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Freitag, 10. Oktober 2008

Brunei: Bandar Seri Begawan

Der Flug mit der Royal Brunei Airline von Singapore nach Bandar Seri Begawan dauerte gut zwei Stunden. Während des Fluges versuchten wir uns Gedanken darüber zu machen, was uns wohl in Negara Brunei Darussalam (so heisst nämlich das kleine Sultanat offiziell,welches sich auf der Insel Borneo befindet und an Malaysia grenzt) erwarten würde. Es ist das erste Land auf unserer Weltreise, welches sich streng am islamischem Recht und Kultur orientiert und von einem Sultan geführt wird. Das Sultanat von Brunei ist in vier Distrikte eingeteilt, wobei der Distrikt, in welchem sich die Hauptstadt befindet, die grösste Anzahl an Einwohnern (ca. 1/3 der knapp 400'000 Menschen zählenden Bevölkerung) aufweist. Brunei bietet seinen Bürgern kostenlose Gesundheitsvorsorge, gratis Schuldbildung und Universitätsbesuch, entlastet die Bevölkerung vollkommen von Steuerzahlungen und subventioniert das Benzin (ein Liter Diesel kostet 26 Rappen, Benzin mit Oktanwert 97 kostet rund 40 Rappen der Liter) und Importgüter, wie zum Beispiel Autos. Dank des reichlich vorkommenden Erdöls und LPGs in Brunei und der dadurch blühenden Wirtschaft, wird diese Tradition wohl noch lange so andauern, zumindest bis 2018; dann nämlich ist gemäss Forschung Sense mit dem Öl in Brunei. Mitleid muss man mit dem ehemals reichsten Mann der Welt jedoch nicht haben, auch nicht bezüglich des Umstandes, dass sein extravaganter Bruder ihn um ein paar Milliarden erleichtert hat und heute im Exil in London und Paris lebt. Im Juli 1991 wurde das 1-milliardste Barrel Öl befördert. Bei einem durchschnittlich (über den Daumen gemittelt seit 1970) nominalen Brunei Rohölverkaufspreis von USD 30$ pro Barrel (gut 160 Liter) bedeutet das, dass die letzten beiden Sultane in ihrer Amtszeit mindestens 30 Milliarden USD (Billions, wie viele Nichtmathematiker und englisch sprechende Leute oft sagen) eingenommen haben; in Tat und Wahrheit schätzt man das Vermögen des jetzigen Sultans auf gut 40 Milliarden USD ein. Mehr über Erdöl und Preispolitik findet man auf der Erdöl Vereinung Webseite.

Alkohol ist hier strengstens verboten und wird auch nicht über den Ladentisch verkauft. Als Tourist oder als Nicht-Muslim ist es einem erlaubt bei der Einreise in das Sultanat eine gewisse Anzahl an Alkohol (2 Liter) in das Land einzuführen. Dies betraf uns bei der Einreise nicht. In Bandar Seri Begawan erwarteten uns herrliches Wetter, eine neue Kultur und wenige herumirrende Touristen. Wir wussten bei unserer Ankunft sofort, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben, uns ein Ticket nach Brunei zu leisten und diese Seite der Welt kennen zu lernen. Es gibt hier keine Bars, ausser Hotelbars und keine Nachtklubs. Es herrscht schlichtweg tote Hose nach dem letzten Abendgebetsaufruf  der Muezzins und man kann friedlich durch die leeren Strassen schlendern und die wunderschönen Moscheen im nächtlichen Scheinwerferlicht bewundern.






















Was für uns noch speziell war, scheint die Tatsache zu sein, dass die Ziffernbelegung der Tastatureingabe bei den Bankomaten von oben herunter mit der Ziffer 9 beginnt. Ein weiteres Kuriosum ist (zumindest war dies bei unserem Aufenthalt immer der Fall), dass es zwar Ampeln gibt, auf welchen sehr witzige Fussgänger Männchen aufgedruckt hell schimmernd stehen, diese jedoch nie den Zustand von rot auf grün ändern. Der Trick ist schnell gefunden: sobald die Strasse für die Autos rot zeigt, kann man sie überqueren.

In Bandar Seri Begawan wurden wir am Flughafen von einem Mitarbeiter des "Terrace Hotels" abgeholt und ins Hotel gefahren, welches sich in der Nähe des Zentrums befindet. Das Zimmer kostet B$ 75.00 (Deluxe) und bietet seinen Gästen gratis Wifi. Wir fühlten uns sofort wohl im Hotel, ausser der Tatsache, dass alle Zimmer als Raucherzimmer klassifiziert sind oder waren. Als Gast kann man ebenfalls Gebrauch vom Swimmingpool und des Fitnessstudios machen. Wir haben uns in Singapore lange den Kopf darüber zerbrochen, in welchem Hotel wir in Brunei wohl am besten einchecken sollten. Wir entschieden uns für das Terrace Hotel, weil es an einer guten Lage liegt, preisgünstig ist und doch noch einen guten Standard bietet.

Nach einer kurzen Erholung im Hotelzimmer machten wir einen Erkundungslauf durch die Stadt. Wenn man sich Richtung Zentrum begibt, läuft man an der "Omar Ali Saifuddin Moschee" vorbei, welche im Jahre 1958 im Auftrag des 28. Sultans von Brunei, dem Vater des gegenwärtigen Monarchen, erbaut und auch nach ihm benannt wurde. Sie liegt in einer künstlichen hässlichen Lagune und ist eine der meist besuchten Touristenattraktionen. Es ist (per Dekret des Sultans) das grösste Gebäude von Bandar Seri Begawan. Als die islamische Bank von Brunei ihr Gebäude höher als das 52 Meter hohe Minarett baute, mussten sie auf Entscheid des Sultans den obersten Stock wieder abreissen (gemäss Aussage unseres Lonely Planets).


 


Das zeremonielle Steinboot, welches vorgelagert in der Lagune liegt, ist ein Replika eines aus dem 16ten Jahrhundert gebauten "Mahligai" Schiffes. Wir schossen unzählige Fotos von jedem Blickwinkel, da wir die Moschee wunderschön fanden. Neben der Moschee befindet sich ein Teil des "Kampong Ayer" Water Village. Im Water Village leben 30'000 Leute und es besteht aus 28 Wasserdörfern. Ein Labyrinth aus hölzernen Stegen verbindet die hell bemalten Baracken mit Läden, die Dörfer mit Schulen, Kliniken mit  Werkstätten und schwimmende Tankstellen mit der Feuerwehr auf Stelzen. Wollen die in den Wasserdörfern lebenden Leute in die Stadt, müssen sie hierfür in ein Boot steigen bzw. in eines der Wassertaxis.

Am Nachmittag an unserem Ankunftstag entschlossen wir uns spontan, eine einstündige River-Tour für B$ zu machen und fuhren dem "Sungai Brunei" mit einem Motorboot entlang. Unser Guide Ismael war sehr nett und bemühte sich sehr darum, uns als glückliche Kunden zu sehen. Nach ca. 10-15 Minuten Fahrt durch einen Mangrovenwald machten wir Halt, um die "Proboscis Monkeys" (auch bekannt unter "Long Nose Monkey") in ihrem natürlichen Habitat zu beobachten und von ihnen Fotos zu schiessen. Das unverkennbare Merkmal dieser Affen ist ihre Nase. Der Proboscis Monkey ist nur auf der Borneo Insel zu finden, mehrheitlichen in Mangrovenwäldern und Sumpfumgebungen. Leider ist diese Affenart vom Aussterben bedroht. Der Grund dafür ist der Verlust ihres Lebensraumes. 
Wir schauten den herumspielenden Äffchen eine Weile zu und machten uns nach gut 20 Minuten auf den Rückweg in die Stadt. Während der Fahrt dorthin fährt man an der Residenz (Istana Nurul Imam) des Sultans, Hassanal Bolkiah, vorbei. Jedoch sieht man nur die Dächer und das Minarett des Palastes. Der Rest ist gut hinter den Wäldern versteckt. Die Residenz liegt in der Nähe des Brunei Flusses, nur wenige Minuten von der Stadt entfernt und ist die grösste Residenz der Welt (tatsächlich hat der Palast 1788 Zimmer, 257 Badezimmer und 5 Schwimmbäder)! Da wird ja einem bereits nur schwindelig, wenn man sich vorstellen muss, wie viele Leute hier für die Reinigung zuständig sind. Die Residenz des Sultans ist für Normalsterbliche nicht begehbar, jedoch hat man die Möglichkeit, wenn die Ramadanzeit vorbei ist, den Palast während drei Feiertagen zu besuchen und dem Sultan die Hand zu schütteln. Leider sind wir anfangs Oktober nicht mehr in Brunei und verpassen knapp diese einmalige Möglichkeit!

Des Weiteren fuhren wir auf der Rückfahrt durch die Water Villages und erhielten neue Eindrücke der Lebensweise der hier lebenden Leute. Sie haben ihre eigenen Schulen, Moschee, Feuerwehr, Läden und das alles in Häusern auf Stelzen über Wasser.

In den drauffolgenden Tagen besuchten wir unter anderem das "Royal Regalia Building" Museum, schauten uns die verschiedenen gigantischen und prachtvollen Moscheen bei Tag und Nacht an und statteten dem Shoppingmall in Gadong ein Besuch ab.

Das Royal Regalia Building befindet sich in der Nähe unseres Hotels "Terrace", ist von Mo – Fr geöffnet und der Eintritt in das Royal Regalia ist gratis. Zudem ist das Royal Regalia dem aktuellen Sultan gewidmet (es wurde im Jahre 1992 eröffnet) und man findet allerlei Informationen über den 29. Sultan von Brunei und seinen Vorfahren. Es ist erlaubt im Innenraum (beim Eingang) Fotos von den ausgestellten Insignien zu schiessen, jedoch muss man, wenn man sich in die klimatisierten Räume begibt, die Fotoapparate und Mobiltelefone in einem Schliessfach deponieren. Es ist nämlich strengstens verboten in diesen Ausstellungsräumen Fotos zu schiessen. Unter anderem findet man folgendes in diesem Museum zur Schau gestellt: Insignien, welche bei der Krönung des aktuellen Sultans verwendet wurden, Galerie über den Sultan (Kombination von Fotos, Videos, Dokumenten), Geschenke, welche seine Majestät von ausländischen Würdenträgern, privaten Organisationen, Individuellen, etc. erhalten hat und viel Papierkram bezüglich der Konstitution und Korrespondenz mit berühmten Persönlichkeiten. Im Gebäude kann man locker einen halben Tag verbringen, wenn man sich jedes Detail anschauen möchte. Wir schafften es in zwei Stunden und waren von der Grösse des Museums ziemlich beeindruckt.

Verbunden mit dem obigen Museumsbesuch besuchten wir den Palast "Istana Nurul Imam" vom Sultan. Wir schafften es jedoch nur bis zu den Gitterpfosten und versuchten einen Blick auf die grösste Residenz der Welt zu erhaschen. Wir sahen die Residenz ja bereits von der Rivertour aus, jedoch bot sich von hier aus nicht ein besserer Anblick. Wir liefen sodann der Strasse entlang und gelangten in einen Park, von wo man einen besseren Blick auf den Palast hat; wiederum nur auf das Minarett und die Dächer. Nichtsdestotrotz hat uns diese kleine Exkursion gefallen, auch wenn wir den Sultan nicht zu Gesicht bekamen:-)

Natürlich durfte während unseres Aufenthaltes im Sultanat eine Shoppingtour nicht fehlen. Nicht, dass wir etwas eingekauft hätten, aber unter Shoppingtour verstehen wir mehr, mal schauen, was sich hier alles finden lässt. Es gibt einige grosse Einkaufszentren in Brunei, eines von ihnen ist der das berühmte Zentrum "The Mall" in Gadong. Das Einkaufszentrum wirkt von aussen her sehr futuristisch und behaust Souvenirshops, Textilshops, Food Court, Kino, etc. Wir haben einige sehr gute Läden gefunden, mussten uns jedoch mit den Einkäufen zurück halten. Wir haben uns jedoch wieder einmal einen Kinoabend gegönnt und guckten uns fast alleine den neuen Walt Disney Film "Wall-E" an.

Alle oben erwähnten Orte sind ohne Probleme mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Eine detaillierte Liste aller Busse erhält man an der Rezeption des Hotels und kann sich damit bewaffnet selbst an die Sehenswürdigkeiten begeben. Eine Fahrt kostet B$ und für uns hat es sich allemal gelohnt, die Stadt alleine zu erkunden. Eine Halbtagestour mit einer der Tourorganisatoren kommt einem mit mindestens B$30-40 zu stehen (pro Person). Und man muss eingestehen, dass die Stadt sehr klein ist und man sich ohne Probleme selbst mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fortbewegen kann. 

Möchte man jedoch mehr als nur den Distrikt Brunei/Muara (Bandar Seri Begawan) sehen, ist man gezwungen eine Tour zu buchen oder ein Auto zu mieten. Gesagt, getan. Wir mieteten an einem Tag ein Auto für B$ 90.00 in unserem Hotel und fuhren in die Stadt Kuala Belait an die Grenze zu Malaysia. Zuvor machten wir jedoch Halt im "The Empire Hotel & Country Club", ein Luxushotel im Sultanat von Brunei, direkt am Strand am chinesischen Meer gelegen. Wir wollten uns das Prachthotel von Innen anschauen und ein paar Fotos schiessen. Wir fragten an der Rezeption höflich an, ob es möglich sei, ein oder zwei der Zimmer anschauen zu können. Ein Mitarbeiter des Hotels zeigte uns den Weg zu den Zimmern und wir waren natürlich mehr als nur beeindruckt von der Ausstattung. Wir haben uns sodann auf jeden Fall entschlossen drei Nächte im Empire Hotel zu verbringen. Ja, Ihr habt korrekt gelesen:). Wir Weltreisenden sind so frech und leisten uns nach über 14 Monaten "on the road" ein wenig Luxus; nein falsch ausgedrückt, Luxus pur, trifft auf dieses Hotel wohl eher zu. Ob wir uns das leisten können? Wir meinen ja:). In weniger als 6 Wochen sind wir zurück in der Schweiz und wir wollen die restliche Zeit geniessen. Das heisst jetzt natürlich nicht, dass wir die restlichen sechs Wochen nur in solchen Hotels absteigen. Wir buchten also 3 Nächte für den 20-23. September in einem Deluxezimmer für umgerechnet ca. CHF 185.00 / pro Nacht inkl. Frühstück. Wenn man die Preise der Fünfsternehotels in dieser Kategorie vergleicht ist der Preis doch ziemlich fair. Einige, vor allem unsere Eltern, werden uns wohl jetzt nicht unbedingt zustimmen. Wir können aber wirklich alle beruhigen: wir werden nicht auf der Strasse leben müssen, wenn wir in der Schweiz sind. Soviel zum Finanziellen:).
Zurück zu unserem eintägigen Roadtrip durch Brunei. In Kuala Belait, am anderen Ende von Brunei, schauten wir uns mehrheitlich die Strände an, welche hier in der Gegend eher als Dreckstrände durchgehen können. Per Zufall entdeckten wir am Strand hoch in den Palmen einige Hornbills (eine Vogelart) und versuchten natürlich von diesen einige Schnappschüsse zu machen. 


Das Meer ist hier in der Gegend sehr dreckig, wohl aus dem Grund, dass sich in diesem Distrikt die Öl- und Gasindustrie befindet. Brunei Shell hat hier einige Betriebsanlagen und unterstützt die Gas- und Öl-Produktion. Der Hauptsitz befindet sich in der Nähe von Seria, nur ca. 18km von Kuala Belait entfernt. In Seria und Umgebung findet man zig Bohrlöcher für die Touristen zur Schau ausgestellt. Es gibt in Seria ebenfalls ein Discovery Museum bezüglich der Gas- und Ölproduktion, leider schafften wir es zeitlich nicht, im Musuem vorbeizuschauen. Wir schauten uns aber das "Billionth Barrel Monument" von Nahem an, das Wahrzeichen der Ölindustrie in Brunei. Das Monument symbolisiert den Fluss des Rohöls vom Grund des Bodens bis zur Oberfläche.

Nach unserem kurzen Aufenthalt in Seria entschieden wir uns wieder zurück nach Bandar Seri Begawan zu fahren, da es bereits spät Nachmittag war. Wir hatten einiges mehr an sehenswürdigen Orten auf unserer Liste; jedoch schafften wir es leider nicht – aus zeitlichen Gründen – den Süden von Brunei mit dem Auto zu entdecken. Wir wären gerne in den Dschungel gefahren, um einen Lokalen zu suchen, der uns mit seinem Boot den Fluss entlang gefahren hätte.

Wir schauten am Abend – wie oben erwähnt – die zwei Moscheen "Omar Ali Saifuddin" und "Jame'Asr Hassanil Bolkiah" bei Dunkelheit von aussen an und versuchten die leuchtenden Moscheen zu fotografieren, was nicht so ein leichtes Unterfangen ist. Zum Glück hatten wir ein Stativ dabei. Da wir das Auto am drauffolgenden Morgen auch noch zur Verfügung hatten, besuchten wir kurzerhand den Strand bei Muara und stellten fest, dass das Wasser hier nicht so dreckig wie im Westen ist, aber trotzdem nicht einladend zum heiteren Badespass.

Das Auto mieteten wir übrigens bei Efno, der für die "Phils SDN BHD" arbeitet. Wir sind aus Efno und seinen Geschichten bzw. Erzählungen nicht schlau geworden. An einem Abend trafen wir ihn am Abend zum Billardspielen in der Lobby unseres Hotels. Er ist immer schnell abgelenkt und sein Mobiltelefon läutet ununterbrochen. Er äusserte uns gegenüber, dass er sich später mit einem der Söhne des Sultans zum Shisha Rauchen treffen werde. Er kenne die gesamte Familie des Sultans und sei ein gern gesehener Bekannter. Ob man diesen Aussagen glauben schenken kann, ist jedem selber überlassen. Er bot uns am Tag unserer Abreise an uns den Bootshafen zu fahren (ca. 20km von der Stadt entfernt), von wo man eines der Passagierschiffe auf die malaysische Seite von Borneo buchen kann. Wir vereinbarten einen Termin frühmorgens für den 13. September und siehe da, Efno stand pünktlich um Uhr vor unserem Hotel. Ein Tipp für diejenigen, die sich in Brunei ein Auto mieten wollen: Die oben erwähnte Autovermietung (aber man muss sich mit dem berühmten Efno in Kontakt setzen) vermietet Autos bereits am B$ 60.00/Tag. Bucht man also über ein Hotel – wie wir es getan haben – so zahlt man gleich das Doppelte. Autos sind von Budgetklasse bis Luxuskarren erhältlich.

Auf jeden Fall sind wir pünktlich am Hafen angekommen und sind direkt in die Fähre nach Labuan, Malaysia, eingestiegen (Dauer: gut 1 ½ Stunden). Von Labuan aus muss man dann noch eine weitere Fähre nehmen, um nach Kuna Kitabalu zu gelangen. Wenigstens war in Brunei wie auch in Malaysia alles sehr organisiert und wir hatten überhaupt keine Probleme mit den Verbindungen oder unserem Gepäck.

Brunei Darussalam: Bandar Seri Begawan

Montag, 15. September 2008

Malaysia Sabah: Kota Kinabalu

Wie im vorgehenden Reisebericht von Brunei erwähnt, landeten wir auf dem Seeweg auf der malaysischen Küste Kota Kinabalu in Sabah. Vom Hafen aus sind es wenige Gehminuten in das Zentrum des Städtchens. Kota Kinabalu ist überhäuft mit Touragenturen, Hostels, unendlich vielen Foodcourts und ist der Ausgangspunkt der meisten Touristen für ein bisschen Abendteuer in Sabah. 


Die Nummer 1. Top-Touristenattraktion ist die Besteigung des 4095 Meter hohen Mt. Kinabalu, der höchste Berg zwischen dem Himalaya-Gebiet und Neu Guinea. Die Nummer 2. Top-Attraktion ist das Orang-Utan Rehabilitationszentrum in Sepilok, gute 40 Flugminuten von Kota Kinabalu entfernt. Andere beliebte Ziele vieler Touristen sind: Tauchen auf Sipadan (einer der Top 10 Tauchorte weltweit), mehrtägige Dschungeltrekking-Touren und River-Safaritouren entlang des 560 km langen Kinabatangan Flusses.  

Wir verbrachten drei Tage in Kota Kinabalu und besuchten an einem der Tage die "Sulug Insel", welche in nur 45 Minuten vom Hafen aus zu erreichen ist. Die Sulug Insel ist nebst den Inseln Gaya, Sapi, Manukan und Mamutik Teil des Tunku Abdul Rahman Nationalparkes. Tickets für eine die Inselbesuche kann man am Ferry-Terminal für RM 18.00/Person kaufen und diese sind ebenfalls gültig für die Rückfahrt. Man gibt dann normalerweise an, zu welcher Uhrzeit man gerne von der Insel wieder abgeholt werden möchte (in stündlichen Abständen zwischen Mittagszeit und Uhr möglich) und registriert sich hierfür in einem entsprechenden Notizbuch. Zusätzlich kommen dann noch RM für Hafenterminalgebühren hinzu.

Wenn man schon beim Geldausgeben ist, wird man auf den Inseln noch aufgefordert RM zu bezahlen; sozusagen die Nationalparkgebühr. Das Speedboot, welches uns auf die Insel transportierte lud zuerst die anderen Passagiere auf denen von ihnen ausgesuchten Inseln ab und fuhr uns zur Sulug Insel. Wir strahlten über beide Ohren, als wir die traumhaft schöne Insel mit ihren weissen Sandstränden vor uns hatten. Wir konnten nur drei weitere Touristen auf der Insel erblicken und waren den ganzen Tag ungestört auf der Insel und zeitweise waren wir die zwei einzigen verlorenen Seelen auf der Sulug Insel. Einfach traumhaft! 

 
Ehrlich gesagt, konnten wir es nicht verstehen, wieso praktisch keine Leute auf der Insel zu sehen waren. Meistens sind solche Flecken von Sonnenanbetern überfüllt; so freuten wir uns natürlich umso mehr über unsere Entscheidung diese Insel zu besuchen. Die anderen Inseln des Nationalparks haben wir nicht besucht, aber von weitem aus sehen auch deren Strände sehr einladend aus. Wir verbrachten den Tag mit Schnorcheln, im Wasser herumplauschend und uns sonnend.  Es war einfach ein perfekter Tag bis …. Ja, es hat einen Haken bei dieser Sache. Wir wurden nämlich attackiert! Nach den Sagen der Einwohner, wird die Insel von einem Geist beherrscht und aus diesem Grund werde sie von den Lokalen vermieden. Gemäss den Aussagen einiger Leute im Dorf, lebt auf der Insel ein bösartiger Geist, der es der Bevölkerung verunmöglicht, sich dort nieder zu lassen. Mehrere Male versuchten Leute dort ein Ferienressort zu bauen, ähnlich zu den anderen Inseln, aber die Häuser wurden immer wieder vom Geist zerstört; tatsächlich findet man Überbleibsel zweier Häuser, welche man anfing zu bauen, aber die Defekte weisen eher darauf hin, dass man schlecht und mit schlechten Materialien gebaut hat, als dass ein Geist sein Unwesen treibt.  Man kann die Geschichte mit dem Geist glauben oder nicht, aber Tatsache ist, dass die Sulug Insel von Sandfliegen beherrscht wird. Nicht nur ein paar wenige Sandfliegen, sondern zig Hunderte. Da mir die Sandfliegen von Neuseeland anders und grösser in Erinnerung waren, dachte ich mir bei diesen super winzigen Fliegen vorerst nichts dabei und genoss den unbezahlbaren Ausblick. Als sich aber die Anzahl dieser kleinen Monster vergrösserte und sie mich umrundeten, hatte ich keine andere Option als ins Wasser zu gehen. Den Rest des Nachmittags verbrachten wir sodann gezwungen im Wasser, da die Viecher auf dem Land einfach nicht losliessen. Anfangs war es ja noch lustig, Katz-und-Maus zu spielen, aber wenn man noch 3 Stunden auf der Insel auszuharren hat, dann fängt die ganze Sache an einem ganz schön auf die Nerven zu gehen. Fazit war: Wir wurden mehr oder weniger pünktlich um 17.15 Uhr abgeholt und waren mit Stichen der Sandfliegen übersäht. Was anfangs harmlos auszuschauen schien, entwickelte sich über die nächsten Tage zu einer riesen grossen Last. Mehrere Tage lang juckte es uns am ganzen Körper und die Stiche sind nach nun gut 6 Tagen – in Zeichen von roten pickelähnlichen Punkten – immer noch gut zu sehen. Ohne übertreiben zu wollen, hörten wir bei mir nach 80 Stichen auf zu zählen. Betroffen sind vor allem der Rücken und die Beine.  

Ich bin mir bewusst, dass dieses Dilemma unsere Schuld ist und wir natürlich auch ausreichend Insektenspray hätten mitnehmen müssen. Aber ich frage mich, wieso uns niemand davor gewarnt hat (dann hätten wir uns die Insel nur für eine Stunde angeschaut). Später auf unserer Durchreise haben wir ein holländisches Pärchen kennen gelernt, die dasselbe durchgemacht haben mit den Sandflies, jedoch beim Besuch auf einer der anderen Inseln. Bei so vielen Besuchern pro Tag auf einem der Inseln würde mich die Endstatistik doch sehr wundernehmen :). Mich bringen auf jeden Fall keine 10 Pferde zurück auf die Insel :). Wir haben uns am gleichen Abend noch über die Sandflies im Internet informiert und gelesen, dass je nach Hauttyp die Stiche nach 1 ½ - 2 Wochen abschwellen und man im schlimmsten Falle eine Hautkrankheit davon tragen kann (siehe Wikipedia-Artikel über die Leishmaniasis-Krankheit). Glücklicherweise betrifft uns das nicht. Einer der Gründe, weshalb ein Flecken Land viele Mücken oder Sandfliegen besitzt, ist der Grad der Verschmutzung der dort lebenden Zivilisation. Auf der Insel selbst gibt es bei den heruntergekommenen Hütten Richtung Urwald einige Abfallberge, welche mit Gestrüpp überwachsen sind. Viele Lokale kommen morgens und zu dieser Insel, um ungestört zu fischen und einige Lokale kommen auch auf die Insel, um ein Bier zu trinken und etwas Junkfood zu essen; jeglicher Abfall wird dann hier entsorgt. Glücklicherweise ist die Insel sehr klein und alles, was am Strand entledigt wird, wir meistens von den Wogen weggeschwemmt. Dies bietet ein perfekter Ort für Sandfliegen Bruten.

Genug über die Sandflies gelästert; so oder so, versuchen wir immer das Beste aus einer Situation zu machen und so auch in diesem Fall. Da ein längerer Aufenthalt in Kota Kinabalu uns nicht sehr reizvoll erschien, schmiedeten wir Pläne für die restlichen fünf Tage in Sabah. Auch auf diesem Flecken der Welt gibt es Tourangebote für das Budget-Portemonnaie sowie die Luxusfreaks. Wir liebäugelten mit einer River-Safaritour entlang des Kinabatangan River, welche als Package für 3T/2N gebucht werden kann. Nach dem Vergleichen diversen Offerten von Tourgesellschaften kann man sehr wohl behaupten, dass alle Touren die gleichen Aktivitäten beinhalten und alle dasselbe Tourangebot offerieren. Im Internet fanden wir die Nasalis Larvatus Tours, welche ebenfalls eine Lodge am Kinabatangan River führt und Rivertouren anbietet. Eine 3D/2N Package beinhaltet 2 Nächte in deren Lodge, Morgen- und Mittagsafaritouren, Nachtrekkingtouren, Dschungeltrekking & alle drei Mahlzeiten für einen Preis von ca. CHF 150.00/Person.

Ebenfalls fanden wir eine andere Tourgesellschaft, die ABC Tours, welche uns einen sehr professionellen Eindruck machte und von einer Italienerin geführt wird. Sie sind für Reisen in ganz Borneo spezialisiert und erarbeiten die Touren nach Wunsch des Klienten (auch Privattouren). Leider war uns für diese Art von Reisen das Budget zu kurz. Wenn man sich z.B. auf das Fotografieren beschränken möchte, so stellt einem die ABC Tours einen Tourguide zur Verfügung, der auf die Wünsche eines Fotografen einzugehen weiss und nicht die typischen Touristenwege durchgeht; zusätzlich organisieren sie einem alle Erlaubnisse für Fotographie und Video. Hätten wir unsere Weltreise in Asien gestartet wären wir zu 99% auf das Angebot eingestiegen und hätten mehrere Teile Borneos erkundet, wie z. B. Kalimantan.

Wir entschieden uns für das Tourangebot der Nasalis Larvatus Tours und mussten nur noch unseren Transport bis nach Sandakan organisieren. Es ist kein Problem einen Bus nach Sandakan zu nehmen, gemäss Auskunft der Lokalen dauere diese Fahrt gut 6 Stunden. Was aber genau 6 Stunden heisst, kann hier in Asien ohne Probleme mit 8 oder 10 Stunden Fahrt verbunden werden. Da wir nur 2 Wochen in ganz Borneo eingeplant haben entschieden wir nach Sandakan zu fliegen, um uns damit Zeit zu ersparen. Andererseits würde man fast 2 Tage für irgendwelche sonstige Aktivitäten verlieren. Den Flug buchten wir mit der Asia Air, eine Billigfluglinie in Asien. Somit waren unsere nächsten Tage in Sabah organisiert und wir mussten nur noch zum angegebenen Zeitpunkt am entsprechenden Ort sein:). Mehr über unsere Safari-Rivertour findet ihr im nächsten Bericht.

In Kota Kinabalu selbst logierten wir im Summer Lodge Hostel (Tel: +60 88 244499) für RM 65.00 / Nacht (entspricht ca. CHF 22.00). Im Preis inbegriffen sind Frühstück und gratis Internet (und Wifi). Das Hostel liegt inmitten des Zentrums; leider ist es aber ziemlich laut in den Zimmern, da sich neben und vor dem Hostel einige Bars befinden, wo Live-Music bis spät in den Abend gespielt wird. Bezüglich des Essens ist man in Kota Kinabalu sehr gut aufgehoben. Man kann sehr günstig und gut essen; man muss nur ein Auge offen halten und sich umschauen, wo die Lokalen ihre Mahlzeit einnehmen. So kann man sich den Bauch beim Inder bereits für CHF voll schlagen. Wir lieben indisches Essen und haben uns in Kota Kinabalu einige Male mit "Capati" und verschiedenen Currysorten voll gestopft :). Es gibt auch diverse Märkte inmitten der Stadt, wo man sich mit Noodles, Curry Puffs, etc. eindecken kann (für weniger als CHF 1.00). Möchte man zum Beispiel nach langem Reisen wieder mit authentischen italienischen Essen belohnt werden, schaut man am Besten beim "Little Italia" Restaurant vorbei. Hier bekommt man sehr schmackhafte Pizzas, Pastas & typische italienische Vorspeisen. Die Preise sind hier höher angepriesen, aber für europäische Verhältnisse dennoch billig.

Am Tage unserer Ankunft in Kota Kinabalu, also am 13. September 2008, fand zudem das "Mooncake Festival" der Chinesen statt (direkt vor unserem Hostel). Löwentänze, Live Entertainment (tänzerisch und musikalisch) wurden zu diesem Anlass mehrheitlich von der jüngeren Generation vorgeführt. Soviel ich gelesen habe, spielte der Mooncake im 14ten Jahrhundert eine entscheidende Rolle in der Geschichte Chinas im Zusammenhang mit den Kämpfen gegen die Mongolen.

Am 16. September flogen wir dann los in den Süden der Sabah Provinz Richtung Sandakan, wo wir uns für ein paar Tage einer Gruppe anschliessen würden, um den sekundären Dschungel zu beobachten. Da wir uns ja entschieden hatten, mit einer Billigairline zu fliegen, wurden wir auch damit belohnt, als wir am Flughafen ankamen: Unzählige verwirrte Leute und es herrscht Bazarstimmung. Wir erwischten unseren Flug dennoch und merkten schon beim Einchecken, dass wir wohl nicht wirklich die einzigen sein würden, welche sich für eine der Dutzenden von Camps in unmittelbarer Nähe am gleichen Fluss entschieden hatten. Wir waren uns das ja auch gewohnt.

Natürlich wie immer, hier die Fotos von Kota Kinabalu und unserem Ausflug auf die wunderschöne und verhexte Sulug Insel: 

Malaysia: Sabah Kota Kinabalu