen war. Der Strand hier in La Coronilla ist um einiges schöner und ruhiger als der in Punta del Diablo und man konnte sogar für sich alleine sein, wenn man ein Weilchen am Strand entlang lief. Wir waren sehr froh um diesen Umstand und fühlten uns in dieser Umgebung schnell pudelwohl. Hier haben wir das angetroffen, was wir im Prinzip von Punta del Diablo erwartet hatten.

Am Abend wurde ich zudem noch mit einem Schokoladenkuchen überrascht, welcher in unser Häuschen geliefert wurde. Mein Geburtstag war einfach perfekt, da auch viele daran gedacht haben und ich viele liebe Anrufe und E-Mails erhalten habe. Ich war wirklich sehr gerührt darüber!!! Auch, dass Roberto mir einen Schokoladenkuchen organisiert hat, damit hätte ich nicht gerechnet, so war die Überraschung umso grösser.

La Coronilla ist wie bereits erwähnt ein kleines Dörfchen, wo sich alle zu kennen scheinen. Hier gibt es 2-3 kleinere Supermärkte (mehr Tante Emma Läden), 2 Bäckereien, ein paar wenige Restaurants (die nie geöffnet zu sein scheinen) und Internetzugang gibt es im Cyber, welcher sich am Eingang des Dorfes befindet und zugleich eine Apotheke ist.

Während den nächsten 9 Tagen sind wir sicherlich jeden Tagen einmal an den Strand gegangen und haben Sonne getankt. An manchen Tagen hatte Roberto sogar die Möglichkeit zu surfen, zwar leider nicht immer unter den besten Bedingungen. Er hat bei Punta de Roca (welches zu Fuss ca. in 40 Minuten von uns aus zu erreichen war)  noch weitere Surfer kennen gelernt, welche einen sehr netten Eindruck machten. Der Eine von ihnen möchte nächstes Jahr nach Costa Rica umziehen, da er dort besseres Klima sowie bessere Wellen zum Surfen habe. So haben Roberto und er ein paar Informationen ausgetauscht, dies aus dem Grund, da Roberto sich schon sehr gut in Costa Rica auskennt (er war 3 Monate in CR).

Da weit und breit kein Schatten am Strand zu finden war, konnte ich jeweils nur einen halben Tag am Strand herumhocken, da sie Sonne ziemlich stark war und wir doch aufpassen mussten, nicht all zu viel Sonne abzubekommen. Wir verbrachten die restliche Zeit oft mit Gamen (wir haben uns in Montevideo ein Gamepad gekauft und per Zufall sind wir auf ein äusserst witziges Computerspiel gestossen, das wir beide sehr mochten, wir gleichzeitig und kooperativ spielen konnten und uns sehr forderte: Platypus), Kochen, Kartenspielen, Relaxen, etc. Dies war eine willkommene Abwechslung zu unseren sonstigen Tagesabläufen.

Während unseres Aufenthaltes haben wir auch viel mit Dario, Fernanda und dem Ehemann  von Fernanda's Schwester und seinem Hund (eine Huskyhündin) Bonga verbracht. Das sind wirklich super nette lokale Leute, die uns ein bisschen näher an die Kultur der Uruguayer gebracht haben und uns auch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in und um La Coronilla gezeigt haben. So besuchten wir z.B. an einem Sonntagnachmittag den Nationalpark Santa Teresa, welcher übrigens nur 5 km von Punta del Diablo entfernt ist, und die sich dort befindende Festung La Fortaleza de Santa Teresa, welche von den Portugiesen im 17ten Jahrhundert erbaut wurde, später aber von den Spaniern erobert wurde. Die Festung ist nun aber vollkommen neu restauriert und ist einer der Hauptattraktionen im Park. Hier befinden sich zudem mehrere Campingplatzmöglichkeiten, wo man günstig sein Zelt aufschlagen kann. Santa Teresa ist eine populäre Destination für jüngere Leute und Surfer, aber auch für uruguayische Familien die einige Tage kostengünstig an der schönen Atlantikküste von Uruguay verbringen möchten.

Nach der Festungs-Besichtung ging es weiter zu den verschieden Stränden im Nationalpark (Playa Grande, Playa de Barco, etc.). Der Vorteil, wenn man mit einem Auto unterwegs ist, ist, dass man auch an die abgelegenen Strände kommt. So wie auch z.B. Playa las Achiras, wo wir fast alleine am Strand waren. Wir fuhren jeweils von einem Strand zum anderen in der Hoffnung irgendwo für Roberto Wellen zu finden, die surfbar waren. Leider hatte Roberto kein Glück an diesem Tag. Gegen den späteren Nachmittag besuchten wir noch einen botanischen Garten in Santa Teresa und machten uns von da aus zur Laguna Negra. Bei der Laguna Negra machten wir nur kurz Halt und fuhren dann zurück nach La Coronilla.

An einem anderen Abend wurden wir von Dario und Fernanda noch zum Abendessen eingeladen. Wir staunten nicht schlecht, als wir vor ihrer Haustür standen und uns 7-8 junge verspielte aber dennoch sehr kräftige Bulldoggen begrüssten. Das war wirklich unglaublich. Die Hunde waren in der ganzen Wohnung verstreut und schienen grosse Freude am Besuch zu haben (Roberto fühlte sich nicht so wohl, denn der Hund ist für ihn ziemlich das einzige Tier, das er fürchtet oder sich zumindest unwohl fühlt in seiner Nähe). Der Abend verlief sehr friedlich und wie wir erfuhren, planen die beiden Paare im Sommer 2008 nach Quebec in Kanada auszuwandern. Sie haben bereits alle nötigen Dokumente eingereicht, fleissig französisch gelernt und es stehe gemäss ihren Aussagen nichts mehr im Wege. Die beiden möchten hinaus aus Uruguay und ein neues Leben irgendwo auf der Welt anfangen, wo sie für ihren Traum arbeiten würden. Sie möchten beide unheimlich gerne wie wir es im Moment tun, die Welt bereisen. In Uruguay hätten sie einfach keine Chance, da "genügend Geld am Ende des Monats zu haben" ein Fremdwort sei. Ich finde es super, dass die beiden einen Neuanfang versuchen und so viel in das ganze Prozedere stecken. Ich hoffe, dass wir die beiden eines Tages wieder treffen werden und uns revanchieren können.

Ein weiterer Ausflug führte Roberto und mich an einem anderen Tag nach Chuy (die Fahrt von La Coronilla aus dauert ungefähr 30 Minuten und kostet ca. 1.10 CHF / Person). Chuy ist eine hektische und hässliche Grenzstadt zu Brasilien. Wie wir später herausgefunden haben, gehört die Hälfte der Stadt Chuy zu Uruguay, die andere Hälfte zu Brasilien. Es gibt eine Hauptstrasse in Chuy, die Stadt sozusagen aufteilt. Die ganze Stadt ist Duty Free und aus diesem Grund findet man überall Geschäfte die alles Mögliche im Sortiment haben und gut von den Brasilianern besucht sind. Anscheinend sei Uruguay für die Brasilianer ein Einkaufsmekka und somit sind in Chuy mehrheitlich Brasilianer anzutreffen. Wir müssen zugeben, dass wir uns auch mit ein paar Sachen in Chuy eingedeckt haben, wie z.B. Haarshampoo und verschiedenen DVD's. Brasiliens durchschnittlicher Wohlstand (man wagt es angesichts der Reportagen in Europa über die Armut in Brasilien kaum zu glauben) sei ungemein gestiegen im Vergleich zu seinen Nachbarländern seit 2002 und somit haben die Brasilianer in Südamerika fast die höchste Kaufkraft auf diesem Kontinent. Das gilt natürlich nicht für alle und wir haben auch keine demographische Vermögensverteilung gesehen. Der Umstand jedoch, dass wir um Neujahr herum und im Januar in Argentinien und später hier in Uruguay so viele Brasilianer getroffen haben, die in die "billigen" Nachbarsländer reisen, um Ferien zu machen, scheint diese finanzielle Tendenz zu bekräftigen. Einige der Brasilianer haben uns auch schon vor den hohen Preisen in Brasilien gewarnt, aber bewaffnet mit einem alten Lonely Planet und der blauäugiger Meinung Brasilien sei ein superarmes Land, schenkten wir diesem Umstand keinen Glauben.

Zurück zu unserem Ausflug. Da in La Coronilla und Punta del Diablo keine Bankautomaten vorhanden waren, war unsere einzige Möglichkeit Geld abzuheben in Chuy. In Chuy aber bildete sich eine riesen Schlange vor dem einzigen Bankautomaten in der Stadt auf der uruguayischen Landesseite. Wir hatten zum Glück noch eine andere Möglichkeit um an Pesos heranzukommen, indem wir unseren Dollar in der Wechselstube wechselten. Da das Anstehen vor der Bank nicht unsere Priorität war, wechselten wir unseren Dollar. Mit dem mussten wir die nächsten Tage auskommenJ. Und am Ende hatten wir wirklich nur noch genau ca. CHF 5.- übrig, ähnlich wie dazumal auf unserer Reise zur Isla Grande in Panama, für diejenigen, die sich noch an die Reise erinnern können.

Leider waren die 9 Tage in La Coronilla schneller vorbei als gewünscht. Am letzten Abend luden wir noch Dario und Fernanda zum Abendessen ein und wir bereiteten Pasta mit einer leckeren Sauce vor und als Vorspeise gab es Bruschette. Leider sind die Teigwaren, welche man in den kleinen Supermärkten kaufen kann, nicht immer gerade von bester Qualität, so ist uns an jenem Abend die Pasta leider nicht sehr gelungen. Wenigstens ist uns die Sauce gelungen und somit war das Dilemma nicht all zu gross. Der Abend verlief wie im Fluge und gegen 24.00 machten sich die beiden auf ihren Fahrrädern auf den Heimweg und Roberto und ich fielen nur noch totmüde ins BettJ.

Fazit: Diejenigen die gerade in Urugay Ferien machen und nach Ruhe suchen, ist La Coronilla absolut empfehlenswert. Diejenigen, denen ein Überlauf von Touristen angenehm ist und eine gute Partyzeit haben möchten, ist Punta del Diablo oder das prunkvolle Mar de Plata bestimmt der richtige Ort. Jeder hat andere Präferenzen und unsere war in diesem Fall La Coronilla.

Die Fotos findet Ihr wie immer hier:

Freitag, 4. Januar 2008

Montevideo

Wir sind mit der Turil Busgesellschaft von Colonial de Sacramento nach Montevideo gekommen, da diese die einzigen waren, die nicht gleich mit Kanonen auf uns schossen, als wir das Surfbrett erwähnten. Endlich war ich in dieser Stadt, welche mich schon als Kind fasziniert hatte.

Das Busterminal von Montevideo ist sehr übersichtlich und man kann sehr gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln (Bus) in die Stadt fahren, Taxi ist nicht notwendig. Alles und alle sind sehr relaxt in der Stadt auf den ersten Blick. Niemand flucht, rotzt, pfeift uns nach, versucht Dich anzusprechen und Dir einen Deal anzudrehen, als ob Du den ersten Tag in Südamerika wärst, und alle gehen geordnet ihrer Wege.

Sebnem hatte uns mit grossem Aufwand eine Unterkunft gesucht und gebucht für $20 USD das Doppelzimmer (ohne Frühstück) und zwar im

Hotel Arapey Ltda. Av. Uruguay 925, http://www.arapey.com.uy/

Am darauf folgenden Tag machten wir einen Riesenmarsch Richtung Altstadt, Rambla und dann unten am Hafen vorbei alles dem Ufer des Rio Plata entlang bis zum ersten grösseren Strand, beim grossen Biotop um die Felsen bis hin zu Kilometermarke 7.5 und dann in das Einkaufszentrum J. Alles in allem sind wir sicher mehr als 10km durch die Stadt geschlendert. Montevideo ist entgegen meiner Erwartungen nicht eine unbedingt sehenswerte Stadt. Der Hafen ist nicht sehr interessant und für Touristen abgesperrt, die Altstadt bietet nur wenige interessante Bauten, der Weg entlang dem Ufer ist sehr offen gestaltet aber bei Weitem keine Schönheit. Erwähnenswert ist die botanische Anlage mit grossem Biotop folgend dem ersten Strand in der Stadt vom Hafen her.

Da wir wieder etwas mehr sparen wollten, entschieden wir uns eine Salatschüssel zu kaufen und am Abend uns einen Salat zuzubereiten im Hotelzimmer. Für rund $3.50 USD fanden wir eine grosse Plastikschüssel, welche ihren Zweck auf unserer Reise in Uruguay erfüllen würde.

Den darauf folgenden Tag verbrachten wir am Morgen mit der mühsamen und endlos erscheinenden Suche nach einer Schlafmöglichkeit in Punta del Diablo. Von vielen Leuten als ruhiger und guter Ort zum Surfen empfohlen, wollten wir dort hin fahren. Der eigentliche Ort, wo sich die Creme de la Creme von Südamerika aufhält, inklusive ein paar Hollywood Schauspieler und der Präsident von Angola, wäre natürlich Punta del Este. Das günstigste Angebot für eine Übernachtung dort haben wir mit $50 USD gefunden, welches absolut nicht in unserer Preislage liegt. Etwas Weiteres war noch hinderlich: gemäss Fernsehberichten, Zeitungsberichten und nach einigen erfolglosen Telefonaten stellte sich heraus, dass der Badeort Punte del Este in Uruguay zu 100% ausgebucht ist. Wir dachten zuerst, dass dies ein Witz sei; wie kann ein Ort zu 100% ausgebucht sein. Das geht doch nicht. Die Realität erzählt uns jedoch eine andere Geschichte: Punta del Este war zu 100% ausgebucht, es gab keinen einzigen Schlafplatz mehr. Nun gut, wir wollten ja sowieso nach Punta del Diablo mehr im Norden, wo auch eher Wellen zu finden sind. Nach unzähligen Seitenbesuchen im Internet und einigen Anrufen meinerseits fanden wir heraus, dass Punta del Diablo auch zu 100% ausgebucht war. Das konnte doch nicht sein und wir versuchten dem einen Hostel anzurufen, bei welchem ab dem dritten Tag nach unserer Ankunft noch etwas frei wäre, um eventuell eine Hängematte zu ergattern. Jetzt kommt's: Nachdem ich sagte, dass wir gedenken eine Woche zu bleiben, sagte mir die amerikanische Dame (die kein Wort Spanisch sprach) am anderen Ende des Telefons, dass sie uns folgendes Angebot unterbreiten könne: Sebnem geht in ein Frauendormitorium und ich schlafe auf einer Hängematte. Der Preis: $20 USD für das Dorm und $12 USD wollte sie von mir wenn ich auf der Hängematte schlief. Aber sonst geht's noch? dachten wir uns. Ich wollte alles zuerst mit Sebnem besprechen und sagte der hochnäsigen Frau am Telefon, dass ich sie in spätestens einer halben Stunde zurückrufen würde. Nach 20 Minuten rief ich sie wieder an und da sagte sie mir, dass sie den letzten Platz im Frauendorm schon jemandem anders offeriert hatte. Sie gab mir noch eine Telefonnummer eines weiteren Hostels, welches sie aber nicht empfehlen würde, da es katastrophal sei. Da wir schon ein Busticket nach Punta del Diablo gekauft hatten und uns entschieden hatten, komme was wolle, dorthin zu fahren um ein bisschen Strand, Sonne, Meer und Wellen zu geniessen, rief ich dem Typen an. Und siehe da, er hatte noch Platz, für $10 USD pro Person im Dormitorium; Sebnem im 12-er Damendormitorium und ich im 20-er Herrendormitorium. Über diese Übernachtung und was mit Punta del Diablo los ist, könnt ihr im folgenden Bericht noch ein paar Zeilen lesen.

Den Nachmittag verbrachten wir am grossen Strand von Montevideo, wo praktisch nur Jugendliche mit Bierflaschen in der Hand rumhängen. Was es auch oft zu bestaunen gibt, sind so Selbstdarsteller, die um alles in der Welt versuchen um ihre Gunst zu buhlen, in dem sie sich speziell grässlich kleiden und äusserst interessante Laute von sich geben und dann noch wie Pfaue herumstolzieren. Ich erwarte mehr Tiere dieser Sorte in Brasilien; jaja, die Männerwelt im südlichen Teil Südamerikas ist schon etwas Eigenartiges.

Am nächsten Tag fuhren wir schon los mit dem Bus Richtung dem 4.5 Stunden entfernten und berüchtigen Punta del Diablo.

Hier noch die Bilder von Montevideo:

Mittwoch, 2. Januar 2008

Uruguay: Colonia de Sacramento

Wir haben uns eigentlich kurzerhand entschieden, nach Uruguay zu fahren. Jedoch für mich war es von hoher Bedeutung, da ich schon seit ich ein Kind bin nach Montevideo fahren wollte. Es gibt ein paar Orte, von denen ich schon als Kind gehört oder gelesen hatte und immer einmal hinfahren wollte. Da wir auch etwas Erholung vom immer Umherreisen brauchten und es so aussah, als ob Uruguay ein sehr friedliches Land sein würde (Lonely Planet nennt es zeitweilen auch die Schweiz Südamerikas bezüglich der Qualität, die einem in jeden Lebensbelangen angeboten wird). Wir wollten auch wieder ans Meer, es fehlte uns nach dem Roadtrip wieder, da wir ja da nicht so auf die schönen Strände getroffen waren, die wir uns erwartet hätten und die Temperaturen schienen in Uruguay auch höher zu sein. Im Norden Argentiniens und Westen von Uruguay herrscht im Moment gerade eine Hitzewelle, was mir natürlich keine Wahl mehr lässt.

Um etwas leichter zu reisen, haben wir die notwendigsten Utensilien und Kleider in einen Backpack gestopft und unsere beiden Rucksäcke sowie das Surfbrett noch geschultert und sind so losgezogen.

Das Ticket für die Überfahrt des Rio Platos von Buenos Aires nach Colonia de Sacramento hatten wir schon im Voraus im Internet (http://www.buquebus.com.ar/) gekauft. Achtung, die Seite hat ein ziemlich fatales Sicherheitsrisiko beim Kauf mit der Kreditkarte. Die Session wird eigentlich bis und mit der Eingabe der Kreditkartennummer mit SSL Verschlüsselung durchgeführt. Die E-Tickets werden dann jedoch in PDF angezeigt und per Email verschickt und beinhalten dummerweise die komplette Kreditkartennummer. Da ich mehrere Jahre im Bereich E-Business Security gearbeitet hatte, sind mir die Haare zu Berg gestanden. Aber wir haben ja im Fall der Fälle eine Versicherung. Vielleicht habe ich es schon einmal erwähnt, aber es kann nie schaden. Wir sind bei der Mobiliar mit dem Multirisk Reisepaket versichert gegen alles Mögliche, was unsere Haftpflicht und Krankenversicherung nicht deckt. Wir haben gut einen Monat nach einer optimalen Versicherung für so eine Weltreise gesucht und die Offerte von Mobiliar war mit Abstand die kompletteste bezüglich der Deckung. Wir mussten sie nach dem Karibiktörn von Panama nach Kolumbien ja schon einmal in Anspruch nehmen und es hat alles tadellos funktioniert, etwas was ich von anderen Versicherungen nicht behaupten kann.

Zurück zur Reise nach Uruguay. Die wohl meist verfolgte Route nach Uruguay für Backpacker ist die Wasserroute über den Rio Plata von Buenos Aires aus. Alternativ kann man fliegen oder man fährt mit dem Bus einen riesen Umweg über den Norden Argentiniens nach Uruguay. Wie sicher schon in anderen Berichten erwähnt ist hier in Südamerika Hauptsaison und wir zwei tragen natürlich mit unserer Wenigkeit auch noch ein wenig dazu bei, dass wir dem Klischee einer Massenverschiebung auf diesem Kontinent nachkommen. Und hier gleich eine Warnung: wer im Januar mit dem Boote nach Uruguay möchte sollte sich mindestens zwei Stunden vorher an der Ablegestelle in Puerto Madeiro einfinden. Die Schiffe sind gross (schätze etwa 300 Passagiere inklusive Autos, Lastwagen und Busse) aber die Warteschlangen vor dem Check-In noch grösser. Zum Glück entschieden wir uns sehr früh da hin zu fahren. Es gibt nur einen Ort, wo man mit dem E-Ticket einchecken kann, aber das sagt einem niemand: in der grossen Halle gegenüber der Treppe, welche in die obere Etage und dem Boarding führt. Nach rund einer Stunde Anstehen bildete sich vor der Treppe erneut eine Riesenschlange und wir ahnten Böses. Irgendwie gab es beim Zoll ein Problem und es konnten keine Passagiere mehr abgefertigt werden. 15 Minuten vor dem Ablegen wurden sicher noch 200 Leute durch den Zoll geschleust, die Kontrollen waren äusserst marginal und die Leute, welche die Gepäckstücke scannten schauten schon gar nicht mehr in den Monitor. Apropos Gepäck: Es lohnt sich das Gepäck nicht einzuchecken, denn in Colonia de Sacramento in Uruguay gibt es eine Bande, wo sich dann eine Masse Leute einfindet und wie Aasgeier auf ihre Koffer wartet. Nimmt man seine Koffer persönlich mit, dann läuft man in Colonia auch ziemlich als erster aus dem Terminal. Für diejenigen, welche einen Bustransfer nach Montevideo gebucht haben, lohnt sich diese Option wiederum nicht; ein Check-through gibt es unseres Wissens nicht.

Nach dem Scanner der Koffer kommt man an die Zollstelle, wo sich rund zwei Dutzend emsiger Beamter befinden und die Leute speditiv abarbeiten. Die Idylle ähnelt der Einreise in die Vereinigten Staaten am Flughafen von Miami; es fehlen nur noch die Drogenhunde. Zollformalitäten wie Austritts- und Eintrittsstempel werden vor Ort gemacht; der Pass wird von argentinischer Behörde per Hand an die uruguayanische Behörde gereicht, bezahlen muss man nichts.

Die ganze Überfahrt läuft sehr professionell ab. Man nimmt in einer der zwei unteren Etagen Platz in einem Sessel, der denen eines Flugzeugs sehr nahe kommt. In der oberen Etage sind die Erstklass Passagiere, den Vorteil dieser Plätze war mir nicht ganz imminent. Sobald sich alle gesetzt haben und die Anker gelichtet sind, braust das grosse Schiff davon und in der Mitte öffnen sich die eisernen Gardinen zum Shoppingtempel des onboard duty-free Einkaufsvergnügens. Und wieder einmal verstehen wir das Lamentieren der Argentinier bezüglich der ökonomischen Situation nicht, im Gegenteil, die armen Leute strömen geradezu in die Läden. Für mich die optimale Gelegenheit für einmal nicht in einer Schlange zu stehen und im oberen Deck in der Essecke zwei Riesensandwiches zu organisieren.

Nach rund einer Stunde erreichen wir Colonia de Sacramento in Uruguay, einer kleinen wunderschönen Kolonialstadt aus den Zeiten portugiesischer Hand. Wir konnten kein ausreichend günstiges Hotel im Internet finden und so entschieden wir uns vor Ort zu suchen. Das ist normalerweise auch sonst der Fall, aber in der Hochsaison in Südamerika sollte man schon vorbuchen, denn alle anderen Touristen, welche auch Europa und Amerika kommen, tun dies auch und es sind deren viele. Nach einigem Suchen fanden wir dann eine Unterkunft:

Das Hotel Posada Casa Los Pinos, Washington Barbot 191 esq. General Flores, Telefon: 00598 (52) 31470, http://www.posadacasalospinos.com/, die Nacht zu 30 USD im Doppelzimmer. Im Prinzip ziemliche Abzocke in dieser Stadt, aber so ziemlich das billigste, was man kriegt. Inklusive gratis super langsamen Wifi. Die Eigentümerin ist eine vielgereiste 33 jährige Person, die zusammen mit zwei angestellten den Laden schmeisst.

Am zweiten Tag haben wir uns ein Fahrrad für $5 USD pro Person gemietet und die Stadt (vor allem die wunderschöne Altstadt) erkundet. Es lohnt sich absolut, ein Fahrrad zu mieten in dieser kleinen Stadt. Danach sind wir aus der Stadt hinaus Richtung Strände gefahren und haben uns ein wenig gesonnt.

Natürlich funktionierten die Bankomaten wieder einmal nicht. Ein Inbegriff jedes Reisenden in Südamerika sind nicht funktionierende Bankomaten und ellenlange Menschenschlangen vor den Banken. Obwohl die Internetrevolution sichtlich auch in Südamerika eingeschlagen hat, ist Internet-Banking für die Mehrheit der Bevölkerung vermutlich noch ein Fremdwort. Und das ist auch gut so bei dem Standard der Sicherheit, auf welchen wir bis jetzt im Bereich Technologie getroffen sind. Es lohnt sich auf alle Fälle immer genug (aber nicht zu viel) Geld bei sich zu haben, wenn man gedenkt in etwas abgelegene Orte eines Landes zu fahren. Was man aber sicher immer bei sich haben sollte sind ein paar Dollar, denn die Wechselstuben funktionieren immer und haben auch normale Öffnungszeiten.

Wir entschieden nur zwei Nächte in Colonia de Sacramento zu verweilen, was im Prinzip auch genügt, um das Städtchen zu sehen. Es lohnt sich wirklich diese Stadt zu besuchen, wenn man auf dem Weg nach Montevideo ist. Es werden auch Tagesausflüge aus Buenos Aires und Montevideo angeboten.

Uruguay hat einen klaren geographischen Vorteil gegenüber anderen Ländern in Südamerika: es ist ein relativ kleines Land. Wir kauften uns ein Busticket für die 1.5 Stunden Busfahrt nach Montevideo und am nächsten Tag ging es dann schon los.

Als Badeort ist Colonia de Sacramento eher nicht zu empfehlen, da es halt am Rio Plata liegt und daher das Wasser einfach immer braun ist und dementsprechend "dreckig" scheint. Wer Ruhe sucht, ist hier am perfekten Ort. Die Leute sind äusserst friedlich und sehr hilfsbereit und die Stadt gibt den Eindruck eines kleinen sizilianischen Fischerdorfes. Generell sind die Leute in Uruguay mit einer Ruhe gesegnet, die man selten anderswo auf diesem Kontinent findet; kein Wunder bei nur rund 3.3 Millionen Einwohnern (wovon über die Hälfte in der Hauptstadt Montevideo wohnt).

Unsere Bilder des idyllischen Dörfchens findet ihr hier: